mini|Blick von der ISS (2010)
Unterföhring ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München und liegt am nordöstlichen Stadtrand Münchens. Sie ist einer der wichtigsten Medienstandorte Deutschlands.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt am nordöstlichen Stadtrand Münchens. Neben der Landeshauptstadt grenzen die Gemeinden Ismaning im Norden und Aschheim im Osten an das Gemeindegebiet.
Zur vollständigen Vermessung Bayerns wurde die Basislinie Unterföhring–Aufkirchen im Jahre 1801 geschaffen. Eine der beiden Basispyramiden der Endpunkte dieser Basislinie steht in Unterföhring nördlich des Föhringer Ringes.
Gewässer Die Gemeinde wird im Westen durch die Isar begrenzt. Im Bereich der Gemeinde Unterföhring finden sich außerdem der Poschinger Weiher, der Mittlere-Isar-Kanal, der Feringasee sowie Teile des Ismaninger Speichersees.
Gemeindegliederung Außer dem Pfarrdorf Unterföhring gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Verordnung des Bezirks Oberbayern über den Schutz von Landschaftsteilen entlang der Isar in den Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen, München, Freising und Erding als LSG (LSG-00384.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Isarauen von Unterföhring bis Landshut (7537-301) Vogelschutzgebiet (Vogelschutzrichtlinie der EU) Ismaninger Speichersee und Fischteiche (7736-471)
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Vor der Gründung Münchens um 1158 existierte ein bedeutender Flussübergang über die Isar, die Föhringer Brücke. Unterföhring geht ebenso wie das heute zu München gehörige Oberföhring auf den Ort Föhring zurück, der erstmals im Jahre 750 als Feringas in den Regensburger Traditionsbüchern verschriftlicht wurde. In den Traditionsbüchern des Klosters Mondsee von 783 findet sich Faringa. Es liegt wohl althochdeutsch ferio (‚Fährmann‘) oder far (‚Überfahrstelle eines Gewässers‘) mit -ing-Suffix zugrunde, vgl. das alte Wort Ferge.
Unterföhring wurde erstmals 1180 als selbständiger Ort (inferius Feringin) in einer lateinischen Urkunde erwähnt, auf Deutsch erstmals 1319 als ze Niedernfergen. Unterföhring wurde bis ins 17. Jh. Niederföhring genannt.
Im 14. Jh. wurde es Bestandteil der zum Hochstift Freising zählenden ehemaligen Grafschaft Ismaning. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Luftbild Feringasee
In den 1950er Jahren begann der Wohnungsbau im nördlichen Unterföhring, die erste Industrieansiedlung östlich der Bahnstrecke erfolgte 1955. In den 1960ern erhielt die Gemeinde eine Kanalisation samt Kläranlage, an der Feringastraße entstand ein weiterer Industriestandort und das heute als Poschinger Weiher bekannte Naherholungsgebiet wurde ausgebaut. 1971 konnte die Eingemeindung in die Stadt München im Rahmen der Landkreisgebietsreform verhindert werden. Zwei Jahre später, 1973, erhielt Unterföhring Anschluss ans Münchener S-Bahn-Netz. 1982 wurde das Naherholungsgebiet Feringasee der Öffentlichkeit übergeben, 1984 die evangelische Kirche in der St.-Florian-Straße eingeweiht. 1988 begannen die Bauarbeiten für das Wohngebiet „Unterföhring Süd“ sowie eines Sport- und Freizeitzentrums nördlich des Gewerbegebiets.
Von 2002 bis 2006 wurde die überwiegend von der S-Bahn genutzte Bahnstrecke zweigleisig ausgebaut und infolge eines Bürgerentscheids von 1996 in weiten Teilen des Gemeindegebiets in einen Tunnel verlegt. Auch der S-Bahnhof Unterföhring befindet sich seitdem in Tunnellage, oberirdisch entstanden Stellplätze für Autos und Fahrräder sowie eine neue Bushaltestelle, die auch vom 2006 eingeführten Ortsbus angefahren wird. Auf der Tunneldecke entstand ein Fußweg, entlang dessen die Ortsgeschichte auf Informationstafeln erzählt wird. mini|Bürgerhaus
Von 2008 bis 2010 entstand an der Münchner Straße gegenüber dem Rathaus das Bürgerhaus Unterföhring, das auch die Gemeindebücherei beherbergt. Dort finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt, denen bis zu 700 Besucher beiwohnen können.
Im Februar 2014 beschloss der Gemeinderat eine städtebauliche Neuordnung des ehemaligen BAHOG-Geländes westlich des S-Bahnhofs. Ziel des Umbaus der geografischen Ortsmitte ist eine städtebauliche Verbindung zwischen dem Altort, dem Wohngebiet „Unterföhring Süd“, dem S-Bahnhof sowie dem Gewerbegebiet zu schaffen. Im November 2015 wurde der Gewinner des architektonischen Wettbewerbs gekürt, der den Neubau von Volkshochschule und Musikschule sowie die Errichtung von Gebäuden für Büros, Gewerbe und Wohnungen vorsieht. Das Zentrum soll ein viergeschossiges Gebäude bilden, das als neues Rathaus genutzt werden soll. Der Baubeginn der neuen Ortsmitte fand mit dem ersten Spatenstich für den Neubau der Volkshochschule am 12. Januar 2016 statt. Diese wurde im Jahr 2019 fertiggestellt, musste aber sofort danach wegen eines Wasserschadens fast ein Jahr lang saniert werden, bevor der Betrieb aufgenommen werden konnte.
Im September 2018 wurde mit dem Bau eines Schulcampus für ein neues fünfzügiges Gymnasium und eine neue vierzügige Grundschule mit gemeinsamer Sporthalle sowie einem Kinderhort begonnen. Das Gymnasium wurde zum Schuljahr 2020/2021 eröffnet, die Bauarbeiten am restlichen Campus wurden 2020 fertiggestellt.
Einwohnerstatistik Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 5.049 auf 11.296 um 6.247 Einwohner bzw. um 123,7 % – der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum. mini|400px|Einwohnerentwicklung nach nebenstehender Tabelle von 1785 bis 2017
Jahr Einwohner 1785 283 1840 327 1855 336 1871 388 1890 523 1900 684 1925 1212 1939 1587 1950 2815 Jahr Einwohner 1961 3276 1970 3999 1987 5105 1991 6126 1995 6805 2005 7500 2010 10.820 2015 10.948 2017 11.221
Konfessionsstatistik Mit Stand Juni 2024 waren von den Einwohnern 27 % (3.229) Mitglieder der katholische Kirche und 9 % (1.078) der evangelische; 64 % waren Konfessionslos oder gehörten andere Glaubensgemeinschaften an.Unterföhring in Zahlen, abgerufen am 25. Mai 2025
Politik Bürgermeister 1. Bürgermeister: Florian Klietsch (SPD) 2. Bürgermeisterin: Simone Spratter (PWU) 3. Bürgermeister: Philipp Schwarz (SPD)
Gemeinderat Periode Sitze Sitzverteilung 2008–2014 20 9 7 3 1 2014–2020 24 8 9 5 2 20201 24 6 9 4 4 1 2020–2023 24 7 9 4 3 1 2023–1 24 6 9 4 4 1 SPD PWU CSU Grüne FDP 1Noch vor der konstituierenden Sitzung nach der Gemeinderatswahl 2020 schloss sich eine Kandidatin der Grünen der SPD-Fraktion an, wechselte aber 2023 zur Grünen-Fraktion.
Im September 2024 traten drei Ratsmitglieder aus der Grünen-Fraktion aus und gründeten die Fraktion UFG (Unabhängig + Fortschrittlich + Grün). Anfang Mai 2025 schlossen sie sich der Partei Volt Deutschland an und nannten ihre Fraktion Volt.
Partnerschaften Unterföhring unterhält seit dem 26. März 1993 eine Gemeindepartnerschaft mit dem thüringischen Ort Kamsdorf und hat am 1. Juni 2008 eine Gemeindepartnerschaft mit der friaulischen Gemeinde Tarcento begonnen.
NordAllianz Unterföhring ist Mitglied in der NordAllianz – Metropolregion München Nord.
Wappen
Wirtschaft mini|Medienallee mini|Zentrale von Sky Deutschland Medien Unterföhring ist einer der wichtigsten Medienstandorte Deutschlands. Bereits in den 1950er Jahren erfolgte die Ansiedlung der RIVA Lichttechnische Betriebe, 1962 übernahmen der Bayerische Rundfunk (BR) und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) die RIVA-Studios. Zehn Jahre später, 1972 folgte die Taurus-Film, die spätere Kirch-Gruppe.
Seit 2000 findet sich hier auch der Sitz der ProSiebenSat.1 Media SE, des Weiteren haben einige der größten unabhängigen Filmproduktionsgesellschaften in Deutschland, die neue deutsche Filmgesellschaft, sowie der Sender 123tv, das Filmstudio Paramount Pictures Germany, der Pay-TV-Betreiber Sky Deutschland GmbH (ehemals Premiere AG), der Satellitenbetreiber Astra Deutschland GmbH und Vodafone Deutschland, einer der größten Kabelnetzbetreiber Europas, ihren Sitz in Unterföhring.
Die zweite Filmausbildungsstätte Bayerns neben der HFF München hat in Unterföhring seit mehreren Jahren ihren Platz: die BAF (Bayerische Akademie für Fernsehen und Digitale Medien) bildet pro Jahr etwa 60 Medienschaffende aus im Bereich Kamera, Schnitt und Fernseh-Journalismus. Zudem werden hier Spezialisten im digitalen Trickfilmbereich (VFX) herangebildet.
Weiteres Neben Medienunternehmen sind aber auch namhafte Versicherungsunternehmen im Gewerbegebiet Unterföhring östlich der Flughafen-Bahnlinie angesiedelt. Größter Arbeitgeber ist die Allianz SE mit rund 10.000 Mitarbeitern, unter anderem durch ihren IT-Dienstleister Allianz Technology SE und weiteren Gesellschaften des Allianz-Konzerns. Insgesamt arbeiten in diesem Gewerbegebiet mehr als 22.000 Menschen.
Auf Unterföhringer Gemarkung unmittelbar an der Grenze zu München betreiben die Stadtwerke München das Heizkraftwerk Nord, in dem Steinkohle und Restmüll verfeuert werden. Zudem befindet sich hier das Geothermieheizwerk Unterföhring mit einer thermischen Leistung von 22 MW. Zunächst mit 10 MW in Betrieb genommen wurde sie 2016 mit zwei neuen Bohrungen auf die Leistung von 22 MW erweitert. Mit Stand 2016 werden über 2000 Privathaushalte sowie ca. 50 Gewerbekunden über ein Nahwärmenetz mit Erdwärme und Kälte versorgt; bis 2020 soll das Nahwärmenetz noch deutlich erweitert werden. Betrieben wird die Anlage von Geovol, einer Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring.Nummer eins in Erdwärme. In: Süddeutsche Zeitung, 1. März 2016. Abgerufen am 2. März 2016.
Dank der vielen Unternehmen ist die Gemeinde schuldenfrei und hat sogar Rücklagen in Höhe von 442 Millionen Euro gebildet (Stand: Dezember 2017), was über 35.000 Euro/Einwohner entspricht und u. a. das Anbieten einer kostenlosen Kinderbetreuung ermöglicht.
Integriertes Klimaschutzkonzept – Auswirkung auf Wirtschaft Seit 2013 verfolgt die Gemeinde Unterföhring ein Integriertes Klimaschutzkonzept.https://www.unterfoehring.de/files/content/mobil-umwelt/Klimaschutz/Bericht_IKK_Muenchen_Unterfoehring_2016.pdf Ziel bis zum Jahr 2035 ist die energetische Treibhausgas-Neutralität (ohne Verkehr), ab 2040 die endgültige Klimaneutralität. Für die Wirtschaft in Unterföhring gibt es dazu keine bindenden Ziele, bzw. Zwischenziele. Mit einer Ökostromkampagne sollen z. B. Unternehmen in Unterföhring motiviert werden, auf Ökostrom umzusteigen.
Verkehr Wichtige Straßen Die Staatsstraße 2088 „Föhringer Ring“ quert das Gemeindegebiet im Südwesten und verbindet Unterföhring mit den Münchner Stadtbezirken Bogenhausen und Schwabing-Freimann sowie mit der Bundesautobahn 9, dem Mittleren Ring und der Bundesstraße 11. Die Staatsstraße 2340 (früher Kreisstraße M 3) schafft die Verbindung zur Bundesstraße 471, zum Autobahnring und nach Aschheim.
Schienenverkehr mini|Bahnhof, tiefergelegt S-Bahnlinie 8 Herrsching – M-Pasing – M-Hauptbahnhof – M-Ostbahnhof – Unterföhring – Flughafen München (Bahnstrecke München Ost–München Flughafen) Metrobuslinie: Linie 50 Olympia Einkaufszentrum – U-Bahnhof Studentenstadt – Unterföhring Feringastraße – Johanneskirchen S-Bahnhof Expressbuslinie:
Linie X205 Arabellapark – Unterföhring – Ismaning – Garching Forschungszentrum
Regionalbuslinien: Linie 188 Unterföhring Fichtenstraße – St. Emmeram – Oberföhring (München) – U-Bahnhof Richard-Strauss-Straße – Denning – Daglfing S-Bahnhof Linie 189 Unterföhring S-Bahnhof – Gewerbegebiet Unterföhring Park („up“) – St. Emmeram – Oberföhring (München) – U-Bahnhof Richard-Strauss-Straße – Denning – Daglfing S-Bahnhof Linie 231 Studentenstadt – Unterföhring – Ismaning S-Bahnhof Linie 232 Ortsbus Unterföhring: Fichtenstraße – S-Bahnhof – Endhaltestelle St. Emmeram der Münchner Trambahnlinien 16 und 17 (– Feringastraße Ost bis ca. 21 Uhr) Linie 233 Unterföhring Rivastraße – Gewerbegebiet Unterföhring Park („up“) – Apianstraße (Büropark Süd) – Studentenstadt