Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen war ein 2005/06 erstmals ausgelobtes Förderprogramm in Deutschland, das parallel zur grundlegenden Umstellung des Hochschulwesens durch den Bologna-Prozess anlief. Es ist ab 2017/18 durch die Exzellenzstrategie abgelöst worden, deren Förderung 2019 begann. Mit der Exzellenzinitiative reagierte die Bundesregierung auf das Lissabon-Programm der EU aus dem Jahr 2000. Darin verpflichteten sich die EU-Mitgliedstaaten, in ihre Bildungs- und Wissenschaftssysteme zu investieren, um Europa so bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Die Exzellenzinitiative (Exini) sollte dazu dienen, „[…] den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig [zu] stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit [zu] verbessern und Spitzenforschung an deutschen Hochschulen sichtbar [zu] machen (BMBF).“Von exzellenten Leuchttürmen in einer Bildungswüste. In: Liste der Studiengangs-Aktiven. 2012, auf LiSA-Bremen.de, abgerufen am 13. Februar 2017.
Vorgeschichte und Konzept
Ins Leben gerufen wurde die Exzellenzinitiative von der damaligen SPD-Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, die mit der Idee der Organisation eines deutschlandweiten Wettbewerbs zwischen allen deutschen Universitäten unter dem Titel „Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten“Peer Pasternack: Die Exzellenzinitiative als politisches Programm. Fortsetzung der normalen Forschungsförderung oder Paradigmenwechsel?, in: Roland Bloch/Andreas Keller/André Lottmann/Carsten Würmann (Hg.), Making Excellence. Grundlagen, Praxis und Konsequenzen der Exzellenzinitiative, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2008, S. 2 im Januar 2004 erstmals an die Öffentlichkeit ging. Getragen wurde die Bekanntmachung von einem Entschluss des SPD-Parteipräsidiums einige Tage zuvor, der zum Inhalt hatte, die Rahmenrichtlinien für die Reform des deutschen Hochschulsystems voranzutreiben.
Aufgeteilt war die Exzellenzinitiative in die drei Förderlinien „Zukunftskonzepte“ (Entwicklung der Gesamtuniversität), „Exzellenzcluster“ (Förderung der Forschung eines Themenkomplexes) und „Graduiertenschule“ (Förderung von Doktoranden in einem breiten Wissenschaftsgebiet). In zunächst zwei Förderrunden wurden neun Zukunftskonzepte, 37 Anträge auf Exzellenzcluster (2. Förderlinie) und 39 Anträge auf Graduiertenschulen (1. Förderlinie) bewilligt. Die Durchführung der Exzellenzinitiative beruht auf Verwaltungsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern.siehe https://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2010/info_wissenschaft_10_13/index.html
Im Jahr 2019 wurde das Förderprogramm unter dem Namen Exzellenzstrategie in veränderter Form fortgesetzt.siehe , abgerufen am 29. September 2016. Es umfasste nun nur noch die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Die ehemaligen Förderlinien „Zukunftskonzepte“ und „Graduiertenschule“ fielen weg. Im September 2017 veröffentlichten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat die Vorentscheidung in Form einer Liste der zum Antrag aufgeforderten Projekte.Förderlinie Exzellenzcluster: Gesamtliste der zur Antragstellung aufgeforderten Projekte (Ergebnisse der Sitzung des Expertengremiums am 27. und 28. September 2017) , abgerufen am 3. Oktober 2017. Die Aufforderung zur Antragstellung erging an 88 Projekte von 41 Hochschulen in 13 Bundesländern. Beworben hatten sich 195 Projekte. Aufgrund der endgültigen Anträge wird im September 2018 die international besetzte Exzellenzkommission über die endgültigen Genehmigungen entscheiden, die voraussichtlich 45 bis 50 Projekte umfassen wird. Diejenigen Universitäten, die mindestens zwei Cluster in der Förderung haben werden, können sich dann darüber hinaus um den Titel einer Exzellenzuniversität bewerben.
Außeruniversitäre Forschungsorganisationen wurden durch die Forschungs-Förderinitiative Pakt für Forschung und Innovation unterstützt. Die Hochschulen in Deutschland wurden außerdem durch den Hochschulpakt 2020 gefördert, der vor allem eine Reaktion auf die wachsende Zahl von Studenten durch die Aussetzung der Wehrpflicht und durch doppelte Abiturjahrgänge war.
mini|hochkant=1.5|In der Exzellenzinitiative für ihr Zukunftskonzept geförderte Universitäten in Deutschland, Stand: Oktober 2007 mini|hochkant=1.5|In der dritten Runde der Exzellenzinitiative ab 2012 verloren die Universitäten Freiburg und Göttingen sowie das Karlsruher Institut für Technologie die besondere Förderung. In diesen Kreis wurden dafür die Universitäten Bremen, Köln, Tübingen, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Technische Universität Dresden aufgenommen.
Entstehung und Umsetzung Ausgehend von Bulmahns initialem Vorschlag handelten Bund und Länder in längeren Verhandlungen einen Kompromiss aus, der von den Regierungschefs von Bund und Ländern im Juni 2005 als Bund-Länder-Vereinbarung nach Artikel 91b GG unterzeichnet wurde.Matthias Kölbel: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als wissenschaftspolitischer Akteur, In: Handbuch Wissenschaftspolitik, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden (2016) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat wurden mit der organisatorischen Abwicklung und der wissenschaftlichen Begutachtung bzw. Begleitung beauftragt. Die Exzellenzinitiative wurde in einem mehrstufigen Antrags- und Begutachtungsverfahren in zwei Runden (1. Runde im Jahr 2005/2006; 2. Runde 2006/2007) durchgeführt. Vornehmlich internationale Gutachter bewerteten die Qualität der eingereichten Antragsskizzen und gaben Empfehlungen hinsichtlich der Förderfähigkeit ab. Die endgültige Entscheidung über die Aufforderung zur Antragsstellung und die Förderung traf ein gemeinsames Gremium aus DFG und Wissenschaftsrat auf Basis der Gutachterempfehlungen.
Die Exzellenzinitiative ist dabei als ein Wettbewerb unter thematisch geschlossenen Forschungskonzepten anzusehen; sie wurde bewusst als solcher konzipiert. Die Lehre, ihre Qualität und ihre unterschiedliche Ausprägung je nach Hochschule spielten in der Exzellenzinitiative mit Ausnahme der Graduiertenschulen keine Rolle, weil die verfassungsrechtliche Grundlage der Exzellenzinitiative – eine Bund-Länder-Vereinbarung nach Artikel 91b des Grundgesetzes – damals keine Bundesförderung für die Lehre zuließ.
Förderlinien Die Exzellenzinitiative umfasst insgesamt drei Förderlinien: Graduiertenschule, Exzellenzcluster sowie Zukunftskonzepte.
Graduiertenschule Die Förderlinie Graduiertenschulen dient der Ausbildung von Doktoranden in einem breiten Wissenschaftsgebiet unter exzellenter wissenschaftlicher Begleitung und hervorragenden Randbedingungen. Die Forschung der beteiligten Professoren tritt in den Hintergrund, während die Forschung der Doktoranden im Vordergrund steht. Für jede Graduiertenschule stehen pro Jahr ungefähr eine Million Euro zur Verfügung.
Exzellenzcluster Die Exzellenzcluster genannte Förderlinie der Exzellenzinitiative stellt die wissenschaftliche Forschung zu einem weitergefassten Themenkomplex an einem Standort in den Vordergrund und wird mit etwa 6,5 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Teilgebiet eines Faches zu bearbeiten, sondern vielmehr 25 hervorragend ausgewiesene Wissenschaftler zu einem Thema von gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Relevanz zusammenzubringen, das gemeinsam bearbeitet wird. Dabei sind strukturelle Auswirkungen auf das organisatorische Gefüge einer Universität ausdrücklich gewollt.
Zukunftskonzepte Das Zukunftskonzept beschreibt die langfristige Entwicklung einer Universität in der Forschung. Es umfasst die Fokussierung auf bestimmte Themengebiete, die Zieldefinition für die gesamte Universität sowie eine Wegbeschreibung – mithin die strategische Entwicklung. Eine erfolgreiche Bewerbung setzt die Einwerbung von mindestens einem Exzellenzcluster und einer Graduiertenschule voraus. Die elf für ihr Zukunftskonzept ausgezeichneten Hochschulen dürfen sich als „Exzellenzuniversitäten“ bezeichnen.
Erste Runde der Exzellenzinitiative
Termine Datum Beschreibung 30. September 2005 Einreichung der Antragsskizzen 20. Januar 2006 Beschlussfassung über Aufforderung zur Antragstellung 20. April 2006 Abgabe der Anträge 13. Oktober 2006 Entscheidung über die Förderung 1. November 2006 Beginn der Förderung
Ergebnis
Aus den zehn Universitäten, die in der ersten Runde zur Antragsstellung für die Förderlinie „Zukunftskonzept“ aufgefordert worden waren, wurden am 13. Oktober 2006 die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und das Karlsruher Institut für Technologie ausgewählt. Sie wurden in den folgenden fünf Jahren mit insgesamt jeweils 21 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Voraussetzung waren positive Bewertungen von mindestens einem Exzellenzcluster und mindestens einer Graduiertenschule.
Neben den Zukunftskonzepten wurden in den beiden anderen Förderlinien 18 weitere Universitäten jeweils in Millionenhöhe berücksichtigt. Alle geförderten Projekte werden im DFG-Videoportal zur Exzellenzinitiative in einem kurzen Filmporträt vorgestellt.
In den Medien wurde über einen Streit zwischen den Vertretern des Bundes und der Länder sowie dem Gremium aus DFG und Wissenschaftsrat berichtet. Die dabei anwesenden Politiker seien darüber unglücklich gewesen, dass sie auf die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Fördermittel keinen Einfluss nehmen konnten.
Zukunftskonzepte Name der Hochschule (alphabetisch nach Ort) Titel des Zukunftskonzeptes Universität Karlsruhe (Technische Hochschule) A Concept for the Future of the University of Karlsruhe. The Foundation of the Karlsruhe Institute of Technology (KIT) – 2006 Ludwig-Maximilians-Universität München LMUexcellent: Working brains – Networking minds – Living knowledge – 2006 Technische Universität München TUM. The Entrepreneurial University – 2006
Graduiertenschulen
Quelle: Bundesministerium für Bildung und ForschungBundesministerium für Bildung und Forschung: , Abschnitt Graduiertenschulen
Sprecherhochschule (alphabetisch nach Ort) Titel der Graduiertenschule RWTH Aachen Aachen Institute for Advanced Study in Computational Engineering Science Freie Universität Berlin Graduate School of North American Studies Humboldt-Universität zu Berlin Berlin School of Mind and Brain Technische Universität Berlin Berlin Mathematical School Ruhr-Universität Bochum Ruhr University Research School Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Bonn Graduate School of Economics Universität Bremen Global Change in the Marine Realm Technische Universität Dresden Dresden International Graduate School for Biomedicine and Bioengineering Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Erlangen Graduate School in Advanced Optical Technologies Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Spemann Graduate School of Biology and Medicine (ehemals Molecular Cell Research in Biology and Medicine) Justus-Liebig-Universität Gießen International Graduate Centre for the Study of Culture Medizinische Hochschule Hannover Hannover Biomedical Research School Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Heidelberg Graduate School of Fundamental Physics Universität Karlsruhe (Technische Hochschule) Karlsruhe School of Optics and Photonics Universität Mannheim Graduate School of Economic and Social Sciences (GESS) Ludwig-Maximilians-Universität München Graduate School of Systemic Neurosciences Technische Universität München International Graduate School of Science and Engineering Julius-Maximilians-Universität Würzburg Graduate School for Life Sciences
Exzellenzcluster