mini|Wappen Dornbirns seit dem23. September 1655 mini|Ansicht der Gemeinde Dornbirn Anfang bis Mitte der 1890er-Jahre Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Dornbirn in Vorarlberg (Österreich). Bedeutsamkeit erlangte die heute größte Stadt des Landes erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufblühen der Textilindustrie im Kaisertum Österreich. Dennoch seien hier auch die Ursprünge der heute  Einwohner (Stand ) zählenden Bezirkshauptstadt erwähnt.

Ur- und Frühgeschichte Archäologische Funde im Rheintal sowie in der Walgau-Region belegen eine frühe Siedlungstätigkeit in Vorarlberg besonders im Bereich der Inselberge bei Götzis und Koblach. Auch waren die Hügel von Feldkirch und die Umgebung von Bregenz und Bludenz Orte reger Siedlungstätigkeit. In der Rinder- und Mönchshöhle im Ebnit wurden zwar Reste späteiszeitlicher Tiere (Höhlenbär und Ren) gefunden, ob diese jedoch von Jägern gejagt worden waren, konnte nicht ohne Zweifel festgestellt werden. Im Dornbirner Gemeindegebiet konnten die ältesten Funde menschlicher Anwesenheit vom Sünser Joch und den Ufern des Sünser Sees in 1800- in die mittlere Steinzeit (8000 bis 3000 v. Chr.) datiert werden. Ein weiteres Fundstück, welches 1971 bei Aushubarbeiten für den Neubau der Achmühler Brücke gefunden wurde, konnte als scheibenförmiger Keulenkopf aus Quarzit identifiziert und der Zeit von 3000 bis 1800 v. Chr. zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um den ältesten Fund auf heute noch bewohntem Gemeindegebiet.

Römisches Reich Auch aus der Zeit, als das Gebiet des heutigen Dornbirn zur römischen Provinz Raetia gehörte, sind nur wenige Funde im Dornbirner Gemeindegebiet bekannt. Neben einigen römischen Münzen kommt eine Doppelknopffibel aus dem 1. Jahrhundert, die zur damaligen Frauentracht gehörte. Archäologisch interessant ist auch die Römerstraße von Chur (Curia Rhaetorum) nach Bregenz (Brigantium), deren Trasse am Berghang entlang durch Dornbirn verlaufen sein soll. Weder in der Zeit der römischen Herrschaft noch davor kann somit eine Besiedlung des Gemeindegebiets bestätigt werden.

Die alamannische Landnahme mini|Alamannische Expansion vom 3. bis zum 6. Jahrhundert In der Mitte des 3. Jahrhunderts drangen kriegerische Germanenverbände vom Main aus auf das Gebiet des heutigen deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg vor. Da die römische Verteidigungslinie – der Limes – dabei durchbrochen wurde, nahmen die römischen Truppen die Verteidigungsgrenze auf Rhein, Bodensee, Iller und Lech zurück (Donau-Iller-Rhein-Limes). Anschließend schlossen sich die verschiedenen germanischen Stämme, die in dieses Gebiet eingedrungen waren, unter dem Namen Alamannen zu einem Stamm zusammen. Mehrmals schlugen daraufhin alamannische Kampfverbände gegen den Süden, oftmals auch gegen das von den Römern besetzte Alpenrheintal. Als sich schließlich nach dem Zusammenbruch des Römischen Imperiums im fränkischen Herzogtum Alamannien die Alamannen ins Rheintal vorwagten, trafen sie auf ein dünn besiedeltes Gebiet. 1898 wurde in der Mittelfeldstraße ein Grab entdeckt, welches eindeutig alamannisch ist, es ist dies der erste Beweis für eine Siedlungstätigkeit auf heutigem Dornbirner Gemeindegebiet. Ob dieses Grab, welches vermutlich zu einem ganzen Gräberfeld gehörte und auf eine Siedlung im 6. und 7. Jahrhundert schließen lässt, einen Zusammenhang mit dem späteren Torrinpuirron zulässt, ist nicht bekannt. In jedem Fall kann gesagt werden, dass sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Hatlerdorf die erste alamannische Siedlung auf heutigem Dornbirner Gemeindegebiet befand.

Mittelalter Erste urkundliche Erwähnungen Im Jahre 719 wurde das Kloster St. Gallen von Otmar von St. Gallen gegründet. Dieses wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten geistlichen und kulturellen Zentren sowie zu einem bedeutsamen Machtfaktor. Den zahlreichen Besitztümern des Klosters verdankt Dornbirn seine erste urkundliche Erwähnung. Eine am 15. Oktober 895 angefertigte Urkunde über einen Grundstückstausch mit einem Gutsherrn namens Hadamar trägt auf der Rückseite einen zeitgenössischen Archivvermerk. Der lateinische Originaltext dieses Aktenvermerks lautet Concambium Hadamari de Schostinizinisvvilare et Torrinpuirron, ins Deutsche übersetzt heißt das etwa so viel wie „Tausch des Hadamar zu Schostinizinisvvilare und Torrinpuirron“. Es gilt als erwiesen, dass mit Torrinpuirron die damalige Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Dornbirn gemeint ist. Leider ist selbst nach intensivsten Nachforschungen bis heute noch nicht geklärt, wo sich das angesprochene Gebiet von Schostinizinisvvilare befindet. Torrinpuirron hingegen steht demnach für Die Höfe des Torro, wobei Torro ein zu jener Zeit häufiger alamannischer Name war (er lässt sich bis ins Jahr 772 in St. Galler Urkunden zurückverfolgen) und der namensgebende Torro ein ansässiger Bauer sein könnte, der eine Siedlung aus mehreren Höfen (entsprechend den damals vorherrschenden alamannischen Siedlungsformen) im Niederdorf, dem heutigen Stadtzentrum nahe der St. Martinskirche gründete. Der zweite Teil des Ortsnamens, -büren oder -beuren wurde als Ansiedlung, Haus übersetzt, was wiederum die obige Übersetzung als Ansiedlung oder Höfe des Torro bestätigt. Erst 62 Jahre später, am 21. Mai 957 scheint der Name Thornbiura erstmals als offizieller Teil einer Urkunde auf. In diesem Text heißt es, dass die beiden Brüder Engilbret und Hupreht dem Kloster St. Gallen ihren gesamten Besitz, den sie in der villa (lat. Dorf) Thornbiura besaßen, übereigneten und diesen gegen einen jährlichen, auf Martini (11. November) fälligen, Zins von einem Pfennig als beneficum (lat. Lehen) zur Bewirtschaftung zurückerhalten. Zum Zweck dieser Schenkung war der damalige St. Galler Abt Cralo persönlich nach Dornbirn gekommen, um an der Beurkundung teilzunehmen. Die beiden Brüder Engilbret und Hupreht dürften demnach einem hohen sozialen Status, ähnlich dem Adel, angehört haben und dementsprechend wichtige Personen gewesen sein, dass der Abt persönlich – damals einer der bedeutendsten und mächtigsten Männer der Region – dieser Beurkundung beiwohnte.

St. Galler Kellhof in Dornbirn Wie bereits beschrieben hatte das Kloster St. Gallen sehr früh schon wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Rheintalregion. Schließlich hatte das Kloster eine derart große Bedeutung erreicht, dass mehrere Dörfer komplett dem Kloster unterstanden (beispielsweise Höchst). Den Mittelpunkt solcher Dörfer bildete meist ein sogenannter Meier- oder Kellhof. Diese hatten ihre Namen nach den Amtsträgern, die sie leiteten, dem Meier (villicus) oder Keller (cellarius). Auch in der Dornbirner Siedlung dürfte es einen Kellhof gegeben haben. Dies lässt sich unter anderem aus dem Termin ableiten, zu welchem noch im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit Abgaben geleistet werden mussten: dem St. Othmarstag, dem Namenstag des Begründers des St. Galler Klosters. Nachforschungen zufolge befand sich dieser Kellhof unmittelbar südlich der Stadtpfarrkirche St. Martin, westlich der heute existierenden Marktstraße auf Höhe der Einmündung in die Schillerstraße.

Herrschaft der Grafen von Bregenz mini|rechts|Karte der Gaugrafschaften im Gebiet der heutigen Ostschweiz. Dornbirn gehörte zum Ringowe.

Im fränkischen Reich der Karolinger wurde das Reichsgebiet in verschiedene Gaue unterteilt, denen Beamte als Stellvertreter des Königs vorstanden. Diese trugen den Titel comes (Grafen). Jene Grafen, die im fränkischen Reich über den Rheingau (Ringowe), zu welchem Dornbirn gehörte, bestimmten, waren die Grafen von Bregenz. Diese stammten aus dem Adelsgeschlecht der Udalrichinger, das nach dem häufig verwendeten Namen Uodalrich (Ulrich) benannt war. Dank einer entfernten Verwandtschaft mit Kaiser Karl dem Großen hatte diese Familie die Grafenrechte am Bodensee und im Alpenrheintal größtenteils in ihren Besitz bringen und behaupten können. Die Grafen von Bregenz und das Kloster St. Gallen entwickelten sich bald schon zu erbitterten Rivalen hinsichtlich besitzpolitischer Fragen. Diese Streitigkeiten fanden in den 1070er Jahren im Rahmen des europaweiten Investiturstreits ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Rahmen dieses Streits hielt das Kloster St. Gallen zu Kaiser Heinrich IV., während die Bregenzer Grafen die Politik Papst Gregors VII. unterstützten. Mit den Welfen hielt gleichzeitig auch eines der bedeutendsten schwäbischen Grafengeschlechter zum Papst. Als Herzog Welf IV. im Jahre 1079 einen Feldzug am Rhein entlang südwärts machte, annektierte er allem Anschein nach die St. Gallischen Besitzungen und verteilte diese als Kriegsbeute anschließend an sein Hauskloster, die Benediktinerabtei Weingarten und das Frauenkloster Hofen bei Friedrichshafen. Der Dornbirner Kellhof dürfte demnach dem Weingartener, die St. Martinskirche hingegen dem Hofener Kloster zugefallen sein. Wie es scheint, wurden auch die Bregenzer Grafen mit Dornbirner Gut beschenkt, denn im späten Mittelalter lässt sich ein beachtlicher Gutshof des Klosters Mehrerau, welches von Graf Ulrich X. von Bregenz gegründet worden war, in Dornbirn nachweisen. Die Höfe der Klöster Hofen und Mehrerau befanden sich nicht weit voneinander entfernt, was den Schluss nahelegt, dass diese einst eine Einheit bildeten und erst nachträglich durch die Schenkung an die Bregenzer Grafen getrennt worden waren. Nach dieser gewaltsamen Aneignung des St. Gallener Besitzes änderten sich auch die Machtverhältnisse in Dornbirn zugunsten der Grafen von Bregenz. Diese übten fortan nicht nur die hohe Gerichtsbarkeit, sondern auch die zuvor vom Kloster ausgeübte niedere Gerichtsbarkeit aus. Diese Gerichtsrechte der Bregenzer waren nicht gefährdet, da alle drei geistlichen Institutionen in Dornbirn (Kloster Hofen, Mehrerau und Weingarten) nicht über die nötige Basis verfügten, um ihnen diese streitig zu machen.

Herrschaft der Grafen von Montfort miniatur|Die Feldkircher Schattenburg war Stammsitz der Grafen von Montfort-Feldkirch. Im Jahre 1150 verstarb mit Graf Rudolf von Bregenz der letzte männliche Angehörige des udalrichingischen Adelsgeschlechts zu Bregenz. Sein Erbe teilten sich dessen Schwiegersohn, Pfalzgraf Hugo I. von Tübingen und ein entfernter Verwandter des verblichenen, Graf Rudolf von Pfullendorf. Als Pfalzgraf Hugo im Jahr 1182 starb, hinterließ er Rudolf, dem älteren seiner beiden Söhne, den Pfalzgrafentitel sowie sämtliche Tübinger Besitzungen. Sein jüngerer Sohn namens Hugo erhielt Güter und Rechte aus dem angetretenen Bregenzer Erbe. Dieser Hugo errichtete um das Jahr 1200 bei Götzis eine Burg, der er den Namen Montfort (starker Fels, starke Burg) gab. Demnach nannte er sich fortan auch von Montfort. Etwa zur selben Zeit gründete er mit der Errichtung der Schattenburg die Stadt Feldkirch. Die Söhne Hugos wiederum, Hugo II. und Rudolf, teilten das väterliche Erbe. Während Hugo II. die rechtsrheinischen Besitzungen und unter anderem auch Dornbirn erhielt, spaltete sich Rudolf mit seinen Besitzungen linksrheinisch ab und gründete bei Buchs einen eigenen Stammsitz und nannte sich hernach auch von Werdenberg.