Gauangelloch ist ein Dorf südlich von Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Die etwa 2500 Einwohner große Gemeinde vereinigte sich 1973 bei der Gebietsreform in Baden-Württemberg zusammen mit dem ihr angeschlossenen Dorf Ochsenbach mit der Stadt Leimen.
Geographie Geographische Lage mini|Luftaufnahme von Gauangelloch mit Blick auf den Königstuhl Gauangelloch liegt am Südhang des Königstuhlmassives, dem Hausberg Heidelbergs, an dem auch das Heidelberger Schloss liegt, sowie im Naturpark Neckartal-Odenwald und gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gemarkung des Ortes liegt größtenteils im Kraichgau, der nördliche Gemarkungsteil zählt aufgrund des charakteristischen Buntsandsteins noch zum Kleinen Odenwald. Der zwischen 175 und 312 Meter über NN liegende Naturraum wird durch drei von Norden nach Süden ziehende Täler gegliedert. Eines der Täler ist das des Oberlaufs des Gauangelbachs, westlich davon liegen die Täler des Ochsenbachs und des Daisbächleins, Letzteres bildet auch die westliche Naturraumgrenze.
Einen guten Überblick über die früheren geographischen Verhältnisse vermittelt die topografische Karte von Gauangelloch und Umgebung aus dem Jahr 1881leobw Gauangelloch, Karte 1881.
Nachbargemeinden Die folgenden Orte grenzen an Gauangelloch – sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Gaiberg, Bammental, Schatthausen (Wiesloch), Ochsenbach (Leimen), Maisbach und Lingental.
Geschichte Entstehungsgeschichte mini|Portal der ehem. Burg Gauangelloch (ca. 1980) In den 1970er Jahren fand man im Gewann „Insel“ ein aus grau-grünem Jadeit gearbeitetes Kultbeil, das mit 4000–1800 v. Chr. in die Jungsteinzeit fällt und somit zumindest die gelegentliche Präsenz von Steinzeitmenschen belegt.Karl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 3 Im Gebiet des heutigen Gauangelloch wurden zudem Tonscherben und Mauerreste gefunden, die auf eine Besiedelung bereits in der Römerzeit schließen lassen; die Anlage des Ortes ist etwa in das 8. oder 9. Jahrhundert zu datieren.
Die erste Erwähnung des Dorfes als „Angelach“ in einer vermutlich gefälschten bzw. auf 1016 zurückdatierten Urkunde des Bistums Worms gehört ins 12. Jahrhundert.leo.bw , abgerufen am 14. März 2022 In der in lateinischer Sprache abgefassten Urkunde wird die Ausstattung des von Bischof Burchard I in Worms neu gegründeten St.-Paul-Stifts mit seinen Gütern dokumentiert. Darin heißt es zu Gauangelloch: „[…] Außerdem gab ich (Bischof Burchard) ihnen (den Brüdern des St. Paul-Stifts) […] zu Gauangelloch neuneinhalb Mansen und zwei Freigüter […]“. Besagte Urkunde befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg.Karl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 5 Trotz vermeintlicher Rückdatierung soll die Urkunde die darin beschriebenen Verhältnisse weitgehend korrekt wiedergeben.Karl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 6
Über Jahrhunderte wurde der Ort in der Umgangs- bzw. Amtssprache Angelloch genannt. Der Ortsname setzt sich aus den Wortteilen angel (Angelhaken, bzw. mittelhochdeutsch Fischangel, Stachel) sowie och (Fluss/Wasser (althochdeutsch aha bzw. mittelhochdeutsch ahe)) zusammen und stellt einen Bezug zum im Ort fließenden Gewässer her. Die Zusammenführung beider Wortteile ergibt das Altdeutsche angel-aha sowie das mittelhochdeutsche angel-ahe, woraus sich mit der Zeit Angellach bzw. Angelloch entwickelte,Karl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 2 auch wenn darüber hinaus zuvor auch Formen wie Andelachen (1198), Angelach (1289), Angelach under dem Geuberge (1369)leo.bw , abgerufen am 14. März 2022, Gauangelach (1496), Anngenloch (1559) existierten.Adolf von Oechelhäuser; Franz Xaver Kraus (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 8,2: Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg). J.C.B. Mohr-Verlag, Tübingen 1913, S. 29 In der Urkunde von 1016 war noch von „Angelachen“ die Rede. Die Erweiterung des Namens durch die Vorsilbe „Gau“ bezieht sich auf die landschaftlichen Voraussetzungen der Region, nämlich fruchtbares Ackerland mit verhältnismäßig wenig Wald, die daher die Landwirtschaft als Mittelpunkt des dörflichen Lebens hatte. Umgekehrt verhält es sich bei Orten mit der Vorsilbe „Wald“. Zur Unterscheidung gegenüber Waldangelloch am anderen Quellarm des Angelbachs ist um 1300 jedoch auch von „Angelach uf dem Geiberge“ (Angelach auf dem Gaiberg) die Rede, woraus sich in der Neuzeit letztlich der heutige Ortsname „Gauangelloch“ gebildet hat.
Die erste sichere Beurkundung Gauangellochs, seiner katholischen Mutterpfarrei mit Peterspatrozinium sowie den Filialen Gaiberg, Schatthausen und (Wald-)HilsbachKarl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 7 stammt aus dem Jahr 1270; die Lehenshoheit der Pfalzgrafen über Gauangelloch wird erstmals 1391 bezeugt.
Während der Ritterzeit siedelten sich die Ritter von Angelach bzw. Angelloch hier an und erbauten sich die auch als Bettendorfsches Schloss bekannte Wasserburg Gauangelloch als Herrschaftssitz; im Jahr 1453 ging die Lehnsherrschaft derer von Angelloch an die Freiherrn von Bettendorff über. Um 1522 wurde die Reformation durchgeführt, indem die Familie von Bettendorff die Lutherische Lehre annahm, und mit ihr der überwiegende Teil der Bevölkerung. Als Folge der Reformation wurde u. a. Ochsenbach kirchlich fortan aus Schatthausen versorgt. Um 1650 waren die Gemeinden Gauangelloch und Mauer biniert.Karl Ludwig Bansbach: Aus der Geschichte von Gauangelloch und Ochsenbach. Stadt Leimen, Leimen 1996, S. 7f.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gauangelloch vollständig zerstört, die Einwohner flohen oder wurden getötet. Erst 1665 bauten Johann Philipp und Helena von Bettendorff die Burg wieder auf. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verwahrloste die Burg jedoch und begann zu zerfallen. 1823 wurde sie abgerissen und Franz Ludwig von Bettendorff stellte den zuwandernden Katholiken den Keller der Burg zur Verfügung, um darauf 1824 eine Kapelle zu errichten, die 1902 als Gotteshaus diente und anschließend in eine Scheuer umgebaut wurde.Adolf von Oechelhäuser; Franz Xaver Kraus (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 8,2: Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg). J.C.B. Mohr-Verlag, Tübingen 1913, S. 29f. Die Familie Göler von Ravensburg stellt die Patronatsfamilie der Evangelischen Kirchengemeinde Gauangelloch dar.
Im Jahre 1937 wurde das benachbarte Ochsenbach nach Gauangelloch eingemeindet. Ochsenbach wurde erstmals im Verzeichnis der speyerischen Leibeigenen um 1300 erwähnt. Die Ortschaft wurde 1771 mit dem angrenzenden Hof Maisbach unter einem eigenen Stabhalter vereinigt, und dieser neuen Gemeinde wurde 1797 noch der Weiler Lingental zugewiesen. Die drei Gemeinden bestanden bis 1935; nachdem sie von 1935 bis 1937 zwangsweise eine einheitliche Gemeinde gebildet hatten, wurde am 1. April 1937 Lingental an Leimen, Maisbach an Nußloch und Ochsenbach an Gauangelloch angeschlossen.
In den folgenden Jahren wandelte sich die Gemeinde Gauangelloch mit ihrem Ortsteil Ochsenbach vom Bauerndorf zur Pendlergemeinde. Am 1. Oktober 1973 wurde sie in Zusammenhang mit der Gebietsreform in Baden-Württemberg in die Stadt Leimen eingegliedert. Seitdem haben sich Gauangelloch und Ochsenbach zu attraktiven Wohnorten entwickelt. Beide haben jedoch ihren dörflichen Charakter beibehalten und sind deshalb beliebte Orte, die zum Wandern durch Kraichgau und Odenwald einladen.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerentwicklung Gauangellochs lässt sich insgesamt als sanft und gleichmäßig ansteigend beschreiben. Als Folge der Ergebnisse des Zensus 2011 musste die ursprünglich angenommene Bevölkerungszahl um rund 200 Einwohner reduziert werden.
Jahr Einwohner 1577 145 1651 10 1777 267 1812 396 1823 454 1830 475 1845 503 1864 492 1867 490
Jahr Einwohner 1880 513 1900 547 1919 533 1933 567 1939 554 1950 985 1955 917 1960 909 1965 1036
Jahr/Datum Einwohner 1970 1175 31. Dezember 1975 1408 31. Dezember 1980 1569 31. Dezember 1985 1797 31. Dezember 1990 2060 31. Dezember 1995 2287 31. Dezember 2000 2417 31. Dezember 2005 2440 30. Juni 2010 2425Bruno Sauerzapf: Wahlen und Wählerverhalten in Leimen 1874–2011. Stadt Leimen, Leimen 2011, S. 95–97
Jahr Einwohner 2016 2286Rhein-Neckar-Zeitung: „Gauangelloch fehlt nur ein kleiner Einkaufsmarkt“, Nr. 54/2016 S. 8
Wappen und Flagge Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Blau ein silberner Angelhaken.“ Es geht zurück auf ein Gerichtssiegel aus dem Jahr 1762. Dieses wiederum nahm Bezug auf das Familienwappen der Herren von Angelloch. Die Weiß-Blaue Flagge wurde 1961 vom Innenministerium verliehen.
Politik Bedingt durch die Vereinigung im Jahr 1973 untersteht Gauangelloch seither dem Oberbürgermeister der Stadt Leimen.
Gemeinde-/Ortsvorsteher und Bürgermeister Historischer Überblick der Gemeinde-/Ortsvorsteher und Bürgermeister in Gauangelloch
Schultheißen und Vögte
Frohmüller 1770–1780 Martin Klingmann 1780–1796 Ph. Carolus 1796–1825 Martin Salzgeber 1825–1839Bürgermeister
Jakob Salzgeber 1839–1841 Andreas Dornes 1841–1845 Valentin Dussel 1845–1851 Josef Weckesser 1851–1861 Bernhard Himmelmann 1861–1876 Heinrich Rehm 1876–1903 Andreas Klingmann 1903–1911 Jakob Lämmler 1912–1934 Georg Litterer 1934–1936 Ludwig Baier 1936–1948 (1937 Eingemeindung des Nachbardorfes Ochsenbach) Josef Lang 1948–1950 Jacob Kast 1950–1968 Alois Lang 1968–1973
Ortsbeirat Gauangelloch besaß seit seiner Eingemeindung zur Stadt Leimen 1973 einen eigenen Ortsbeirat, der wie in allen übrigen Leimener Stadtteilen aus 15 Mitgliedern bestand. Mit Ablauf des Jahres 2014 entschied sich der Leimener Gemeinderat aus Gründen der Kostenersparnis zur Auflösung der Ortsbeiräte. Auch wurde argumentiert, dass die Aufgaben der ortsteilbezogenen, beratenden Gremien bereits vom Gemeinderat abgedeckt würden.
Der letzte Gauangellocher Ortsbeirat umfasste insgesamt 15 Mitglieder und setzte sich nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 nach Parteien wie folgt zusammen:, Stadt Leimen, abgerufen am 11. Juli 2012.
Partei/Liste Sitze CDU 5 SPD 4 FDP 2 FWV 2 GALL 2
Städtepartnerschaften Gauangelloch unterhält nach Unterzeichnung der offiziellen Urkunde seit 1981 eine Städtepartnerschaft mit dem in der Champagne bei Reims gelegenen Cernay-lès-Reims (Frankreich). Bereits in den 1970er Jahren gab es erste Kontakte mit Partnerschaftstagen in Gauangelloch (1971) sowie einen Schüleraustausch (1976). Bis heute treffen sich die Bürger beider Gemeinden abwechselnd einmal im Jahr in Gauangelloch und in Cernay., Stadt Leimen, abgerufen am 16. November 2013
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr Wichtigste Straße des Ortes ist die Kreisstraße von Heidelberg nach Schatthausen (K4160/4161). In Richtung Westen zweigt eine Straße nach Nußloch über Ochsenbach ab, in Richtung Osten führt eine weitere Straße ins Elsenztal nach Bammental. Außerdem besteht eine durch Lingental führende Verbindung nach Leimen (L600).
Öffentlicher Nahverkehr Gauangelloch liegt im Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.
Die Buslinie 757 des BRN verkehrt nach Heidelberg und Schatthausen. BRN-Linie 737 (von Gaiberg nach Wiesenbach bzw. Langenzell) verbindet Gauangelloch mit dem S-Bahnhof Bammental-Reilsheim. Zudem gibt es eine Ruftaxiverbindung nach Leimen.
Über die Bahnhöfe im Nachbarort Bammental besteht Anschluss an die zwischen Heidelberg und Heilbronn verkehrende Elsenztalbahn sowie die S-Bahn RheinNeckar, die mit ihren Zügen der neuen Linien S 5 auf dieser Strecke von Heidelberg nach Eppingen (Linie S 5) verkehrt. Seit Juni 2010 wird die ebenfalls neue Linie S51 von Heidelberg aus über die Schwarzbachtalbahn nach Aglasterhausen geführt.