Winnipeg [] ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba und zugleich deren mit Abstand größte Stadt. Sie zählte im Jahr 2016 über 705.244 Einwohner, die Metropolregion rund 778.489. Damit ist Winnipeg die siebtgrößte Stadt in Kanada.Winnipeg Census Metropolitan Area (CMA) with census subdivision (municipal) population breakdowns. Statistics of Canada. 13. März 2007. Der Name leitet sich vom 55 Kilometer nördlich gelegenen Winnipegsee her; „win“ bedeutet in der lokalen Cree-Sprache schlammig und „nipee“ Wasser.
Bekannt als Gateway to the West (Tor zum Westen), ist Winnipeg ein Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt mit einer diversifizierten Wirtschaft. Die Stadt ist multikulturell und Heimat mehrerer Sportvereine, wie z. B. die Winnipeg Jets, die Winnipeg Blue Bombers und die Winnipeg Sea Bears. Winnipeg war 1967 erster kanadischer Gastgeber der Panamerikanischen Spiele. Die Stadt ist bekannt für zahlreiche jährliche Festivals, darunter das Winnipeg Folk Festival.
Geographie Winnipeg liegt in der Nähe des geographischen Zentrums Nordamerikas am Zusammenfluss von Red River und Assiniboine River, einem Überschwemmungsgebiet, das durch den Red River Floodway, eine bei Hochwasser aktivierte Umleitung, vor Überflutungen geschützt wird.
Stadtbild und Gliederung mini|links|Der Assiniboine River im gleichnamigen Park Winnipeg liegt im Tal des Red River, das kaum Hügel aufweist. Das Gleiche gilt für das Stadtgebiet. Es weist vier Flussläufe auf, den Red River, den Assiniboine, den La Salle und den Seine River.
230 Neighbourhoods gliedern die Provinzhauptstadt.Statistics Canada. Kernbereich und Ausgangspunkt des städtischen Wachstums ist bzw. war Downtown Winnipeg im Bereich von Portage Avenue und Main Street. Von hier aus weisen die Ausfallstraßen strahlenförmig in alle Richtungen. Die Fläche der Innenstadt beträgt ungefähr 2,5 Quadratkilometer. Das städtische Wachstum folgte weitgehend den beiden Hauptflüssen.
Das urbanisierte Gebiet umfasst ein Gebiet von 25 × 20 Kilometern, weist jedoch erhebliche unbebaute Flächen auf. Die beiden bedeutendsten Parks sind der Assiniboine Park und der Kildonan Park.
Die hauptsächlichen Zentren der Vergnügungs- und Kulturindustrie liegen im Exchange District, in The Forks, Osborne Village, Little Italy, in der Sargent und der Ellice Avenue (West End) und Old St. Boniface, dem französischen Quartier. Als The Forks wird die Stelle bezeichnet an dem der Assiniboine River in den Red River einmündet und wurde am 18. Mai 1974 zur National Historic Site of Canada erklärt. Der Zusammenfluss und die umgebende Kulturlandschaft zeugen dabei von sechstausend Jahren menschlicher Aktivität als Treffpunkt, Handelsplatz und Siedlung.
Klima Die Stadt ist durch Kontinentalklima geprägt, hat heiße Sommer und ist im Winter eine der kältesten Städte der Welt. Während fünf Monaten des Jahres liegen die Durchschnittstemperaturen unterhalb des Gefrierpunktes.
Geschichte Frühgeschichte Paläo-Indianer Manitoba wurde zwar nach dem Ende der letzten Eiszeit von indianischen Gruppen besiedelt, doch die Schmelzwässer des riesigen Eisblocks, der den überwiegenden Teil der Provinz bedeckte, bildeten zwischen 10.000 und 6.000 v. Chr. den sogenannten Agassizsee, der auch das Gebiet des heutigen Winnipeg bedeckte.Dies und das Folgende nach: Paleo Period. Manitoba Archaeological Society 1998.
Die Westliche Plano-Kultur um 8000 bis 4500 v. Chr. bediente sich bei der Jagd bereits der Buffalo Jumps, bei denen Bisonherden über Klippen getrieben wurden, um sie leicht erlegen zu können. Wichtige Fundstellen dieser Kultur liegen westlich von Winnipeg im Tal des Swan River. In der jüngeren Phase dieser Kultur, dem Sister Hills Complex, folgten Menschen dem sich zurückziehenden Südufer des Agassiz-Sees nordwärts. Der Nomadismus wurde durch einen Turnus saisonaler Wanderungen abgelöst, die von Jagd- und Vegetationszyklen abhingen.
Zwischen 6000 und 4000 v. Chr. dehnten sich die Wälder während einer Warmphase nordwärts aus, bis zu 300 Kilometer jenseits der heutigen Waldgrenze. Die als Nördliche Plano-Kultur bezeichnete Gruppe kam wohl um 8500 v. Chr. aus Saskatchewan und dehnte ihre Wanderungen ostwärts aus. Das Östliche Plano reichte vom Agassiz-See bis zum Oberen See. Sein Hauptfundort liegt am Caribou Lake nordöstlich von Winnipeg. Es war eine Kultur, die stärker an Wälder angepasst war. Steinringe, die ehedem der Befestigung von Zelten dienten, gehören zu den ältesten Relikten.
Archaische Phase bis etwa Christi Geburt Innerhalb der Archaischen Phase werden eine jüngere und eine ältere Phase unterschieden, mit einem Übergang um 3500 v. Chr. Es entstanden neue Jagdtechniken, wie die Speerschleuder (Atlatl), gleichzeitig verdrängte das heutige Bison bison das Bison antiquus mit seinen längeren Hörnern. Erstmals lassen sich Grabbeigaben nachweisen. Funde der Logan Creek und Mummy Cave Complexes weisen auf Einwanderung von Westen und Süden her.
Der Oxbow Complex dominierte im Südwesten,Oxbow Complex. doch fanden sich auch Artefakte am Winnipegsee. Die Gruppen bestanden wohl aus 40 bis 60 Individuen. Eine der wichtigsten Stätten dieses Komplexes ist Kuypers Site am Ufer des Assiniboine River. Auch Ausläufer des McKean Complex aus Wyoming, die auf heiß-trockenem Klima basierte, fanden sich an der Kuypers Site. Anscheinend war pflanzliche Nahrung bei ihnen von geringerer Bedeutung, dafür wurden auch Reptilien gejagt.
Der Pelican Lake Complex weist deutliche Unterschiede auf und deutet auf die Zuwanderung neuer ethnischer Gruppen hin. So wurden die Toten in Vertiefungen beigesetzt, Knife River Flint wurde bevorzugt und durch Fernhandel erworbene Grabbeigaben.
Woodland von 200 v. Chr. bis 1750 Unter den Funden am Wanipigow LakeBoreal Forest Woodland Period, Wanipigow Site, EgKx-1. gut 200 Kilometer nordöstlich von Winnipeg fanden sich Tonscherben, die zu den ältesten in der Provinz gehören. Diese als Laurel bezeichnete Schicht datiert etwa auf ein Alter von 2000 Jahren; sie basierte weniger auf Graslandschaften als auf Wäldern und Fischerei. In dieser Zeit wurde hier erstmals wilder Reis gepflanzt.
Während der Woodland-Periode entstanden Tonwaren, Mounds wurden errichtet, Pfeil und Bogen verdrängten den Atlatl und Mais, Kürbis und Bohnen veränderten die Lebensweise so stark, dass von zunehmender Sesshaftigkeit ausgegangen wird. Dabei behielt die Jagd in den Randbereichen der Kultur ihre Bedeutung bei, während sie in den Kernbereichen fast verschwand. Auch hier wird eine frühe von einer späten Phase unterschieden, deren zeitliche Grenze man um 800 sieht. Die Kultur des Mississippi, vor allem Cahokia, und aus Ohio wirkten bis weit nach Manitoba hinein. Die Arden Camp Site stellt den nördlichsten Mound der Provinz dar. Er liegt westlich von Winnipeg. Am Stott Mound bei Brandon fand man Feuersteine vom Knife River in Dakota. Die Stelle wurde seit spätestens 800 n. Chr. genutzt.
Die Spätere Plain-Woodlands-Phase ist durch Gartenbau gekennzeichnet, sowie durch Wildreis. Die Lockport Site am Ostufer des Red River zeigt den Anbau von Mais, dazu Vorratshaltung. Tontöpfe weisen auf Kontakte bis nach Dakota und Minnesota hin (Psinomani-Kultur). Erst um 1500 wurde die Stelle aufgegeben, da es zu kalt wurde. Möglicherweise brachte zwischen 800 und 1400 die Westwanderung der Ojibway einen eigenen Stil bei der Tonverarbeitung mit, der als Blackduck Phase bekannt ist.
Erste Europäer, Pelzhandelsgesellschaften mini|Upper Fort Garry, Anfang der 1870er Jahre Im Gegensatz zu den Cree, die sich als Pelztierjäger den europäischen Handelskompanien anboten, veränderten die späten Taltheilei-Leute und ihre Nachkommen, die Dene, ihre Lebensweise kaum. Die beiden Gruppen lebten aber nicht nur sehr unterschiedlich, sondern sie bekriegten sich auch häufig.
1738 wurde in der Gegend des heutigen Winnipeg ein erster Handelsposten, Fort Rouge, gegründet, später jedoch wieder aufgegeben.
Im Kampf der Hudson’s Bay Company (HBC) und der North West Company um die Vorherrschaft im Fellhandel entstanden erneut Handelsposten in der Region. Fort Garry wurde 1809 von der North West Company unter dem Namen Fort Gibraltar am Zusammenfluss des Assiniboine und des Red River, der als The Forks bekannt war, gegründet. 1816 wurde es im Pemmikan-Krieg, der sich von 1815 bis 1820 hinzog, zerstört. Als mit der Fusion der beiden rivalisierenden Unternehmen 1821 die Auseinandersetzungen endeten, wurde Fort Garry in der heutigen Innenstadt von Winnipeg, Zentrum des Pelzhandels in den umgebenden Gebieten der Red-River-Kolonie.
mini|links|Die Main Street im Jahr 1887 mini|Ross House, das älteste Gebäude der Stadt und das einzig erhaltene aus der Zeit der Red-River-Kolonie. Es stand an der Market Avenue, wurde aber 1949 von der Historical Society an die Higgins Avenue, dann 1984 in die Meade Street North, in den Point Douglas Heritage Park versetzt
1826 wurde Fort Garry durch eine Überschwemmung zerstört und 1836 unter dem Namen Upper Fort Garry, zur Unterscheidung von Lower Fort Garry an der Mündung des Red River in den Winnipegsee, wiederaufgebaut. Um das Fort siedelten Métis, die Büffel jagten und daraus hergestellten Pemmikan an die Hudson’s Bay Company verkauften. Darüber hinaus betrieben sie in kleinem Stil auf Farmen nach dem Seigneurial System Landwirtschaft an den Flussufern (river lot).
1855 entstand das erste Postgebäude, das heutige Ross House Museum, durch William und Jemima Ross.Sheila Grover: Ross House, A Manitoba Historical Society Museum. Zuerst in: Manitoba History 2, 1981. Der Council of Assiniboia hatte 1851 William Ross, den Sohn von Alexander Ross zum Sheriff und Postmeister gemacht. Er erfüllte letztere Funktion in seinem eigenen Haus, das er für 252 Pfund hatte errichten lassen. In Ermangelung von Briefmarken signierte er insgesamt 2912 Briefe mit „Red River, B.N.A.“ (British North America). Erst an den Zielorten, wie Pembina, wurden die Briefe abgestempelt. Ross verdiente damit 5 Pfund pro Jahr, doch er starb bereits 1856. Seine Witwe heiratete zwei Jahre später William Coldwell, den Mitherausgeber der ersten Zeitung Red Rivers, des Nor Wester. Williams Bruder James übernahm nach seiner Rückkehr den Vorstand der Familie und wurde zum Sprecher der englischsprachigen Bevölkerung der Kolonie, wie Louis Riel Sprecher der französischsprachigen war.
Übergang von der HBC an Kanada mini|links|Winnipeg 1887 mini|hochkant|City Hall, 1887 1869 erwarb die Canadian Dominion von der HBC Ruperts Land, zu dem auch die Red River Kolonie gehörte. Als Landvermesser zur Absteckung von Arealen für Neusiedler aus Ontario 1870 an den Red River geschickt wurden, fürchteten die Métis um ihre Landrechte, erhoben sich in der Red-River-Rebellion unter Louis Riel und strebten als Provisorische Regierung die Aufnahme in die Canadian Dominion an. Hauptort wurde Upper Fort Garry, wie es zuvor Sitz des Rates von Assiniboia gewesen war. Verhandlungen der Provisorischen Regierung mit der Zentralregierung in Ottawa führten zu einer grundlegenden Vereinbarung, dem Manitoba Act, mit dem die Ansprüche der Métis weitgehend anerkannt wurden. Allerdings wurde ihrem Führer Riel eine Amnestie für die von ihm angeführte Rebellion verweigert.
mini|Der zum Empfang des Herzogspaars von Cornwall und York, des späteren Königs George V. und Königin Marys, 1901 aufgerichtete Königliche Bogen Am 8. November 1873 wurde die Stadt Winnipeg auf Grundlage des Manitoba Act in der Umgebung von Upper Fort Garry gegründet, doch folgten die meisten Métis den schwindenden Büffelherden nach Westen, weshalb bis in die 1880er Jahre nur wenige der ursprünglichen Bewohner in der neuen Stadt zurückblieben. Das zunächst sehr kleine, als „Briefmarken-Provinz“ verspottete Manitoba wurde bis 1912 auf seine heutige Ausdehnung erweitert.