mini|Truppenfahnen der vier Teilstreitkräfte und der Guardia di Finanza (Parade in Rom, 2. Juni 2006) Die italienischen Streitkräfte () sind das Militär der Italienischen Republik und unterstehen dem Verteidigungsministerium in Rom. Sie bestehen aus den Teilstreitkräften Heer (Esercito Italiano), Marine (Marina Militare) und Luftwaffe (Aeronautica Militare) sowie aus den Carabinieri (Arma dei Carabinieri).
Auftrag Die italienischen Streitkräfte haben gemäß Verteidigungsweißbuch 2015„Libro bianco per la sicurezza internazionale e la difesa“, Weißbuch zur internationalen Sicherheit und Verteidigung, italienisches Verteidigungsministerium, April 2015 (Punkt 81) den Auftrag, die territoriale Integrität der Italienischen Republik zu verteidigen, lebenswichtige Interessen und Verbindungswege Italiens zu sichern sowie italienische diplomatische Vertretungen und Staatsbürger im Ausland zu schützen;
das euroatlantische Bündnisgebiet im Rahmen der NATO zu verteidigen;
im Rahmen internationaler Organisationen oder bi- oder multilateraler Abkommen einen friedenssichernden oder friedensschaffenden Beitrag zur Lösung internationaler Konflikte zu leisten;
im Inneren zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung beizutragen und insbesondere bei Not- oder Katastrophenfällen Hilfe zu leisten.
Der Artikel 11 der italienischen Verfassung hat folgenden Wortlaut: Italien lehnt den Krieg als Mittel des Angriffs auf die Freiheit anderer Völker und als Mittel zur Lösung internationaler Streitigkeiten ab; unter der Bedingung der Gleichstellung mit den übrigen Staaten stimmt es den Souveränitätsbeschränkungen zu, die für eine den Frieden und die Gerechtigkeit unter den Völkern gewährleistende zwischenstaatliche Ordnung erforderlich sind; es fördert und begünstigt die auf diesen Zweck ausgerichteten internationalen Organisationen., Internetseite der Region Trentino-Südtirol (leicht modifizierte Übersetzung des Art. 11 stammt von italienischer Abgeordnetenkammer)
Berufsarmee Die allgemeine Wehrpflicht ist in Italien seit dem 1. Juli 2005 ausgesetzt. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Umstellung auf eine Freiwilligenarmee legte man für Heer, Marine und Luftwaffe zunächst eine Sollstärke von insgesamt 190.000 Männern und Frauen fest. Dieser Personalumfang erwies sich wegen unzureichender Verteidigungsausgaben insbesondere seit Beginn der Eurokrise und der daraus folgenden Sparzwänge als überdimensioniert. 2012 beschloss man im Rahmen einer sogenannten spending review, bis zum Jahr 2024 die neue Sollstärke von 150.000 Soldaten zu erreichen (Heer 89.400, Marine 26.800, Luftwaffe 33.800) und das Zivilpersonal auf 20.000 zu reduzieren. Im Juli 2023 wurde wegen der angespannten Sicherheitslage in Europa und im Mittelmeerraum eine neue Sollstärke von insgesamt 160.000 Soldaten festgelegt (Heer 93.100, Marine 30.050, Luftwaffe 36.850).Il Bilancio della Difesa italiana 2023
Die Carabinieri sind eine militärische Polizeitruppe, die innerhalb der anderen Teilstreitkräfte Militärpolizeiaufgaben übernimmt. Darüber hinaus schützen die Carabinieri diplomatische Vertretungen im Ausland und beteiligen sich an internationalen Friedenseinsätzen. Der Großteil der Carabinieri versieht jedoch in ganz Italien nach Weisung des Innenministeriums Polizeidienst. Bei Bedarf können diese Einheiten als eine Art Territorialheer an der Grenz- und Landesverteidigung mitwirken.
Die dem Finanzministerium unterstehende, militärisch organisierte Guardia di Finanza (Finanzpolizei, Grenzschutz) und die vom Verkehrsministerium geführte Guardia Costiera (Küstenwache) können im Verteidigungsfall zur Grenz- und Landesverteidigung ebenfalls dem Verteidigungsministerium unterstellt werden. Nicht nur das Personal der Carabinieri (knapp 110.000), sondern auch das der Guardia di Finanza (über 60.000) und das der Küstenwache (über 10.000) hat Kombattantenstatus.
Verteidigungsausgaben Der Etat des italienischen Verteidigungsministeriums liegt für das Jahr 2026 bei rund 32,4 Mrd. Euro (exakt 32.398.420.481 €), wovon die Carabinieri mit 7,5 Mrd. Euro finanziert werden. Neben diesem Kernhaushalt erhalten die Streitkräfte Zuschüsse von 4,46 Mrd. Euro aus anderen Ressorts, insbesondere dem Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) für Rüstung und dem Finanzministerium (MEF) für Auslandseinsätze. Da Pensionszahlungen für Soldaten in Italien über separate Kassen laufen, kommen für die erweiterte Berechnung 4,5 Mrd. Euro an Rentenschätzungen hinzu. Während die rein nationale Quote für das Militärbudget bei etwa 1,46 % bis 1,51 % des Bruttoinlandsprodukts liegt, hat Italien durch die 2025 beschlossene Reform zur Reklassifizierung von Sicherheits- und Technologieausgaben seine Werte grundlegend angepasst.
Mit diesem Schritt reagierte Rom direkt auf den NATO-Gipfel in Den Haag 2025, bei dem das alte 2%-Ziel durch die neue „3,5% + 1,5%“-Vorgabe (insgesamt 5 % des BIP bis 2035 für Kernverteidigung sowie den Schutz kritischer Infrastruktur und Drohnenabwehr) abgelöst wurde. Für das Jahr 2026 meldet Italien der NATO einen Kernwert von 2,10 % des BIP. Unter Einbeziehung der erweiterten, in Den Haag definierten Sicherheits- und Infrastrukturinvestitionen (die 1,5%-Säule) rechnet das Land für 2026 Gesamtausgaben von bis zu 2,8 % des BIP an, womit Italien den neuen, stufenweisen Übergangspfad der Allianz hin zum 5%-Ziel einhält.
Führungsstruktur mini|Flagge des Verteidigungsministers
Politische Führung Laut Verfassung hat der Staatspräsident die oberste Befehls- und Kommandogewalt über die italienischen Streitkräfte. Er ist Vorsitzender des „Obersten Verteidigungsrates“ (Consiglio Supremo di Difesa), dem neben ihm auch noch der Ministerpräsident, die Minister für Äußeres, Inneres, Finanzen, Verteidigung und Industrie sowie der Generalstabschef der Streitkräfte angehören. Dieses in der Regel alle sechs Monate tagende Gremium ist ein Beratungsorgan, gibt dem Staatspräsidenten aber auch die Möglichkeit zur Durchsetzung seiner verfassungsmäßigen obersten Richtlinienkompetenz in Verteidigungsfragen. In der Verfassungswirklichkeit legen jedoch Parlament und Regierung die militärpolitischen Richtlinien fest. Der Verteidigungsminister ist für die Umsetzung derselben politisch verantwortlich.
Das Verteidigungsministerium ist das zentrale Organ zur Führung, Gestaltung und Verwaltung der italienischen Streitkräfte. Unter der politischen Ebene des Ministers und der (ausschließlich parlamentarischen) Staatssekretäre befinden sich zwei große Führungsbereiche, der Generalstab der Streitkräfte (Stato Maggiore della Difesa-SMD) auf der einen und das Generalsekretariat des Ministeriums (Segretariato Generale della Difesa-SGD) auf der anderen Seite, das bis 2025 zugleich „Nationale Rüstungsdirektion“ (Direzione Nazionale degli Armamenti) war. Der Minister kann darüber hinaus über den zivilen Nachrichtendienst Agenzia Informazioni e Sicurezza Esterna (AISE) verfügen, der teilweise auch militärische Themen abdeckt.
Generalstab mini|Alpini bei einer Übung
Der Generalstab der Streitkräfte (Stato Maggiore della Difesa-SMD) ist seit 1997 das zentrale militärische Planungs- und Führungsorgan der italienischen Streitkräfte. Bis 1997 hatte dieser Generalstab gegenüber den Generalstäben der Teilstreitkräfte als primus inter pares nur Koordinierungskompetenzen. Für das militärisch-operative Nachrichtenwesen untersteht der 2. Generalstabsabteilung das Centro Intelligence Interforze. Zur Führung von Militäroperationen bedient sich der Generalstabschef des Comando Operativo di vertice Interforze-COVI (dt. „Einsatzführungskommando“, Rom-Centocelle), mit dem er an den Generalstäben von Heer, Marine und Luftwaffe vorbei streitkräfteübergreifende Operationen direkt leiten kann. Die Carabinieri unterstehen dem Generalstabschef nur in militärisch-operativen Belangen (z. B. Militärpolizeieinsätze bei Auslandseinsätzen). Zur einheitlichen Planung und Durchführung von Sonderoperationen entstand im Dezember 2004 bei dem Einsatzführungskommando („COI/COVI“) das Comando interforze per le Operazioni delle Forze Speciali („COFS“). Truppendienstlich unterstehen die italienischen Spezialeinheiten weiterhin den vier Teilstreitkräften, gemeinsame Grundsatzangelegenheiten und vor allem die einheitliche Einsatzführung liegen jedoch in der Zuständigkeit des COFS und des übergeordneten COVI. Im Jahr 2017 kam mit dem Comando per le Operazioni in Rete („COR“) eine Organisation für Cyberoperationen dazu, 2020 mit dem Comando delle Operazioni Spaziali („COS“) ein Kommando für Operationen im Weltraum. Die militärischen Sanitätsdienste der Teilstreitkräfte bilden in verschiedenen Bereichen ein Netzwerk, das dem Ispettorato generale della sanità militare beim Generalstab der Streitkräfte untersteht. Dem Generalstabschef unterstehen darüber hinaus einige Ausbildungseinrichtungen, darunter die Führungsakademie der italienischen Streitkräfte (Centro Alti Studi per la Difesa-CASD) mit ihrem Generalstabsinstitut (Istituto Superiore di Stato Maggiore Interforze-ISSMI).
Generalsekretariat/Nationale Rüstungsdirektion Von 1965 bis 2025 koordinierte der Generalsekretär des Verteidigungsministeriums (Segretario Generale della Difesa-SGD) die Arbeit der zuletzt neun Abteilungen des Ministeriums. Unter anderem war das militärische Beschaffungswesen hier angesiedelt, weswegen der Generalsekretär zugleich „Nationaler Rüstungsdirektor“ (Direttore Nazionale degli Armamenti-DNA) war. Diese Position wurde stets mit einem General oder Admiral besetzt, der Stellvertreter war ziviler Beamter. Der SGD/DNA unterstand dem Minister direkt. Der Generalstabschef hatte aber im Rahmen seiner Planungszuständigkeiten in der Gesamtkonzeption der Streitkräfte ein Weisungsrecht gegenüber dem Generalsekretär und Rüstungsdirektor.
Im Zug einer Reform des Ministeriums wurde dieses Amt geteilt: Der Generalsekretär koordiniert nunmehr nur noch die verwaltenden und unterstützenden Abteilungen und ist in der Regel Zivilist; dem separaten Nationalen Rüstungsdirektor, in der Regel ein General oder Admiral, unterstehen die Rüstungsabteilungen des Ministeriums, wobei das genannte Weisungsrecht des Generalstabschefs weiter besteht. Es besteht die Möglichkeit, einen Zivilisten zum Rüstungsdirektor zu ernennen; in diesem Fall wird dann ein Militär Generalsekretär des Ministeriums.Nomine ai vertici della Difesa. infodifesa.it, 14. März 2025
Personalstruktur mini|Italienisches Segelschulschiff Amerigo Vespucci
Mannschaften Die Aussetzung der zuletzt zehnmonatigen Wehrpflicht (und des zivilen Ersatzdienstes) im Jahr 2005 erforderte Änderungen im Bereich der Laufbahnstruktur der freiwillig dienenden Mannschaften. Bis zu einer Reform im Sommer 2022 gab es einen freiwilligen einjährigen Wehrdienst (Volontario in Ferma Prefissata 1 – VFP1), der Voraussetzung für eine Weiterverpflichtung in der Armee war. Für einen Eintritt in die Anfangsverwendungen der Carabinieri, der Wehrverwaltung und anderer militärischer und ziviler Sicherheitsorgane war dieser einjährige freiwillige Wehrdienst, der unter Umständen einmal wiederholt werden konnte, entweder ebenfalls Voraussetzung oder ein Grund für eine bevorzugte Übernahme. In den Streitkräften konnte man sich danach zunächst für weitere vier Jahre verpflichten (VFP4) und dann unter Umständen nochmals 2×2 Jahre verlängern, so dass über Zeitverträge maximal ein zehnjähriger Verbleib bei der Armee zu erreichen war. Geeignete Freiwillige konnten bei Heer, Marine und Luftwaffe je nach Bedarf nach fünf Jahren Berufssoldaten werden (Volontario in Servizio Permanente – VSP), wobei diese Mannschaften besoldungsrechtlich sofort einen Unteroffizierstatus erhielten und im weiteren Verlauf zu Unteroffizieren ohne Portepee befördert werden konnten.