mini|Stammwappen derer von Lodron Lodron ist der Name einer ursprünglich italienischen Adelsfamilie aus dem Trentino, die im 16. und 17. Jahrhundert auch im deutschen Sprachraum Fuß fasste.

Allgemeines und älteste Zeit Die Lodron stammen aus einem Gebiet nördlich des Idrosees in Judikarien. Ein Dokument von 1086 erwähnt eine Burg, die man eventuell mit Santa Barbara di Lodrone identifizieren kann. Der Geschlechtsname „Lodron“ ist auch im Namen der Ortschaft Lodrone im Chiesetal enthalten; er fand um 1086 seine erste Erwähnung, ist aber vermutlich um einiges älter. Die Grafschaft Lodron nahm das obere Chiesetal nördlich des Idrosees, somit die Südspitze Judikariens (heute die südwestliche Spitze des Trentino), ein und bestand, mit einer Unterbrechung durch die napoleonische Zeit, bis 1826.

Die erste Erwähnung der Lodron stammt vom 7. August 1124, damals werden sie als Ministerialen von Storo benannt. 1185 wird ein Calapino von Lodron als Vasall (miles) des Heinrich von Eppan genannt; er erhielt von diesem Lehen in Judikarien. 1189 wird in seinem Nachlass Bondone erwähnt, wo er wahrscheinlich das Castello San Giovanni auf einem Felssporn errichten ließ.

Als Lehensträger des Fürstbischofs von Trient konnten die Lodron ihre Herrschaft im Chiesetal ausbauen; Fürstbischof Konrad II. de Beseno belehnte sie beispielsweise mit dem Schloss Lodron bei Trono. 1350 wird von ihnen das Schloss Castelromano erworben.

Im Jahr 1361 spalteten sich die Lodron durch einen Güterteilungsvertrag, den Albrigino I. und dessen Neffen Parisino II., Antonio und Pietrozotino miteinander schlossen, in zwei Linien: Die Lodron auf Castel Romano und die Lodron auf Castel Lodron. lodron.info

Im 15. Jahrhundert erlebte die Familie unter Paris „dem Großen“ († 1439; Sohn von Pietro Ottone (Pietrozotto) „il Pernusperto“) und seinen beiden Söhnen Giorgio (1400–1461) und Pietro († 1485), durch geschickte Allianzen, harte, aber effiziente Verwaltung ihrer Besitzungen und militärische Erfolge als Heerführer in fremden Diensten einen enormen Aufschwung. Die beiden Söhne wurden im Jahr 1452 von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand des Heiligen Römischen Reiches, Castell-Romano und Lodron zu Reichsgrafschaften erhoben.

1456 beauftragte der Trienter Fürstbischof Georg Hack von Themeswald (1446–1465) die Brüder, den Grafen von Castelbarco, die den Fürstbischof nicht als Lehensherrn anerkennen wollten, die Burgen Castelnuovo, Castellano, Nomi und Castelcorno abzunehmen. Nach langem und schließlich erfolgreichem Kampf erhielten die Lodron 1486 zum Lohn Castelnuovo und Castellano als Lehen.

Damit teilten sich die Lodron neuerlich in zwei Linien: Die Linie Giorgios in Castel Lodron, die Pietros im Lagertal, in Castelnuovo-Castellano (Burg Noarna und Castello di Castellano).

Wappen

Die Linie von Vallagarina (dem Lagertal) oder von Castelnuovo-Castellano mini|Schloss Castellano im Lagertal Von diesen beiden war die jüngere, die Pietros, von Castelnuovo und Castellano im Lagertal, die kurzlebigere, aber für die deutsch-österreichische Geschichte bedeutsamere, da aus ihr der Salzburger Fürsterzbischof Paris Lodron hervorging.

Pietro hatte aus seiner Ehe mit Margaretha von Nidlow (* 1381) u. a. die Kinder Georg (* 1405), Paris IV. (* 1407) und Martin.

Durch Paris’ Söhne August (* 1471) und Nikolaus (* 1475) verzweigte sich Linie von Castelnuovo-Castellano in die Linien von Castelnuovo und von Castellano.

Die Linie von Castellano erlosch mit Augusts jüngstem Sohn Anton Graf Lodron (1536–1615), der zuletzt Domherr in Salzburg warDie Schwester des Salzburger Erzbischofs Matthäus Lang († 1540), Appolonia, war mit einem Spross des Hauses Lodron verheiratet (Martha Schad: Die sozialen und familiengeschichtlichen Verflechtungen des Hauses Fugger mit dem Adel Tirols. In: Beiträge zur Ausstellung Schwaben/Tirol. Rosenheimer Verlagshaus, 1989) und dadurch geschichtlich bedeutsam wurde, dass er seinem Neffen und Patenkind Paris den Weg ebnete.

Nicolò (1475–1548), der eine Sohn Paris’ IV. (* 1407) und der Veronica Coppa (* 1433)Genealogia auf wc.rootsweb.ancestry.com trat die Herrschaft über Castelnuovo im Jahr 1532 an. Er heiratete in erster Ehe Gentilia Gräfin von Arco (* 1499), die ihm den Sohn Gasparo (* 1533) gebar, in zweiter Ehe Beatrice di Castellalto. Beatrice di Castellalto schenkte ihm die Kinder Susanna (* 1535) und Paride (* 1538). auf castelnoarna.com; unitn.it

Gasparo tat für Kaiser Maximilian II. als Botschafter in Spanien und in Rom Dienst. Paride kämpfte für den Kaiser als Oberst in Oberitalien und in Spanien.Reinhard Rudolf Heinisch: Die Familie Lodron. In: Das Mühlrad, 44 (2002), S. 29–32.

Paride hatte mit Barbara von Liechtenstein-Kastelkorn den Sohn Nicolò/Nikolaus Graf Lodron (* 1549 in Castelnuovo; † 10. November 1621 in Nogaredo),Daten nach dem kaiserlicher Obrist und Statthalter von Tirol.Reinhard Rudolf Heinisch: Die Familie Lodron. In: Das Mühlrad, 44 (2002), S. 29–36.

Dieser baute Castel Noarna zu einer barocken Adelsresidenz aus. Er erbaute auch den 1553 erstmals erwähnten Palazzo Lodron in Nogaredo, über dessen Haupteingang in einer Nische seine (die wahrscheinlich ihn darstellende) Marmorstatue wacht.archiver.rootsweb.ancestry.com; unitn.it

Nikolaus heiratete am 27. Mai 1585 Dorothea von Welsperg (* 1559; † 4. November 1615). Sie hatten die Söhne Paris (* 13. Februar 1586 auf Schloss Castelnuovo di Noarna; † 15. Dezember 1653 in Salzburg), Fürsterzbischof von Salzburg, und Christoph (* 5. Juli 1588 Castelnuovo di Noarna; † 30. November 1660 Salzburg), der seinem Bruder Paris nach Salzburg folgte.

Auf Burg Noarna war einer der nachfolgenden Schlossherren Maximilian (* 1576; † 31. Mai 1635), Enkel Nikolaus Graf Lodrons, Sohn des erwähnten Gasparo und der Anna Berka, der im Jahr 1602 Sybille Fugger (1585–1663; Eltern: Georg Graf Fugger, Herr zu Nordendorf und Wörth, und Helena Freiin von Madruzzo) heiratete. auf castelnoarna.com (archive.org); Maximilian von Lodron auf geneanet.org

Fürsterzbischof Paris Lodron mini|140px|Paris von Lodron (1586–1653), Fürst­erz­bischof von Salzburg Die nachhaltige Verankerung der Lodrons im deutschen Sprachraum geht auf Paris von Lodron zurück, der 1619 Fürstbischof von Salzburg wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) konnte er durch eine geschickte Politik Salzburg den Frieden bewahren. 1622 gründete er die Universität Salzburg, die heute als Paris-Lodron-Universität seinen Namen trägt.

Er sicherte seiner Familie Besitzungen und Positionen. So richtete er für seinen Bruder Christoph und dessen erstgeborenen Sohn sowie für den zweitgeborenen Sohn des Bruders je einen Fideikommiss, also einen unveräußerlichen Besitz, ein (Primogenitur und Sekundogenitur); namentlich gehörte seit 1639 die Herrschaft Gmünd zum Primogenitur-Fideikommiss und mit diesem war das Erblandmarschallamt in Salzburg verbunden. Christoph ließ das von Hans Rudolf von Raitenau erbaute Neue Schloss am Hauptplatz der Stadt Gmünd fertigstellen.

Zwar erlosch Christophs Linie schon mit seinen Söhnen Franz Niklas Graf zu Lodron und Paris Graf zu Lodron (* 1638 in Salzburg; † 9. Oktober 1702), die beide ohne männliche Erben blieben, doch ging der Besitz auf entferntere Linien der Lodrons über, die sich in Salzburg und Kärnten niederließen.

Als die Lagertaler Linie der Lodrons Anfang des 18. Jahrhunderts selbst auf ihrem Stammsitz in Castelnuovo ausstarb, trat die Judikarische Linie ihre Nachfolge an. (in Nogaredo)

Schloss Castellano wurde 1922, Schloss Lodron in Gmünd 1932 und die Burg Noarna (Castelnuovo) 1974 verkauft, der Palazzo Lodron in Nogaredo an andere Familien vererbt.

Die Linie von Castel Lodron

Giorgio I. Conte Lodron (* 1400 in Lodrone di Storo), erstgeborener Sohn Paris’ „des Großen“ und der Lucia Nogarola, heiratete in erster Ehe Zelmira Martinengo und in zweiter Ehe Giovanna (oder Ginevra) Avogadro. Er starb nach einem kriegerischen Leben im Jahr 1461. Seine ehelichen Söhne waren Franz (I.), Bernardin und Paris (III.).wc.rootsweb.ancestry.com

Giorgio hatte auch einen unehelichen Sohn Marco da Caderzone (1425–1490). Dieser wirkte tatkräftig an der Eroberung des Lagertals mit; er wurde 1490, nachdem er, von seinem Halbbruder Paride Antonio Lodron verraten worden war, des Verrats an seinem fürstbischöflichen Lehnsherrn überführt und in Trient enthauptet.Franca Barbacovi, Giuseppe Leonardi: La Battaglia di Calliano

Im Weiteren haben wir die Linien von Francesco (Franz) I. und von Paris III. (Parisotto Antonio Lodron, 1463–1505) zu unterscheiden.

Die Linie von Paris III. (Parisotto Antonio) Aus dieser Linie sei nur kurz eine Persönlichkeit erwähnt:

Ludovico Lodron (* 1484 in Lodrone di Storo; † 1538), Sohn des Grafen Parisotto Antonio Lodron (Paris III., 1463–1505) und der Maria di Brembate, widmete sein Leben dem Kriegsdienst, zumeist unter dem Banner des seiner Familie verschwägerten Georg von Frundsberg. Am 10. Oktober 1536 heiratete er in Trient Orsola Cles. 1538 wurde er von den gegnerischen Türken gefangen genommen und enthauptet, sein Haupt wurde als Trophäe nach Konstantinopel gebracht.

Die Linie von Francesco (Franz) I.

Giorgios Sohn und Nachfolger auf Schloss Lodron war Francesco I. Conte di Lodron (1468–1505), verheiratet mit Calepina CalepiniGianni Poletti: In: Il Trentino N. 230, Oktober 1999 bzw. Diana di Collalto.geneall.net Von seinen fünf Söhnen sind Paris V., Nikolaus (Nicola) und Giovanni Battista von Bedeutung. Giovanni Battista Lodron (* 1480 in Casale Monferrato; † 1555), Sohn des Francesco († nach 1506) und der Dina Collalto († 1507), war in erster Ehe mit Violante Malaspina, in zweiter Ehe mit Caterina Bianca von Stampey (1480–1550) verheiratet. Mit seinem Vetter Ludovico Lodron diente er den habsburgischen Herrschern Karl V., Ferdinand I. und Maximilian II.

Die Linie von Paris V.

Francescos Sohn Paride (Paris V.) Lodron (1507–1550), der in der Kirche von Lodron begraben liegt, hatte zwölf Kinder, darunter vier Söhne, die das Erwachsenenalter erreichten: Gerolamo (Hieronymus, 1553–1606), Ludovico (1553–1604), Francesco (1558–1579), und Paride (Domherr zu Trient); außerdem die Tochter Pina, die Baron Hektor (einen Nachkommen des oben gestreiften Martin) Lodron heiratete. Auf ihn geht insbesondere die Trienter Linie mit der jüngeren Salzburger Primogenitur zurück, die aus österreichischer und bayrischer Sicht interessiert.

Die Linie von Trient

Ludovico Lodron (* 1553; † 1604), Sohn des Paride (Paris V.), diente als Kapitän im Kampf der „Heiligen Liga“ gegen die Türken. Gemeinsam mit seinem Bruder Gerolamo nahm er an der Seeschlacht von Lepanto, an der Verteidigung von Malta (1565) und an der Eroberung von Tunis (1573) teil.

1577 heiratete er Beatrice Lodron, Tochter von Paride Lodron, dem Oberhaupt der Linie von Castelnuovo-Castellano. Wahrscheinlich in demselben Jahr gab er den Auftrag zur Errichtung des Palazzo Lodron in Trient. Er starb kinderlos. Sein Grab ist im Dom von Trient. Das Erbe trat der älteste Sohn seines älteren Bruders Francesco (1558–1579) an, Gerolamo (1579–1639).

Auf Gerolamo folgte dessen Sohn Paride (1626–1660), der außer dem Palazzo in Trient auch die Villa di Margone besaß, ein weiteres hervorragendes Kunstdenkmal des Trentino. Diese Besitztümer erbte der Sohn Francesco Antonio (1674–1707), der Margone verkaufte und den Palazzo in Trient seinen Söhnen Paride und Girolamo Massimiliano (1711–1748) hinterließ.

In der Folge kam der Palazzo, teils durch Veräußerung, in den Besitz von Michele Giovanni Giuseppe Lodron (1708–1773), dem ältesten Sohn von Paride Lodron und Angela Malfatti, einem Domherrn zu Trient; dieser ließ den Palazzo restaurieren und erweitern.

mini|Schloss Freudenstein (Südtirol)