mini|Im Paradies um 1900

Der Volkspark Oberaue ist ein etwa 30 Hektarermittelt mit Flächenmess-Tool im großer Volkspark in Jena in Thüringen. Er wurde in den 1950er Jahren angelegt; einige Teile sind jedoch wesentlich älter. Der Park besteht aus den drei aneinanderliegenden Gebieten Rasenmühleninsel, Paradies und Oberaue. Seit 2002 ist er als Kulturdenkmal eingestuft.

Lage und Gebietseinteilung mini|Lageplan des Volksparks

Der Park befindet sich in der Saaleaue südlich der Jenaer Innenstadt auf fast ebenem Gelände. Begrenzungen sind die Saalebahn, die Paradiesbrücke und Stadtrodaer Straße bis auf Höhe des Roland-Ducke-Weges sowie im Süden das Gelände der ehemaligen Rasenmühle, die Saale südlich des Sportplatzsteges und die Sportanlagen der Friedrich-Schiller-Universität. Die Saale durchfließt das Gebiet auf etwa 1100 Meter Länge mit zwei Staustufen nahe der südlichen und nördlichen Parkgrenze (Rasenmühlen- und Paradieswehr).

Die drei Gebiete des Parks sind nach historischen Flurnamen benannt.siehe ALKIS-Informationen (Angaben zur Lage) im Das Paradies als ältester, stadtnächster und kleinster Teil liegt zwischen Saale, Paradiesbrücke, dem hohen Damm der Saalebahn und dem Unterlauf der Leutra. Bis zum Bau der Saalebahn nach 1870 erstreckte es sich im Westen bis an die Bebauung der heutigen Knebelstraße.Lageplan von 1857: Direkt südlich schließt sich die Rasenmühleninsel an, die früher von der Saale und dem Mühlgraben der Rasenmühle () und somit allseitig vom Wasser umgeben war. Seit der Verfüllung des Mühlgrabens um 1970 bilden die Saalebahn, das Grundstück des heutigen Stadtforstbetriebs, die Leutra und Saale sowie das Gelände der ehemaligen Rasenmühle (heute Gesamtschule UniverSaale) die Grenzen. Östlich der Saale liegt die Oberaue als größtes Teilgebiet. Es wird von der Saale, der Straßenbahnstrecke neben der Stadtrodaer Straße, im Süden von einem aufgegebenen Teil des Roland-Ducke-Weges und dem Universitäts-Sportzentrum begrenzt. Historisch (und umgangssprachlich noch heute) zählen zur Oberaue alle Sportanlagen östlich der Saale bis zur Südzufahrt des Ernst-Abbe-Sportfelds und dem Südbad, gehören als nichtöffentliche Anlagen jedoch nicht zum Volkspark. Als Sammelbezeichnung für die Saaleaue zwischen der Paradiesbrücke und Wöllnitz oder Teile davon wird in älteren Stadtplänen und Schriften häufig der Name Wöllnitzer Wiesen benutzt.Plan der Stadt Jena und ihrer nächsten Umgebung, bearbeitet von Ernst Piltz, Verlag der Frommannschen Hofbuchhandlung (E. Klostermann), Jena, 1910, Fünfte verbesserte Auflage

Geschichte

Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg Die Jenaer Oberaue – der flussaufwärts von Jena gelegene Teil der Saaleaue – war über Jahrhunderte fruchtbares Wiesen- und Ackerland, das von der Saale durch regelmäßige Überschwemmungen mit Nährstoffen versorgt wurde. Der stadtnächste Teil wurde bereits seit dem Mittelalter Paradies genannt. Es ist urkundlich verbrieft, dass zu Zeiten des Fürstentums Sachsen-Jena mehrere Bäume zusätzlich im Paradies angepflanzt wurden; die planmäßige Anlage zweier Alleen erfolgte 1780 auf Veranlassung des Jenaer Bürgermeisters Paulssen. Das Paradies ist die Keimzelle des Volksparks Oberaue. Verdienste um dessen Einrichtung erwarb sich der Jenaer Mediziner und Ehrenbürger Moritz Seidel (1836–1912), der in seinem Testament sein Vermögen der Stadt Jena mit der Verpflichtung vermachte, „die Einkünfte zur Anlegung eines Volksparks und Spielflächen für Sportspiele zur Nutzung für alle Teile der Bevölkerung der Stadt zu verwenden“. An ihn erinnern die SeidelstraßeW. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Jenaer Straßen und Gassen. Fremdenverkehrsamt der Stadt Jena, Jena, 1991. ISBN 3-910054-21-8, S. 89 und der „Seidelparkplatz“; bis weit in das 20. Jahrhundert nannte man die nördliche Oberaue Seidelpark.

Im Jahr 1893 begann die Anlage von Sportplätzen in den Wöllnitzer Wiesen. Um 1910 gab es bereits umfangreiche Sportanlagen, die verschiedenen Sportvereinen (USV, VfB, 1. SV) gehörten. Als letzte und größte Anlage der Anfangszeit entstand ab 1922 das Ernst-Abbe-Sportfeld, um 1929 noch die Thüringer Landesturnanstalt (heute Institut für Sportwissenschaft) an der Seidelstraße mit zugehörigen Sportanlagen in der Oberaue. Das eigentliche Volkspark-Gelände erlebte einen Entwicklungsschub mit dem Bau der Paradiesbrücke und des Sportplatzsteges in den 1920er Jahren. 1927 entstand nördlich der Rasenmühleninsel ein Planschbecken mit Fontäne Birgitt Hellmann, Evelyn Halm, Margitta Ballhorn: Jena – Reihe Archivbilder. Sutton Verlag, Erfurt, 1998. ISBN 3-89702-052-1, S. 120(), das Paradies-Café zog 1937 vom Ende der Fischergasse in den heute noch bestehenden Neubau. Die ab 1934 veranstalteten Paradiesfeste brachten den Bau von provisorischen Saalebrücken zur Entlastung des schmalen Sportplatzsteges mit sich.

Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der DDR Teile der Oberaue wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zum Gemüseanbau genutzt, um die Versorgung in Jena zu verbessern. Ein Gutachten der Jenaer Universität von 1949 forderte jedoch die Nutzung der gesamten Oberaue als Freizeit- und Erholungsgebiet und den allmählichen Abbau anderer Nutzungsarten. In den 1950er Jahren wurde dann der Volkspark durch freiwillige oder angeordnete Arbeitseinsätze Jenaer Schüler und Studenten im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) angelegt, wofür die Stadtverwaltung Material, Fahrzeuge und Gerätschaften stellte. Schutt der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Innenstadt wurde zur Anhebung des Geländeniveaus verwendet. Nahe dem Paradies-Café entstanden eine offene Bühnenhalle für FreiluftkonzerteFoto in: Henschel/Möller: Saalestadt Jena. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig, 1964, S. 129 und ein Bootsverleih, östlich der Saale der Märchenbrunnen (später „Tierbrunnen“) und der „Froschkönigin-Brunnen“ sowie ein Heimattierpark in Verlängerung der Straße Jenertal.Lage ersichtlich in: Bergner: JENA. Bewegte Zeiten – Die 50er und 60er Jahre. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen, 1996, ISBN 3-86134-346-0, S. 71 Neben dem historischen Sportplatzsteg wurde zusätzlich eine dauerhafte Holzbrücke erbaut, um die mit dem Aufschwung des FC Carl Zeiss Jena verbundenen Zuschauermassen zu bewältigen.

Diese Aktivitäten wurden durch den staatlich verordneten Entwicklungsschub für Jena in den 1960er und 1970er Jahren abrupt unterbrochen. Die 1968 eröffnete Stadtrodaer Straße schnitt den östlichen Bereich der Oberaue bis zur Wöllnitzer Straße vom Volkspark ab. Verkehrslärm und Autoabgase minderten fortan den Erholungswert des gesamten Gebiets östlich der Saale; als unmittelbare Folge musste der Tierpark aufgegeben werden. Das Paradies war um 1970 jahrelang weitgehend zerstört, da die Großbaustelle des Abwasser-Hauptsammlers vom Burgauer Weg zur Paradiesbrücke durch das Gelände wanderte; auf der Rasenmühleninsel befand sich dafür ein Betonwerk mit großen Lagerflächen für die Zuschlagstoffe. Die dort etwa zeitgleich errichtete oberirdische Fernwärmeleitung blieb jahrzehntelang ein Fremdkörper in der Landschaft. Für den Bau des Hauptsammlers und der darüber errichteten Heizleitung wurde der Mühlgraben der Rasenmühle verfüllt. mini|Fernheizleitung an der Rasenmühleninsel, 2018

mini|Das denkmalgeschützte Glashaus auf der Rasenmühleninsel Die geschädigten Bereiche wurden nur sparsam oder gar nicht, wie der Festplatz beim Paradies-Café, wieder hergestellt, jedoch folgte wenige Jahre später ein Rekonstruktionsprojekt für die nunmehr Kulturpark Rasenmühleninsel genannten Flächen. In den 1970er Jahren entstanden das Glashaus, eine Kegelbahn und eine Minigolf-Anlage. Auch wurden der Sportplatzsteg mit Entlastungsbrücke durch eine breite Betonbrücke ersetzt. In den 1970er Jahren wurde der Weg zwischen Ernst-Abbe-Sportfeld und Tierbrunnen als Zufahrt zum neuen Zirkusplatz asphaltiert und von 1988 bis 1990 zur autofreien Fahrradverbindung zwischen der Innenstadt und Lobeda erweitert.Entwicklungskonzeption Fahrradverkehr Jena, Stadtverwaltung Jena, Dezernat Wirtschaft und Verkehr, April 1991, S. 9 Im Übrigen war der Volkspark in den 1980er Jahren abgewirtschaftet und nur noch wenig genutzt: Die Brunnen waren durch Vandalismus beschädigt und außer Betrieb, auf den Wiesenflächen östlich der Saale wurde mit Großmaschinen Heu gewonnen. Der Bau des Paradieswehres als Ersatz für das Eisrechenwehr hatte darüber hinaus die für Wassersport durchgehend nutzbare Strecke der Saale deutlich beschnitten.

Vom Ende der DDR bis heute Ab 1990 belebte sich der Volkspark dank stark gestiegener Studentenzahl in Jena und der Zulassung des Radfahrens im Paradies schnell wieder. Jedoch gab es auch mehrere stark umstrittene Anläufe zur Verkleinerung oder teilweisen Aufgabe des Parks. So sollten die noch freien Flächen östlich der Saale als Bauland ausgewiesen werden, da sie seit dem Bau der Saaletalsperren als hochwasserfrei galten. Im April 1994 und seitdem noch mehrmals wurden sie jedoch fast komplett überschwemmt.Karte im Umweltbericht der Stadt Jena 1997, Umwelt- und Naturschutzamt Jena, April 1997, S. 90/91 Die weitgehend umweltverträglich geplante Straßenbahn am Ostrand der Oberaue (Inbetriebnahme 1997) wurde von Umweltverbänden kategorisch abgelehnt; als Ausgleich wurde der Auwaldrest „In der Grunzke“ östlich des Ernst-Abbe-Sportfeldes 1995 unter Schutz gestellt. Um 2000 wurde geprüft, ob der Bau zweier Autostraßen durch das Gebiet (vom Burgauer Weg durch das Paradies zur Paradiesbrücke und vom Puschkinplatz zum Jenertal) die Knebel- und Kahlaische Straße entlasten kann; schlechte Umweltbilanz und hoher Aufwand hätten jedoch in keinem Verhältnis zum Nutzen dieser Vorhaben gestanden.Endbericht zum Verkehrsentwicklungsplan Jena 2002, Stadt Jena, Verkehrsplanungs- und Tiefbauamt, Januar 2003, S. 116/117 Unmittelbar darauf wurde der Park unter Schutz gestellt.

Mit der Verlegung des Eisenbahn-Haltepunktes Jena Paradies zur Knebelstraße erhielt der Volkspark ab 2006 einen attraktiveren Zugang von der Innenstadt her, musste jedoch kleine Flächen als Verkehrsflächen abgeben. In den 1990er Jahren wurden an den beiden Saalewehren Wasserkraftanlagen installiert; die Anlage am Paradieswehr wurde im Frühjahr 2000 in Betrieb genommen.

Im Jahr 2008 erarbeitete die Stadtverwaltung ein umfangreiches Konzept zur Aufwertung des Volksparks und bewarb sich damit für die Ausrichtung der Thüringer Landesgartenschau 2013Saaleparadies. Machbarkeitsstudie zur Durchführung der 3. Thüringer Landesgartenschau 2013 in Jena, Stadt Jena, Dezernat Stadtentwicklung, September 2008, wurde aber nicht berücksichtigt. Die im Konzept geplanten Maßnahmen werden über einen längeren Zeitraum dennoch umgesetzt.

Die Gesamtanlage links|400px|mini|Sportanlagen in der Oberaue im Frühjahr 2013. Bildmitte von rechts nach links: Universitätssportzentrum, Ernst-Abbe-Sportfeld mit alter Flutlichtanlage (noch 2013 abgebrochen), Sportkomplex Oberaue (nach 1970 für den SC Motor Jena errichtete Anlagen). mini|432px|Links der Saale: Paradiesbahnhof, Paradies, RasenmühleninselZwischen Saale und B88: Oberaue, Uni-Sportzentrum, Ernst-Abbe-Sportfeld, Schleichersee, Sportkomplex Oberaue, SachsensümpfeRechts der B88: Institut für Sportwissenschaften, Gutsmuths-Sportgymnasium, Sachsensümpfe

Der Volkspark Oberaue

mini|Froschkönig in der Oberaue Der Park wird im Osten von der Stadtrodaer Straße (Schnellstraße zwischen Stadtzentrum und Autobahn und den Stadtteilen Lobeda, Neulobeda und Burgau) begrenzt. Östlich dieser Straße stehen Gebäude des Instituts für Sportwissenschaften der FSU Jena und des Gutsmuths-Sportgymnasiums Jena (Schule, Internat, Sporthalle) sowie ein Tagungshotel.

Im Zentrum und Süden des Parks existieren zahlreiche Sportanlagen, insbesondere das Ernst-Abbe-Sportfeld, das Sportzentrum Oberaue und der Schleichersee, ein als Freibad angelegter künstlicher See. Noch weiter südlich schließen sich Kleingärten an.