Heimatschutzbataillone (HSchBtl) sind geplante teilaktive Truppenteile im Heimatschutz und in der Reserveplanung der Bundeswehr. Die ab 2026 geplanten Heimatschutzbataillone dienen als organisatorische Zwischeneinheit zwischen der 2025 aufgestellten Heimatschutzdivision mit ihren Heimatschutzregimentern und den einzelnen Heimatschutzkompanien. Die bestehenden Heimatschutzkompanien sollen eingegliedert sowie neue Kompanien für Verwaltung und Basisausbildung von Rekruten aufgestellt werden.
Geschichte
Kalter Krieg und Auflösung (1961–2007) Von 1961 bis 2007 gab es bereits Heimatschutzbataillone als Teile des Territorialheeres, die in die Struktur der aufgelösten Verteidigungsbezirkskommandos (VBK) eingegliedert wurden und somit nicht der NATO unterstellt waren. Sie hatten eine Personalstärke von etwa 970 Mann und bestanden zu 95 Prozent aus Reservisten. Sie wären im Verteidigungsfall auf die volle Stärke aufgewachsen. Durch das Fehlen einer schweren Jägerkompanie waren sie jedoch nur bedingt Jägerbataillonen vergleichbar.
Die Streitkräftebasis hatte zum 1. April 2007 alle nichtaktiven Truppenteile außer Dienst gestellt. Seit 2012 gab es mit den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU) wieder einen Vorläufer zum heutigen Heimatschutz. Zum 1. August 2021 wurden die RSU-Kompanien in Heimatschutzkompanien umbenannt und bis Ende 2025 sechs Heimatschutzregimentern unterstellt. Die Heimatschutzdivision wurden am 14. März 2026 aufgestellt.
Neuaufstellung (ab 2026) Im Zuge der Reaktivierung der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen wurde die Aufstellung des Heimatschutzbataillons 112 und damit eine zusätzliche Teileinheitsebene öffentlich. Das neue Bataillon soll die vier Heimatschutzkompanien aus Baden-Württemberg führen und zum 1. Oktober 2026 aufgestellt werden. Die Aufstellung vier weiterer Heimatschutzbataillone wurde am 3. September 2026 vom Bundesministerium der Verteidigung verkündet. Ebenfalls zum 1. Oktober 2026 sollen in Münster (HSchBtl 121) und in Trollenhagen (HSchBtl 141) Heimatschutzbataillone aufgestellt werden. Leipzig (HSchBtl 133) soll zum 1. April 2027, Merzig (HSchBtl 132) nach Fertigstellung der notwendigen Infrastruktur folgen.
Aufgaben
Neue Struktur (ab 2026) Nachdem den Heimatschutzregimentern bis zu 15 Kompanien unterstellt wurden, sollen die Heimatschutzbataillone eine zusätzliche Organisationseinheit zwischen dem jeweiligen Regiment und den Kompanien bilden. Neben den nichtaktiven Heimatschutzkompanien sollen zusätzliche aktive Kompanien entstehen, die vorrangig den Auftrag haben, die Basisausbildung im Rahmen des Neuen Wehrdiensts und die Fortbildung der Reservisten durchzuführen. Zudem entsteht pro Bataillon eine aktive Stabs- und Versorgungskompanie.
Ehemalige Struktur (1961–2007) Die wesentliche Aufgabe der Heimatschutzbataillone war die Aufrechterhaltung der Operationsfreiheit für die alliierten Streitkräfte im Verteidigungsfall. Die Heimatschutztruppe war nur bedingt zum infanteristischen Kampf befähigt, da ihr grundsätzlich die Ausstattung mit schweren Infanteriewaffen, insbesondere organisch in einer Schweren Kompanie, fehlten.
Aufgaben im Einzelnen Gewährleistung der militärischen Überwachung und Sicherheit innerhalb des gesamten Staatsgebietes, einschließlich der Bekämpfung feindlicher Luft- und Seelandungen Schutz wichtiger militärischer Einrichtungen Sicherung von Hauptverbindungslinien Schutz von Mobilmachungszentren und Aufstellungsräumen Im Frieden hatten HSchBtl den Auftrag, durch Aus- und Weiterbildung sowie Übungen die Einsatzfähigkeit zu erhalten. Diese waren der Jägertruppe und damit der Infanterie des Heeres zugeordnet. Die Truppe war bedingt zum Raum- und besonders zum Objektschutz befähigt.
Gliederung
Neue Struktur (ab 2026)
1. Kompanie: Stabs- und Versorgungskompanie 2. Kompanie: Ausbildungskompanie ab 3. Kompanie: Heimatschutzkompanie
Ehemalige Struktur (1961–2007) Siehe: Liste der Heimatschutzbataillone im Territorialheer
Die Bataillone wurden durch Offiziere im Rang Oberstleutnant geführt. Diesen stand jeweils, wie in anderen Bataillonen auch, ein Bataillonsstab mit den Abteilungen S1 – Innere Führung, Personalwesen, Öffentlichkeitsarbeit, Jugendarbeit S2 – Militärische Sicherheit, Militärisches Nachrichtenwesen S3 – Ausbildung, Planung, Operationen; Chef des Stabes u. stellv. Kommandeur S4 – Beschaffung, Versorgung, Logistik S5 – Zivil-Militärische Zusammenarbeit – (Nur im Einsatz oder Krieg) S6 – Fernmeldewesen, Datenverarbeitung und IT-Sicherheit für die Durchführung seiner Aufgaben zur Verfügung.
1. Stabs- und Versorgungskompanie KpChef: Major 2. – 5. Heimatschutzkompanie KpChef: Major 6. Kompanie (Feldersatzkompanie) KpChef: Hptm
Die Kampfkompanien wären einzeln einsetzbar gewesen und hätten unabhängig voneinander operieren können. Zumeist waren diese Kompanien mit vier Sicherungszügen gliederungsstärker als herkömmliche Infanteriekompanien. Ihnen fehlten jedoch die vierten Panzerabwehrzüge der Infanterie. Die Feldersatzkompanie stellte die Personalreserve des Bataillons und hätte mit ihrem Sicherungszug den Gefechtsstand und die logistischen Einrichtungen des Bataillons gesichert.
Im Frieden wurde die Verwaltungsarbeit durch einen S1/S3-Offizier (Fachdienst) und einen Mobilmachungsvorbereitungsfeldwebel gewährleistet. Sie wurden unterstützt von einem oder mehreren Stabsdienstsoldaten/Militärkraftfahrer. Die Bewirtschaftung wurde von einem Mobilmachungsfeldwebel (Gerät) und einigen zivilen Lagerhelfern sichergestellt.
Quellen Berchtold, H. / Leppig, G.: Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) – Kernfunktion der Gesamtverteidigung, Regensburg 1985 Greiner, Gottfried: "Territorialheer" in: Landkriegführung: Operation, Taktik, Logistik, Mittel (Gerber, Dr. Johannes; Hrsg.), Osnabrück 1992
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bataillon im Heer (Bundeswehr) Kategorie:Reserve (Bundeswehr) Kategorie:Infanterieverband (deutsche Geschichte) Kategorie:Verband im Territorialheer (Bundeswehr) Kategorie:Militärischer Verband in der Streitkräftebasis (Bundeswehr) Kategorie:Infanterieverband (Bundeswehr) Kategorie:Aufgelöst 2007 Kategorie:Gegründet 1992 Kategorie:Bataillon (Geschichte der Bundeswehr)