Das Mädchen aus dem Wasser (Alternativtitel: Lady in the Water – Das Mädchen aus dem Wasser, Originaltitel: Lady in the Water) ist ein US-amerikanischer Fantasy-Märchenfilm unter der Regie von M. Night Shyamalan, der auch das Drehbuch verfasste und eine der Nebenrollen übernahm. Er erzählt die märchenhafte Geschichte eines Hausmeisters, der eine junge Frau aus dem Swimmingpool seines Wohnkomplexes rettet. Das Mädchen entpuppt sich als Nymphe, die von grausamen Kreaturen gejagt wird. Hausmeister Heep und die Bewohner der Anlage helfen ihr bei der Rückkehr in die „Blaue Welt“.

Der Film greift Motive einiger Märchen auf und behandelt Themen wie Selbstfindung, Erkenntnis und Kommunikation. Shyamalans Werk stieß anlässlich seiner Premiere am 21. Juli 2006 größtenteils auf negative Kritikerstimmen und wurde ein finanzieller Misserfolg. Der Film startete am 31. August 2006 in den deutschen Kinos.

Inhalt

Cleveland Heep führt als Hausmeister einer Wohnanlage in Philadelphia ein zurückgezogenes Leben. Eines Nachts entdeckt er im Swimmingpool ein Mädchen, das er vor dem Ertrinken rettet. Sie gibt sich als „Story“ aus und erzählt ihm, dass sie eine Narf, das heißt eine Art von Nymphe, aus der „Blauen Welt“ sei. Sie solle einen bestimmten Schriftsteller finden und ihn erleuchten. Heep hilft ihr, den Kontakt zu einem Schriftsteller, welcher in der Anlage lebt, herzustellen, und arrangiert die Begegnung, bei welcher der Schriftsteller seine Erleuchtung erfährt. Story, die nun in Heeps Wohnung lebt, kann diese nicht mehr verlassen, da sie von einem Scrunt, einem bösartigen wolfsähnlichen Wesen, verfolgt wird.

Durch eine koreanische Bewohnerin erfährt Heep von einer asiatischen Sage, nach der eine Narf aus der „Blauen Welt“ kommt, um einen Menschen zu erwecken, der die Welt retten soll. Damit sie nach Erfüllung der Mission in ihre Welt zurückkehren kann (ein riesiger Adler soll kommen und sie forttragen), benötigt die Nymphe die Hilfe der Menschen, die mit ihren Fähigkeiten verschiedene Funktionen übernehmen müssen. So braucht sie einen Symboldeuter, einen Wächter, einen Heiler und eine Gilde, eine Gruppe von Menschen, die anscheinend nichts Besonderes tun, aber helfende Hände haben.

Heep folgt dieser Sage und rekrutiert – mit der Hilfe eines Filmkritikers – im Wohnblock einige Bewohner, die seiner Meinung nach für die Helferrollen vorherbestimmt sind. Gemeinsam erarbeiten sie, auf Anraten des Symboldeuters, einen Plan, der vorsieht, dass die Gilde eine Party veranstaltet, in der Story den Schutz der Menge genießen kann. Denn es wird überliefert, dass ein Scrunt eine Nymphe nur dann angreift, wenn er unbeobachtet zuschlagen kann. Gleichzeitig hofft Heep, dass an diesem Abend der große Adler kommt, um Story zu holen.

Die Party entpuppt sich jedoch als Misserfolg und Story wird von dem Scrunt schwer verletzt. Der Filmkritiker wird in der Folge von dem Scrunt angefallen und getötet. Die verängstigten Bewohner erkennen, dass Heeps Auswahl falsch gewesen sein muss, und versuchen nun selbst herauszufinden, wer von ihnen für die verschiedenen Rollen vorherbestimmt ist. Heep übernimmt dabei z. B. die Rolle des Heilers, während der Sohn des vermeintlichen Symboldeuters der eigentliche Auserwählte für diese Rolle zu sein scheint. Als neue Gilde wird ein Bund von sieben Frauen, den Schwestern, vorgeschlagen.

Nachdem Story durch den Heiler Heep, die Gilde der sieben Schwestern sowie zwei weitere Personen geheilt worden ist, wartet man am Pool auf Eatlon, den großen Adler, der Story in die Blaue Welt zurückbringen soll. Der Scrunt will die Chance nutzen und startet einen Angriff auf Story, jedoch tritt nun der bisher noch unbekannte Wächter in Erscheinung: Es ist der Bewohner Reggie.

Reggie, ein Bodybuilder, der nur seinen rechten Arm trainiert, hält den Scrunt durch ununterbrochenen Augenkontakt in Schach und drängt ihn zurück, als plötzlich drei Tartutic, affenähnliche Wesen, erscheinen. Sie sind für die Einhaltung der Gesetze der „Blauen Welt“ verantwortlich. Und diese hat der Scrunt gebrochen: Denn nach den Gesetzen der „Blauen Welt“ ist es einem Scrunt verboten, eine Narf nach Erfüllung ihrer Mission anzugreifen. Da aber Story in Wirklichkeit die Königin der Narf ist, war sie für den Scrunt eine unwiderstehliche Beute, für die er die Gesetze missachtete. Die Tartutic überwältigen den Gesetzesbrecher und schleppen ihn fort.

Nachdem die Gefahr gebannt ist, erscheint der große Eatlon und nimmt Story mit zurück in die „Blaue Welt“.

Entstehungsgeschichte

Die Idee zu diesem Film entstand aus einer improvisierten Gutenachtgeschichte, die Shyamalan seinen Töchtern erzählte. „Im Kern der Geschichte steckte etwas, was mich trieb, jeden Abend unentwegt weiterzuerzählen“, erinnert sich der Regisseur. „Auch als die Geschichte endlich abgeschlossen war, redete ich trotzdem mit meinen Töchtern ständig weiter darüber. […] Die Story beschäftigte uns außergewöhnlich intensiv.“DVD: Lady in the Water (Limited Soundtrack-Edition), Booklet S. 1 Während der Dreharbeiten zu The Village – Das Dorf entstand die Idee, die Geschichte zu verfilmen.

Nach diesem Mystery-Thriller, der von den Kritikern sehr gemischt aufgenommen wurde, aber trotzdem ein finanzieller Erfolg war, begann der indischstämmige Filmemacher ein Drehbuch zu entwerfen. Dabei inspirierten ihn die Animationsfilme von Hayao Miyazaki (Chihiros Reise ins Zauberland) und Filme wie Die Braut des Prinzen oder E. T. – Der Außerirdische. Das fertige Drehbuch stellte er Touchstone Pictures, einer Tochterfirma der The Walt Disney Company, vor, da die Studios bereits seine vorausgehenden Filme finanziert und verliehen hatten. Obwohl der Regisseur dort mit seinen Filmen rund eineinhalb Milliarden US-Dollar eingebracht hatte, lehnte Disney-Produktionschefin Nina Jacobson das Manuskript ab. Shyamalan wechselte daraufhin zu Warner Brothers Pictures, die 75 Millionen US-Dollar in das Projekt investierten.

mini|M. Night Shyamalan und Bryce Dallas Howard bei der Filmpremiere von The Village – Das Dorf in Spanien. Als eine Reaktion auf Disneys Ablehnung schrieb der Journalist Michael Bamberg das Buch The Man Who Heard Voices: Or, How M. Night Shyamalan Risked His Career On A Fairy Tale. Sein Ziel war es, „den Filmemacher als Märtyrer im Kampf der Kreativität zu stilisieren“. In dem Buch stellte er die Frage „Was konnte sie [Nina Jacobson] Wichtigeres tun als Nights neues Skript in Empfang zu nehmen“? Jacobson antwortete zu solchen Vorwürfen: „Jeder hat eine andere Vorstellung von Respekt. Für uns gibt es keine größere Art von Respekt gegenüber einem Filmemacher, als ihm gegenüber ehrlich zu sein.“

Als erstes verpflichtete Shyamalan Bryce Dallas Howard, die zuvor in The Village eine wichtige Rolle übernommen hatte. Bereits vor der Fertigstellung des Drehbuchs fragte er Howard, ob sie die Rolle der Story übernehmen wolle. „Ich hatte das Drehbuch noch gar nicht geschrieben, wollte aber unbedingt, dass sie die Rolle übernimmt“, sagte der Regisseur in einem Interview.DVD: Lady in the Water (Limited Soundtrack-Edition), Booklet S. 9 (Interview mit Shyamalan) Howard nahm an. Für die Rolle des Hausmeisters Cleveland Heep war entweder Kevin Costner oder Paul Giamatti vorhergesehen. Shyamalan entschied sich letztendlich für Giamatti.: Kevin Costner Gossip, News, & Trivia. Abgerufen am 5. Januar 2009. Des Weiteren sollten ursprünglich William Hurt, Sidney Poitier, Chris Cooper, Gene Wilder, Terrence Howard, Alec Baldwin, Vince Vaughn, Forest Whitaker und Don Cheadle für die Bewohner von „The Cove“ verpflichtet werden., abgerufen am 17. Januar 2009 Man entschied sich jedoch für Freddy Rodriguez, Jeffrey Wright, Jared Harris und Sartia Choudhury. Als Film- und Theaterkritiker wurde Bob Balaban unter Vertrag genommen.

Der Wohnkomplex „The Cove“ sollte in Pennsylvania gebaut werden. Der erste Entwurf war ein Gebäude aus roten Ziegeln. Doch die Designer und Shyamalan fanden, es erzeuge zu viel Stimmung. Deshalb wurde ein „ausdrucksloses“ Gebäude konstruiert, das durch die Figuren zum Leben erwachen sollte. Die Arbeiten begannen am 20. Juni 2005 mit dem Bau einer Stahlkonstruktion, die nach vier Wochen beendet war. Anschließend entstand daraus ein großes Gebäude, in dem gedreht werden konnte. Nach Shyamalans Vorstellungen sollten die Kreaturen mit ihrem jeweiligen Lebensraum verschmelzen. Die affenähnlichen „Tartutics“, die mit ihren hölzern wirkenden Körpern, die wie knotige Wurzeln aussehen, „vereinen“ sich deshalb mit den Bäumen. Der wolfsähnliche, mit grünem Grasfell und rot glühenden Augen versehene Scrunt verschmilzt mit der Erde und dem Gras.DVD: Lady in the Water – Das Mädchen aus dem Wasser: Making-Of (Kreaturen) Die Dreharbeiten fanden vom 22. August 2005 bis zum 21. Oktober 2005 in Levittown, Pennsylvania und Philadelphia, Pennsylvania statt.Drehorte in der Internet Movie Database

Inszenierung

Wie schon zuvor in The Village – Das Dorf spielt Shyamalan in diesem Film mit der Farbsymbolik. Vor allem die Farbe Blau ist von wichtiger Bedeutung. Marco Kreuzer analysiert, dass sie „das Geistige, die Spiritualität, die Harmonie, vielleicht sogar das Göttliche, in jedem Fall aber die Welt des Mythischen und der Phantasie“ repräsentiert.Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen bei M. Night Shyamalan, S. 106. Ein weiteres Symbol ist das Wasser. Darin lebt die Protagonistin Story und es ist hier „das Element der Errettung, der Reinigung, des Neubeginns“. Aufgrund seiner Bedeutung und der wichtigen Rolle im Film könnte man sogar meinen, dass Shyamalan das Wasser gar als den Urstoff allen Seins d. h. als den Ursprung des Lebens (vorsokratische Naturphilosophie) darstellt.Störing: Kleine Weltgeschichte, S. 141 (Der Gedanke, dass Wasser der Urstoff allen Seins bzw. der Ursprung des Lebens ist, stammt von Thales von Milet.) Der herzförmige Pool unterstützt diesen Gedanken „einerseits optisch, andererseits verweist diese Form auch auf Emotionalität oder innere Stimme“.

M. Night Shyamalan erklärte in einem Interview, dass der Horror in seinen Filmen nur eine Haube sei, die den Zuschauer gefangen nehmen solle, damit er genauer zusehe und zuhöre. Dieses Phänomen wird als „horrific agents“ bezeichnet und vom Regisseur gerne verwendet. Zu Beginn ist es Story, die Narf, die „bei ihrem ersten Auftauchen die Normalität von Clevelands Lebenswirklichkeit stört“.Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen bei M. Night Shyamalan, S. 105. Auch wenn sie von Anfang an positiv besetzt ist, erschafft ihr Erscheinen dennoch „jene unheimliche Atmosphäre, die wir bereits von Shyamalan kennen“. Des Weiteren steuern die vielen Spiegelungen, Schatten und Beschreibungen des Scrunts und Tartutics zu einer unheimlichen Filmatmosphäre bei.Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen S. 37 und S. 52 Der Scrunt ist bis hin zum Filmende nur durch die bereits genannten Mittel oder akustisch wahrnehmbar.

Shyamalan legt Wert auf den Rhythmus, die Geschwindigkeit und die Gefühle, die eine Szene erweckt.DVD: Lady in the Water – Das Mädchen aus dem Wasser: Making-Of (Der Look) So setzt der Filmemacher in Das Mädchen aus dem Wasser die Zeitlupe ein, um den Schock einer Szene und dramatische Momente länger wirken zu lassen. Diese Methode wird akustisch und mit der Musik von James Newton Howard unterstützt.Kreuzer: Die Dramaturgie des Unheimlichen bei M. Night Shyamalan, S. 52. Der Filmemacher bezeichnet dies als seine Spezialeffekte.DVD: The Village (Interview mit M. Night Shyamalan) Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der die Protagonisten Cleveland und Story von dem Scrunt angegriffen werden. Weiterhin benutzt Shyamalan vergleichsweise wenige Schnitte beziehungsweise lange Kameraeinstellungen. In einem Interview meint er dazu: „Heute entstehen die meisten Filme durch aufwändige Montagen im Schneideraum […]. Ich wähle einen anderen Ansatz und versuche, die Magie des Augenblicks einzufangen. […] Ich wähle oft Theaterschauspieler und drehe so zusammenhängend wie möglich.“