mini|hochkant|Ernst von Malortie (1804–1887)

BaronNekrolog für Carl Otto Unico Ernst von Malortie, In: Das Menu. 3. Auflage, Hannover 1888, S. 465 ff.In jüngeren Schriften des Johanniterordens, im Dt. Adelsblatt, etz., wird die Namensführung Baron (Freiherr) nicht genutzt. Carl Otto Unico Ernst von Malortie (* 15. November 1804 in Linden; † 11. Oktober 1887 in Hannover)Nachruf, In: R. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Interessen des christlichen Adels. No. 42, V. Jg., Goedicke & Gallineck, Berlin, Sonntag, den 16. Oktober 1887, S. 766 f.Nachruf, In: C. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Jahrg. 28, Nr. 42, Julius Sittenfeld, Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 19. Oktober 1887, S. 247. war Jurist, OberhofmarschallKlaus Mlynek: Malortie, Carl Otto Unico Ernst von. In: Stadtlexikon Hannover. Hannover 2009, S. 423. und leitender Minister des Königreichs Hannover, dazu Autor und Gastrosoph.

Leben Malortie entstammte einer alten französischen Adelsfamilie und wurde auf Gut Linden bei Hannover geboren. Er war der Sohn von Ferdinand von Malortie (1771–1847) und Sabine Luise Julia, geb. von Platen-Hallermund (1780–1826). Er besuchte das Ratsgymnasium in Hannover. Von 1823 bis 1826 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen. Dort wurde er Mitglied des Corps Hannovera. Nach dem Studium trat der aus einer französischen Refugiéfamilie stammende v. Malortie in den Hannöverschen Verwaltungsdienst ein und wurde 1826 zunächst Amtsauditor in Hannover und Syke (1827). Im Jahr 1829 trat er als Assessor und Hilfsarbeiter in die Land-Drostei in Hannover ein, 1830 wurde Malorie Ritter des Königlich Preußischen St. Johanniter-Ordens.

1836 wurde er zunächst Kammerjunker und Hofmarschall des Herzogs Ernst August von Cumberland (dem späteren König Ernst August von Hannover), 1837 dessen Kammerherr und Reisemarschall.

mini|hochkant|Inschrift am Straßburger Münster von dem jungen Baron und Reisebegleitern auf der oberen Aussichtsplattform. Malortie entwickelte das höfische Zeremoniell bis zur Perfektion: 1842 veröffentlichte er sein Hauptwerk Der Hof-Marschall. Handbuch zur Einrichtung und Führung eines Hofhalts, das sich zum Standardwerk entwickelte. 1846 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen.

Malortie wurde 1846 Verwalter der Königlichen Gärten, Bauten sowie der Königlichen Privatschatulle. 1851 wurde er zum Oberhofmarschall ernannt. 1860 saß er im „engeren Ausschuß des Comités für die Errichtung des Ernst-August-Denkmals“Siehe: Ernst-August-Album. S. 24. . 1862 wurde von Malortie, unter Beibehaltung des Amtes des Oberhofmarschalls, zum Staatsminister und zum Minister des Königlichen Hauses berufen. Mit der Annexion Hannovers durch Preußen 1866 verlor Malortie „alle Ämter, schloss sich aber nicht der welfischen Bewegung an“. Er war Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden und der botanischen Klasse der Leopoldina. Zeitweise saß Malortie im Vorstand des Ernst-August-Familienfideikommiss, war somit Verwalter des Königs-Privat-Schatulle.Inge Becher: Die Aushandlung von Raum. Die Gründung der Stadt Georgsmarienhütte und ihre Vorgeschichte. Universitätsverlag Osnabrück, 2. Auflage-Online-Ressource, V & R Unipress, Osnabrück/Göttingen 2020, S. 48.

Malortie betätigte sich als angesehener Schriftsteller. Er verfasste eine große Anzahl historischer Schriften. Hervorzuheben ist sein Handbuch für die Leitung eines fürstlichen Hofhaltes, welches 1842 unter dem Titel Der Hofmarschal erschien und große Anerkennung fand. Im Jahre 1878 erschien die erste Auflage seines Werkes Das Menu, dem 1880 der zweite Teil Die Feine Küche folgte. Sein Werk Das Menue galt im 19. Jahrhundert als das Standardwerk der Kochkunst bis zum Erscheinen von Auguste Escoffiers Guide Culinaire im Jahr 1902. Die erste Auflage war bereits im ersten Jahr ihres Erscheinens vergriffen. Malortie selbst schrieb darüber in seiner Familiengeschichte:

Daneben wirkte er ab 1851 als Präsident des Komitees des Museums und des Kunstvereins Hannover. Außerdem engagierte er sich bei der Errichtung des 1862 eröffneten „Königlichen Welfenmuseums“. Er war maßgeblich an der Gründung der Hannoverschen Genossenschaft des Johanniterordens (damals dort genannt Der Johanniterorden – Königreich Hannover) im Jahre 1864 beteiligt, die noch im selben Jahr von König Georg V. von Hannover mit dessen ausdrücklichem Wohlwollen als juristische Person anerkannt wurde. Von 1864 bis 1887, obwohl selbst nur Ehrenritter,Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. 1881. Julius Sittenfeld, Berlin 1881, S. 41, S. 225 f. war er offiziell als Leitender Ritter der Regierende Kommendator der Hannoverschen GenossenschaftDer Johanniterorden und die Hannoversche Genossenschaft von 1864 bis heute. Edition Hentrich, Berlin 2014, S. 66. des Johanniterordens. Seine Wappentafel aus der Johanniterkirche in Slonsk (Sonnenburg) blieb erhalten.Lars Andersson, Christopher von Warnstedt, u. a.: Riddarvappen från Sonnenburg. Ett Aterfunnet Krigsbyte. En Utställning i Samproduktion mellan Statens Historiska Museum och Riddersbergs Säteri. (Begleitheft zur Ausstellung der Wappentafeln aus Sonnenburg in Stockholm), Tryckeri Ölandstryckarna, Borgholm 1991, , S. X., S. 75. Nr. 557.

1868 veräußerte er sein ererbtes kleines bei der Stadt Hoya liegendes Gut Liebenau.Friedrich Wilhelm Boldewin Ferdinand von dem Knesebeck: Die Rittermatrikeln des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig nebst einer alphabetischen Uebersicht der Ritterschaft und der von denselben vertretenen ritterschaftlichen Gütern. Verlag Deuerlich, Göttingen 1860, S. 113. Als dortiger Grundherr war er einst Mitglied der regionalen Ritterschaft der Graffschaft Hoya.Hof- und Staats-Handbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1856. Verlag Berenberg, Hannover 1856, S. XXIII.

Nachleben Malortie war nicht verheiratet und stiftete von seinem ansehnlichen Vermögen einen (Geld)-Familienfideikommiss. Dieses Besitz wurde zeitweise von einem der Söhne seines Bruders, Kammerherr, Rittmeister und Hof-Theaterintendant Hermann von Malortie und dessen Frau Karoline, geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen, weitergeführt wurde.

Die Bronzestatuette Malorties, gefertigt von dem Bildhauer Carl Dopmeyer, befindet sich als Dauerleihgabe der Letter-Stiftung im Historischen Museum Hannover.

Auszeichnungen 1846 Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen der Ehrendoktor verliehen. 1860 wurde er zum „Wirklichen Geheimen Rat“ ernannt und trug das Prädikat Exzellenz.

Laut dem Innentitel seines Werkes Der Hofmarschall... trug er folgende Orden und Auszeichnungen: Kommandeur des Königlichen Hannoverschen Guelphen-Ordens erster Klasse (23. Oktober 1844) goldenes Großkreuz des Großherzoglich Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens Ritter des Königlich Preußischen Roten Adler-Ordens zweiter Klasse mit dem Stern (26. November 1845) Kommandeur erster Klasse des Kurhessischen Hausordens vom Goldenen Löwen Großherzoglich Sachsen-Weimarschen Falken-Orden Herzoglich Braunschweigschen Orden Heinrichs des Löwen (Januar 1843 Komtur I. Klasse) Herzoglich Sachsen Ernestinischen Hausorden Herzoglich Anhaltschen Bären-Ordens Ritter des Königlich Preußischen St. Johanniter-Ordens (1830)Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. 1859. Martin Berendt Verlag, Berlin 1859, S. 22, Nr. 191.

weiter wurden ihm folgende Orden verliehen 5. Juni 1851 Großkreuz des Kurhessischen Hausordens vom Goldenen Löwen 11. November 1852 Großkreuz des Königlich sächsischen Albrechts-Ordens 27. April 1856 Großkreuz des Großherzoglich luxemburgischen Ordens der Eichenkrone 28. Mai 1857 Großkreuz des Großherzoglich sächsischen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken Großkreuz des Großherzoglich badenschen Ordens vom Zähringer Löwen Großkreuz des Königlich norwegischen St. Olavordens Großkreuz des Königlich schwedischen Schwertordens Großkreuz des Königlich belgischen Leopoldsordens Großkreuz des Königlich hannoverschen Ernst-Augustordens Großkreuz des Königlich hannoverschen Guelphen-Ordens mini|Ernst von Malortie

Weitere Ehrungen 1925 wurde die Malortiestraße in Hannover-Herrenhausen angelegt. Der Botaniker und Hofgärtner der Herrenhäuser Gärten Heinrich Ludolph Wendland benannte eine heute auch als Reinhardtia bekannte Unterart der Arecaceae nach ihm als Malortiea H. Wendl. mini|hochkant|Erster Teil des Buches Das Menu von Ernst von Malortie, erschienen 1888 beim Klindworth’s Verlag, Hannover. Schriften Der Hofmarschall. Handbuch zur Einrichtung und Führung eines Hofhalts. Hahnsche Hof-Buchhandlung, Hannover 1842. 2., sehr vermehrte Auflage: Hannover 1846. Digitalisat-Internet Archive.; ff. 3. Auflage 1867.L. Stockardt (Hrsg., Red.). Deutsche Adels-Chronik. Familien-Nachrichten der fürstlichen-, gräflichen und freiherrlichen Häuser sowie der adeligen Familien im Deutschen Reiche. Nro. 3. I. Jg., Selbstverlag, Stuttgart 1. November 1887, S. 40. Der Hannoversche Hof unter dem Kurfürsten Ernst August und der Kurfürstin Sophie. Hahn, Hannover 1847. Digitalisat Die Verwaltung herrschaftlicher Bauten und Gärten. Hahn, Hannover 1853; . König Ernst August. Hahn, Hannover 1861. Digitalisat Beiträge zur Geschichte des Braunschweig-Lüneburgischen Hauses und Hofes. 7 Hefte, Hahn, Hannover 1860–1884. Erstes Heft – Digitalisat – Drittes Heft, – Viertes Heft, Digitalisat – Fünftes Heft, . Historische Nachrichten der Familie von Malortie von 1132–1872. Klindworth, Hannover 1872 Das Menu. 2 Bände. 3. Auflage. Klindworth, Hannover 1887/1888. Digitalisat

Grabmal des Ernst von Malortie mini|links|hochkant|Porträt an Ernst von Malorties Grabmal. mini|hochkant|Ernst von Malorties Grabmal auf dem Herrenhäuser Friedhof.

Malortie wurde in seinem ErbbegräbnisSiehe diese Fotos. auf dem Herrenhäuser Friedhof beigesetzt, an dessen Entstehung er als Oberhofmarschall maßgeblich beteiligt war.Siehe sein Schreiben vom 2. Juli 1859 an den Kirchenvorstand von Herrenhausen.

Nachlass Offenbar aus privatem Interesse ließ sich Malortie um 1860 ein Album mit Fotografien von Kunstwerken aus dem Besitz der Welfen herstellen. Dieses „Malortie-Album“ verwahrt das Niedersächsische Hauptstaatsarchiv Hannover.Ludwig Hoerner: Hannover in frühen Photographien 1848–1910. Mit einem Beitrag von Rudolf Zankl. Schirmer-Mosel, München 1979, ISBN 3-921375-44-4, S. 58, 65.

Literatur Heinrich Albert Oppermann: Zur Geschichte des Königreichs Hannover von 1832 bis 1860. Band 2. Otto Wigand, Leipzig 1862, Beilage XXXIX, S. 126–131. (Die Hannoversche Kamarilla und das Ministerium). J. F. Klindworth: Nekrolog für Carl Otto Unico Ernst von Malortie. In: Das Menu. 3. Auflage, 1888, S. 465 ff. Wilhelm Rothert: Hannoversche Biographie. Band 2: Im alten Königreich Hannover, 1814–1866. Sponholtz, Hannover 1914, S. 557. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1920. Vierzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 605–606. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei). Gotthardt Frühsorge: Vom Hof des Kaisers zum „Kaiserhof“. Über das Ende des Cermoniells als gesellschaftliches Ordnungsmuster. In: Euphorion, 1984, Band 78, S. 237–265.

Heinrich Curschmann: Blaubuch des Corps Hannovera (1809–1899). Verein Göttinger Hannoveraner, Göttingen 2002, S. 97, Nr. 270. Klaus Mlynek: Malortie, Ernst von. In: Hannoversches biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlüter, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 244; Digitalisat Gotthardt Fürsorge: Der Intendant der höfischen Welt. Unico Ernst von Malortie am Königlichen Hof in Hannover. In: Silke Lesemann, Annette von Stieglitz (Hrsg.): Stand und Representation. Kultur- und Sozialgeschichte des hannoverschen Adels vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, ISBN 3-89534-457-5, S. 177–190.