mini|Johannes Tropfke Johannes Franz Joseph Tropfke (* 14. Oktober 1866 in Berlin; † 10. November 1939 ebenda) war ein deutscher Mathematiker und Lehrer. In seiner Heimatstadt war er ab 1907 lange Jahre Stadtverordneter.
Leben Johannes Tropfke kam als ältester von zwei Söhnen des Tischlermeisters Franz Tropfke (1835–1904) und dessen Ehefrau Antonie, geb. Wichmann (1847–1902) zur Welt. 1884 bestand er seine Abiturprüfung am Friedrichs-Gymnasium in Berlin und studierte im Anschluss Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Berlin. 1889 erwarb er die Lehrbefähigung für Mathematik, Physik und Philosophische Propädeutik in den oberen Klassen sowie Botanik, Zoologie, Latein und Griechisch in den mittleren Klassen. Im selben Jahr wurde er an der Universität Halle mit einer von Lazarus Fuchs betreuten Arbeit bei Lazarus Fuchs zum Dr. phil. promoviert (Zur Darstellung des elliptischen Integrales erster Gattung). Von 1890 bis 1894 war er Hilfslehrer und ab 1894 Oberlehrer in Berlin. 1907 wurde ihm der Professorentitel verliehen. 1912 wurde er zum Gründungsdirektor der Kirschner-Oberrealschule berufen, die er bis 1932 leitete. Von 1907 bis 1920 gehörte er als Vertreter der Deutschen Volkspartei der Berliner Stadtverordnetenversammlung an.
1893 heiratete Johannes Tropfke seine Frau Frida, geb. Thyssen. Aus der Ehe gingen ein Sohn (?–1916), der im Ersten Weltkrieg fiel, sowie eine Tochter (1897–1975) hervor.
Werk mini|Gedenktafel, Marienstraße 14, Berlin-Mitte Als sein Hauptwerk gilt seine Geschichte der Elementar-Mathematik in systematischer Darstellung, deren erste Auflage 1902/03 in zwei Bänden erschien. Im Gegensatz zu den damals üblichen chronologischen Darstellungen zur Mathematikgeschichte ist dieses Werk nach Teilgebieten geordnet und informiert nach Art eines Lexikons über die Geschichte der einzelnen Sachverhalte und Sätze. Zwischen 1921 und 1924 veröffentlichte Tropfke eine stark erweiterte zweite Auflage in sieben Bänden, die im Gegensatz zur ersten Auflage nicht mehr auf Sekundärliteratur, sondern einem intensiven Studium der Quellen beruht. Unterstützt wurde er dabei von dem Mathematiker Gustaf Eneström, dem Wissenschaftshistoriker Julius Ruska und vor allem dem Mathematikhistoriker Heinrich Wieleitner. Aufgrund neuerer Forschungen nahm Tropfke eine dritte Auflage in Angriff, von der die drei ersten der geplanten sieben Bände zu seinen Lebzeiten erschienen (1930, 1933, 1937). Nach seinem Tod wurde sein Werk fortgeführt, 1980 erschien eine vierte Auflage der ersten drei Bände. Tropfkes Vorarbeiten zu den letzten drei Bänden gingen 1945 verloren. Bis heute ist die Geschichte der Elementarmathematik die einzige umfassende systematische Darstellung dieser Art.
1930 erhielt er für die zweite Auflage seiner Geschichte der Elementar-Mathematik den Ackermann-Teubner-Gedächtnispreis. 1938 wurde er in die Académie internationale d’histoire des sciences aufgenommen. der Académie internationale d’histoire des sciences In Anerkennung seiner Verdienste um die Mathematik verlieh ihm die Preußische Akademie der Wissenschaften 1939 die silberne Leibniz-Medaille.
Veröffentlichungen
Bücher Geschichte der Elementar-Mathematik in systematischer Darstellung, 7 Bände, Berlin 1921-24, 3. Auflage in vier Bänden 1930 bis 1940, neu ab 1980 (bearbeitet von Kurt Vogel, Helmuth Gericke, Karin Reich u. a., kostenpflichtiger Online-Zugang), Walter de Gruyter Verlag, Berlin (zuerst in zwei Bänden: Band 1, 1902, online bei archive.org, ETH-Bibliothek, Universität Innsbruck; Band 2, 1903, online bei archive.org, ETH-Bibliothek)
Artikel Erstmaliges Auftreten der einzelnen Bestandteile unserer Schulmathematik, 1899. Archimedes und die Trigonometrie. In: Archiv für Geschichte der Mathematik, der Naturwissenschaft und der Technik. Band 2, Nr. 10, 1928. S. 432–461. Das X als Symbol der Unbekannten bei Descartes und seinen Nachfolgern. In: Archeion. Band 13, Nr. 1, 1931, S. 300–319. Zur Geschichte der quadratischen Gleichungen über dreieinhalb Jahrtausend. In: Jahresbericht der DMV. Band 43, 1932, S. 98–107. Die Siebeneckabhandlung des Archimedes. In: Osiris. Band 1, 1936, S. 636–651.
Literatur
Menso Folkerts: Mathematiker des Monats Februar 2016: Johannes Tropfke (1866-1939). Berliner Mathematische Gesellschaft e. V. (https://www.math.berlin).
Weblinks
Stand Bearbeitung des "Tropfke" in den 1980er Jahren Menso Folkerts: Johannes Tropfke (1866-1939) auf den Webseiten der Berliner Mathematischen Gesellschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Mathematikhistoriker Kategorie:Schulleiter (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1866 Kategorie:Gestorben 1939 Kategorie:Mann Kategorie:Träger der Leibniz-Medaille