mini|Kirche St. Josef Der Kreuzberg (auch: Siedlung) ist ein Ortsteil von Fraulautern, einem Stadtteil der saarländischen Kreisstadt Saarlouis.

Umgangssprachlich wird der Kreuzberg auch die Siedlung genannt, da der Ortsteil als ebensolche nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem gleichnamigen Hügel zwischen Saarlouis-Fraulautern und Saarwellingen entstand. Der stetige Bevölkerungszuwachs bewirkte einen raschen Aufschwung, so dass die Siedlung bereits nach wenigen Jahren etliche Merkmale einer eigenen Ortschaft aufwies. Neben der Ansiedlung von Geschäften zum täglichen Bedarf und einer Volksschule ist von größter Bedeutung gewiss die Errichtung einer eigenen katholischen Pfarrei mit einem Gemeindezentrum und der geräumigen Hallenkirche St. Josef.

Lage Der Kreuzberg (Siedlung) ist der nordöstliche Teil Fraulauterns und grenzt an den Saarlouiser Stadtteil Steinrausch, sowie die Gemeinden Saarwellingen und Hülzweiler. Nach Osten hin ist der Ortsteil vom Lachwald umgeben.

Der Kreuzberg erhebt sich rund 50 Meter über dem Fraulauterner Ortskern. Die Kreuzbergstraße, die Siedlung und Ortskern verbindet, hat eine Steigung von bis zu 9 %.

Entlang der Siedlung fließt der Fraulauternerbach, der in die Saar mündet.

Geschichte Die Geschichte des Ortsteils reicht bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück. Die Fläche war ursprünglich Gemeindeland Fraulauterns und nur von wenigen Straßen durchzogen. Dazu zählten die heutige Kreuzbergstraße (damals: Lachwaldstraße) und Jahnstraße (damals: Mühlenstraße). Während die Kreuzbergstraße zum Truppenübungsplatz Großer Sand und den Schießständen im Lachwald führte, lag in der Jahnstraße die Kornmühle Schöns Mühle. Der Große Sand diente außerdem seit 1910 als Spielfeld des 1. Fußballclub Fraulautern 1909. mini|Fischweiher der Siedlung Kreuzberg im Naherholungsgebiet Fraulauternerbach Ab dem Jahr 1922 wurden auf der Spitze des Kreuzberges von Bergleuten kleine Häuser in eineinhalbstöckiger Bauweise errichtet. Das Bergwerk Saar sorgte für finanzielle Unterstützung dieser Arbeiten. Ebenfalls 1922 errichtete die Gemeinde Fraulautern im Mühlenbruch ein Wasserwerk, das den Ort mit einer durchschnittlichen Tagesleistung von 610 m³ Trinkwasser versorgte. Die Förderung lief bis zum Jahr 1958. Seither wurde die Wasserversorgung von einem Hochbehälter im Lachwald gewährleistet, der vom Wasserwerk am Röderberg in Roden gespeist wurde. Schon früh etablierte sich die Gegend von Fraulauternerbach, Lachwald und Fischweiher als Naherholungsgebiet. Gegenüber des Wasserwerks in der Hochstraße lag die im Volksmund bekannte „Sandkaul“, die dem „Sandmann“ gehörte. Der dort gegrabene feine Sand wurde Fraulauterner Hausfrauen verkauft, die damit Flur und Treppen zur Reinigung bestreuten.

Im Jahr 1926 startete die Bürgermeisterei Fraulautern ein Bauprojekt, bei dem in Höhenstraße und Schwabenstraße erste Wohnhäuser errichtet wurden. Nach Fertigstellung wurden diese an die Bewohner verkauft.

Die endgültige Initiative zum Bau der Siedlung kam durch den Kleinsiedler- und Kleingärtnerverein Fraulautern zustande, der sich im November 1934 gründete. Die 134 Mitglieder baten den damaligen Fraulauterner Bürgermeister Peter Neis um Land, das den Bau einer Kleinsiedlerstelle ermöglichen sollte. Bürgermeister Neis genehmigte die Errichtung von 100 Siedlerstellen. Zum Erwerb einer solchen mussten die Bürger einen Antrag stellen, der sowohl finanzielle Fragen, als auch Zahl der Kinder und Höhe des Eigenkapitals beinhaltete. Die Finanzierung übernahm die Kurpfälzische Heimstätte. Der erste Bauabschnitt begann am 19. September 1935 in Kreuzberg- und Heinestraße. Im April 1936 wurden erste 23 Siedlerstellen bezogen. Nach Machtübernahme der NSDAP und Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich, erklärte die Partei das Siedlerprogramm zum eigenen Projekt. Die Bürgermeisterei Fraulautern wurde 1936 aufgelöst und Fraulautern der Stadt Saarlautern (Saarlouis) angegliedert. Dadurch vergrößerte sich der Radius derer, die neue Wohnhäuser auf der Siedlung erwerben konnten auf den gesamten Kreis Saarlouis.

Der zweite Bauabschnitt betraf Beethovenstraße, Mozartstraße, Lisztstraße sowie den Rest der Heinestraße. An Weihnachten 1937 zogen dort 60 Siedler ein. Der dritte Bauabschnitt konnte im Jahr 1938, der vierte Bauabschnitt 1939 bezogen werden. Dies umfasste erneut 40 Siedlerstellen.

Die derzeit errichteten Wohnhäuser hatten in der Regel die Grundrissmaße 8,60 m × 7 m und wurden nach gleichen Plänen errichtet. Im Erdgeschoss umfassen die Gebäude zwei Zimmer, einen kleinen Flur sowie eine Küche. Im ersten Stock befinden sich zwei weitere Zimmer. An die Häuser angeschlossen ist ein Wirtschaftsteil mit Stall für Hühner, Ziegen oder Schweine sowie ein Futterboden unter dessen Dach. Insgesamt umfasste das Bauprojekt bis zum Zweiten Weltkrieg Häuser für 123 Familien. Errichtet wurden die Häuser durch die Baufirma Jakob Theobald. Eine Siedlerstelle hatte die durchschnittliche Größe von 12 ar und kostete 5000 Reichsmark. Einschließlich Zinsen mussten nach dem Erwerb monatlich 25 Reichsmark Rückzahlung geleistet werden. Nach drei Jahren wurde den Anwohnern der Grundbesitz als Eigentum übertragen.

Die neuen Hausbesitzer, die zumeist Arbeiter waren, wurden durch den deutschen Siedlerbund beraten und bekamen pro Siedler eine Ziege, ein Ferkel, sechs Hühner, zehn Ballen Torf sowie Kunstdünger, zwölf Obstbäume, zehn Beerensträucher, einen Spaten und Umzäunung zur Verfügung gestellt.

Neben dem beschriebenen Bauprogramm wurden vom Bauunternehmer Nikolaus Hanus zwölf sogenannte „Volkswohnungen“ errichtet. Außerdem wurden von ihm derzeit die Sachsen- und Bayernstraße mit Häusern bebaut. Diese kleineren Anwesen wurden von der Heimstätte an die Bewohner vermietet. mini|Kuppel eines Westwallbunkers in Fraulautern-Kreuzberg Am 1. September 1939 wurden die Bewohner der als roten Zone ausgemachten Städte in der Nähe zu Frankreich nach Thüringen und Sachsen (Kreis Langensalza und Torgau) evakuiert. Am selben Tag überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen, der Zweite Weltkrieg begann. Genau drei Jahre später wurde Fraulautern von einem feindlichen Luftangriff überrascht, was 28 Häuser der Siedlung komplett zerstörte. Gleichzeitig wurden zwei Drittel der Häuser beschädigt. Vier Bewohner starben bei dem Angriff, während die meisten in Bunkern und Luftschutzkellern Schutz finden konnten.

Am 4. Oktober 1943 griffen alliierte Flugzeuge das Militärgelände Großer Sand an und beschädigten dabei unter anderem Teile der Hülzweilerstraße in Fraulautern. Bei einem weiteren Fliegerangriff am 1. Dezember 1944 wurde Fraulautern größtenteils zerstört. Amerikanischer Beschuss aus Richtung Berus, Gisingen und Ittersdorf zerstörte auch einige Häuser der Siedlung. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau durch die Anwohner, die teilweise Unterstützung von alliierten Besatzungssoldaten bekamen.

Nach Plänen der NSDAP sollte am Marktplatz ein Gemeindehaus errichtet werden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Pläne jedoch verworfen. Zwischen der ursprünglichen Siedlung und der Fraulauterner Bebauung in Kreuzberg- und Jahnstraße blieben während der Kriegsjahre rund 300 Meter unbebaut. Ursprünglich ein Panzergraben, wollte man die Fläche nach 1945 zum Durchgang der geplanten Autobahn Saarbrücken–Trier nutzen, was jedoch nie realisiert wurde. Stattdessen errichtete man dort 1950 die Kreuzbergschule (heute Martin-Luther-King-Schule) und zu Beginn der 1960er Jahre die Kirche St. Josef.

1950 stellte man die ehemaligen Baracken der Jahnstraße durch den Krieg sozial geschwächten Familien als Wohnraum zur Verfügung. Ebenso schuf man für diese Zwecke städtische Wohnungen in Berta- und Apolloniastraße für 13 Familien. Im Rahmen des Obdachlosenprogramms der Stadt konnten diese von kinderreichen Familien bezogen werden. Aus Fraulautern stammende Familien in Wohnungsnot wurden dabei bevorzugt berücksichtigt. Im Jahr 1953 folgten städtische Wohnungen in der Kreuzberg- und Elisabethstraße für 29 Familien, 1954 dann städtische Einzelwohnungen in Blockbauweise für 14 Familien (Siedlerstraße). Schlichtwohnungen entstanden 1957 am Großen Sand für 24 Mietparteien. Im Jahr 1958 folgten 120 Flüchtlingswohnungen für Personen, die von Berlin nach Homburg und Lebach geleitet wurden. Die meisten der Familien stammten aus Mitteldeutschland sowie ehemaligen Gebieten des Deutschen Reiches, östlich der Oder-Neiße-Grenze. Besonders der Kettlerverein bemühte sich derzeit, die große Wohnungsnot zu beheben.

Gegenüber der Kreuzbergschule wurde ab 1954 ein Einkaufszentrum mit Geschäftshäusern errichtet, was Poststelle, Sparkasse, Bäckerei, Metzgerei, Lebensmittel- und Schreibwarengeschäft sowie Tabakladen und Friseur umfasste. Zwischen 1950 und 1963 verdreifachte sich die Zahl der Schulkinder der Kreuzbergschule von 232 auf 635. Ab März 1963 wurde die Kreuzbergschule auf 18 Klassen ausgebaut und um eine Turnhalle ergänzt. Die Schule wurde am 1. Dezember 1950 für vier Schulklassen eingeweiht. Erst im Jahr 1960 begann der Bau einer Kanalisation, die mit wachsender Bevölkerungszahl notwendig wurde. mini|Die katholische Kirche St. Josef wurde zwischen 1961 und 1963 errichtet. Schon in den 1930er Jahren plante man den Bau einer eigenen Kirche für den Ortsteil, damals noch unter dem Patrozinium Heilig Kreuz. Nach dem Krieg wurde 1949 eine erste Notkirche errichtet, 1957 folgte die Einrichtung einer eigenen Seelsorgestelle als Expositur. Am 23. April 1961 wurde der Grundstein für die Kirche St. Josef gelegt, die am 1. Mai 1963 feierlich eingeweiht wurde. Die Pläne stammten von Architekt Toni Laub. Beim Patrozinium des heiligen Josef orientierte man sich am Namen des Fraulauterner Pastors Josef Gilles, der sich bereits direkt nach dem Krieg stark für den Bau einer eigenen Pfarrkirche für die Siedlung einsetzte.

Im Jahr 1962 zählte Fraulautern insgesamt 10.188 Einwohner, von denen 3.237 auf der Siedlung lebten. Davon waren 1.383 Personen berufstätig:

20,01 % Hilfsarbeiter 19,2 % Handwerker 16,2 % Invaliden und Rentner 14,5 % Bergleute 12,6 % Arbeiter 7,3 % in der Lehre 5,4 % Beamte und Angestellte 2,2 % Hüttenarbeiter 2,2 % Kaufleute und kaufmännische Angestellte 0,39 % Soldaten, Bauern und freie Berufe

Der Ortsteil zählte zu dem Zeitpunkt 2.966 Katholiken, 237 Protestanten sowie 34 Personen sonstiger Religionszugehörigkeit.

Wirtschaft und Kultur Zu den öffentlichen Gebäuden zählen die Kirche St. Josef, die Kreuzbergschule Martin-Luther-King und der katholische Kindergarten. Am Ortseingang befindet sich der Friedhof Kreuzberg mit Friedhofshalle und Grab des langjährigen Saarlouiser Oberbürgermeisters Roland Henz.

Das Gewerbegebiet Ostring-Nord bietet Fläche für zahlreiche Handwerksbetriebe und industrielle Ansiedlungen. Bis ins Jahr 2017 befand sich dort außerdem das Zollamt. Fischweiher und Fraulauternerbach bilden zusammen ein Naherholungsgebiet, das an den Lachwald angrenzt. Unweit befindet sich der Große Sand. Das Gelände dient der WTD-41 der Bundeswehr als Erprobungsgelände für Panzer und Militärfahrzeuge. Ebenso befindet sich dort das Sportzentrum Großer Sand mit Stadion, Fußball- und Tennisplätzen. Es ist Heimstätte des SV Fraulautern. Unter anderem sind im Ortsteil auch ein Angelsportverein sowie ein Hundesportverein ansässig.

Weblinks Internetauftritt der Fraulauterner Ortsinteressengemeinschaft Internetauftritt der Pfarrgemeinde St. Josef Internetauftritt des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Saarlouis-Fraulautern e.V.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Saarlouis Kategorie:Geographie (Saarlouis)