Poljanskoje (; , ist eine Siedlung im Rajon Krasnosnamensk in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie setzt(e) sich aus drei ehemals eigenständigen Ortschaften zusammen und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk. Das ehemalige Königshuld/Friedrichsweiler ist verlassen.

Geographische Lage Poljanskoje liegt im Nordosten der Oblast, inmitten von Kiefernwäldern (historisch Uschballener Forst) gut sechs Kilometer westlich von der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg), im Gebiet zwischen den Flüssen Scheschuppe und Instrutsch (Inster). Mitten durch die Siedlung, die am Flüsschen Tschornaja (deutsch Ballup) liegt, verläuft die Regionalstraße 27A-025 (ex R508). Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Ortsname Der russische Name ist von poljana, Lichtung abgeleitet und bezieht sich auf die Lage in dem Waldgebiet.

Geschichte Uszballen (Lindnershorst) mini|Die Landgemeinde Uszballen auf einem Messtischblatt von 1927 Das direkt an der heutigen Regionalstraße 27A-025 gelegene ehemalige Uszballen, das zunächst auch mit Nebuttkehmen bezeichnet wurde, war im 18. Jahrhundert ein kölmisches Dorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 173. 1874 wurde die Landgemeinde Uszballen dem neu gebildeten Amtsbezirk Tuppen im Kreis Pillkallen zugeordnet.Rolf Jehke, Amtsbezirk Tuppen Der Ort erhielt den Zusatz Kirchspiel Lasdehnen zur Unterscheidung vom ebenfalls im Kreis Pillkallen gelegenen Uszballen im Kirchspiel Pillkallen. Um 1890 wurde Uszballen Sitz einer Oberförsterei. 1929 wurde die Försterei Kallwellen () in die Landgemeinde Uszballen eingegliedert. 1936 wurde die Schreibweise des Ortsnamens in Uschballen geändert und 1938 wurde der Ort in Lindnershorst umbenannt.

1945 kam der Ort in Folge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 62 1871 78 In der Försterei Kallwellen zusätzlich 11 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 69 In der Försterei Kallwellen zusätzlich 11 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 92 In der Försterei Kallwellen zusätzlich 11 1910 89In der Quelle wurden offenbar die Zahlen der beiden Uszballen vertauscht. 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 82 1939 77

Ballupönen (Ballen)

mini|Die Landgemeinde Ballupönen auf einem Messtischblatt von 1927 Ballupönen, im Norden von Uszballen gelegen, war im 18. Jahrhundert ein Schatulldorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 9. Der Ortsname bedeutet „Sumpf am Fluss“. Wie Uszballen gehörte auch die Landgemeinde Ballupönen seit 1874 zum Amtsbezirk Tuppen. Um 1900 sprach in Ballupönen noch fast die Hälfte der Bevölkerung litauisch. 1929 wurde die Försterei Beinigkehmen ()Dieser nach 1938 mit Försterei Ballen oder Försterei Beinicken bezeichnete Ort gehörte nach 1945 zu Dolgoje (Beinigkehmen) und wurde in den Jahren 2007/2008 zwecks Ziegelverkauf abgerissen, s. Beinigkehmen eingemeindet. 1938 wurde Ballupönen in Ballen umbenannt. Die Gemeindefläche betrug 514 ha, letzter deutscher Bürgermeister war Otto Sokat. Es gab eine einklassige Schule, die auch von den Kindern des benachbarten Uszballen/Lindnershorst besucht wurde.

Ballen wurde am 12. Oktober 1944 um 13 Uhr von sämtlichen Einwohnern geräumt, der Treck ging nach Pregelswalde (heute Saretschje) bei Tapiau (Gwardeisk). Durch Kriegseinwirkungen sind 20 Personen gestorben oder werden vermisst. 1945 kam das Dorf zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 82 1871 98 1885 80 1905 93 1910 104 1933 106 1939 96

Königshuld (Friedrichsweiler)

mini|Die Landgemeinde Königshuld auf einem Messtischblatt von 1927 Im Jahr 1768 wurde dem Generalmajor David Fritz von Lossow von Friedrich dem Großen das Torfmoor Kackscher Ball, auch Kacksche Balis genannt, durch Erbverschreibung verliehen. Die ringsherum dem Moor (offiziell nun Torfmoor Königshuld genannt, heute russisch: Boloto Welikoje) abgerungenen Ländereien erhielten den Namen Königshuld(t). Der östliche Bereich des Moores gehörte seit 1818 zum Kreis Pillkallen und der dortige Anteil von Königshuld bestand als ehemaliges Gut, das 1801 in Konkurs gegangen war, weiterhin als Forstkolonie. 1873 wurde diese in eine Landgemeinde umgewandelt, die wie Uszballen und Ballupönen seit 1874 zum Amtsbezirk Tuppen gehörte. Im Zuge der vielen Umbenennungen von Orten in Ostpreußen im Jahr 1938 erhielt auch Königshuld den neuen Namen Friedrichsweiler. Dieser Name, der sich offensichtlich auf Friedrich den Großen bezog, sollte wohl der besseren Unterscheidbarkeit von den beiden an der Westseite des Moores im Landkreis Tilsit-Ragnit gelegenen Landgemeinden Königshuld I und Königshuld II dienen.

Auch dieser Ort kam 1945 zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 138 1871 104 1885 108 1905 102 1910 77 1933 80 1939 71

Poljanskoje mini|Friedhof Ballupönen (2006) Im Jahr 1947 erhielt der Ort Uszballen/Lindnershorst die russische Bezeichnung Poljanskoje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Podgorodnenski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) In der Folge wurde auch die Orte Ballupönen/Ballen und Königshuld/Friedrichsweiler zu Poljanskoje gezählt, ebenso die ehemalige Försterei Kallwellen/Lindnershorst.Gemäß dem 1976 in Kaliningrad erschienenen russisch-deutschen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. - Калининград: Калининградское книжное издательство, 1976 Später gelangte Poljanskoje in den Timofejewski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 60 2002Allrussische Volkszählung von 2002 52 2010Allrussische Volkszählung von 2010 57 2021Allrussische Volkszählung von 2021 49

Kirche In allen drei Dörfern war die Bevölkerung vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Sie waren mit in das weitflächige Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg, heute russisch: Krasnosnamensk) eingepfarrt, die zum Kirchenkreis Pillkallen (ab 1938: Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute ist die nächste evangelische Gemeinde die in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938–46 Lesgewangen). Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Literatur Hermann Müller: Die Kolonie Königshuld an der Kak’schen Balis. Die Geschichte einer ostpreußischen Moorsiedlung, in Altpreußische Forschungen, Band 5, 1928, S. 317–327.

Weblinks Uszballen (Ksp. Lasdehnen) bei wiki.genealogy.net Ballupönen (Kreis Pillkallen) bei wiki.genealogy.net Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Lindnershorst Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Ballen

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk