mini|Wichmann von Arnstein, Sandsteinfigur in der Klosterkirche Sankt Trinitatis in Neuruppin. Wichmann von Arnstein (* um 1185 in Sachsen; † 2. November 1270 in Neuruppin, Herrschaft Ruppin) war ein Mystiker und zusammen mit seinem Bruder Gebhard von Arnstein Gründer des Dominikanerklosters in Neuruppin.

Leben und Wirken Wichmann wurde als jüngster von vier Söhnen Walthers III. aus dem hochadeligen Hause der thüringischen Grafen von Arnstein geboren. Von seinem Bruder Gebhard stammt die Linie Lindow-Ruppin; ein anderer Bruder erbte Besitzungen im Vorland des Harzes. Im Jahre 1194 gab man den noch sehr jungen Wichmann in das Magdeburger Prämonstratenserstift, wo er 1207 Kanoniker und 1210 Propst wurde.

1220 wählte ihn nach dem Tode von Bischof Siegfried II. das Leitzkauer Kapitel, welches auf dem ihm aberkannten Wahlrecht beharrte, zum Bischof von Brandenburg; er wurde jedoch vom Papst genauso wenig bestätigt wie der vom Brandenburger Konvent aufgestellte Ludolf von Schwanebeck. Stattdessen wurde 1222 Gernand von Brandenburg zum Bischof von Brandenburg ernannt. 1225 wurden Wichmann von Papst Honorius III. die bischöflichen Insignien verliehen, ohne dass er jedoch einen Bischofssitz erhielt.

Nachdem ihn Erzbischof Albrecht I. 1224 nach Paris gesandt hatte, um die Dominikaner nach Magdeburg zu holen, resignierte er zwischen 1228 und 1229 die Propstdignität und trat zwischen 1230 und 1233 selbst dem Dominikanerorden bei; er gehörte den Konventen von Magdeburg sowie Freiberg an. Strittig ist, ob er nach 1236 Prior in Erfurt und frühestens 1243 in Eisenach war. Nachdem er 1246 zusammen mit seinem Bruder Gebhard in Neuruppin das erste Dominikanerkloster zwischen Elbe und Oder gegründet hatte, war er bis zu seinem Tode 1270 dessen erster Prior. Zugleich förderte er nach Kräften den Ausbau der Stadt sowie der Herrschaft Ruppin. Mit seinem immensen Wissen, u. a. auch in der Kräuterheilkunde, stand er den Bürgern der Stadt mit Rat und Tat bei.

Wichmann wird im Gotteslob „als Heiliger mit einer Lebens- und Wirkungsbeschreibung verzeichnet“, er wird aber „in den entscheidenden römischen Heiligenlisten sowie bei den Dominikanern, zu deren Orden er gehört habe, nicht als Heiliger aufgeführt.“

Mystische Spiritualität Geistesgeschichtlich bedeutend ist Wichmann im Bereich der Deutschen Mystik. Offensichtlich hat die Begegnung mit der Armutsbewegung des 13. Jahrhunderts seinem Leben die entscheidende Wendung gegeben, indem er vom kirchlichen Karrierestreben Abschied nahm und sich der neuen, mystischen Spiritualität zuwandte. Die von ihm überlieferten sogenannten „Traktate“ zeigen den Einfluss der Liebesmystik Bernhards von Clairvaux. Er stand Mechthild von Magdeburg nahe, die gegen 1230 nach Magdeburg kam; vermutlich war er auch ihr Beichtvater. Die kurz nach seinem Tod verfasste „Legende“, ein biographisch-legendarischer Mischtext mit kommentierenden Abschnitten, lässt auf einige seiner Gedanken rückschließen.

Legenden Der über seinen Tod hinausreichende Eindruck seiner Persönlichkeit wird in verschiedenen Mirakelerzählungen deutlich, in denen volkstümliches Sagengut auf seine Person bezogen wird.

Gang über den Ruppiner See Diese Legende beschreibt Adalbert Kuhn:

Der Wels Einer weiteren Legende nach soll ein Wels auf seinen Befehl hin freiwillig aus dem See in die Pfanne des Klosterkochs gesprungen sein, als die Vorräte der Klosterküche nicht reichten. August Kopisch beschreibt dies in seinem Gedicht:

Des Prior Wichmann von Arnstein Wundertataus August Kopisch: Gedichte. 1836, zitiert nach August Kopisch: Allerlei Geister Im Kloster Herr zu Neu-Ruppin Sind heute so viel Gäste, Die Speise fürcht ich reicht nicht hin Bei diesem großen Feste; Darum, Herr Prior, saget an, Wie Pater Koch sich helfen kann, Ich weiß ihm nicht zu raten. –

Da spricht der Prior: »Geh nur so Zur See ohn Netz und Hamen, Und ruf hinunter frisch und froh Und laut in meinem Namen, Es komm heraus ein großer Fisch Zu sättigen die Gäst am Tisch, Da wird schon einer kommen.«

Der Pater ging hinab und schrie, Was ihm der Abt befohlen: Da sieht er ganz verwundert wie Die Fisch im See rajolen; Es wälzet sich ein Wels zum Rand, So groß er keinen noch gekannt, Der bittet ihn zu nehmen.Es merkt der Fisch, er werd zu schwer, Da steht er wie zum Tanze, Und hüpft gefällig neben her Zur Küch auf seinem Schwanze; Dort legt er sich aufs Küchenbrett: Nun schlachtet mich, ich bin recht fett, Ich will mich dann schon braten.

Nun aber – wer gedenket dies, Wer kann darauf geraten – Der Fisch dreht selber sich am Spieß, Bis er sich gar gebraten; Springt dann vom Spieße wie geschnellt Zur großen Schüssel und zerspellt In so viel Stück als Gäste.

Die Gäste die schnablieren ihn Und all sind guter Dinge; Es dünkt die Speis in ihrem Sinn Sie köstlich, nicht geringe. Sie essen: jeder hat genug, Und jeder wird davon so klug, Wie er noch nie gewesen.

Auch Adalbert Kuhn beschreibt diese Legende:

Wichmann-Linde mini|Wichmannlinde Vor seinem Tode 1270 soll Pater Wichmann bestimmt haben, dass er in einen gläsernen Sarg gebettet und dieser noch in einen silbernen gesetzt werden sollte. Ferner sollte, dem alten germanischen Brauch nach, eine Linde auf sein Grab gepflanzt werden und wenn die Linde vergangen sei, könne man sein Grab öffnen, aber nicht eher. Die Winter-Linde steht nahe einem Abhang an der Stadtmauer, südöstlich des Chores der Neuruppiner Klosterkirche. Der über 700 Jahre alte Baum, mittlerweile hohl geworden, nachdem er von einem Blitz getroffen worden war, steht immer noch jedes Jahr in voller Blüte.

Wichmann-Kutsche Auch nach seinem Tode soll er noch einige Male als Geist in einer von weißen, kopflosen Pferden gezogenen Kutsche gesehen worden sein. Auch jede Silvesternacht soll er darin angefahren kommen, um sich zu vergewissern, dass seine Anweisungen bezüglich der Linde auch befolgt werden.

Weblinks

Literatur mini|Skulptur Wichmann von Arnstein 2019 – von Matthias Zágon Hohl-Stein

Quellen M. A. van den Oudenrijn (Hrsg.): Miracula quaedam et collationes Fratris Wichmanni. In: Analecta Praemonstratensia. 6 (1930) S. 5–53. Fritz Bünger: Zur Mystik und Geschichte der märkischen Dominikaner. Berlin 1926, S. 1–35 (Texte S. 15–33) (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg 23). Fritz Winter (Hrsg.): Legende über Wichmann von Arnstein (aus einer Utrechter Handschrift). In: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg. 11 (1876), S. 180–191.

Sekundärliteratur

Kurt Ruh: Wichmann von Arnstein. In: Ders: Geschichte der abendländischen Mystik II. Beck, München 1993, ISBN 3-406-34499-2, S. 292–295 (). Kurt Ruh: Wichmann von Arnstein. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Bd. 10. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-015606-7, Sp. 982–985. Gustav Abb, Gottfried Wentz: Germania Sacra. Historisch-statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches. Erster Teil: Das Bistum Brandenburg. Berlin 1929. (Nachdruck: De Gruyter, Berlin 1963) Erwin Gatz (Hrsg.): Die Bischöfe des heiligen römischen Reichs (1198–1448). Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10303-3. Michael Höhle: Wichmann von Arnstein (um 1185–1270). In: Wort und Antwort. Dominikanische Zeitschrift für Glauben und Gesellschaft, Jg. 66 (2025), S. 184–188.

Einzelnachweise

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