Freystadt ist eine Stadt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.
Geographie Freystadt liegt am Rande des Oberpfälzer Jura in einer flachen Talmulde an der Schwarzach. Heute ist Freystadt die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Neumarkt in der Oberpfalz.
Gemeindegliederung
Es gibt 33 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Nachbargemeinden Angrenzende Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn von Norden beginnend die Marktgemeinden Pyrbaum und Postbauer-Heng, die Gemeinden Berngau, Sengenthal und Mühlhausen, die Stadt Berching (alle im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz), sowie die Städte Greding, Hilpoltstein und die Marktgemeinde Allersberg im mittelfränkischen Landkreis Roth.
Geschichte Gründungszeit und Entwicklung im Spätmittelalter Eine erste urkundliche Erwähnung befindet sich im Nürnberger Memorbuch für das Jahr 1298. Anlass war ein Pogrom in Freystadt, das im Zusammenhang mit den sich von Unterfranken her ausbreitenden sogenannten Rintfleisch-Verfolgungen stand. Da Freystadt eine Gründung ex radice (deutsch: von der Wurzel) war, ist anzunehmen, dass ein Großteil der Rechte, die den Ort in den Stadtrang erhoben, bereits mit der Gründung der Siedlung verliehen worden waren. Ein Beleg für den Status als Stadt und das Vorhandensein von Stadtrechten ist eine Urkunde aus dem Jahr 1332,StAAm, Kloster Seligenporten Urkunden, Nr. 195 (alte Signatur: 1332/2/9) an der sich das Freystädter Siegel befindet. Aufgrund dieses ältesten Nachweises von Stadtrechten – das Führen eines Siegels ist ein solches Recht – wurde 1982 das 650-jährige Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte gefeiert.
Was die einzelnen Herrschaften betraf, denen die Stadt unterstand, so hatte Freystadt als Grenzstadt eine sehr wechselvolle Geschichte. So ging der Ort beim Aussterben des Gründergeschlechts der Herren von Stein (Hilpoltstein) 1384 als Erbe an Sweigker von Hohenfels, der die Stadt aber bereits zwei Jahre später an die (ober-)bayerischen Herzöge verkaufte. Im Jahre 1392 wurde Freystadt als Teil des aus der letzten bayerischen Teilung hervorgegangenen bayerischen Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt erwähnt.Hans Rall: Wittelsbacher Hausverträge des späten Mittelalters. (= Schriftenreihe zur bayerischen Geschichte Bd. 71), hrsg. v. Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1987, S. 193. Im sogenannten bayerischen Krieg, der von den einzelnen wittelsbachischen Linien, aber auch anderen Fürsten vor allem in Nordbayern geführt wurde, erhielt Pfalzgraf Johann von Neumarkt mit dem Vertrag von Lauf 1427 Freystadt, das er bereits um 1420 erobert hatte. Nach dem Tod seines kinderlosen Sohnes Christoph fiel Freystadt als Teil des Territoriums den Pfalzgrafen von Mosbach als Erbe zu. Als diese 1499 ausstarben, kam Freystadt in den Besitz der Pfalzgrafschaft bei Rhein, wo es jedoch nur fünf Jahre verblieb, da es 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg durch Truppen des Markgrafen von Ansbach besetzt wurde. Diesem unterstand es bis ca. 1519 als Pfand, wobei nicht eindeutig ist, ob Freystadt in der Folge kurz Teil des Herzogtums Pfalz-Neuburg wurde oder direkt zur Kurpfalz zurückkam.
In Freystadt wurden 1572 mehrere Drahthämmer gegründet, die vom Wasser der Schwarzach betrieben wurden; diese vermehrten sich sogar auf neun Werke und hatten vom 16. bis zum 17. Jahrhundert Bestand.Franz Michael Ress: Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung der oberpfälzischen Eisenindustrie von den Anfängen bis zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Verl. d. Histor. Vereins von Oberpfalz u. Regensburg, Regensburg 1950, S. 53 und 172. mini|600px|zentriert|Freystadt im 17. Jahrhundert (aus Merian Topogr.)
Neuzeit Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Freystadt als Teil der Oberpfalz wieder bayerisch. Kurfürst Maximilian I. übergab es dem Feldherrn der Liga, Graf von Tilly, zu Lehen. Im August 1632 eroberte der schwedische Obrist Georg Christoph von Taupadel die von kaiserlichen Truppen besetzte Stadt, um die dortigen Proviantmagazine zu plündern. Bei seinem Abzug ließ er die Stadt anzünden, die zu weiten Teilen zerstört wurde.Bernd Warlich: Taupadel, Georg Christoph von. In: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten. Onlineveröffentlichung vom 21. Mai 2011, Abruf vom 14. April 2021. Nach dem Aussterben des Geschlechts derer von Tilly kam Freystadt endgültig und unmittelbar wieder unter bayerische Herrschaft.
Im Dezember 1800 wurde in Freystadt der Räuberhauptmann Franz Troglauer von einem Gerichtsdiener verhaftet. Am 6. Mai 1801 wurde Troglauer dann in Amberg gehängt.
Im Zuge von Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Ruralgemeinde Freystadt die zunächst nur aus der Stadt Freystadt bestand. Einwohnerzahlen der neu gebildeten Ruralgemeinde Freystadt: +BerichtsjahrEinwohner der Stadt Freystadt (Hauptort)1871858192587619501.21319701.35119871.492 Im Juli 1887 erhielt Freystadt mit der Fertigstellung der Bahnstrecke Greißelbach–Freystadt zunächst einen Anschluss an das Güterverkehrs-Bahnnetz. Mit offizieller Eröffnung am 1. Juni 1888 folgte dann auch der Personenverkehr. Nach 73 Jahren wurde der Personenverkehr zwischen Greißelbach und Freistadt im Juli 1960 wieder eingestellt. Am 1. Januar 1978 wurde dann auch die Güterverkehrsnutzung aufgegeben.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Aßlschwang, Möning, Sondersfeld (mit Teilen der am 1. April 1933 aufgelösten Gemeinde Mittelricht), Thannhausen und Thundorf sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Oberndorf eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Michelbach und Mörsdorf (vorher im Landkreis Hilpoltstein) sowie Forchheim, Großberghausen, Höfen, Lauterbach und Sulzkirchen (vorher im Landkreis Beilngries) hinzu. Am 1. Mai 1978 folgte Burggriesbach.
Einwohnerentwicklung und Gebäudezahlen Die Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Stadt Freystadt mit allen Ortsteilen (des Jahres 1978):
+Gebäude und Wohnungszahlen mit allen OrtsteilenBerichtsjahrWohngebäudeWohnungenWohnflächeFläche je Wohnung20132.5743.385435.466 m²128,6 m²20152.6233.505451.331 m²128,8 m²20202.7983.809488.243 m²128,2 m²20242.8783.987523.665 m²131,3 m² 1840–2007: Quelle / 2010–2024: Quelle
Politik
Stadtrat Die vergangenen fünf Kommunalwahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat von Freystadt: CSU Grüne SPDFW/UPW FGG AFD Gesamt 2026 9 2 1 5 2 1 20 2020 9 2 1 6 2 – 20 2014 9 – 2 6 3 – 20 2008statistik.bayern.de 12 – 2 6 – – 20 2002 12 – 3 5 – – 20
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Alexander Dorr (CSU). Bei der Kommunalwahl 2020 wurde er mit 56,3 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt., abgerufen am 15. April 2020 Sein Vorgänger war seit 1987 Willibald Gailler (CSU), der 2014 zum Landrat gewählt wurde.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Oberer Turm und Marktplatz mini|Wallfahrtskirche Maria-Hilf Freystadt ist eine typische mittelalterliche Planstadt mit regelmäßigem Grundriss. Hauptmerkmal ist die zum Platz erweiterte Marktstraße. Diese wird durch das zentral auf der Straßenachse errichtete Rathaus in die Obere und die Untere Marktstraße geteilt. Die Marktstraße wird durch das Obere und das Untere Tor der mittelalterlichen Stadtmauer abgeschlossen. Beide Stadttore sind noch vorhanden. Von der Stadtmauer selbst existiert nur noch ein kleines, vom hölzernen Wehrgang gekröntes Teilstück am Oberen Tor. Wallfahrtskirche Maria Hilf (1710)
Natur Das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Schwarzachwiesen bei Freystadt.
Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsplätze 2017 gab es in Freystadt 1782 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3966 Personen in einer versicherungspflichtigen Tätigkeit, so dass die Zahl der Auspendler um 2184 Personen höher war als die der Einpendler.
Landwirtschaft Die 143 landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschafteten 2016 insgesamt 5220 Hektar, darunter 3489 Hektar Ackerland.
Bildung Martini-Grundschule Freystadt mit neun Lehrern und 209 Schülern (Schuljahr 2018/19) Martini-Mittelschule Freystadt mit 17 Lehrern und 170 Schülern (Schuljahr 2018/19) Grundschule Burggriesbach mit vier Lehrern und 86 Schülern (Schuljahr 2018/19) Vier Kindertageseinrichtungen mit 313 genehmigten Plätzen und 300 Kindern (Stand 1. März 2018)
Söhne und Töchter der Stadt Jean-Paul-Égide Martini (1741–1816), deutsch-französischer Komponist Ernst Schweninger (1850–1924), deutscher Mediziner und Medizinhistoriker, Leibarzt Bismarcks. Johann Baptist Lerzer (1833–1917), Reichstags- und Landtagsabgeordneter Guntram Pflaum (1903–1945 vermisst), SS-Führer und Leiter des Lebensborn e. V. Rudolf Till (1911–1979), Altphilologe und Professor in München und Erlangen, SS-Obersturmführer, Mitarbeiter des Ahnenerbes des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler. Hanna Ludwig (1918–2014), Opernsängerin Hans-Jürgen Hafner (* 1972), Kunstkritiker und Kurator Stefan Schmidt (* 1981), Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages
Literatur
Weblinks
Stadt Freystadt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in der Oberpfalz Kategorie:Ersterwähnung 1298 Kategorie:Stadt in Bayern Kategorie:Ort an der Schwarzach (Altmühl) Kategorie:Stadtrechtsverleihung im 14. Jahrhundert