Hachen ist der (nach der Stadtmitte) zweitgrößte Ortsteil der Stadt Sundern im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen.

Lage Hachen und das zugehörige Dorf Reigern grenzen im Norden und Osten an die Arnsberger Ortsteile Müschede und Wennigloh. Im Westen grenzt der Ort an Enkhausen, im Südwesten an Langscheid und im Süden an Stemel. Durch seine geographisch zentrale Lage zwischen dem Naturpark Arnsberger Wald und dem Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist Hachen ein beliebtes Ausflugsziel. Etwa einen Kilometer südlich der Ortsgrenze befindet sich der Sorpesee.

Geschichte mini|hochkant|Kriegerehrenmal an der Berghöhe Mittelalter Urkundlich erwähnt wurde Hachen bereits im Jahre 793 im Güterverzeichnis des Klosters Werden.Hachen, auf sundern.de, 2018 (im Internet Archive, abgerufen am 7. März 2026)Der Name Hachen ist vermutlich eine Abwandlung von Hagen (Hecke), eine damit verwandte Hegge ist ein Waldstreifen, der als Begrenzung dient. Diese Ortsbezeichnung ist in Westfalen auch bei zusammengesetzten Ortsnamen häufiger zu finden. Die Schreibweise des Namens änderte sich im Laufe der Jahrhunderte (Beispiel: Hagnen 793, Hakkene 1000, Hagne im Mittelalter und viele mehr). Die heutige Ortsbezeichnung ist erstmals in einer Urkunde des Papstes Alexander II. aus dem Jahr 1173 überliefert. Hachen war vermutlich seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts eine Freiheit, ein Ort mit lippischem Stadtrecht, aber ohne Befestigung und hatte so das Recht zur Führung eines eigenen Siegels, das erste bekannte Siegel ist von 1652 überliefert. Das zweigeteilte Siegel zeigt auf der rechten Seite ein Kreuz und auf der anderen einen halben Adler. Die Umschrift ist kaum noch lesbar.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 13, 14. Die Siedlung war keine planmäßig angelegte, sondern eine nach und nach gewachsene; die Häuser wurden um die Burg errichtet. Außerhalb des Bereiches der Burg standen Höfe in weiteren Abständen. Nach der Erhebung zur Freiheit hatten die Handwerker das Recht Zünfte zu bilden, der Ort durfte Zölle erheben und Märkte abhalten. Wegen der geringen Einwohnerzahl ist allerdings nicht davon auszugehen, dass diese Rechte regelmäßig wahrgenommen wurden.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 29 ff.

Neuzeit Ein weiterer wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens war der gemeinsame Besitz und die Nutzung der Mark. Der Wald lieferte Holz, Nahrung für Mensch und Tier und Streu. Die Bürger bildeten eine Markgenossenschaft. Alle Nutzungen waren genau geregelt, wie zum Beispiel, wer welche Anzahl Stück Vieh zur Mast in die Wälder treiben durfte; die Menge des Holzeinschlages überwachte der Holzrichter. Die Menschen dieser Zeit ernährten sich vorwiegend durch Landwirtschaft, es gab so gut wie keine Industrie, aber einige Woll- und Leineweber; belegt ist deren Existenz seit 1717. Wahrscheinlich produzierten sie mehr, als im Ort abzusetzen war und lieferten ihre Ware auch in andere Gegenden.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 31 ff.

Im Herzogtum Westfalen, zu dem auch Hachen gehörte, begannen nach der Reformation wirre Zeiten und es brachen verschiedene Kriege aus. Der Hexenglaube nahm zu, vermutlich wurde in Hachen kein Mensch als Hexe hingerichtet. In einem Visitationsbericht von 1619 ist im Ort ein Ketzer genannt. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es immer wieder kleinere militärische Übergriffe, auch Einquartierungen erfolgten. Die Steuern waren so hoch, dass die Bürger teilweise an die Grenze des Ruins gebracht wurden. Das geistliche Herzogtum Westfalen kam 1803 an Hessen-Darmstadt, Hachen war hessisch. Dabei änderte sich für die Bürger nicht sehr viel, der Magistrat und der Bürgermeister blieben im Amt und alte Verpflichtungen und Abhängigkeiten hatten weiter Bestand. 1811 trat die sogenannte Schultheißenverordnung in Kraft, in Hachen wurde ein Mann mit Namen Wiebelhaus zum Schultheiß ernannt, er fungierte als Richter und Verwaltungsbeamter.

Erste Katasterkarten wurden 1820 angelegt, ab 1844 wurden Protokollbücher der Sitzungen des Gemeinderates geführt. Hieraus geht hervor, dass die Gemeinde in der Zeit um 1845 eine der bedürftigsten war. 1845 brannte der Ort teilweise nieder. Der Anschluss an das Fernmeldenetz erfolgte um 1890. Hachen gehörte von 1837 bis zum 31. Dezember 1974 zum Amt Hüsten.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 60 ff.

Erster und Zweiter Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg fielen 43 Bürger des Ortes, ihnen zum Gedenken wurde 1924 auf dem Burgberg ein Ehrenmal aufgestellt. Im März 1933 fand die letzte freie Gemeindewahl statt, der gewählte Gemeindevorsteher Heinrich Potthoff wurde per Gesetz gezwungen, von seinem Amt zurückzutreten. Obwohl er von den Gemeinderäten einstimmig wiedergewählt wurde, kam die Regierung diesem Ansinnen nicht nach, sondern es wurde am 4. August 1933 Johannes Schwartpaul von Amtsbürgermeister in sein neues Amt als Bürgermeister eingeführt. Nach dem neuen Gemeindeverfassungsgesetz sollten in jeder Gemeinde der ranghöchste SA-Führer und der oberste politische Führer der NSDAP als Gemeinderäte eingesetzt werden. Die restlichen drei Gemeinderäte wurden durch den Gauleiter bestimmt. Schwartpaul blieb bis 1945 Bürgermeister.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 73, 74. Nach der Machtübernahme Hitlers fand am 30. Januar 1933 ein Fackelzug durch das Dorf statt. Immer wieder wurden in den kommenden Jahren Aufmärsche mit Menschen in braunen Uniformen abgehalten, Heimat- und sogenannte Siegabende gab es für die Jugendlichen. An den Maifeiertagen war das Dorf mit frischem Grün geschmückt, es wurden die Reden Hitlers an Volksempfängern gehört. Irgendwann durften die Kinder des jüdischen Bürgers Sally Grünberg, der im Ort als selbstständiger Metzger arbeitete, nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen. Die „arische“ Bevölkerung wurde unter Androhung von Repressalien dazu angehalten, nicht mehr bei ihm einzukaufen. Die Familie Grünberg hat bis auf zwei Kinder, die frühzeitig ausgewandert waren, den Holocaust nicht überlebt.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 78 ff. Nach dem Bombenangriff auf die Sorpetalsperre im Mai 1943 waren für die Reparatur- und Aufräumarbeiten viele Arbeitskräfte notwendig. Diese wurden überwiegend aus Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern rekrutiert, die in Unterkünften auf dem Gelände der heutigen Schützenhalle untergebracht waren. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hachen am 10. April 1945 von sechs Bomben getroffen, die US-Jagdbomber abwarfen, es entstand erheblicher Schaden an einigen Häusern, elf Panzergrenadiere der Waffen-SS aus Litauen starben. Weitere Schäden wurden am 12. April durch Artilleriebeschuss verursacht. Am gleichen Tag stürzte eine deutsche Ju-52, welches den Ruhrkessel versorgen sollte, nach Beschuss auf den Bauernhof Messler-Hippel. Die vier Besatzungsmitglieder und ein Helfer des Bauernhofes starb vorher beim Artilleriebeschuss. Der Bauernhof brannte durch den brennenden Treibstoff der Ju-52 nieder. Die Bevölkerung floh in die umliegenden Wälder, die amerikanischen Truppen zogen am 13. April 1945 in den widerstandslosen Ort ein. Insgesamt fielen in diesem Krieg 79 Männer aus Hachen. Die 16 am Kriegsende Gefallenen wurden später auf den Hachener Friedhof umgebettet; 2021 wurde ihnen ein gemeinsames Gefallenengrabmal errichtet.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 79 ff.Matthias Schäfer: Allerheiligen. Hachen: Neues Gefallenengrab wird erstmalig gesegnet. In: Westfalenpost, 30. Oktober 2021. (Online auf wp.de, 31. Oktober 2021, abgerufen am 7. März 2026; Bezahlschranke)

Nach dem Zweiten Weltkrieg Wichtige Aufgaben waren nach den Weltkriegen die Regelung der Textil- und Lebensmittelverteilung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hachen das Ziel von etlichen Flüchtlingen, so musste auch die Bewirtschaftung des Wohnraumes geregelt werden. In der ersten Zeit der Besatzung durch die amerikanischen Truppen wurden Häuser beschlagnahmt, Rundfunkgeräte eingezogen und Sperrstunden verhängt. In den ersten vier Wochen war der Strom abgestellt, die Schule wurde im September 1945 wieder eröffnet. Die Amerikaner, die zum Teil in großen Zelten auf den Röhrwiesen untergebracht waren, zogen nach einigen Wochen wieder ab und der Ort hatte seine Probleme mit den vielen Flüchtlingen zu lösen. Kurz nach dem Krieg begann die Demontage der Firma Froh.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Clemens Schulte von der Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt, dieser stellte in der ersten Sitzung nach der Wahl vom 25. September 1946 sein Amt zur Verfügung. Als Nachfolger wurde Josef Schulte Angels gewählt, der bis zum 24. November 1952 amtierte und 1967 von Karl König abgelöst wurde. Letzter Bürgermeister vor der Eingemeindung von Hachen war Josef Cordes bis zum Inkrafttretens des Neugliederungsgesetzes am 1. Januar 1975. Zeitgleich verlor die Freiheit Hachen ihre selbständige kommunale Einheit. In all den Jahren seit 1844 war nur einmal eine Frau Mitglied der Gemeindevertretung, ihr Name war Maria Potthoff.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980 (), S. 74, 75.

Politik

Wappen mini|100px|links|Wappen der ehemaligen Gemeinde Hachen Blasonierung:

Von Blau und Silber gespalten, vorn am Spalt ein halber, goldbewehrter silberner Adler mit goldener Zunge, hinten ein durchgehendes schwarzes Kreuz.

Beschreibung:

Das erste bekannte Siegel stammt aus dem Jahr 1652. Dort ist auf der linken Seite ein halber Adler und auf der rechten ein freischwebendes Kreuz zu sehen.Theo Simon (Hrsg.): Hachen. Geschichte, Land und Leute. Kolpingsfamilie Hachen, Hachen 1980, . Seite 14 Hieraus wurde wahrscheinlich das Wappen entwickelt, das eine Verbindung der beiden Landeswappen (Arnsberger Adler und kurkölnisches Kreuz) bildet. In dieser Form ist das Wappen auch in der Arnsberger Wappensammlung von 1700 dargestellt. Die amtliche Genehmigung erfolgte am 21. Dezember 1912. Zu diesem Zeitpunkt enthielt das Wappen noch den Kirchenpatron Sankt Laurentius als Schildhalter.Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen. Arnsberg 1986, ISBN 3-87793-017-4, S. 150.mini|Die über 1000 Jahre alte Burg Hachen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Burg Hachen Die Ruine der über 1000 Jahre alten Burg Hachen ist zusammen mit dem Kriegerehrenmal ein Wahrzeichen des Ortes. → Eigener Artikel: Burg Hachen.

Katholische Kirche St. Mariä Opferung

Vorgeschichte Das Gebiet war schon seit dem achten Jahrhundert christianisiert.