Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg ist ein Museum des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart. Es liegt an der „Stuttgarter Kulturmeile“ in der Konrad-Adenauer-Straße zwischen der Staatsgalerie und der Musikhochschule.

Entstehung Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg wurde am 1. Oktober 1987 gegründet. Ein kleiner Arbeitsstab der Landesregierung entwickelte und realisierte ab 1992 erste Ausstellungen zur Landesgeschichte zunächst dezentral im Raum Baden-Württemberg. Währenddessen wurde laufend an einer ersten Dauerausstellung gearbeitet. An dem Projektteam beteiligten sich unter anderem der Landeshistoriker Otto Borst, der langjährige Museumsleiter Thomas Schnabel und die Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger.Thomas Schnabel: Vorwort. In: Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Buch zur Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2002, ISBN 3-933726-16-6, S. 8. Das Museumsgebäude wurde von Erwin Teufel initiiert und ist Teil des Stirling-Wilford-Ensembles an der „Stuttgarter Kulturmeile“. Die Planung für das Gebäude wurde 2002 von den Architekten Michael Wilford und Manuel Schupp beendet. Etwa zeitgleich wurde der zweite Bauabschnitt der Musikhochschule Stuttgart fertiggestellt, den ebenfalls Wilford Schupp Architekten entworfen hatten. Am 13. Dezember 2002 eröffnete das Haus der Geschichte Baden-Württemberg die Dauerausstellung auf einer Fläche von mehr als 2000 m2 im eigenen Haus.Thomas Schnabel: Vorwort. In: Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Das Buch zur Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2002, ISBN 3-933726-16-6, S. 7

Dauerausstellung mini|280px|Eingangsbereich mit Vitrinen (2011)

Mit mehr als 1.500 Originalobjekten, über 1.000 Fotografien, Filmen und Infostationen werden den Besuchern zahlreiche Aspekten der Geschichte Baden-Württembergs vorgestellt.

Die Dauerausstellung gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil im Eingangsbereich werden 26 Gegenstände gezeigt, die sich mit Visionen für eine bessere Welt beschäftigen, für jeden Buchstaben des Alphabets einer. Eine in den Boden eingelassene interaktive Karte von 1790 illustriert den politischen Flickenteppich auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg. Im zweiten Teil folgen 200 Jahre Landesgeschichte im chronologischen Durchgang. Hier werden Gegenstände gezeigt, die die Geschichte der Länder Baden und Württemberg erzählen. Er endet mit der sogenannten Klimatreppe. Dort geht es um die Gegenwart und Zukunft von Baden-Württemberg in Zeiten des Klimawandels. Die Treppe führt in die oberste Ebene des Hauses, die den dritten Teil – den Themenpark – beherbergt.

Der chronologische Durchgang im zweiten Teil beginnt mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und mündet in den Bereich „Demokratie und Teilhabe seit 1945“.

Folgende Abschnitte aus der Geschichte werden hervorgehoben: 1790–1815: Territoriale Revolution 1815–1848: Vormärz 1848–1866: Die Revolution und ihre Folgen 1866–1914: Einbindung in den Nationalstaat 1914–1945: Die zwei Weltkriege und die Zwischenkriegszeit Demokratie und Teilhabe seit 1945

Der Themenpark im dritten Teil der Ausstellung stellt Aktuelles in einen historischen Kontext. Hier werden Themen wie Natur und Umwelt am Beispiel des Schwarzwaldes und des Neckars behandelt, Wirtschaft, Urbanisierung, Religion, Migration, Partnerschaft, Ehe und Familie, Wissenschaft und Forschung sowie die Beziehungen in Europa.

Das Konzept der Dauerausstellung wurde vom Atelier Brückner des Stuttgarter Szenografen und Architekten Uwe R. Brückner entwickelt. Das Haus der Geschichte und das vom Atelier ungefähr zur gleichen Zeit konzipierte Westfälische Museum für Archäologie sind Beispiele für Ausstellungen, die im Rahmen einer Inszenierung vielfältige Objekte und Aussagen zusammenbringen und erlebenswert vermitteln sollen.Uwe R. Brückner: Das Haus der Geschichte – Vom Haus ohne festen Wohnsitz zur Institution in bester Lage. In: Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Das Buch zur Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2002, ISBN 3-933726-16-6, S. 22.

Sonderausstellungen Ab 1987 wurde am Konzept für das Haus der Geschichte in Stuttgart gearbeitet. 1992 entstand daraus die erste Ausstellung, die noch dezentral gezeigt wurde. Nachdem 2002 das Haus der Geschichte an der Konrad-Adenauer-Straße bezogen worden war, wurden dort zahlreiche Sonderausstellungen gezeigt: 2004: „Bildergeschichten Hannes Kilian – Fotografien und Reportagen 1944–1974.“ 2004: „Zerreißprobe Frieden – Baden-Württemberg und der NATO-Doppelbeschluss.“ 2005: „Zuteilungsreif – Bausparer-Geschichten aus dem Südwesten.“ 2006: „Reinen Wein einschenken – Weinwelt im Wandel.“ 2007: „Jud Süß – Propagandafilm im NS-Staat.“ 2008: „Mythos Rommel.“ 2009: „Ihr und Wir – Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg.“ 2010: „Von Bad Waldsee bis L. A. – Rupert Leser, Fotoreporter.“ 2011: „Dagegen leben? Der Bauzaun und Stuttgart 21.“ 2012: „Anständig gehandelt – Widerstand und Volksgemeinschaft 1933–1945.“ 2013: „RAF – Terror im Südwesten.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2014: „Fastnacht der Hölle – Der Erste Weltkrieg und die Sinne.“ Digitaler Rundgang verfügbar. 2015: „Auf nackter Haut – Leib. Wäsche. Träume, virtueller Rundgang verfügbar. 2017: „Carl Laemmle presents… Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2018: „… denn die Zeiten ändern sich. Die 60er-Jahre in Baden-Württemberg.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2018: „Vertrauensfragen. Der Anfang der Demokratie im Südwesten 1918–1924.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2020: „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2020–2021: „Gier. Was uns bewegt.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2021–2022: „Hass. Was uns bewegt.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2022–2023: „Liebe. Was uns bewegt.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2023–2024: „American Dreams.“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2024–2026: „Frei Schwimmen. Gemeinsam?!“ Virtueller Rundgang verfügbar. 2025: „Stammheim 1975. Der RAF-Prozess.“ 2025–2026: „Wahlkampf radikal.“ 2025–2026: „Wie geht es dir?“ 2026: „Im Fokus: Echt jetzt?! Fotografien. Retusche. Deepfakes.“

Nach wie vor wurden und werden Ausstellungen auch für andere Orte konzipiert: 2008: „Die Mörder sind unter uns – Der Ulmer Einsatzgruppenprozess 1958“ (Stadthaus Ulm). 2008: „Das Wunder von Bregenz – Eine Fußballausstellung“ (Festspielhaus Bregenz). 2010: „Gefühle, wo man schwer beschreiben kann“ – Große Landesausstellung zum Fußball im Südwesten (Kunstgebäude Stuttgart). 2012: Hannes Kilian (Kunstgebäude Stuttgart). 2012: „Liebe Deinen Nachbarn – Beziehungsgeschichten im Dreiländereck“ (Augustinermuseum Freiburg). 2024: „Jüdische Beziehungsgeschichten“ (Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim) 2023–2025: „Gestapo vor Gericht“ (Erinnerungsort Hotel Silber), virtueller Rundgang verfügbar. 2024: „Das KZ vor der Haustür“ (Erinnerungsort Hotel Silber). 2026–2027: „Rechtsextremer Terror“ (Erinnerungsort Hotel Silber).

Geschichtsvermittlung Das Haus der Geschichte bietet ein Bildungs- und Vermittlungsangebot im Rahmen der baden-württembergischen Landesgeschichte an. Die größte Zielgruppe hierfür bilden Schüler und Jugendliche sowie Sprachlernklassen und -gruppen. In Führungen zu verschiedenen Epochen und Themengebieten sowie in Workshops liegt der Fokus vor allem auf dem Ausbau der Geschichtskompetenz.

Andere Standorte Das Landesmuseum hat neben der Zentrale Zweigstellen an anderen Orten: Das Turenne-Museum in Sasbach (2001) Die Stauffenberg-Erinnerungsstätte in Stuttgart (2006) Das Gefängnismuseum Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis in Asperg (2010)

Landesgeschichtliche Sammlung Das Haus der Geschichte unterhält eine umfangreiche landesgeschichtliche Sammlung mit großem Fotoarchiv. Verwahrt werden u. a. folgende Fotobestände: Archiv des Postkartenherstellers Gebrüder Metz in Tübingen, mit rund 270.000 Glasplatten-Negativen. Nachlass Robert Holder (1908–1987), Bad Urach Nachlass Leif Geiges (1915–1990), Freiburg i. Br. Nachlass Hannes Kilian (1909–1999), Stuttgart Nachlass Rupert Leser (1933–2017), Bad Waldsee

Diese werden sukzessive in einer museumsinternen Sammlungsdatenbank inventarisiert und digitalisiert.

Kooperationsprojekt Museum Hotel Silber in Stuttgart (2018).

Externe Dauerausstellungen „Matthias Erzberger“für die Erinnerungsstätte Matthias Erzberger in Münsingen (2004) „Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern“für die ehemalige Synagoge Haigerloch (2004) „Miteinander.Nebeneinander. Gegeneinander.“für das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim (2006) Haus am jüdischen Friedhoffür das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim (2014) „Zwangsarbeiter der Fassfabrik Kurz. Die RAD-Baracke“für das Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen (2016) „Carl Laemmle. Ein Laupheimer in der Welt.“für das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim (2018) „Das Eiermann Magnani Haus. Ein Architekt. Ein Pfarrer. Eine Modellsiedlung“für die Eiermann-Magnani Dokumentationsstätte in Hettingen (Buchen) (2018) „NS-Justiz in Stuttgart“für das Oberlandesgericht und das Landgericht in Stuttgart (2019)

Leitung 1989–2018: Thomas Schnabel 2019–2023: Paula Lutum-Lenger (Berufung Juli 2018) seit 2024: Cornelia Hecht-Zeiler

Wissenschaftlicher Beirat Mitglieder Der wissenschaftlichen Beirat hat fünfzehn Mitglieder (Stand November 2025). Julia Angster, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim Rainer Balzer, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Alexander Becker, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Stephan Ferdinand, Professor für Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien Timm Kern, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Dorothea Kliche-Behnke, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Erwin Köhler, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Debora Krieg, Bildungsreferentin der Bildungsstätte Anne Frank Christine Krüger, Vorsitzende des Beirates, Professorin für Geschichte der Neuzeit der Universität Bonn Norwin Graf Leutrum von Ertingen, Vorstandssprecher der BW-Bank Ulrich Nieß, Historiker und Archivar, ehemaliger Leiter des Marchivum Katja Patzel-Mattern, Stellvertretende Vorsitzende des Beirates, Sozial- und Wirtschaftshistorikerin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Wolfram Pyta, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart Ruth Rosenberger, Vertreterin des Präsidenten der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Stefanie Schneider, Landessenderdirektorin Baden-Württemberg beim SWR Yasemin Soylu, Geschäftsführerin des Mosaik Deutschland e. V. Muslimische Akademie Heidelberg

Seit 2015 nehmen als Gäste an den Tagesordnungspunkten, die das Museum Hotel Silber betreffen, zwei von der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber berufene Fachwissenschaftler teil.

Frühere Mitglieder Gerhard Aden, Stephen Brauer, Manfred Fuchs, Gabriele Haug-Moritz, Christoph Hauser, Daniel Karrais, Manfred Kern, Birgit Kipfer, Christel Köhle-Hezinger, Jörn Leonhard, Meron Mendel, Heiner Merz, Christine Neumann-Martin, Sylvia Paletschek, Dietmar Preißler, Martin Rivoir, Alexander Salomon, Sylvia Schraut, Albrecht Schütte, Udo Stein, Franz Quarthal.

Literatur Landesgeschichten. Der deutsche Südwesten von 1790 bis heute. Das Buch zur Dauerausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2002, ISBN 3-933726-16-6.

Weblinks

Offizielle Website des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg

Einzelnachweise

Kategorie:Museum in Stuttgart Kategorie:Geschichte Baden-Württembergs BadenWurttemberg

Kategorie:Museumsgründung 1987