Die Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 (, , Bitva pod Austerlitsem), auch bekannt als die Dreikaiserschlacht, war einer der bedeutendsten und strategisch brillantesten Siege Napoleons. In der Nähe des heutigen Slavkov u Brna in Tschechien besiegte die Grande Armée mit rund 73.000 Mann die zahlenmäßig überlegene alliierte 85.000 Mann starke österreichisch-russische Armee unter der Führung von Zar Alexander I. und Kaiser Franz II. Die Niederlage und der kurz darauf geschlossene Friede von Pressburg stärkten Napoleons Vormachtstellung in Europa und trugen zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches bei.

Vorgeschichte Nach der Kapitulation der Österreicher bei Ulm hatte Napoleon seinen Truppen den Befehl gegeben, rasch auf Wien, die österreichische Hauptstadt, zu marschieren. Im November 1805 hatte die französische Grande Armée mit etwa 200.000 Mann die österreichische Grenze überschritten und rückte entlang der Donau vor, wobei sie wichtige Städte einnahm und strategische Brücken sicherte.Horne: 1979, S. 117 ff. Die Österreicher hatten sich zurückgezogen, um sich neu zu formieren und sich den vorrückenden russischen Truppen unter General Michail Kutusow anzuschließen. Der österreichische Rückzug machte Wien verwundbar, und am 13. November 1805 drangen die Franzosen ohne Widerstand in die Stadt ein. Napoleon beschlagnahmte die Ressourcen Wiens, darunter das Arsenal und die Vorräte, um seine Armee zu verstärken.Chandler: 1966, S. 407. Kutusow versuchte, eine direkte Konfrontation mit Napoleon zu vermeiden, bis Verstärkung eintraf. Die Russen zogen sich in Richtung Mähren zurück, wobei sie sich mehrere Gefechte mit den Franzosen bei Dürnstein (11. November) und Schöngrabern (16. November) lieferten. Am 18. November erreichte Kutusow Wischau, wo er sich mit dem Korps von Friedrich von Buxhoeveden und den Österreichern unter Johann von Liechtenstein vereinigte.Goetz: 2005, S. 77, 83, 85.

Schlacht Wetter Vor der Schlacht betrug die Temperatur zwischen 1 und 2,5 Grad Celsius. Am Abend des 1. Dezember 1805 wandelte sich das bewölkt-bedeckte Wetter zu einer wolkenlosen Nacht. Am 2. Dezember herrschte dichter Bodennebel, der erst am Morgen der Sonne von Austerlitz wich. Die Temperatur betrug während der Schlacht ca. 5 Grad, der Himmel am Nachmittag war bewölkt mit zeitweiligem Regen. Der Historiker Uhlíř hat folgende meteorologischen Daten für die Stadt Brünn zusammengetragen:Uhlíř 2005, S. 89.

Datum ds. Temp. Wind Wetter29.11. 1,1 °C schwach Regen, Nebel30.11. 2,0 °C schwach Schneefall1.12. 2,5 °C mittel Nebel2.12. 5,2 °C schwach Nebel, Regen3.12. 2,5 °C schwach Schneeregen

mini|Vorabend bei Austerlitz, Gemälde von Louis-François Lejeune

Schlachtplan Alliierte mini|Die alliierten (rot) und französischen Truppen (blau) um 18 Uhr am 1. Dezember 1805.

Am Abend des 1. Dezember erreichten 85.400 alliierte Soldaten und 278 Geschütze das Feld. Nach ihrer Ankunft hatten der Zar und der österreichische Kaiser, die ihr gemeinsames Hauptquartier im Dorf Krenowitz eingerichtet hatten, den ganzen Nachmittag des 1. Dezember über das weitere Vorgehen beraten. Während Kaiser Franz I. weiterhin zur Vorsicht riet, verlangte Zar Alexander I., bestärkt durch Fürst Dolgorukow und andere Adlige, sofortiges Handeln. Unterstützt durch den österreichischen Generalstabschef Franz von Weyrother konnte sich Alexander I. durchsetzen. Zur Umsetzung des Plans teilte Weyrother die alliierte Armee in 7 Abteilungen. Die 1. und 2. Kolonne (Friedrich von Buxhoeveden) bildete den linken Flügel. Die 4. und 5. Kolonne (Johann I. Josef Fürst von Liechtenstein) bildeten das Zentrum und die 3. Kolonne (Pjotr Iwanowitsch Bagration) den rechten Flügel. Buxhowden sollte den Hauptangriff leiten. Angeführt von Feldmarschallleutnant (FML) Michael von Kienmayers Vorhut sollten die 13.600 Mann der 1. Kolonne von Generalleutnant Dmitri Sergejewitsch Dochturow das Dorf Tellnitz einnehmen, nach Norden schwenken, um sich der 2. Kolonne (11.700 Mann) unter Generalleutnant Alexandre Andrault de Langeron anzuschließen, und gemeinsam den Goldbach überqueren.

Vor der Vereinigung mit Dochturow sollte Langeron zusammen mit der 3. Kolonne (10.000 Mann) von Przybyszewskis Zokolnitz einnehmen. Nach der Überquerung des Flusses sollten alle drei einen entschlossenen Angriff gegen das französische Zentrum starten, das zu diesem Zeitpunkt vermutlich eine neue Front von Puntowitz bis Turas halten würde. Zur gleichen Zeit sollte die 4. Kolonne (23.900 Mann) unter Feldzeugmeister Kollowrath und Generalleutnant Miloradovitch nach einem direkten Vorstoß von der Pratzener Höhe aus einen Frontalangriff in den Rücken der französischen Kampflinie, die im Angelpunkt bei Puntowitz stand, unternehmen. In der Zwischenzeit sollte Bagration mit 13.000 Mann einen zweiten Angriff gegen Napoleons linke Flanke entlang der Straße Olmütz-Brünn durchführen, um die dort stationierten französischen Truppen während der entscheidenden Manöver im Süden zu binden. Als Reserve befand sich hinter dem Zentrum die russische kaiserliche Garde (10.000 Mann) unter Großfürst Konstantin.Chandler: 1966, S. 415 f.

Franzosen Napoleons Plan sah vor, dass die Korps von Soult und Lannes zusammen mit Murat – insgesamt etwa 53.000 Mann – in Richtung Brünn und Wischau vorstoßen und durch Besetzung der Stadt Austerlitz und der benachbarten Pratzener Höhen die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich zu ziehen. Napoleon spekulierte darauf, dass die Alliierten mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit versucht sein würden, sich auf eine Schlacht einzulassen, bei der die Chancen fast zwei zu eins zu ihren Gunsten standen. Sobald der Feind den Köder geschluckt hatte, sollten die Korps von Bernadotte und Davout von Iglau bzw. Wien aus vorrücken, um seine Truppen für die eigentliche Schlacht auf eine Stärke von 75.000 Mann aufzustocken und so die Chancen auf ein vernünftigeres Verhältnis zu reduzieren.Chandler: 1966, S. 410.

Napoleon hatte seinen Plan bereits am Vorabend, am 1. Dezember 1805 um 20:30 Uhr, seinen Generälen übermittelt. Auf seinem linken Flügel befand sich das V. Korps (Lannes), das mit den Divisionen von General Caffarelli und Suchet die Straße von Olmütz besetzen sollte. Napoleon stellte ihm außerdem die Kavallerie von Murat zur Verfügung, bestehend aus den Kürassieren der Generäle d'Hautpoul und Nansouty, den Dragonern der Generale Walther und Beaumont und den Jägern der Generale Milhaud und Kellermann. Im Zentrum, hinter dem Goldbach, stand das IV. Korps (Soult), das mit den Divisionen von Vandamme und St. Hilaire den Bach bei den Dörfern Girzikowitz und Puntowitz überqueren und die Hochebene von Pratzen in Besitz nehmen sollte. Etwas weiter dahinter platzierte Napoleon die dritte Division von General Legrand. Etwa 2,5 km entfernt, bei Groß Raigern befand sich die Division von General Friant. Die Reserve bildete das I. Korps (Bernadotte), die kaiserliche Garde sowie die Division von General Oudinot. Auf diese Weise stand eine Masse von 25.000 Mann bereit, um sich an jeden Punkt zu begeben, an dem sie gebraucht wurde.Thiers: 1893, S. 63.

Verlauf der Schlacht mini|Die Situation um 9 Uhr am 2. Dezember 1805 mini|Die Situation um 14 Uhr am 2. Dezember 1805

→ Liste der Einheiten der französischen Armee in der Schlacht bei Austerlitz

Süden Um 07:00 Uhr morgens hatte die Vorhut von General Kienmayer mit dem Angriff auf das Dorf Telnitz begonnen. Das Dorf wurde vom 3. Linieninfanterieregiment und einem Bataillon der korsischen Jäger verteidigt, die durch die Beschaffenheit des Geländes nicht zu sehen waren. Die Franzosen konnten mehrere Angriffe abwehren, doch als um 08:00 Uhr die 1. Kolonne (Dochturow) eintraf, zogen sie sich zurück. Nach der Überquerung des Goldbachs warf Kienmayer seine vierzehn Schwadronen in die Ebene hinter Telnitz gegen die leichte Kavallerie von General Margaron. Margaron hielt mehreren Angriffen stand, konnte sich aber gegen eine solche Masse an Kavallerie nicht behaupten. Da die Division von Friant unter der Führung von Marschall Davout noch nicht von Groß Raigern aus eingetroffen war, war die rechte französische Seite stark überfordert. Aber General Buxhövden musste, nachdem er lange gewartet hatte, seinerseits auf die 2. Kolonne warten (Langeron). Der Großteil der Kavallerie, die die Ebene rechts von den Russen und links von den Franzosen besetzen sollte, hatte den Befehl, der ihr diese Stellung vorschrieb, falsch verstanden: sie hatte sich daher nach Pratzen begeben und dort Stellung bezogen.

Sobald sie ihren Fehler bemerkt hatten, versuchten sie auf ihren vorgeschriebenen Platz zurückzukehren, wodurch sie den Vormarsch der beiden Kolonnen verzögerten. Nachdem General Langeron endlich vor Sokolnitz angekommen war, begann er mit einem Angriff auf die Stadt. In der Zwischenzeit war General Friant mit seiner Division, die aus fünf Infanterie- und sechs Dragoner-Regimentern bestand, aus Groß Raigern angekommen. Dadurch war es den Franzosen möglich, einen Gegenangriff auf Sokolnitz zu starten. Nachdem er Sokolnitz besetzt hatte, ließ General Friant das 48. Infanterieregiment zurück, um das Schloss von Sokolnitz von Przybyszewskis Kolonne zurückzuerobern. Zur gleichen Zeit hatte die Kolonne von Langeron einen erneuten Angriff auf Sokolnitz begonnen, worauf Friant das 111. Infanterieregiment zurückbeorderte, um der neuen Bedrohung zu begegnen. Für den Rest des Vormittags kämpften 8.000 französische Infanteristen und 2.800 Kavalleristen gegen 35.000 Alliierte in einer quälenden Zermürbungsschlacht.Thiers: 1893, S. 68 ff.

Zentrum Während der Kämpfe auf der rechten Seite der Franzosen begann Marschall Soult um 09:00 Uhr seinen Angriff im Zentrum. Die beiden Divisionen von Vandamme und St. Hilaire, in geschlossenen Kolonnen formiert, bewegten sich zügig die Anhöhe von Pratzen hinauf. Vandammes Division bewegte sich nach links, St. Hilaires Division nach rechts des Dorfes Pratzen, das tief in einer Schlucht eingebettet ist, die am Lauf des Goldbaches nahe Puntowitz endet. Noch bevor Soult mit seinem Angriff begann, hatte sich die 4. Kolonne (Kollowrath, Miloradovitch) auf der Anhöhe aufgestellt, Kollowrath mit zwei Eskadronen des österreichischen Dragonerregiments Nr. 1, dem 2. und 3. Bataillon des Nowgorod- und dem 1. Grenadierbataillon des Abşeron-Infanterieregiments auf dem Staré Vinohrady und Miloradovitch mit den Brigaden von Repninsky und Berg. Auf der rechten Seite näherte sich General St. Hilaire rasch seinem Ziel, dem Dorf Pratzen. Ein erster Angriff wurde von den Russen abgewehrt; nach einem weiteren mussten sie sich jedoch zurückziehen. Währenddessen umging das 10. Leichte Infanterieregiment, an der Spitze der Division Saint-Hilaire, Pratzen und marschierte in Richtung des Pratzebergs. Im Süden hatte Sergej Kamensky den Beginn der Kämpfe auf der Pratze gehört. In hervorragender Initiative benachrichtigte er sofort Langeron und rückte mit seinen beiden Regimentern in Richtung Pratzeberg vor.