Markkleeberg ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Leipzig in Sachsen.
Geographie Die Mittelstadt Markkleeberg liegt am südlichen Rand von Leipzig im Landkreis Leipzig an der Pleiße.
Angrenzende Gemeinden sind neben Leipzig die Städte Böhlen und Zwenkau sowie die Gemeinde Großpösna.
Markkleeberg besteht aus folgenden Ortsteilen: Gaschwitz (mit Kleinstädteln) Gautzsch (Markkleeberg-West) Großstädteln Markkleeberg-Ost Oetzsch (Markkleeberg-Mitte) Raschwitz Wachau (mit Auenhain) Zöbigker früher zudem: Cospuden Prödel
Geschichte mini|links|Gruss aus Oetzsch bei Leipzig (um 1900) mini|Gründerzeithäuser in Markkleeberg-Oetzsch Die Stadt Markkleeberg wurde im Jahr 1934 als Zusammenschluss der Orte Oetzsch-Markkleeberg und Gautzsch gegründet. Da den Nationalsozialisten der Name der bei weitem größeren Gemeinde Gautzsch wegen seiner slawischen Herkunft nicht genehm war und sich auch der künstliche Vorschlag Auenwalde nicht durchsetzen konnte, wählte man als Namen der neuen Stadt den der kleinsten Ursprungsgemeinde Markkleeberg. Alle slawischen Namen der Ortsteile wurden getilgt, aus Gautzsch wurde Markkleeberg-West, aus Oetzsch mit dem eingemeindeten Raschwitz Markkleeberg-Mitte und aus Markkleeberg Markkleeberg-Ost. Trotz der Umbenennungen während der NS-Zeit sind die alten Ortsnamen bis heute bekannt und geläufig.
Später wurden die Ortschaften Großstädteln, Zöbigker (mit Prödel und Cospuden), Gaschwitz und Wachau eingemeindet, die ihre Namen aber behalten durften. Die vom Sächsischen Landtag bereits beschlossene Eingemeindung Markkleebergs nach Leipzig zum 1. Januar 1999 wurde durch eine erfolgreiche Klage Markkleebergs beim Sächsischen Verfassungsgericht im Jahr 1999 nicht vollzogen.
Am 16. Oktober 1813 war der Bereich Wachau ein Hauptschauplatz der Völkerschlacht, der verlustreichsten Schlacht der Befreiungskriege gegen Napoleon in Deutschland.
Während des Zweiten Weltkrieges existierte von September 1944 bis April 1945 im Wolfswinkel auf dem Flurstück 270 am Equipagenweg ein Frauenaußenlager des KZ Buchenwald für mehr als 1000 ungarische jüdische Frauen und Mädchen sowie 250 französische Widerstandskämpferinnen der Résistance, die für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Zwangsarbeit verrichten mussten. Bereits ab Oktober 1943 war dort ein Barackenlager für Zwangsarbeiter errichtet worden, die in der Kammgarnspinnerei Gautzsch für den Motorenbau Zweigwerk Markkleeberg (von Junkers) arbeiteten.Versteckte Geschichte Markkleeberg Bei Kriegsende war Markkleeberg alliierten Bomberangriffen ausgesetzt und wurde am 18. April 1945 von US-amerikanischen und nach deren Abzug am 24. Juni 1945 von sowjetischen Truppen besetzt.
In der DDR war Markkleeberg Sitz der Landwirtschaftsausstellung agra-Markkleeberg, wo u. a. die HO-Parkgaststätte Leipzig-Markkleeberg entstand.
Die südlich von Markkleeberg gelegenen Braunkohlentagebaue Espenhain, Zwenkau und Cospuden stellten zwischen 1990 und 1998 ihre Förderung ein und werden seither saniert und rekultiviert. Dabei wurden erneute archäologische Ausgrabungen auf dem bekannten paläolithischen Fundplatz Markkleeberg möglich. Mittlerweile sind in der Bergbaufolgelandschaft große Seen und ausgedehnte Waldgebiete mit hohem Freizeitwert entstanden.
Eingemeindung nach Leipzig
Bei der letzten sächsischen Gemeindegebietsreform sollte die Stadt Markkleeberg nach Leipzig eingemeindet werden, der Sächsische Landtag beschloss am 22./23. Juli 1998 die Eingemeindung von Markkleeberg. Daraufhin klagte die Stadt Markkleeberg am 11. September 1998 gegen diesen Beschluss vor dem Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen und der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen bestätigte den Beschluss zum Erhalt der Selbständigkeit der Stadt Markkleeberg am 18. Juni 1999.
Eine Eingemeindung ist weiter im Gespräch. Solche Bestrebungen könnten sich jedoch als schwierig erweisen, da die Stadt inzwischen den Status einer Großen Kreisstadt und eine ausgeprägte eigene Infrastruktur besitzt.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1946 20.517 1950 20.130 1971 22.374 1981 20.622 1989 18.236 Jahr Einwohner 2002 23.139 2005 23.806 2010 24.338 2015 24.240 2020 24.664 Jahr Einwohner 2021 24.643 2022 25.416 2023 25.372 2024 25.331
ab 2002: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die deutliche Zunahme der Einwohnerzahl 2002 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion Auf dem Gebiet des heutigen Markkleeberg bestanden seit der Reformation im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts vier evangelische Pfarreien: Markkleeberg mit Meusdorf und Dölitz, Gautzsch mit Oetzsch, Raschwitz, Cospuden und Zöbigker, Großstädteln mit Gaschwitz und Großdeuben und schließlich Wachau. Gegenwärtig (2010) existieren drei evangelischen Kirchgemeinden: die Martin-Luther-Kirchgemeinde Markkleeberg-West, vormals Gautzsch, mit der Martin-Luther-Kirche, die Auenkirchgemeinde Markkleeberg-Ost mit Dösen und Dölitz, zu der auch die Johanniskirche in Dösen gehört, und die Kirchgemeinde Großstädteln-Gaschwitz. Die Kirchen in Wachau und Zöbigker sind in den 1940er Jahren ausgebrannt und heute Ruinen. Der Ortsteil Wachau gehört heute zur Leipziger Kirchgemeinde Probstheida. Zusammen haben die drei Markkleeberger Kirchgemeinden 3500 Mitglieder.Kirchgemeinde Markkleeberg-OstKirchgemeinde Markkleeberg-West
Am 20. Januar 2019 wurden die beiden bisher eigenständigen katholischen Pfarreien St. Peter und Paul Markkleeberg und St. Bonifatius Leipzig zusammengelegt und die Pfarrei St. Bonifatius Leipzig-Süd neu gegründet. (Nachricht, Bilder nicht mehr verfügbar) Die Pfarrei gehört zum Bistum Dresden-Meißen und umfasst neben Markkleeberg und Leipzig auch die Städte Böhlen, Zwenkau und Pegau. In Markkleeberg selbst leben etwa 1100 Katholiken. Die Kirche St. Peter und Paul wurde 2000 gebaut und im März 2001 geweiht.Geschichte St. Peter und Paul Markkleeberg
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Markkleeberg besteht aus 26 Mitgliedern und dem Oberbürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (frühere Wahlen sind unten aufgelistet):
Liste202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU831,1725,6934,1SPD624,9623,8933,2AfD117,5415,2––Grüne311,3415,8311,3Linke25,9312,0415,8Markkleeberg kann's besser14,7––––FDP14,527,715,6Insgesamt221002610016100Wahlbeteiligung70,3 %64,8 %47,9 %
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD fünf Sitze, von denen vier unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.
Oberbürgermeister 1994–2013: Bernd Klose (SPD) seit 2013: Karsten Schütze (SPD)
Schütze wurde in der Oberbürgermeisterwahl am 20. September 2020 mit 66,8 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.
WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2001Bernd KloseSPD74,9200864,22013Karsten Schütze67,7202066,8
Wappen
Städtepartnerschaften Die Stadt Markkleeberg hat fünf Partnerstädte. Der Austausch wird vom 2020 gegründeten „Verein Städtepartnerschaften Markkleeberg e. V.“ organisiert und gepflegt.Partnerstädte der Stadt Markkleeberg; abgerufen am 9. Mai 2023. Pierre-Bénite in Frankreich, seit dem 8. Dezember 1971 Zărnești in Rumänien, seit dem 6. Juni 1991 Neusäß in Deutschland, seit dem 23. Mai 1992 Boville Ernica in Italien, seit dem 28. März 2005 Hemmingen in Deutschland, nur Zusammenarbeit im Bereich des Sports
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauten Torhaus Markkleeberg mini|hochkant|Torhaus Markkleeberg 1190 wird ein Bere de Cleberg im Vertrag über den Verkauf des Dorfes Altranstädt erwähnt. Das alte Adelsgeschlecht besaß hier eine Wasserburg, die später mit Rittergut und Schloss überbaut wurde. Ab 1350 wechselte der Besitz, 1592 fanden Calvinisten in Markkleeberg eine Zuflucht. Zu DDR-Zeiten war das Anwesen Neubauernstelle, Kinderkrankenhaus und Altersheim. 1996 übernahm es der Verein Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813 und eröffnete 1998 ein Museum. Dort wird die Geschichte des Torhauses, aber auch die Rolle des Ortes in der Völkerschlacht beleuchtet. Eine weitere Ausstellung befasst sich mit dem früheren Leben auf dem Lande. Weitere historische Räumlichkeiten werden für Veranstaltungen und private Zwecke genutzt.
Weißes Haus mini|hochkant|links|Weißes Haus im agra-Park Paul Herfurth, ein bedeutender Zeitungsverleger und königlich württembergischer Konsul, erwarb im Jahr 1896 einen Teil des ehemaligen Raschwitzer Gutes. Zeitnah ließ er es zu einer neoklassizistischen Parkanlage verwandeln (heute agra-Park), mit Baumgruppen, idyllischen Parkteichen, Tempeln, Statuen und Säulengängen. Dazu entstand bis 1897 die weiße Villa mit ihrem imposanten vergoldeten Spiegelsaal.
Sie war dem Lustschloss Petit Trianon im Versailler Schlosspark nachempfunden, die Pläne stammten vom Gautzscher Baumeister Gustav Hempel. Die allegorischen Sandsteinfiguren des alten Raschwitzer Barockgartens säumten die Terrasse nach Osten. Als Herfurthsche Villa war sie bis zum Zweiten Weltkrieg Treffpunkt des Leipziger Kulturlebens. Im Krieg wurden Teile des Landratsamtes dorthin ausgelagert und in den Jahren 1945/46 fand sie als Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Militärs und Geheimdienstes Verwendung. Die Häftlinge wurden häufig über Monate und zu Dutzenden in den engen Kellerräumen interniert. Bis 1981 nutzte die Verwaltung der Landwirtschaftsausstellung die nun Weißes Haus genannte Immobilie als Büro und nach einer gravierenden Umbaumaßnahme in den Jahren 1986/87 als Ministerunterkunft während der Landwirtschaftsausstellungen der DDR, auch bekannt als agra-Markkleeberg. Nach einer kurzen Nutzung als Hotel erwarb die Stadt Markkleeberg 1996 die Liegenschaft auf Markkleeberger Gebiet. Während der Bestrebungen zur Eingemeindung nach Leipzig 1999 ließ man es sich nicht nehmen, den Slogan „Das Weiße Haus steht in Washington und in Markkleeberg, niemals in Leipzig“ zu verbreiten. mini|hochkant|Rathaus Markkleeberg Das Weiße Haus ist inzwischen wieder ein beliebter Ort für kulturelle Veranstaltungen und dient als Sitz des Amts für Kultur und Tourismus sowie als offizielles Standesamt der Stadt Markkleeberg.
Rathaus mit Lindensaal im Ortsteil Markkleeberg-Mitte/Oetzsch Markkleebergs Rathaus wurde durch Umbau des vormaligen stattlichen Oetzscher Gasthofs Zur Linde errichtet, 1921 waren die Arbeiten dafür abgeschlossen. Es dient neben seiner Verwaltungsfunktion mit dem Großen Lindensaal als einer der wichtigsten Veranstaltungsorte für kulturelle Veranstaltungen in Markkleeberg. Seit 2009 finden hier auch regelmäßige Konzerte klassischer Musik des Leipziger Symphonieorchesters statt.
mini|hochkant|links|Westphalsches Haus Westphalsches Haus Das dreiflügelige Landhaus wurde 1926 vom Architekten, Maler und Publizisten Paul Schultze-Naumburg (1869 bis 1949) für den Generaldirektor der Thüringer Gasgesellschaft Carl Westphal entworfen und 1927 in neobarockem Stil erbaut. Von 1993 bis 2005 befand sich das Westphalsche Haus im Eigentum Markkleebergs und diente der Stadt und ihren Vereinen als kultureller Treffpunkt und Veranstaltungsort. Im Jahr 2007 wurde die untere Etage des Haupt- und des Ostflügels sorgfältig restauriert. 2005 wurde das Haus an einen privaten Investor verkauft.
mini|hochkant|Kirchenruine Wachau
Kirchenruine Wachau