Bergedorf ist ein Stadtteil im gleichnamigen Bezirk in Hamburg. Der Stadtteil bildet das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Bezirks.
Geographie Bergedorf liegt im Südosten Hamburgs, unmittelbar an der Landesgrenze zum schleswig-holsteinischen Wentorf und Reinbek. Der Stadtteil wird von der Bille durchflossen und liegt am bzw. teilweise auf dem Geestrücken am Elbe-Urstromtal.
Der heutige Stadtteil umfasst weitestgehend das Gebiet der ehemals selbstständigen Stadt Bergedorf. Lediglich die westlich der Bille gelegenen Gebiete Nettelnburg und Bergedorf-West gehörten seinerzeit nicht zum Stadtgebiet.
Zum 1. Januar 2011 wurde die ab 1982 entstandene Neubausiedlung Neu-Allermöhe Ost dem neu gebildeten Stadtteil Neuallermöhe zugeordnet. Zugleich wurde die Grenze zum südlich von Bergedorf gelegenen Stadtteil Allermöhe entlang der Bundesautobahn 25 begradigt und dabei die Siedlung Alt-Nettelnburg Bergedorf zugeordnet und eine geringfügige Änderung der Grenze zum westlich gelegenen Billwerder vorgenommen.
Name Der Name bezieht sich auf die Lage am Geesthang und den Höhenunterschied zu den benachbarten flachen Vier- und Marschlanden, obgleich Bergedorf genau genommen an keinem Berg liegt. Die sächsischen Siedler, die hier vermutlich bereits vor dem Jahr 1000 lebten, wurden Berger genannt. Im Laufe der Geschichte wurden für das Städtchen verschiedene Abwandlungen der Bezeichnung verwendet, so um 1162 Bergidorpe, auch Bergirdorpe und BergerdorpHarald Richert: Bergedorf - eine selbständige Stadt. In: Lichtwark Nr. 54. Hrsg. Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf, 1991. Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf. ., 1275 Berjerdorp und 1349 Berghdorpe.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 18
Geschichte
1162 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. 1275 stieg der Ort zur Stadt auf. Die längste Zeit ihres Bestehens – von 1420 bis 1867 – stand sie unter beiderstädtischer Verwaltung Hamburgs und Lübecks, ab 1868 zählte es als Gemeinde zur Landherrenschaft Bergedorf und ab 1924 als selbständige Stadt zum Hamburgischen Landgebiet. Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes wurde Bergedorf 1938 eingemeindet und zu einem Hamburger Stadtteil.
Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 17,9 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023 Anteil der über 64-Jährigen: 20,1 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 19,7 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,3 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Bergedorf 43.133 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Politik mini|Bergedorfer Rathaus, Sitz des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Bergedorf zum Wahlkreis Bergedorf. Die Bürgerschaftswahlen 2025, 2020, 2015, 2011, 2008, 2004, 2001, 1997 und 1993 führten zu folgenden Ergebnissen:
Bürgerschaftswahl SPD CDU Grüne Linke AfD FDP Übrige 2025 35,5 % 19,7 % 16,1 % 10,0 % 9,7 % 1,9 % 7,1 % 2020 39,2 % 10,3 % 22,8 % 9,0 % 6,7 % 4,3 % 7,7 % 2015 48,7 % 13,2 % 12,1 % 8,1 % 6,8 % 6,6 % 4,6 % 2011 50,0 % 20,0 % 11,1 % 6,8 % – 5,2 % 6,0 % 2008 36,3 % 40,4 % 9,4 % 7,4 % – 3,7 % 2,7 % 2004 34,0 % 44,4 % 11,3 % – – 2,6 % 7,8 % 2001 39,9 % 25,1 % 8,0 % 0,3 % – 4,0 % 22,7 % 1997 39,0 % 27,6 % 13,9 % 0,5 % – 2,7 % 16,3 % 1993 44,6 % 22,0 % 12,7 % – – 3,3 % 17,6 %
Bei den Wahlen zur Bezirksversammlung ist der Stadtteil auf die Wahlkreise „Lohbrügge III / Bergedorf I“ und „Bergedorf II“ aufgeteilt. Bei Bundestagswahlen zählt Bergedorf zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Bergedorf – Harburg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Denkmalgeschützte Bauwerke
mini|Ehemalige Kornwassermühle, 1208 beim Bau des Billestaudamms (heute: Alte Holstenstraße) angelegt, Neubau 1839. 1868 zur Kornlagerung aufgestockt, bis 1939 in Betrieb. 1974 vereinfachter Neubau Schloss Bergedorf Kirche St. Petri und Pauli (erbaut 1502) und Hasse-Haus Sternwarte Bergedorf, auf dem Gojenberg. Das Bergedorfer Observatorium – bis heute Sitz des Instituts für Astrophysik der Universität Hamburg Alter Bahnhof Bergedorf, der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn, zweitältestes erhaltenes Bahnhofsgebäude Deutschlands Amtsgericht Hamburg-Bergedorf Bergedorfer Windmühle, ein Galerieholländer Bergedorfer Wasserturm von 1903 auf dem Pfingstberg Wohngebäude Rosenhof von 1910 Gasthof Stadt Hamburg, Kornwassermühle mit Brauhaus und Branntweinbrennerei von 1713 und weiterem Giebelhaus aus dem 17./18. Jahrhundert als Fachwerkensemble Ältestes Schulgebäude Hamburgs in der Straße Am Brink – heute Rudolf-Steiner-Schule Bergedorf
Kunst im öffentlichen Raum
Bismarck-Denkmal von Karl Garbers im Schlosspark Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Schlossstraße am Rande des SchlossparksMaik Ohnezeit: „…dem Begründer des Reiches ein würdiges Denkmal zu setzen.“ Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Bergedorf. In: Lichtwark-Heft Nr. 72, S. 43–46. Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf, 2007. . Johann-Adolf-Hasse-Büste von Gisela Varzandeh am Johann-Adolf-Hasse-Platz Skulpturenpark im Rathauspark und entlang der Schulenbrooksbek „Schaffender“ von Edwin Scharff am Hauni-Gelände
Naturdenkmäler Das Bergedorfer Gehölz ist ein rund zwei Quadratkilometer großer Wald zwischen dem Hamburger Stadtteil Bergedorf und der holsteinischen Gemeinde Wentorf.
Friedhöfe in Bergedorf Alter Friedhof Bergedorf Neuer Friedhof Bergedorf: Auf ihm befindet sich auch die Sowjetische Kriegsgräberstätte Hamburg-Bergedorf für 651 sowjetische Kriegsgefangene aus dem KZ Neuengamme und die Deutsche Kriegsgräberstätte Hamburg-Bergedorf. Seit 2004 gibt es hier auch den Muslimischen Friedhof Bergedorf.
Ehemalige Friedhöfe in Bergedorf: Friedhof St. Michael Bergedorf Kirchhof an der St.-Petri-und-Pauli-Kirche BergedorfCharlotte Klack-Eitzen: Die Grabsteine an der Kirche St. Petri und Pauli. In: Lichtwark-Heft Nr. 75. Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf 2010. . Jüdischer Friedhof Bergedorf
Museumsbahn Die Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn e. V. unterhält an sechs Wochenenden im Jahr einen Museumsbahn-Betrieb mit der historischen Lok Karoline auf der Strecke der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn.
Sternwarte Der Astronom Johann Georg Repsold gründete 1825 auf der Bastion Henricus der Hamburger Wallanlagen nahe dem Millerntor eine private Sternwarte, die 1833 in ein Hamburger Staatsinstitut umgewandelt wurde. Heute befindet sich an diesem Ort das Museum für Hamburgische Geschichte. Wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung in der Großstadt wurde die Sternwarte 1909 nach Bergedorf auf den Gojenberg umgesiedelt. 1912 wurde die dortige Hamburger Sternwarte eingeweiht und ist eine bedeutende historische astronomische Forschungseinrichtung. 1968 wurde die Sternwarte ein Universitätsstandort des Fachbereichs Physik der Universität Hamburg, gleichzeitig wurde sie in die Liste der Kultur- und Technikdenkmale aufgenommen. Seit dem 26. März 2011 ist ein Besucherzentrum mit angeschlossenem Café geöffnet. Hier bietet die Sternwarte regelmäßig öffentliche Himmelsbeobachtungen, Vorträge und Kurse an.
Theater Es gibt in Bergedorf zwei feste Theater.
Das BegegnungsCentrum Haus im Park in Hamburg-Bergedorf fördert die aktive Lebensgestaltung für Menschen ab 50 mit Angeboten für Bildung, Gesundheit, Freizeit und eigenes Engagement. Angegliedert ist das Theater Haus im Park.
Das Theater Am Neuen Weg wird bespielt von der Lohbrügger Bürgerbühne und befindet sich auf dem Gelände des Alten Bahnhofs. Die Lohbrügger Bürgerbühne (LBB) wurde 1967 als Neigungsgruppe im Bürgerverein Lohbrügge gegründet und ist seit 1997 ein eigenständiger eingetragener Verein. Sinn und Zweck der LBB ist das Theaterspielen, wobei aber die Erhaltung und Pflege der niederdeutschen Sprache an erster Stelle steht. Im Jahr 1997 konnten sich die Mitglieder der LBB ihren großen Traum vom eigenen Theater erfüllen. Aus den alten „Probenhallen“ entstand das Theater am Neuen Weg mit zunächst 42 Plätzen. Aufgrund der großen Zuschauernachfrage wurde das Theater im Sommer 2005 auf 53 Plätze erweitert und mit neuer Bestuhlung ausgestattet.
Kino Das Hansa-Filmstudio in der Alten Holstenstraße ist das letzte in Bergedorf verbliebene Kino.
Sport mini|Billtalstadion In Bergedorf befindet sich das Billtalstadion. Ebenfalls im Billtal ist die 1848 gegründete Bergedorfer Schützengesellschaft ansässig. In der Nähe des Bergedorfer Bahnhofs befindet sich das 2005 komplett neu errichtete Billebad. An den Sander Tannen ist der ASV Bergedorf 85 beheimatet. Die traditionsreiche Fußballabteilung des Vereins gründete im Juli 2009 den FC Bergedorf 85, dessen erste Mannschaft in der Oberliga Hamburg spielt. Die Sportvereinigung Polizei Hamburg ist mit ihrer Abteilung Bergedorf/Lohbrügge seit 1970 traditionell in den Bergedorfer Sportanlagen tätig. Hervorgegangen aus dem Jugendwerk unfallgeschädigter Kinder in der SV Polizei Hamburg steht die Abteilung inzwischen allen Altersgruppen in diversen Sportarten offen. Die TSG Bergedorf bietet unter dem Motto „Wir bewegen Bergedorf!“ auch Sportarten wie Rollstuhltanz an.Rollstuhltanz beim TSG Bergedorf v. 1860 e. V.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Wasserwerk Bergedorf
Wirtschaft Im Jahre 1899 ging das Wasserwerk im Billtal in Betrieb. Es fördert aus den fünf Brunnen, die in einer Tiefe von 53 bis 112 Metern liegen, täglich rund 7000 Tonnen Wasser. Die Versorgungsgebiete sind neben Teilen Bergedorfs die benachbarten Orte Reinbek und Wentorf. Das Wasserwerk wurde 1982 modernisiert.
Verkehr Schienenverkehr An der Grenze zum benachbarten Stadtteil Lohbrügge befindet sich der Bahnhof Hamburg-Bergedorf.
1842 Eröffnung der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn, der ersten Bahnlinie Norddeutschlands 1846 Eröffnung der Berlin-Hamburger Eisenbahn 1906 Eröffnung der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn 1912 Eröffnung der Vierländer Eisenbahn nach Zollenspieker 1953 Betriebseinstellung auf der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn und der Vierländer Eisenbahn 1958 Elektrifizierung der Strecke Hamburg – Bergedorf für die Gleichstrom-S-Bahn 1969 Elektrifizierung der Strecke Bergedorf – Aumühle für die Gleichstrom-S-Bahn 1996 Elektrifizierung der Strecke Hamburg – Bergedorf – Berlin für den Fern- und Regionalverkehr
Straßenverkehr Durch den Stadtteil führen zwei Bundesstraßen, die Bundesstraße 5 und die Bundesstraße 207. Die B 5 ist die ehemalige Fernverkehrsstraße 5 (FVS 5) und Reichsstraße 5 (R 5) in Richtung Berlin, deren Straßennamen von West nach Ost lauten: Bergedorfer Straße, Holtenklinker Straße, Rothenhauschaussee. Die Länge auf dem Gebiet des Stadtteils Hamburg-Bergedorf beträgt etwa fünf Kilometer. Der Straßenname der B 207 von Nordost nach Südwest lautet: Wentorfer Straße. Die B 207 endet an der Kreuzung Mohnhof an der B 5. Die Länge auf dem Gebiet des Stadtteils Hamburg-Bergedorf beträgt etwa einen Kilometer.
Den öffentlichen Personennahverkehr mit Linienbussen betreiben die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes. Der zentrale Verknüpfungspunkt befindet sich am Bahnhof Bergedorf, wo ein neuer zentraler Omnibus-Bahnhof auf Bahnsteigebene gebaut wurde.
Schiffsverkehr Ab dem Jahr 1208 wurde der Flusslauf der Bille im Bereich des heutigen hamburgischen Stadtteils Bergedorf mit einem Wehr aufgestaut und das Wasser dem späteren Schloßgraben zugeführt. Mit dem Abfluss zur Elbe ergab sich die Möglichkeit, Transporte auf dem Wasser bis zum Hamburger Hafen und auch umgekehrt durchzuführen. Letztlich entstand dafür eine Hafenanlage in Bergedorfs Stadtmitte, örtlich als „Serrahn“ bezeichnet. Eine Schifffahrtslinie bietet regelmäßige Fahrten an und ein Förderverein führt zeitweilig Fahrten mit historischen Ewern durch.
Bildung und Wissenschaft Grundschulen: Grundschule Nettelnburg Grundschule Sander Straße