mini|Friedrich Wilhelm II. mit dem Bruststern des Schwarzen Adlerordens, porträtiert von Anton Graff.Friedrich Wilhelms Unterschrift: rahmenlos|klasse=skin-invert-image mini|Gipsabguss der Büste von Friedrich Wilhelm II., 1792 angefertigt von Johann Gottfried Schadow (1764–1850), Alte Nationalgalerie, Berlin

Friedrich Wilhelm II. (* 25. September 1744 in Berlin; † 16. November 1797 im Marmorpalais in Potsdam) war ab 1758 der Prinz von Preußen, dann von 1786 bis zu seinem Tod König von Preußen, Markgraf von Brandenburg und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er entstammte der deutschen Dynastie Hohenzollern und war auf dem preußischen Thron der Nachfolger seines Onkels Friedrich II., genannt der Große.

Als Abwehrreaktion zur Französischen Revolution beendete Friedrich Wilhelm II. zunächst den Deutschen Dualismus zwischen Preußen und Österreich. Er beteiligte sich am Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich und erweiterte das Königreich Preußen durch die Zweite und Dritte Teilung Polens mit Süd- und Neuostpreußen erheblich. Innenpolitisch wandte er sich vom aufgeklärten Regierungsstil seines Vorgängers ab und führte ein verschärftes Zensur- und Religionskontrollwesen ein. Der kunstsinnige und auch musikalisch versierte König zählte zu den wichtigsten Mäzenen seiner Zeit.

Leben bis zum Herrschaftsantritt

Herkunft mini|hochkant|Der Vater: Prinz August Wilhelm

Friedrich Wilhelm wurde am 25. September 1744 in Berliner KronprinzenpalaisAlfred P. Hagemann: Friderisiko. Friedrich und sein Nachfolger, S. 232. als ältester Sohn des preußischen Prinzen August Wilhelm von Preußen und der Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren. Zunächst stand Friedrich Wilhelm nach seinem Vater an zweiter Stelle der Thronfolge in Preußen. Wegen seiner Kinderlosigkeit hatte König Friedrich II., der seit 1740 regierte, im Jahr 1744 seinen nächstjüngeren Bruder August Wilhelm, den Vater Friedrich Wilhelms, als dynastisch berechtigten Thronfolger auch offiziell in dieser Rolle legitimiert, indem er ihm den Namen und Titel „Prinz von Preußen“ verlieh, was zwar nicht ganz dem unwiderruflichen Rang eines Kronprinzen entsprach, ihm aber nahekam.Die Stellung eines Kronprinzen hätte nur ein ältester Sohn Friedrichs einnehmen können, der auch durch nachfolgend geborene Söhne nicht mehr aus seiner Thronfolgerstellung hätte verdrängt werden können. Bei einem Bruder oder Neffen war dies zumindest theoretisch nicht der Fall.

Friedrich Wilhelm wurde in eine kriegerische Zeit hineingeboren, denn bereits seit dem 10. August 1744 befand sich Preußen wieder im Kriegszustand (1744–1745) mit Österreich. Seit dem Jahr 1740 bzw. dem Tod von Kaiser Karl VI. aus der Dynastie der Habsburger stand Wien ohne einen männlichen Thronerben da. Zwar hatte Karl VI. mit der Pragmatischen Sanktion seine Tochter Maria Theresia als Erbin eingesetzt, doch widersprach diese Urkunde dem bisher geltenden Salischen Recht, das nur männliche Thronerben vorsah. Friedrich II. von Preußen nutzte die österreichische Erbfolgekrise aus, um sich das habsburgische Schlesien einzuverleiben. Er begann damit den ersten von insgesamt drei Schlesischen Kriegen, die mit kurzen Unterbrechungen bis zum Jahr 1763 andauern sollten.

Am 11. Oktober 1744 wurde Friedrich Wilhelm im Vorgängerbau des heutigen Berliner Doms getauft. Neben Teilen der preußischen Königsfamilie sollten Kaiser Karl VII., Zarin Elisabeth von Russland, Ludwig XV. von Frankreich und der schwedische Thronfolger Adolf Friedrich als standesgemäße Taufpaten den Weg des Jungen begleiten. Die Patenwahl demonstrierte dabei zugleich noch den Versuch des Königs, Österreich bündnispolitisch zu isolieren. Diese ausländischen Herrscher waren bei der Taufe nicht persönlich anwesend, sondern ließen sich vertreten.

Das Verhältnis zwischen den Brüdern König Friedrich II. und August Wilhelm von Preußen, dem Vater des späteren Friedrich Wilhelms II., war äußerst angespannt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ihr Vater, König Friedrich Wilhelm I., den jüngeren Bruder August Wilhelm dem Kronprinzen gegenüber vorgezogen hatte. Schon nach dem Fluchtversuch Friedrichs im Jahr 1730 pflegte Friedrich Wilhelm I. einen liebevolleren und ungezwungeneren Umgang mit August Wilhelm – ein Umstand, den Friedrich II. seinem Bruder zeitlebens verübeln sollte.

Erziehung mini|hochkant|Der zivile Erzieher: Nikolaus de Béguelin; Schattenriss von Johann Friedrich Gottlieb Unger (1753–1804)

Im Jahr 1747 entzog König Friedrich II. seinen dreijährigen Neffen der Obhut seiner Familie, die im Berliner Kronprinzenpalais und Schloss Oranienburg lebte. Er ließ Friedrich Wilhelm ins Berliner Schloss bringen und entschied über eine Erziehung im Sinne der Aufklärung. Obwohl sich schon wenig später mit dem Philanthropinismus in Dessau erste Anzeichen einer mehr der Natur des Kindes angepassten Pädagogik herausbilden sollten, wurde der junge Friedrich Wilhelm noch wie ein Miniatur-Erwachsener behandelt. Die Zeitgenossen sahen vor allem im logischen Denken eine Voraussetzung für die Entstehung der Vernunft im Menschen. Dieser Gedanke verleitete Friedrich II. dazu, einen Mathematiker als Hauslehrer seines vierjährigen Neffen auszuwählen.

mini|hochkant|Der militärische Erzieher: Heinrich Adrian von Borcke

Der Präsident der Königlichen Akademie in Berlin, Pierre Louis Moreau de Maupertuis, schlug dem König daraufhin den Schweizer Gelehrten Nicolas de Béguelin vor. Béguelin hatte Jura und Mathematik studiert, dann am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet und befand sich seit 1743 in preußischen Diensten. Mit Friedrich II. war er schon in persönlichen Kontakt getreten und genoss dessen Wertschätzung. Den Tagesablauf des vier- und fünfjährigen Prinzen regelte Béguelin streng: Am Vormittag lernte der Prinz Deutsch und Französisch, die Sprache der europäischen Fürstenhöfe. Am Mittag musste er Kavaliere des Hofes einladen, um in diplomatische Umgangsformen eingeführt zu werden. Nach dem Mittagessen wurde der Sprachunterricht in schriftlicher Form fortgesetzt, da er bereits im Alter von fünf Jahren lesen und schreiben konnte.David E. Barclay: Friedrich Wilhelm II. (1786–1797). In: Frank-Lothar Kroll: Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. S. 183. Erst danach blieb ihm Zeit zum Spielen. Aber auch zu dieser Tageszeit musste er mithilfe von Puppen das Gelernte nachspielen. Das Abendessen nahm Friedrich Wilhelm bei höfischer Gesellschaft ein. Selbst im Kleinkindalter musste er an den abendlichen Oper- und Theateraufführungen teilnehmen, dasselbe gilt auch für Karnevalfestlichkeiten und sonstige höfische Veranstaltungen. Vor dem Einschlafen wurden ihm Werke wie Gullivers Reisen, Geschichten aus 1001 Nacht und Reineke Fuchs vorgelesen.

Friedrich II. griff stets in die Erziehung ein. So verlangte er bei dem Empfang der Kavaliere am Mittag, dass Friedrich Wilhelm nicht, wie es sonst üblich war, zu Bescheidenheit und Zurückhaltung erzogen werden solle. Als möglicher Nachfolger in der Königswürde sollte er dem Willen Friedrichs II. entsprechend sich durch „Dreistigkeit“ Respekt im Adel des Landes verschaffen. Der eher schüchterne Friedrich Wilhelm konnte diesen Ansprüchen seines Onkels nicht genügen. Die hohen Erwartungen, die tagtäglich an das Verhalten und die Leistungsbereitschaft des Kindes gestellt wurden, ließen kaum Raum für unbeschwerte Stunden und kindgerechte Beschäftigungen. Hatte der Prinz keine Lust, bestimmte Aufgaben zu erfüllen, oder zeigte er sich trotzig, nahm ihm Béguelin das Lieblingsspielzeug weg oder drohte sogar mit Prügeln.

Friedrich Wilhelm wurde in Mathematik, Jura, Philosophie und Geschichte unterrichtet.Brigitte Meier: Friedrich Wilhelm II. König von Preußen: Ein Leben zwischen Rokoko und Revolution. Pustet, Regensburg 2007. Als Bildungspaten fungierten hier immer wieder Mitglieder der Königlichen Akademie der Wissenschaften, die unter Friedrich II. bedeutende, überwiegend französische Gelehrte vereinte. Vor allem in griechischer, römischer, assyrischer und jüdischer Geschichte verfügte der spätere König über solide Kenntnisse. Gelegentlich lockerte Béguelin den Unterricht auf, indem er mit dem Prinzen Ausflüge in Berliner Manufakturen, Werkstätten und Kunstateliers unternahm. Auch Tanzen, Fechten und Reiten standen auf dem Programm. Eine Erziehung, die Friedrich Wilhelm auf die Regierungsgeschäfte eines regierenden Monarchen vorbereitet hätte, erhielt er jedoch nicht.

Für die militärische Ausbildung Friedrich Wilhelms wählte der König im Jahr 1751 den belesenen und hochgebildeten Major Heinrich Adrian von Borcke aus. Der 36-jährige Graf zeigte wenig pädagogisches Feingefühl. Aus Berichten über den Fortschritt des Kindes an Friedrich II., die Borcke regelmäßig verfassen musste, geht hervor, dass Friedrich Wilhelm sich häufig aufsässig verhielt und dafür mit Schlägen bestraft wurde. Als auch dies nichts half, verbot Borcke dem Prinzen den Kontakt zu seinem jüngeren Bruder Heinrich. Friedrich II. billigte diese Erziehungspraxis. Am 19. August 1754 forderte er, dass Friedrich Wilhelm von Berlin nach Potsdam, zu seinem Hof, umsiedeln solle. Als Ziel gab der König an, Friedrich Wilhelms sensibles und zurückhaltendes Wesen umzuformen:

Prinz von Preußen und präsumtiver Thronfolger mini|hochkant=1.5|Das europäische Bündnissystem 1756:blau: Großbritannien, Preußen, Portugal und Verbündetegrün: Frankreich, Spanien, Österreich, Russland, Schweden und Verbündete

Die Jugend Friedrich Wilhelms wurde von den Erfahrungen des Dritten Schlesischen Krieges bzw. des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) überschattet.

Der Krieg verschärfte die Spannungen zwischen König Friedrich II. und Friedrich Wilhelms Vater, August Wilhelm, der seit 1744 als Prinz von Preußen präsumtiver Thronfolger war. Im Herbst 1757 entließ Friedrich II. seinen Bruder wegen des Vorwurfs, mehrfach versagt zu haben, unehrenhaft aus der Armee. Einige Historiker vermuten, dass Friedrich seinen Bruder bewusst als Sündenbock missbraucht habe, um von seinen eigenen Fehlern als Feldherr abzulenken, und seine Verachtung für den jüngeren Bruder später auf Friedrich Wilhelm übertragen habe. Tatsächlich hatte Friedrich II. seinen Neffen vor dem Tod August Wilhelms nicht bösartiger behandelt als es sein Umfeld gewöhnt war.

mini|Karte: Belagerungen von Schweidnitz im Jahr 1762

Der zwölfjährige Friedrich Wilhelm beglückwünschte in einer Reihe von Briefen die militärischen Erfolge seines Onkels. Ob die Lobhymnen auf Friedrich II. allerdings tatsächlich aus seiner Feder stammen oder professionell beauftragt wurden, ist in der Forschung umstritten, denn die Briefe wurden – ohne Unterbrechung und ohne Stilveränderung – auch nach dem Tod seines Vaters August Wilhelm (12. Juni 1758) fortgesetzt.