mini|Blick in die Innenstadt mit Kirche mini|Fachwerkensemble mit Hessischem Kratzputz zwischen Landgrafenstraße und Burgstraße
Hessisch Lichtenau ist eine Kleinstadt im östlichen Nordhessen im Werra-Meißner-Kreis.
Geographie Geographische Lage Hessisch Lichtenau liegt rund 20 km (Luftlinie) südöstlich von Kassel zwischen dem am Hirschberg bis hohen Kaufunger Wald im Norden, dem Hohen Meißner () im Osten, dem Stölzinger Gebirge mit dem Eisberg () im Südosten und der Günsteröder Höhe mit dem Himmelsberg () im Südwesten. Die von diesen Höhenzügen umrahmte Talsenke wird Hessisch-Lichtenauer Becken genannt, das wie die Kernstadt von Hessisch Lichtenau von der Losse durchflossen wird und zum Geo-Naturpark Frau-Holle-Land gehört.
Nachbargemeinden Hessisch Lichtenaus Nachbarkommunen im Uhrzeigersinn: Helsa im Nordwesten, Landkreis Kassel Großalmerode im Nordosten, Werra-Meißner-Kreis Berkatal im Nordosten, Werra-Meißner-Kreis Meißner im Osten, Werra-Meißner-Kreis Waldkappel im Südosten, Werra-Meißner-Kreis Spangenberg im Süden, Schwalm-Eder-Kreis Melsungen im Südwesten, Schwalm-Eder-Kreis Söhrewald im Westen, Landkreis Kassel
Stadtgliederung Friedrichsbrück Fürstenhagen Hausen Kernstadt Hessisch Lichtenau mit Hirschhagen Hollstein Hopfelde Küchen Quentel Reichenbach Retterode Velmeden Walburg Wickersrode Für alle Stadtteile, auch die Kernstadt, sind Ortsbezirke mit zu wählendem Ortsbeirat eingerichtet.§ 6 der Hauptsatzung von Hessisch Lichtenau Das Gewerbegebiet Hirschhagen mit Mischbebauung hat einen eigenen Ortsbeirat, ist aber kein eigener Stadtteil, sondern gehört zur Kernstadt.
Geschichte Ortsname
Die Schreibweise des Ortsnamens wandelte sich im Laufe der Zeit von Lichtenowe (1289) bzw. Lybenowe (1297) zu Lichtenau (1575). 1889 erhielt die Stadt durch Dekret der Königlichen Regierung zu Cassel (3. August) den Namen Hessisch Lichtenau. Damit wurde den ständigen Verwechslungen mit Orten gleichen Namens begegnet (siehe Lichtenau).
Stadtgeschichte
Innerhalb der heutigen Stadtgemarkung von Lichtenau lagen ursprünglich die sechs Ansiedlungen Vortriden (Hauptort), Siegershausen, Kamphis, Herzelshagen, Hönrode und Boppenhagen. Zwischen 1283 und 1289 entstand durch Veranlassung des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. am Schnittpunkt der alten Handelsstraßen „Leipziger Straße“ (Verbindung von Thüringen und Hessen) und „Sälzerstraße“ (Salzweg von Sooden in den Süden) ein befestigter Platz, der neben dem Schutz dieser Straßen auch den Zugang zur Landeshauptstadt Kassel sichern und die Grenzfestung Reichenbach entlasten sollte.
Die planmäßig angelegte Siedlung „Lichtenowe“ wurde erstmals am 25. März 1289 urkundlich als „neue Stadt“ erwähnt. Sie besaß von vornherein Stadtrechte und eine eigene Gerichtsbarkeit. Nach der Gründung der Stadt wurden die umliegenden sechs Ansiedlungen von ihren Bewohnern verlassen und verödeten; nur die Flurnamen blieben erhalten. Lichtenau wurde durch eine Ringmauer mit Graben und Wall gesichert. Mit Verlegung des Amtssitzes von der Burg Reichenbach in die Stadt wurde Lichtenau im Jahre 1490 Hauptort des nun „Amt Lichtenau“ genannten hessischen Amts. Um 1600 fiel die Ortschaft Glimmerode wüst. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Lichtenau 1637 durch Kroaten unter Graf Isolani erobert und in Brand gesetzt. Dabei wurden 84 Wohnhäuser samt Rathaus und alle öffentlichen und kirchlichen Gebäude zerstört. Während der französischen Besetzung war Lichtenau von 1807 bis 1813 Hauptort des Kantons Lichtenau im Distrikt Eschwege des Königreichs Westphalen.
1821 wurden Stadt und Amt Lichtenau im Zuge der kurhessischen Verwaltungsreform dem Kreis Witzenhausen zugeordnet. Ab 1866 gehörte Hessen-Kassel, und damit auch Lichtenau, zu Preußen und ab 1868 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Am 3. August 1889 erhielt die Stadt Lichtenau durch Dekret der Königlichen Provinzialregierung zu Cassel den Namen „Hessisch Lichtenau“. Die Umbenennung von Lichtenau in Hessisch Lichtenau, um Verwechselungen bei der Postzustellung vermeiden zu können, geht auf die Initiative des Postbeamten Gustav Siegel zurück.Hans Gold: Gustav Siegel setzte das Hessisch vor Lichtenau. In: Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 1. April 2014. Hessisch Lichtenau war Sitz des Amtsgerichtes Hessisch Lichtenau.
1936 bis 1938 wurde im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht im Waldgebiet Hirschhagen die „Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau“ errichtet. Die Rüstungsfabrik erhielt Gleisanschluss an die Bahnlinie Walburg–Großalmerode. Zur Unterbringung der Arbeitskräfte und Zwangsarbeiter entstand unter der offiziellen Bezeichnung Außenlager Hessisch Lichtenau des Konzentrationslagers Buchenwald ein Komplex von zehn Barackenlagern nebst einer Siedlung in der Umgebung von Hessisch Lichtenau, Fürstenhagen und Eschenstruth, darunter: „Lager Vereinshaus“: das heutige Gelände der Schule Heinrichstraße „Lager Teichhof“: Gelände der heutigen Orthopädischen Klinik „Lager Föhren“ „Lager Herzog“: jetzt Siedlung West und „Lager Waldhof“: heutige Siedlung Waldhof, seit 1950 Eschenstruth angegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veranlasste die amerikanische Militärregierung die Demontage im Werk Hirschhagen. Die Fabrikationsstätten wurden größtenteils gesprengt. Seit 1946 gehört Hessisch Lichtenau zum neu gegründeten Land Hessen. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren fanden 340 Evakuierte und 1450 Heimatvertriebene in der Stadt eine neue Heimat.
Hessisch Lichtenau war 2006 Veranstaltungsort des 46. Hessentages.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Retterode und Wickersrode auf freiwilliger Basis eingegliedert. Zum 1. April 1972 kam Reichenbach ebenfalls freiwillig hinzu. Friedrichsbrück, Fürstenhagen, Hausen, Hollstein, Hopfelde, Küchen, Quentel, Velmeden und Walburg sowie Gebietsteile der Nachbarstadt Großalmerode mit damals etwa 100 Einwohnern folgten kraft Landesgesetz zum 1. Januar 1974. Für die eingegliederten neun Stadtteile sowie die Kernstadt wurde jeweils ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Die Stadt Hessisch Lichtenau kam durch Fusion der Landkreise Eschwege und Witzenhausen am 1. Januar 1974 zum Werra-Meißner-Kreis.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Hessisch Lichtenau 12.158 Einwohner. Darunter waren 639 (5,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1818 Einwohner unter 18 Jahren, 4893 zwischen 18 und 49, 2757 zwischen 50 und 64 und 2691 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 5475 Haushalten. Davon waren 1731 Singlehaushalte, 1725 Paare ohne Kinder und 1476 Paare mit Kindern, sowie 414 Alleinerziehende und 126 Wohngemeinschaften. In 1332 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3600 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • um 1450: 123 Häuser • 1575: 134 Hausgesesse • 1585: 134 Hausgesesse • 1681: 122 Hausgesesse • 1731: 854 Einwohner • 1747: 122 Mannschaften mit 168 Feuerstellen • 1925: 2387 Einwohner, davon 2257 evangelisch, 39 römisch-katholisch, 61 Baptisten, 8 Theosophen, 7 Dissidenten, 5 Juden
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 4660 evangelische (= 74,87 %), 1299 katholische (= 20,87 %) Einwohner • 1987: 10.436 evangelische (= 78,54 %), 1899 katholische (= 14,29 %), 953 sonstige (= 7,17 %) Einwohner • 2011: 8130 evangelische (= 66,87 %), 1780 katholische (= 14,64 %), 2250 sonstige (= 18,51 %) Einwohner
Berufsgliederung 1724 8 Amtspersonen, 12 Handelsleute, 38 Schuster, 65 Leinweber, 11 Löber, 22 Bäcker, 10 Metzger, 2 Apotheker, 4 Hutmacher, 9 Schmiede und Schlosser, 7 Schreiner, 9 Zimmerleute, 2 Wagner, 11 Schneider, 6 Müller, 5 Ackerleute (außer den in Zünften), ein Färber, ein Sattler, 2 Seiler, ein Knopfmacher, 6 Bender, ein Bader, 2 Ziegler, 12 Tagelöhner, ein Wasenmeister, ein Braumeister
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hessisch Lichtenau erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Hessisch Lichtenau 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge %2026 Sitze2026 %2021 Sitze2021 %2016 Sitze2016 %2011 Sitze2011 %2006 Sitze2006 %2001 Sitze2001 40,1 15 35,8 13 40,6 15 47,4 18 53,7 20 51,6 19 22,7 8 26,1 10 29,2 11 30,7 11 31,6 12 29,3 11 WG Heli Wählergemeinschaft Hessisch Lichtenau 27,5 10 – – – – – – – – – – – – 15,9 6 9,6 3 10,0 4 8,3 3 9,8 4 G/L Grün/Links 9,7 4 11,6 4 7,0 3 – – – – – – Bürger Bürgerliste – – 10,6 4 13,6 5 – – – – – – – – – – – – 12,0 4 – – – – ALH Alternative Liste Heli – – – – – – – – 4,4 1 6,2 2 – – – – – – – – 2,0 1 3,2 1 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 50,9 48,4 54,9 49,1 47,4 53,8 mini|Holleum, Frau-Holle-Museum im historischen Rathaus, Landgrafenstr. 17
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Hessisch Lichtenau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sieben weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat
Bürgermeister ist seit dem 1. August 2022 Dirk Oetzel (SPD).Dirk Oetzel: Über mich – HNA, 30. Dezember 2022: Bürgermeister Dirk Oetzel blickt auf die ersten Monate im Amt zurück Er setzte sich am 3. April 2022 in einer Stichwahl gegen den Amtsinhaber Michael Heußner (CDU), der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte,HNA, 26. Juli 2022: Nach sechs Jahren scheidet Michael Heußner aus dem Bürgermeisteramt aus bei 46,4 Prozent Wahlbeteiligung mit 53,94 Prozent der Stimmen durch.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Hessisch Lichtenau 2022 Die nächste planmäßige Wahl des Bürgermeisters findet 2028 statt. +Bürgermeister der Stadt Hessisch Lichtenaus seit 1976AmtszeitBürgermeisterPartei1970 bis 1976Heinz Jünemann1976 bis 1988Ingo GeislerCDU1988 bis 2000Adolf WinterSPD2000 bis 2016Jürgen HerwigSPD2016 bis 2022Michael HeußnerCDUSeit 2022Dirk OetzelSPD
Ortsbeiräte Für die Stadtteile Friedrichsbrück, Fürstenhagen, Hausen, Hessisch Lichtenau, Hirschhagen, Hollstein, Hopfelde, Küchen, Quentel, Reichenbach, Retterode, Velmeden, Walburg und Wickersrode bestehen Ortsbezirke nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Der Ortsbeirat des Ortsbezirks wird im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt und bestimmt aus seiner Mitte den/die Ortsvorsteher/in. Die Ortsbezirksgrenzen entsprechen den Gemarkungen der eingegliederten ehemaligen Gemeinden. Für die Stadtteile, die durch die Kommunalwahlen keinen Ortsbeirat erhalten haben, kann durch Stadtverordnetenversammlung ein Stadtteilbeirat berufen werden.
Der Ortsbeirat für Hessisch Lichtenau besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 43,17 %. Es erhielten die SPD mit 54,44 % vier Sitze und die CDU mit 45,23 % drei Sitze. Der Ortsbeirat wählte Klaus Schalles (SPD) zum Ortsvorsteher.
Städtepartnerschaften Dessel in Belgien mini|Stein mit Wappen von Hessisch Lichtenau Hessisch Lichtenau ist seit 1971 durch eine Städtepartnerschaft mit der flämischen Stadt Dessel in Belgien verschwistert.