mini|Mauser C96 im „Kasten“ (Holster) mini|M1916 mit montiertem AnschlagschaftDie Mauser C96 ist eine der frühesten Selbstladepistolen, die ab 1896 von Mauser produziert wurde.

Geschichte Nach der Borchardt-C93-Pistole mit Kniegelenkverschluss, der Erstkonstruktion einer modernen Selbstladepistole von 1893, arbeiteten die Brüder Fidel, Friedrich und Josef Feederle an der Entwicklung eines eigenen automatischen Modells für die Firma Mauser. Dies geschah anfangs ohne Wissen und Einverständnis ihres Vorgesetzten. Das Patent-Nr. 90430 zu dieser Waffe wurde am 11. Dezember 1895 veröffentlicht.(Konstruktionszeichnungen auf Seiten 6–13 in der Patentschrift) Die Waffe wurde ab 1896 produziert.Popular Bergmann 1896 & Mauser C96 videos – Early Automatic Pistols Obwohl sie nie Ordonnanzwaffe bei deutschen Streitkräften war, wurde die „Construction 96“ von Mauser in einer Vielzahl von Varianten und Kalibern gefertigt und weltweit exportiert.Reiner Lidschun, Günter Wollert: Enzyklopädie der Infanteriewaffen – 1918 bis 1945 – Band 1 Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0406-8, S. 106 Die C96 wurde von verschiedenen anderen Waffenherstellern lizenziert und unlizenziert hergestellt und dabei zum Teil weiterentwickelt bzw. verbessert.

Technik Aufbau der Waffe Die Waffe ist aus zwei Teilen aufgebaut, dem Griffstück mit Abzugssystem und Magazin sowie dem darauf gleitend angebrachten Verschlussgehäuse mit Lauf.

Die C96 ist ein Rückstoßlader mit gerade zurücklaufendem Lauf, Schwenkriegelverschluss und außenliegendem Hahn. Der Magazinkasten ist vor dem Abzugsbügel angeordnet und wird von oben mit Ladestreifen geladen.

Funktion Nach dem Abschuss läuft das System (Lauf, Verschlussgehäuse, Verschluss) zurück, nach etwa 6 mm Rücklauf des Laufes wird der Verschluss entriegelt und läuft weiter zurück, die abgeschossene Hülse wird ausgeworfen und der Hahn gespannt. Im Vorlauf wird die nächste Patrone nachgeladen, der Verschluss verriegelt und die Waffe ist wieder schussbereit.

Varianten Mit dem Modell 1930 führte Mauser Wechselmagazine mit unterschiedlicher Kapazität ein. Die M712-Pistole war in der Lage, optional auch Dauerfeuer zu schießen. Das Futteral der Waffe konnte bei allen Modellen als Anschlagschaft verwendet werden.

Die C96 wurde mit unterschiedlichen Lauflängen, verschiedenen Magazinkapazitäten und in verschiedenen Kalibern produziert. Die beiden ursprünglichen Varianten im Kaliber 7,63 × 25 mm hatten Läufe von 8 oder 13 cm Länge und einen sechs- oder zehnschüssigen Magazinkasten.

Einsatz Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab die Leitung des deutschen kaiserlichen Heeres den Auftrag für eine Standardpistole heraus. Den Zuschlag erhielt die als Pistole 08 bekanntgewordene Entwicklung von Georg Luger. Das Modell C96 unterlag, wurde aber ein großer kommerzieller Erfolg für die Waffenfabrik Mauser. Mauser erreichte beim Export der Waffen bedeutende Absatzzahlen: Die Pistole wurde in großen Stückzahlen an Länder wie die Türkei, Mexiko und China sowie in kleinerer Zahl an die k.u.k. Armee (~ 14.400 in den Jahren 1915–1917) geliefert und dort auch offiziell in die Ausrüstung der Armeen aufgenommen. Der berühmteste Besitzer einer C96 war Winston Churchill, der mit dieser Waffe unter anderem am Sudanfeldzug und am Burenkrieg teilnahm. In den 1920er Jahren wurden etliche C96 nach China verkauft und dort in Lizenz vom Shan-Si-Arsenal hergestellt. Sie hatten das Kaliber .45 ACP. Diese Modelle sind munitionsbedingt breiter und dadurch sofort erkennbar.

Viele nach China gelieferten und auch der dort produzierten Pistolen fielen ab Ende der 1920er Jahre in die Hände der in der Mandschurei stationierten, japanischen Truppen. Insbesondere bei Offizieren waren diese im Vergleich zu den zeitgenössischen, japanischen Modellen zuverlässigeren und wirksameren Waffen sehr beliebt. Die im dortigen Staat Mandschukuo stationierte, japanische Kwantung-Armee übernahm die C96 im Kaliber 7,63 × 25 mm Anfang der 1930er Jahre zunächst inoffiziell, später sogar offiziell in die Liste ihrer Ausrüstung auf. 1940 erfolgte die armeeweite, offizielle Einführung als Typ Mo große Pistole. Zudem wurden in Mandschukuo eigene Munitions- und Ersatzteilfertigungen eingerichtet. mini|Eines der (ursprünglich nur 1000 St. produzierten) Exemplare des Mauser C96 Persienmini|Mauser C96 Karabiner Das Mauser C96 fand schon kurz nach seiner Einführung im Jahr 1896 seinen Weg nach Persien. Zwischen 1910 und 1914 ließ Ahmad Schah Qadschar, der letzte Herrscher der Qadscharen-Dynastie, rund 1.000 Exemplare dieser Pistole für seine persönliche Leibgarde sowie für hohe Offiziere beschaffen. Die persischen Ausführungen wichen in einigen Details von den üblichen Exportmodellen ab: So trugen manche das Wappen des persischen Reiches mit dem traditionellen Löwe-und-Sonne-Emblem. Dadurch wurden die Waffen nicht nur als moderne Dienstpistolen, sondern zugleich als repräsentative Statussymbole genutzt. Mit ihrer hohen Magazinkapazität, der vergleichsweise großen Reichweite und der robusten Bauweise bot die C96 für Persien, das damals über keine eigene moderne Waffenproduktion verfügte, entscheidende Vorteile. Viele dieser Pistolen gingen jedoch im Zuge der politischen Umwälzungen und Revolutionen des 20. Jahrhunderts verloren oder wurden vernichtet. Die wenigen erhaltenen Stücke zählen heute zu den seltensten und begehrtesten Sammlerwaffen.

Während des Ersten Weltkrieges wurden C96 an die deutschen Truppen ausgeliefert, die auf die Standardpatrone 9 mm Parabellum umgerüstet waren. Um Verwechslungen mit der C96 im Kaliber 7,63 mm zu vermeiden, waren sie mit einer großen roten „9“ auf den Griffstücken markiert. Große Verbreitung fand die Mauser auch in Russland, wo sie insbesondere von den Truppen der Bolschewiki eingesetzt wurde.Reiner Lidschun, Günter Wollert: Enzyklopädie der Infanteriewaffen – 1918 bis 1945 – Band 1 Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0406-8, S. 107

Noch im Zweiten Weltkrieg wurden in der Wehrmacht verschiedene Modelle der Pistole eingesetzt. Insbesondere wurden sie von Militärkraftfahrern und Bandenkampf-Verbänden hinter der Front geführt. In der Waffen-SS wurde häufig die Version der Schnellfeuer-Selbstladepistole C 96/M-30 verwendet.

Varianten Jahr Modell Lauflänge(mm) 1912 Modell Neue Sicherung (NS) 140 1916 Militärmodell Kaliber 9 mm (Rote Neun) 140 1920 Nachkriegsmodell, aufgrund der alliierten Auflagen mit gekürztem Lauf.Bolo-Mauser: häufig in die Sowjetunion an die Bolschewiki geliefert 99 1930 M-30 132–140 1931 M711 mit Wechselmagazinen 132–140 1932 M712 Schnellfeuer mit Wechselmagazinen 132–140

Kulturelle Bedeutung und Rezeption In sowjetischen Filmen wurde die Mauser C96 als ikonische Waffe der russischen Revolution und des russischen Bürgerkriegs populär. Die Vorliebe der Rotgardisten für diese Pistole fand Ausdruck in der Kunst jener Zeit. So erwies Wladimir Wladimirowitsch Majakowski der Waffe in seinem Gedicht Linker Marsch (Левый марш) Reverenz: Entrollt euren Marsch, Burschen von Bord! Schluß mit dem Zank und Gezauder. Still da, ihr Redner! Du hast das Wort, rede, Genosse Mauser!

Die Pistole wird von einigen Museen in besonderer Form rezipiert. So findet sich beispielsweise ein Exponat im Museum der Smithsonian Institution und ein weiteres in der Polizeihistorischen Sammlung Dresden. Die Beschreibungen befassen sich mit der Entwicklung und Konstruktion dieser Pistole.

Die C96 erscheint aufgrund ihrer unverwechselbaren und sofort erkennbaren Form häufig als „fremde“ oder „exotische“ Pistole in einer Reihe von Filmen (z. B. „Il grande silenzio“, wo Jean-Louis Trintignants Verwendung der C96 einen absichtlichen Kontrast zu den Colt-Single-Action-Army-Revolvern bildet, die von den anderen Charakteren im Film verwendet werden) und Fernsehsendungen. Die C96 diente bei der Produktion des populären Filmfranchise Star Wars auch als Grundlage für die Fantasy-Waffe BlasTech DL-44 Heavy Blaster des Charakters Han Solo. Han Solos Blaster entstand aus einer Mauser-C96-Pistole mit gekürztem Lauf, der mit einem MG 81-Mündungsfeuerdämpfer und einem Hensoldt-Wetzlar-Zielfernrohr versehen wurde. Nachbildungen des Blasters erfreuten sich in der Cosplay-Szene einer solchen Beliebtheit, dass Waffensammler darauf aufmerksam wurden, wie Star Wars Fans zunehmend seltene Original-Mauser-Pistolen kauften und modifizierten, um Blaster-Repliken herzustellen. Auf Anraten des britischen Waffenexperten Geoffrey Boothroyd stattete Ian Fleming die Agenten von SMERSch in James-Bond-Filmen mit Mauser-Pistolen aus. Die C96 diente als Vorbild für die „Buck-Rogers-Atom-Pistole“ in der Filmserie und im Comic, und 1934 brachte die Daisy Manufacturing Company eine beliebte Spielzeugversion auf den Markt. Der japanische Spielzeughersteller Epoch Co. entwickelte 1977 eine eigene Videospielkonsole, das „TV Game System 10“, dessen Lightgun eine Kunststoffnachbildung der Mauser C96 war; diese C96-Nachbildung ließ sich auch mit der Nachfolgekonsole „Epoch Cassette Vision“ aus dem Jahr 1981 verwenden. Wlado Tschernosemski benutzte eine C96, als er 1934 in Marseille ein Attentat auf den jugoslawischen König Alexander I. verübte.

Literatur

Reiner Lidschun, Günter Wollert: Enzyklopädie der Infanteriewaffen – 1918 bis 1945 – Band 1 Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0406-8, S. 106–109

Weblinks

Einzelnachweise Museumsobjekt:

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C96 Kategorie:Selbstladepistole (Wehrmacht) Kategorie:Reihenfeuerpistole