mini|hochkant=1.5|Campus Vaihingen mit Mensa (links) und dem Gebäude des Naturwissenschaftlichen Zentrums II (rechts) Die Universität Stuttgart ist eine vom Bundesland Baden-Württemberg getragene Universität in Stuttgart. Sie pflegt ein interdisziplinär orientiertes Profil mit Schwerpunkt in den Ingenieur-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Dieser „Stuttgarter Weg“ prägt als Leitgedanke der vernetzten Disziplinen das besondere Profil der Universität Stuttgart und ist zu einem ihrer Markenzeichen geworden. Sie gliedert sich in zehn Fakultäten und 150 Institute.
Die früher in der Stadtmitte angesiedelten technisch-naturwissenschaftlichen Institute wurden seit den 1960er-Jahren weitgehend auf den Campus in Stuttgart-Vaihingen umgesiedelt, während die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Studienrichtung Architektur auf dem Campus Stadtmitte in der Nähe des Hauptbahnhofs verblieben. Die Universität betreibt mehrere eigene Forschungsinstitute, davon einige zusammen mit Fraunhofer-Instituten und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Geschichte mini|Ursprünglich von Alexander Tritschler 1879 entworfener Erweiterungsbau der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart, 1944 zerstört und von 1949 bis 1951 unter Richard Döcker wieder aufgebaut. Das Gebäude beherbergt heute das Rektoramt der Universität.
mini| Heutige Ansicht des Rektoramts
Die Gründung einer Universität im nahegelegenen Tübingen im Jahre 1477 durch Eberhard im Bart als damaligen Grafen von Württemberg-Urach und späteren Herzog von Württemberg führte zunächst dazu, dass keine weitere Universität in Stuttgart eingerichtet wurde. Auch wurde die Eberhard Karls Universität Tübingen, anders als beispielsweise die Ludwig-Maximilians-Universität München (ursprünglich Ingolstadt, dann Landshut), trotz Wechsels der Residenz im Jahre 1495 nicht nachträglich nach Stuttgart verlegt.
Es gab dann bereits am Ende des 18. Jahrhunderts in Stuttgart für wenige Jahre eine Universität, als die 1770 gegründete Hohe Karlsschule 1781 zur Universität erhoben wurde. Unter Herzog Ludwig Eugen wurde sie 1794 aber wieder aufgelöst. Die Karlsschule bildete vor allem Juristen für landeshoheitliche Aufgaben sowie Mediziner für die württembergische Armee aus. Einer der berühmtesten Studenten war Friedrich Schiller, der von 1773 bis 1780 an der Karlsschule zum Militärarzt ausgebildet wurde.
Die heutige Universität geht auf die Gründung der Vereinigten Kunst-, Real- und Gewerbeschule im Jahre 1829 unter Wilhelm I. von Württemberg zurück. Dabei wurde die 1796 gegründete Realschule per Dekret vom 27. März 1829 um eine Kunst- und Gewerbeschule erweitert, die am 26. Oktober 1829 mit 34 Schülern (darunter Christian Friedrich von Leins) den Betrieb aufnahm. 1832 wurde eine Trennung zwischen Gewerbeschule, Kunstschule (heutige Staatliche Akademie der Bildenden Künste) und Realschule (heutiges Friedrich-Eugens-Gymnasium) vorgenommen.Geschichte des FEG Abschnitt (1.2.3.) 1818–1832: Innovation und Improvisation, abgerufen am 23. Juni 2017. Im Januar 1840 erhielt die Gewerbeschule den Rang einer Polytechnischen Schule. 1864 fand der räumliche Umzug von der Königstraße 12 in das von Joseph von Egle erbaute neue Hauptgebäude am Stadtgarten (heutiges Rektorat in der Keplerstraße 7) statt. Entsprechend der zunehmenden Bedeutung der Ingenieurwissenschaften und der damit verbundenen Akademisierung der Studien wurde die Polytechnische Schule im Oktober 1876 zum Polytechnikum und 1890 zur Technischen Hochschule (TH). Den seit 1882 offiziell bestehenden Lehrgegenstand Elektrotechnik verdankt sie Werner von Siemens (1816–1892).Lehrstuhl für Elektrotechnik an der technischen Hochschule in Stuttgart. In: Vermischtes. Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 17, 29. April 1882, S. 147–148. Auf Digital.ZLB.de, abgerufen am 2. November 2019. Sie erhielt 1900 von Wilhelm II. von Württemberg auch das Promotionsrecht für technische und naturwissenschaftliche Disziplinen. Ab Dezember 1905 waren Frauen zum Studium an der TH Stuttgart zugelassen.Petra Mayerhofer: „Es gibt Leute, die stellen sich unter einer Studentin ein ganz merkwürdiges Ungetüm vor.“ Die Anfänge des Frauenstudiums an der Technischen Hochschule Stuttgart. In: Gabriele Hardtmann, Nicola Hille (Hrsg.): Die Anfänge des Frauenstudiums in Württemberg. Erste Absolventinnen der TH Stuttgart. Steiner, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-515-10656-6, S. 39–93.
mini|Dezernat II: Internationales Zentrum (IZ)
Die Entwicklung der nichttechnischen Fachrichtungen an der TH Stuttgart führte im Dezember 1967 zur Umbenennung in Universität Stuttgart.Bernd Reinhoffer: Heimatkunde und Sachunterricht im Anfangsunterricht – Entwicklungen, Stellenwert, Tendenzen. Dissertation. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2000. ISBN 3-7815-1084-0, S. 133. Auf Books.Google.fr (Digitalisat), abgerufen am 2. November 2019. 1958 waren erstmals mehr als 5.000 Studenten an der Universität Stuttgart eingeschrieben, 1973 erstmals mehr als 10.000 Studenten, 1988 erstmals mehr als 20.000 Studenten und 2013 erstmals mehr als 25.000 Studenten. Der größte Teil der Universität befindet sich heute in Stuttgart-Vaihingen (Campus Vaihingen), wo ab 1959 die ersten Gebäude bezogen wurdenModelle und die Stuttgarter Wirklichkeit: Universität als Campus – Campus als Stadt. In: Stuttgarter unikurier Nr. 80/November 1998. Auf Uni-Stuttgart.de, abgerufen am 2. November 2019. und bis heute mehr als 100 Hektar des Pfaffenwaldes für die Gebäude der Natur- und Ingenieurwissenschaften gerodet wurden. 1985 wurde das Logo der Universität Stuttgart entwickelt und am Campus Vaihingen der Bahnhof Stuttgart Universität eröffnet. Am angestammten Platz im Zentrum (Campus Stadtmitte) sind rund um den Stadtgarten und am Azenberg die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Architektur angesiedelt. 2017 wurde am Campus Vaihingen das Haus der Studenten eröffnet, in dem sich die Zentrale Studienberatung, das Studiensekretariat, das Prüfungsamt, die Studentenvertretung „stuvus“ und der Uni-Shop befinden.
Rektoren mini|Blick auf das Stadtzentrum Stuttgarts mit dem Hauptbahnhof und den Kollegiengebäuden KII (Hochhaus am linken Rand) und KI (Hochhaus rechts davon) der Universität
1967–1969: Fritz Leonhardt (1909–1999), Institut für Massivbau 1969–1971: Heinz Blenke (1920–1996), Institut für Chemische Verfahrenstechnik 1971–1980: Karl Heinz Hunken (1919–2011), Institut für Siedlungswasserbau und Wassergütewirtschaft 1980–1986: Hartmut Zwicker (1924–1986), Institut für Plasmaforschung 1987–1990: Franz Effenberger (1930–2024), Institut für Organische Chemie 1990–1992: Jürgen Giesecke (1932–2024), Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung 1992–1996: Heide Ziegler (* 1943), Institut für Literaturwissenschaft 1996–2000: Günter Pritschow (1939–2021), Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen 2000–2006: Dieter Fritsch (* 1950), Institut für Photogrammetrie 2006–2024: Wolfram Ressel (* 1960), Institut für Straßen- und Verkehrswesen seit 2024: Peter Middendorf (* 1971), Institut für Flugzeugbau
Fakultäten mini|Kollegiengebäude KI (Keplerstraße 11, rechts) und KII (Keplerstraße 17, links) am Stadtgarten Zwei Drittel aller Institute und Forschungseinrichtungen sind heute auf dem Campus Vaihingen untergebracht. Der dortige Bereich ist als Universitäts-Campus errichtet worden. Zu den teilweise verstreuten Einrichtungen im Bereich der Stadtmitte heißt es bei der Beschreibung der Kollegiengebäude KI und KII: Sie markieren das „Eingangstor“ zum 1956–1965 neu entstandenen Universitätsviertel am Stadtgarten.Stuttgart. Ein Architekturführer. Von M. Wörner und G. Lupfer, 1991 Seit Oktober 2002 gliedert sich die Universität Stuttgart in folgende 10 Fakultäten: Fakultät 1: Architektur und Stadtplanung (Campus Stadtmitte) Fakultät 2: Bau- und Umweltingenieurwissenschaften (Campus Vaihingen) Fakultät 3: Chemie (Campus Vaihingen) Fakultät 4: Energie-, Verfahrens- und Biotechnik (größtenteils Campus Vaihingen) Fakultät 5: Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik (Campus Vaihingen) Fakultät 6: Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie (größtenteils Campus Vaihingen) Fakultät 7: Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik (größtenteils Campus Vaihingen) Fakultät 8: Mathematik und Physik (Campus Vaihingen) Fakultät 9: Philosophisch-Historische Fakultät (Campus Stadtmitte) Fakultät 10: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (größtenteils Campus Stadtmitte)
Studiengänge mini|Universitätsstraße 38 (Vaihingen) Angeboten wird eine breite Palette von Bachelor- und Masterstudiengängen aus den Ingenieurwissenschaften, den Naturwissenschaften (einschließlich Mathematik), den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (siehe Liste der Studiengänge an der Universität Stuttgart). Insgesamt sind dies – Stand Juni 2019 – 71 Bachelor- und 98 Masterstudiengänge. Davon sind drei der Studiengänge, darunter ein Bachelorstudiengang, kombiniert deutsch- und französischsprachig, 16 der Masterstudiengänge sind ganz bzw. teilweise englischsprachig. Zu den größten zulassungsbeschränkten Studiengängen bezogen auf die Studienplätze pro Jahr gehören die Bachelorstudiengänge Luft- und Raumfahrttechnik (350), Architektur und Stadtplanung (208), Elektrotechnik und Informationstechnik (200), Technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre (150), Lehramt Geschichte (150), Informatik (150) und Mathematik (125). Zu den größten zulassungsfreien Studiengängen zählen die Bachelorstudiengänge Maschinenbau, Fahrzeug- und Motorentechnik, Technologiemanagement, Bauingenieurwesen und Physik.
Seit 2007 bietet die Universität Stuttgart zudem Weiterbildungsstudiengänge an. Diese richten sich an Absolventen mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung. Fünf der derzeit sechs Weiterbildungsstudiengänge, unter dem Oberbegriff Master:Online zusammengefasst, können durch das Blended Learning-Konzept berufsbegleitend studiert werden.
Forschungseinrichtungen Aktuell fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) an der Universität Stuttgart zwölf ERC-Preisträger für ihre herausragenden Forschungsprojekte über eine Laufzeit von fünf Jahren mit Zuwendungen (Grants) von insgesamt 26,5 Mio. Euro. Die Zeitschrift „forschung leben“ berichtet regelmäßig in Magazinformat von Ergebnissen aus der universitären Forschung.uni-stuttgart.de
Von der DFG geförderte Projekte und Einrichtungen mini|Hörsaal V38.01 Eine ausführlichere Auflistung der von der DFG derzeit geförderten Projekte und Einrichtungen an der Universität Stuttgart findet sich in der Liste der DFG-Förderungen der Universität Stuttgart. Gefördert werden derzeit (Stand: September 2020) zwei Exzellenzcluster (EXC) drei Graduiertenkollegs (GRK) fünf Sonderforschungsbereiche (SFB) vier DFG-Schwerpunkt-Programme (SPP) vier Transregio-Programme (TRR), davon zwei in Sprecherschaft
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mini|Raumfahrtzentrum Baden-Württemberg am Campus Vaihingen Der Campus Vaihingen ist auch Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). In sechs Instituten (Bauweisen und Strukturtechnologie, Fahrzeugkonzepte, Solarforschung, Technische Physik, Technische Thermodynamik, Verbrennungstechnik) sowie dem Systemhaus Technik und dem DLR School Lab sind rund 700 Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören Hochleistungsstrukturen aus Verbundwerkstoffen, Konzepte für Landfahrzeuge, Lasersysteme, Energiespeicherkonzepte, Gasturbinen und technische Verbrennungsprozesse sowie die Entwicklung von Receivern für solarthermische Kraftwerke.
Fraunhofer-Institute mini|Zentrum für virtuelles Engineering, Fraunhofer IAO, am Campus Vaihingen Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Personalunion mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart