Alalach (heute Tell Açana, ; englische Transkribtion Alalakh) war eine bronzezeitliche Stadt in der Provinz Hatay in der südlichen Türkei in der Nähe von Antakya. Die an Nordsyrien grenzende Stadt liegt nahe des Asi (dem antiken Orontes) in der Ebene von Antiochien. Tell Açana ist eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte. Die hier gefundenen Keilschrifttexte sind die wichtigste Quelle zum Reich Yamhad, unter dessen Herrschaft die Stadt ab etwa 1700 v. Chr. stand. Später lag Alalach im Herrschaftsgebiet von Mittani bzw. der Hethiter. Vor allem für die Geschichte des Mittanireiches sind die Texte aus Alalach wichtig. Kurz nach 1200 v. Chr. wurde die Stadt zerstört und seitdem nicht wieder aufgebaut. mini|200px|Syrien im 2. Jahrtausend v. Chr.
Lage Alalach liegt in der Amuqebene, ein Schwemmland, das im Süden, Osten und Westen von Hügeln begrenzt wird und sich etwa 45 km in beide Himmelsrichtungen ausdehnt. Die Stadt war lange das Zentrum dieser fruchtbaren Gegend. Hier kreuzten sich die Handelswege von Aleppo, Mesopotamien und aus Palästina nach Anatolien bzw. an das Mittelmeer. Über den Orontes war die Stadt mit dem Mittelmeer verbunden. Der Handel mit Zypern ist schriftlich und archäologisch bezeugt. Eine Quelle des Wohlstands war Elfenbein. Die Gegend um Alalach war in der Bronzezeit für ihre Elefantenherden bekannt.Woolley: Forgotten Kingdom. S. 17–20.
Geschichte mini|Statue des Idrimi, Gesicht Alalach war ab 3400 v. Chr., ein regionales Zentrum. Bis etwa 1700 v. Chr. gibt es, von Ausnahmen abgesehen, keine Texte aus der Stadt, mit Ausnahme von Importen. Seit mindestens der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends stand in der Stadt ein Palast. Um 2300 wurde die Stadt vielleicht von Sargon von Akkad erobert und zerstört. L. Woolley schreibt das Ende der Schicht XII diesem Ereignis zu. Naram-Sin, der letzte bedeutende Herrscher von Akkad, berichtet in einer Inschrift, dass er am Oberen Meer Krieg führte. Ob er auch Alalach angriff, ist unbekannt.Woolley: Forgotten Kingdom. S. 61. Seit ca. 1750 war die Stadt Teil des Reiches von Jamchad, das große Gebiete im heutigen Syrien beherrschte, gehörte aber auch zeitweise zum Machtbereich von Mari (in dortigen Texten wird die Stadt Alachtum genannt). In Alalach regierte nun eine Seitenlinie der Herrscher von Jamchad. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Texte aus der Stadt. Sie stellen eine wichtige Quelle vor allem für das Reich von Jamchad dar, da dessen Archive in Aleppo bisher nicht gefunden wurden. Der erste lokale Fürst war Jarim-Lim, bei dem es sich um einen Sohn des Hammurapi I. und jüngeren Bruder von Abban von Jamchad handelte.M. E. Astour: Hittite History and Absolute Chronology of the Bronze Age. 1989, S. 10. Jarim-Lim war vielleicht der Erbauer des Palastes von Schicht VII. Kurz nach 1625 v. Chr. wurde die Stadt vom hethitischen Großkönig Hattušili I. zerstört. Die folgenden 150 Jahre, bis etwa 1500 v. Chr., sind nur spärlich belegt. Schriftliche Quellen fehlen fast gänzlich. Ägyptische Quellen berichten, dass König Thutmosis I., die Gegend eroberte. Die Ägypter erscheinen jedoch nicht in den Texten von Alalach und so dürfte es sich nur um eine Episode, eventuell verbunden mit Tributzahlungen, gehandelt haben.
Um 1500 v. Chr., mit Schicht IV, ist eine neue Herrscherdynastie belegt. In dieser Zeit war Stadt wahrscheinlich Vasall von Mittani. Es gibt über 300 Texte und die Statue des Idrimi, Sohn des Ili-ilimma I., auf der die offizielle Biographie dieses Herrschers überliefert ist. Idrimi stammte aus Aleppo, floh aus dieser Stadt wegen Ereignissen, die er nicht explizit nennt. Er zog durch die Levante und konnte Anhänger sammeln. Er wurde von Baratarna, König von Mittani, in Alalach als Herrscher eingesetzt, wo er über 30 Jahre regierte. Idrimi berichtet auch vom Bau eines Palastes. Der Nachfolger des Idrimi war Niqmepa. Aus seiner Regierungszeit sind besonders viele Texte erhalten. In etwa dieser Zeit führten die Ägypter unter Thutmosis III. wieder Feldzüge nach Nordsyrien, wohl um Mittani zurückzudrängen. Es kam aber anscheinend zu keinen dauerhaften Eroberungen, und Alalach blieb im Einflussbereich des Mittanireiches. Ili-ilimma II. ist von einer Adoptionsurkunde bekannt. Der letzte Vasall Mittanis war wahrscheinlich Itur-Addu, der als Zeitgenosse von Šuppiluliuma I., König der Hethiter, belegt ist.J. Nougayrol: Textes accadiens des archives sud (archives internationales). Paris 1956, (Mission de Ras Shamra Bd. 9), S. 48–52.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts v. Chr. eroberten die Hetithiter unter Šuppiluliuma I. das Mittanireich. Alalach wurde zu einem Vasallenstaat. Unter ihrer Herrschaft wurde eine Zitadelle errichtet. In der Stadt wurden Objekte mit hethitischen Hieroglyphen gefunden. Im Großen und Ganzen scheint das Leben aber ohne größere Unterbrechung weitergegangen zu sein. Die Stadt erfreute sich großen Wohlstandes, was vor allem an zahlreichen Importen wie mykenischer Keramik abzulesen ist. Diese wurde in der Levante jedoch verwendet, um lokalen Bedürfnissen zu dienenvgl. Philipp K. Stockhammer, Zur sozialen Bedeutung mykenischer Keramik. In: Philipp K. Stockhammer (Hrsg.), Keramik jenseits von Chronologie. Beiträge der Arbeitsgemeinschaft 'Theorie in der Archäologie' bei der Tagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. in Xanten, 7.-8. Juni 2006, Rahden, Leidorf 2009, 65-76. Kurz nach 1200 v. Chr. wurde die Stadt im Zuge der "Seevölkerwanderung"A. Bernard Knapp, Migration Myths and the End of the Bronze Age in the Eastern Mediterranean. Cambridge 2021, 28, 51 angeblich vollkommen vernichtet. Es gab Versuche, sie wieder aufzubauen, doch entschied man sich später für einen anderen Ort. Alalach wurde nie wieder besiedelt.Zur Geschichte der Stadt siehe zuletzt: Diana L. Stein: Alalakh. In: Eric M. Meyers (Hrsg.): The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East. Oxford 1997, S. 55–59.
Texte mini|AlT 13: Rechtsurkunde des Sauštatar von Mittani bezüglich der Schlichtung eines Streits zwischen König Niqmepa und Irip-hazi. Das Siegel entstand um 2200 v. Chr. und wurde für Šuttarna I., einen weiteren Mittani-Herrscher umgeschnitten Vor allem aus den Schichten VII und IV stammen zahlreiche Keilschrifttexte. Sie sind in Akkadisch verfasst, der Spracheduktus lässt aber hurritischen Einfluss erkennen. Die Texte, die sich zum großen Teil in den beiden Palastbauten fanden, stellen eine wichtige Quelle zur Geschichte und Wirtschaft der mittleren und späten Bronzezeit Syriens dar. Aus Schicht VII stammen etwa 175 Tafeln, aus Schicht IV 300. Die Texte sind meist wirtschaftlicher Natur; Listen von Personen, Inventarlisten, Listen von Rationen und Landbesitzurkunden. In Verträge fungierte der König von Alalach als oberster Magistrat. Von Interesse ist eine Urkunde aus Schicht IV. Aus ihr geht hervor, dass Ili-ilimma II. einen Mann als seinen Vater adoptierte. Er übernahm alle Dienste als Sohn, im Leben und Tod, und durfte dafür das Erbe dieses Mannes antreten.
Die Texte aus Schicht IV erlauben es, die Gesellschaftsstruktur zu rekonstruieren. Demnach gab es eine kleine Oberschicht, die dem König und dessen Familie nahestand. Eine besondere Rolle spielten bei ihnen das Pferd und der Streitwagen. Diese Schicht hatte Landbesitz. Darunter gab es eine Mittelschicht aus freien oder freigelassenen Personen. Sie bestand aus Handwerkern und Händlern und den Freigeborenen, die im Kriegsfall Speerträger und Bogenschützen stellten, aber in Friedenszeiten zu Zwangsarbeiten herangezogen werden konnten. Darunter befand sich die Unterschicht aus Bauern und Heimatlosen.
Die Texte belegen das langsame Vordringen der Hurriter. Hurritische Namen kommen in Texten der Schicht VII vereinzelt vor. In Schicht IV sind sie dagegen weit verbreitet.Zusammenfassend: Edward L. Greenstein: Alalakh Texts. In: Eric M. Meyers (Hrsg.) The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East. Oxford 1997, S. 59–61; zur Gesellschaft: M. Drower: Syria, c. 1550–1400 B.C. In: Cambridge Ancient History Bd. 2/1. Cambridge 1973, S. 493–506.
Grabungen Erste Grabungen für das Britische Museum wurden durch Sir Leonard Woolley 1935 bis 1939 und 1946 bis 1949 durchgeführt. Woolley untersuchte vor allem Gebiete im Norden der Stadt, wo sich ein Großteil der bedeutenden Bauten befand. Er unterschied 17 Bauschichten. Nur von den Schichten VII bis I wurden größere Flächen ausgegraben. Die darunter liegenden Schichten sind oftmals nur durch kleine Ausschnitte bekannt. Nur im Stadttempel erreichten die Arbeiter Woolleys die untersten Schichten.Woolley: Alalakh, An Account of the Excavations. S. 33–90. In der Inschrift des Idrimi wird von einer Stadtgöttin gesprochen, ohne dass ein Name genannt wird. Ihr dürfte der Tempel geweiht gewesen sein.Woolley: Alalakh, An Account of the Excavations. S. 132–172.
Die Funde der Grabung wurden in das Archäologische Museum von Antakya, in das Britische Museum und zum kleineren Teil in das Ashmolean Museum in Oxford verbracht. Die Grabungsergebnisse publizierte Wooley 1955 in einer Monographie. Vor allem die Datierungen der oberen Schichten wurde in der Folgezeit ausführlich diskutiert und die Chronologie revidiert. Woolley setzte vor allem Schicht VII zu früh an. Seit 2000 fanden Ausgrabungen durch die Universität von Chicago statt.
Die Stadt Der Stadthügel ist etwa 750 m lang und 300 m breit mit der Achse nach Nord-Westen gerichtet.Plan des Ruinenhügels, Universität Chicago. Im Norden der Stadt standen die Paläste, eine Festung (auch Zitadelle genannt) und der Stadttempel, der über 2000 Jahre an derselben Stelle stand Dieses Stadtgebiet liegt höher als die anderen Teile. Die Wohnbebauung fand sich südlich davon. Nur Teile davon wurden ausgegraben. Alalach hatte eine Stadtmauer, die jedoch nur sporadisch untersucht ist. In Schicht II und I gab es eine innere und äußere Mauer. Ein Stadttor der Schicht VII wurde ausgegraben. Zahlreiche Hausbestattungen beschränken sich auf ärmere Häuser. Wohlhabende Bürger sind wahrscheinlich außerhalb der Stadtmauer beigesetzt worden, Friedhöfe sind jedoch unbekannt. Dies ändert sich erst in Schicht I. Jetzt finden sich auch in den großen Wohnbauten Bestattungen.
Schicht XVII Die unterste, als XVII bezeichnete Schicht der Stadt wurde nur an einer Stelle von Woolley erreicht. Sie datiert um 3400–3300 v. Chr. Wegen des Grundwassers konnten kaum Gebäudestrukturen erfasst werden. Es fand sich eine Art Block, der tief in die Erde hineinreichte und vielleicht kultische Bedeutung hatte. Hauptfunde sind Scherben. Die Keramik ist scheibengedreht und teilweise bemalt.Woolley: Forgotten Kingdom. S. 40–41.
Schicht XVI und Schicht XV Die Schicht XVI datiert um 3200 v. Chr. Die Keramik dieser Zeit ist mit geometrischen, aber auch zoomorphen Motiven dekoriert. Aus dieser Zeit stammen die Reste eines monumentalen Tempels. Nur der Hof des Tempels, der etwa 20 × 7 m groß war, wurde bei den Grabungen angeschnitten. In der Mitte des Hofes stand eine Art Altar, der den Oberteil des Blockes aus Schicht XVII darstellte. An der nördlichen Seite des Hofes befand sich ein weiterer massiver Block. Um den Hof müssen sich einst zahlreiche Räume befunden haben, die jedoch nicht ausgegraben werden konnten. Der Hof war mit Ziegeln gepflastert. Die Wände waren weiß verputzt.
Es wurden auch kleine Teile der Wohnstadt ausgegraben. Hier fand sich eine ägyptische Schminkpalette.Woolley: Forgotten Kingdom. S. 41–45. Die folgende Schicht XV macht einen ärmlichen Eindruck. Es gibt anscheinend keine Neubauten, alte Häuser wurden immer wieder notdürftig repariert.Woolley: Forgotten Kingdom. S. 46.
Schicht XIV und XIII