Die Kampfgruppe (KG) war eine verbreitete Formation der Wehrmacht und der Waffen-SS während des Zweiten Weltkriegs sowie ein Großverband in den Anfangsjahren der Bundeswehr.
In der Wehrmacht und SS Gegen Ende des Krieges wurde der Zusammenhalt der Division, ein für den selbstständigen Einsatz befähigter Verband, als organisches Ganzes immer loser und zerfiel in eine selbstständige Kampfweise kleiner gemischten Gruppen, die zumeist Kampfgruppen genannt wurden. Diese sich anbahnende Krise des Divisionssystems wurde durch die Auflockerung und Weite des Schlachtfeldes ausgelöst und die bewegliche Kriegsführung mit rasch wechselnden Gefechtslagen verstärkte die Notwendigkeit, verschiedene Waffen zu einem bestimmten Zweck rasch zu einer Kampfgruppe zu vereinigen.Oskar Munzel: Die deutschen gepanzerten Truppen bis 1945. Herford 1965, S. 226 f.
Üblicherweise trat eine Kampfgruppe in Bataillonsstärke auf und bestand somit aus 300 bis 1.200 Soldaten. Bei Bedarf konnte der Personalbestand stark variieren. Es existierten 60-Mann-Einheiten und Kampfgruppen in Korps-Stärke mit 40.000 Soldaten. Kampfgruppen waren ad hoc und auf Zeit gebildete Verbände der verbundenen Waffen und umfassten in der Regel neben Infanterie und Artillerie auch Panzer- und sonstige spezialisierte Truppen. Die Kampfgruppen wurden nach ihren Kommandeuren, den aufstellenden Verbänden oder auch neutralen Namen, so beispielsweise „Kampfgruppe Granit“, benannt.
Auch die SS bildete im Verlauf des Deutsch-Sowjetischen Krieges Kampfgruppen, so etwa die vom November 1942 bis zum Juli 1944 existierende Kampfgruppe von Gottberg, die unter dem Deckmantel der Partisanenbekämpfung schwere Kriegsverbrechen gegen die weißrussische Zivilbevölkerung beging.
In der Bundeswehr Aufstellung In den Anfangsjahren der Bundeswehr (Heeresstruktur 1) war die Kampfgruppe die übliche Formation für einen aus mehreren Truppengattungen zusammengesetzten Verband unterhalb der Ebene der Division. Diese Organisationsform beruhte auf dem Vorbild der Battle Group in der Pentomic-Struktur der US-Armee, die 1957 unter Generalstabschef Maxwell D. Taylor angesichts der voraussichtlichen Bedingungen eines Atomkriegs eingeführt worden war. Eine Kampfgruppe war ein Verband, dessen Stärke zwischen dem herkömmlichen Bataillon und dem Regiment lag. Aufgestellt wurden elf Kampfgruppen, sechs Panzerkampfgruppen, eine Panzerlehrkampfgruppe, zwei Gebirgskampfgruppen und zwei Luftlandekampfgruppen.
Bezeichnungssystematik Die Kampfgruppen der Division trugen Kampfgruppennummern nach dem Muster -kampfgruppe A/B/C Divisionsnummer. Die Panzerkampfgruppe C3 war also beispielsweise die dritte Kampfgruppe der 3. Division. Der schnelle Aufwuchs und häufige Umgliederungen bedingte aber nicht immer eine nach diesem Muster stringente Nummerierung. Die Panzerlehrkampfgruppe unterstand keiner Division, sondern der Panzertruppenschule.
Umgliederung zur Heeresstruktur 2 Bereits in der Heeresstruktur 2 wurden die Kampfgruppen bis etwa entsprechend den NATO-Standards in Brigaden umgegliedert und neu durchnummeriert. Kampfgruppen als Formation im Heer gab es danach nicht mehr.
Liste der Kampfgruppen Bezeichnung Standort Stab Aufstellung Unterstellung „Nachfolger“ Panzerlehrkampfgruppe Munster Panzertruppenschule → Panzerlehrbrigade 9 Kampfgruppe A 1 Hannover 1. Grenadierdivision → Panzergrenadierbrigade 2 Kampfgruppe B 1, „alt“ Neumünster 1. Grenadierdivision → Kampfgruppe B 6 Kampfgruppe B 1, „neu“ Hildesheim 1. Grenadierdivision → Panzergrenadierbrigade 1 Kampfgruppe C 1 Nienburg 1. Grenadierdivision → Panzerbrigade 3 Kampfgruppe A 2 Hann. Mündenab Marburg 2. Grenadierdivision → Panzerbrigade 6 Kampfgruppe B 2 Goslarab Holzmindenab Kassel 2. Grenadierdivision → Panzergrenadierbrigade 5 Kampfgruppe C 2 Göttingen 2. Grenadierdivision → Panzergrenadierbrigade 4 Kampfgruppe A 3 Hamburg 3. Panzerdivision → Panzerbrigade 8→ Panzergrenadierbrigade 17 Panzerkampfgruppe B 3 Schleswigab Schwanewede 3. Panzerdivision → Panzergrenadierbrigade 32 Panzerkampfgruppe C3 Unnaab Augustdorf 3. Panzerdivision→ 7. Panzerdivision (7. Division) → Panzerbrigade 21 Kampfgruppe A 4 Amberg 4. Grenadierdivision → Panzerbrigade 12→ Panzergrenadierbrigade 10 Kampfgruppe B 4 Coburgab Ellwangenab Bogen 4. Grenadierdivision → Panzergrenadierbrigade 11 Panzerkampfgruppe C4 Regensburgab Ellwangen 4. Grenadierdivision → Panzerbrigade 30 Panzerkampfgruppe A 5 Hohenfelsab Koblenz 5. Panzerdivision → Panzerbrigade 14 Panzerkampfgruppe B 5 Grafenwöhrab Wetzlar 5. Panzerdivision → Panzergrenadierbrigade 13 Panzerkampfgruppe C 5 Koblenz 5. Panzerdivision → Panzerbrigade 15 Kampfgruppe A 6 Koblenz 6. Grenadierdivision (6. Division) → Panzergrenadierbrigade 16→ Panzergrenadierbrigade 17 Kampfgruppe B 6 Neumünster 6. Grenadierdivision (6. Division) → Panzerbrigade 18→ Panzergrenadierbrigade 17 Gebirgskampfgruppe A 8 Bad Reichenhall 1. Gebirgsdivision → Gebirgsjägerbrigade 23 Gebirgskampfgruppe B 8 Mittenwald 1. Gebirgsdivision → Gebirgsjägerbrigade 22 Luftlandekampfgruppe A 9 Esslingenab Sigmaringen 1. Luftlandedivision → Fallschirmjägerbrigade 25 Luftlandekampfgruppe B 9 Esslingenab Sigmaringen 1. Luftlandedivision → Luftlandebrigade 26
International Das Konzept der Kampfgruppe der Wehrmacht wurde später z. B. von der United States Army („Combat Team“) und der israelischen Armee übernommen. Die NATO beziehungsweise die EU stellt multinationale EU Battlegroups auf.
Siehe auch Kampfverband Einsatzgruppe Task Force (Militär) Kampfgruppen der Arbeiterklasse (DDR)
Einzelnachweise
Kampfgruppe Kategorie:Militärischer Verband Kategorie:Militärischer Verband (Geschichte der Bundeswehr)