Als extensive Landnutzung bezeichnet man die Nutzung von Böden mit geringem Eingriff des wirtschaftenden Menschen in den Naturhaushalt und unter Belassung der vegetativen Standortfaktoren; es überwiegt die natürliche Entwicklung. Der Begriff ist dabei relativ und im jeweiligen zeitlichen sowie geographischen Kontext zu sehen. Der Begriff bezieht sich immer auf einen Vergleich mit heute üblichen Nutzungsformen. Eine heute als extensiv bezeichnete Grünlandnutzung kann vor etwa 200 Jahren auf vergleichbaren Flächen eine übliche Nutzungsform gewesen sein; im Kontext ihrer Zeit würde sie dann nicht als extensiv, sondern als intensiv bezeichnet werden. Ferner kann eine in Mitteleuropa als extensiv bezeichnete Landnutzung in anderen Ländern die übliche intensive Nutzung darstellen.
miniatur|Belziger Landschaftswiesen: Blick von einer Randdüne nach Freienthal mit der Zauche im Hintergrund – dieses Gebiet wird heute überwiegend extensiv genutzt
Die Definition extensiver Landnutzung miniatur|Heidschnuckenherde in der Lüneburger Heide – ohne die extensive Beweidung mit Schafen würde die Heide wieder durch Kiefern und Sandbirken bewachsen Der Geologe und Geograph Johannes Müller hat für die Definition extensiv genutzter Landschaftsbestandteile drei Kriterien entwickelt. Diese stehen nicht für sich alleine, sondern bauen aufeinander auf:Johannes Müller: Landschaftselemente aus Menschenhand – Biotope und Strukturen als Ergebnis extensiver Nutzung. Spektrum, München 2005, ISBN 3-8274-1554-3. Extensive Landnutzung bezieht sich nur auf solche Flächen, die durch landwirtschaftliche Tätigkeit entstanden sind. Bei einem extensiv genutzten Landschaftsbestandteil handelt es sich um ein räumlich eng begrenztes Element innerhalb einer Kulturlandschaft. Zu ihrer Herausbildung ist relativ zur intensiv genutzten Umgebung lediglich eine weniger intensive, bzw. aufwändige Landnutzung notwendig. Das Ausbleiben jeglicher Nutzung stellt jedoch die Existenz dieses Landschaftsbestandteils in Frage Agrarökologisch gesehen stellen diese Flächen Sonderstandorte dar, die sowohl durch landschaftsökologisch besondere Bedingungen als auch durch anthropogene Einflüsse geprägt sind. Letztere haben diese Fläche entscheidend geprägt und können auch weiterhin zu einer Standortveränderung beitragen.
Heidegebiete wie die Lüneburger Heide, und die Almen der Alpen sind beispielsweise auf eine menschliche Bewirtschaftung zurückzuführen. Die Weide- und Feldwirtschaft, die den Landschaftstyp Heide prägte, verdrängte die ursprünglich dort befindlichen Eichen- und Buchenwaldgesellschaften. Den Weideflächen wurden zugunsten der Äcker durch Plaggenhieb Humus und Nährstoffe entzogen. Dies führte zu einer Degradierung der Böden, die eine intensive Nutzung nicht mehr zulässt. Würde die heutige extensive Nutzung – vor allem die Beweidung mit Schafen – jedoch eingestellt, würde diese Landschaft wieder verbuschen. Generell bestehen zwischen intensiver Landnutzung und der natürlichen Klimax-Vegetation sehr vielfältige Bereiche, in die der Mensch nur extensiv eingreift. Diese Eingriffe erfolgen je nach Landschaftselement in unterschiedlicher Häufigkeit und werden mitunter sogar von Pflanze zu Pflanze selektiv ausgeführt, wie beim Beschneiden von Obstgehölzen auf Streuobstwiesen oder dem Auf-Stock-Setzen einer Hecke.
Nicht in diese Definition eingeschlossen sind Landschaftselemente, die durch andere menschliche Eingriffe entstanden sind, wie dem Verkehrswegebau oder einer gewerblichen Nutzung wie dem Abbau von Schotter.
Merkmale extensiver Landschaftsnutzung miniatur|Streuobstwiese im Siebengebirge In Mitteleuropa lässt sich eine extensiv betriebene landwirtschaftliche Nutzung im Allgemeinen an folgenden Merkmalen erkennen: Die bewirtschafteten Flächen sind im Allgemeinen kleiner als die intensiv bewirtschafteten. Häufig blieben diese Flächen von Flurbereinigungsmaßnahmen unberührt, so dass sie noch alte Flurformen aufweisen. In Bezug auf ihre Fläche sind sie daher besonders häufig durch lange Grenzlinien und/oder ungleichmäßige Formen gekennzeichnet. Im Vergleich zum allgemeinen Entwicklungsstand der Landwirtschaft spricht man deshalb auch von einem niedrigen Organisationsniveau. Der Arbeitseinsatz auf diesen Flächen ist verglichen mit denen in der Umgebung geringer. Eingriffe erfolgen kleinräumiger und unregelmäßiger. Wird die Fläche beweidet, so ist der Viehbesatz niedrig. Wiesen werden häufig nur einmal gemäht. Es werden keine kulturtechnischen Eingriffe zur Werterhöhung des Bodens wie etwa Be- oder Entwässerung, Drainierung, Eindeichung von Überschwemmungsgebieten, Flussbegradigungen oder Geländenivellierungen vorgenommen. Durch das Fehlen dieser auch als Meliorationsmaßnahmen bezeichneten Eingriffen bleiben grundlegende Standortveränderungen aus. Typische kapitalintensive Produktionsmittel wie der Einsatz von Düngemittel oder Pestiziden oder großer landwirtschaftlicher Maschinen werden entweder gar nicht oder nur in geringem Umfang verwendet.
Streuobstwiesen stellen im Gegensatz zur Obstplantagen die weniger intensive Anbauform von Obst dar. Obstplantagen sind, um eine möglichst einheitliche Bewirtschaftung zu ermöglichen, meist sortenrein in Monokultur und mit Niedrigstämmen bepflanzt. Diese stehen in Reihen gerade so weit auseinander, dass das Feld noch mit landwirtschaftlichen Maschinen befahren werden kann. Streuobstwiesen dagegen finden sich heute überwiegend auf solchen Flächen, die anderweitig nur mit hohem Arbeits- und Kapitaleinsatz zu bewirtschaften wären. Bei ihnen wird im Gegensatz zu Obstplantagen auf eine Bewässerung und meist auch auf den großflächigen Einsatz von Dünger und Pestiziden verzichtet. Da häufig mehrere Obstarten und regelmäßig unterschiedliche Sorten angebaut werden, können pflegende Eingriffe nicht großräumig erfolgen. Im Unterschied zu Obstplantagen, selbst wenn dort auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird, sind Streuobstwiesen wesentlich artenreicher.
Einfluss der Agrarbeihilfen Extensivierung meint geringere Erzeugung von zu vermarktenden Produkten bei meist gleichbleibendem Einsatz des Faktors Boden. Oft ist damit eine Verminderung des Kapital- und Betriebsmitteleinsatzes bei gleichzeitig erhöhtem Einsatz des Faktors Arbeitszeit verbunden. Letzteres kann durch die Aufgabe besonders arbeitsintensiver Betriebszweige (beispielsweise Mutterkuhhaltung anstelle von Milchproduktion) verhindert werden. Im engeren Sinne zählt die Senkung der Arbeitszeit nicht zu der von der EU im Jahr 1989 erstmals durch ein Extensivierungsprogramm geförderten Extensivierung. Mit diesem Programm sollten die damals vorhandenen Produktionsüberschüsse bei vielen Produkten (siehe zum Beispiel Butterberg), die damals am Weltmarkt nur mit Exporterstattungen abzusetzen waren, vermindert werden und gleichzeitig eine „umweltfreundlichere“ Produktion gefördert werden. Gefördert wurden damals ein verminderter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger. Die ebenfalls geförderte Umstellung auf ökologischen Landbau ist die weitestgehende Form der Extensivierung. Die bis 2009 für viele Betriebe obligatorische Flächenstilllegung war keine Form der Extensivierung, sondern ein agrarpolitisches Instrument zur Marktsteuerung.
Im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik innerhalb der EU wird auch heute (Stand: 2013) umweltfreundliches Wirtschaften gefördert. Klassische Extensivierungsprogramme sind innerhalb der angebotenen Förderungen dabei allerdings von geringerer Bedeutung, da das Ziel der Marktsteuerung zugunsten des freien Welthandels aller Agrarprodukte im Rahmen der GATT-Verhandlungen aufgegeben wurde.
Verschiedene Förderprogramme deutscher Bundesländer, beispielsweise zum Schutz von Streuobstwiesen oder Feuchtwiesen oder zur Anlage von Wildäckern oder Ackerrandstreifen, haben dabei auch den Effekt der Extensivierung zumindest von Teilen eines Betriebs. (abgerufen am 28. Dezember 2013).
Funktion extensiv genutzter Landschaftselemente in der Kulturlandschaft miniatur|Extensivgrünland, Ertrag ca. 60 dt/ha TM bei zwei Mahden pro Jahr Extensive Landnutzung geschieht primär zum Erhalt gefährdeter Arten. Ihre Funktion geht aber darüber hinaus. Extensiv genutzte Flächen bilden in einer Landschaft Puffer und Ausgleichselemente, um die Auswirkung einer intensiven Nutzung auf benachbarten Flächen teilweise aufzufangen oder abzumildern.
Extensiv genutzte Landschaftselemente können beispielsweise die Bodenerosion mindern, die Wasseraufnahmefähigkeit eines Bodens beeinflussen, das Mikroklima positiv verändern, Wasserstandsschwankungen regulieren oder eine Gewässerschutzfunktion übernehmen. Extensiv genutzte Landschaftselemente wie etwa Streuobstwiesen können darüber hinaus auch ein landschaftsprägendes Element haben und daher aus ästhetischen Gründen erhalten werden.
Entstehung extensiver Landnutzung Extensive Landnutzung wird heute meist mit Vertragsnaturschutz oder der bewussten Zurücknahme der Intensität einer Bewirtschaftung aus ökologischen Gesichtspunkten verbunden. Extensiv genutzt werden dabei jedoch immer Standorte, die für eine kommerzielle Landwirtschaft zunehmend uninteressant geworden sind.
Auch historisch gesehen entstanden extensive Landnutzungen auf Grenzertragsstandorten, die für eine intensive Bewirtschaftung zu steil, zu feucht, zu trocken oder zu steinig waren. Solche agrarökologischen Sonderstandorte wurden je nach wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer dann bewirtschaftet, wenn sich der damit verbundene Aufwand mit dem Ertrag messen konnte. Hänge, die beispielsweise für Ackerbau zu steil waren, konnten immer noch durch Schafe oder Ziegen beweidet werden. Ihre Nutzung war jedoch immer weniger intensiv als die der Hauptertragsflächen.
Zwischen extensiver Landnutzung und den historischen Flurformen besteht ein enger Zusammenhang, auch wenn der ländliche Raum in Mitteleuropa geprägt ist durch historisch und regional sehr unterschiedliche Entwicklungen. Vom Rand der Alpen bis zur Küste entstanden dabei ein Mosaik unterschiedlicher Flurformen.Gerhard Henkel: Der ländliche Raum – Gegenwart und Wandlungsprozesse seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland. Teubner, Stuttgart 1999, ISBN 3-519-23430-0. Der jeweilige Grad der Weidewirtschaft hatte dabei einen großen Einfluss auf den Anteil an extensiver Nutzung.
Die Rolle des Düngers miniatur|Rinder auf der Weide, Rhön 2005 – aufgrund des Düngermangels mussten Landwirte bis Ende des 19. Jahrhunderts den Viehdung vor allem auf den Ackerbauflächen ausbringen Mangelnder Dünger war der limitierende Faktor in der Landwirtschaft, bevor Justus von Liebig im 19. Jahrhundert den Kunstdünger erfand. Die Lösungsformen, die in der Landwirtschaft zur Behebung dieses Problems entwickelt wurden, sind teilweise abhängig von der jeweiligen Flurform. Sie führten jedoch regelmäßig zu einer extensiven Landnutzung, da einzelnen Parzellen Nährstoffe in so hohem Maße entzogen wurden, dass eine intensive landwirtschaftliche Nutzung bis heute nicht mehr möglich ist. Heideflächen und Magerrasen sind Beispiele solcher Flächen.