mini | rechts | Joly Braga Santos (1950)José Manuel Joly Braga Santos (* 14. Mai 1924 in Lissabon; † 18. Juli 1988 ebenda) war ein portugiesischer Komponist und Dirigent.
Leben Braga Santos studierte Violine und Komposition am Nationalkonservatorium in Lissabon und wurde Schüler von Luís de Freitas Branco (1890–1955), dem damals führenden portugiesischen Komponisten. Vier in rascher Folge komponierte Sinfonien (1947–1950) wurden erfolgreich aufgeführt und machten Braga Santos’ Namen auch international bekannt. Hierzu trug bei, dass der portugiesische Dirigent Pedro de Freitas Branco, Bruder von Luís de Freitas Branco, Dirigent und Gründer des Portugiesischen Radiosinfonieorchesters Lissabon, sich auf Konzertreisen in Europa für das Werk von Santos einsetzte.
Im Alter von 29 Jahren begann Braga Santos mit Dirigierstudien bei Hermann Scherchen in Österreich, und weiteren Kompositionsstudien in Italien bei Virgilio Mortari.
Joly Braga Santos lehrte später selbst Komposition am Nationalkonservatorium Lissabon und dirigierte außerdem das Sinfonieorchester in Porto. Als Kritiker und Journalist schrieb er für verschiedene portugiesische und ausländische Zeitungen und Zeitschriften.
1977 wurde Joly Braga Santos mit dem portugiesischen Ordem de Sant'Iago da Espada ausgezeichnet. Er verstarb im Juli 1988 an einem Schlaganfall.
Werk Joly Braga Santos gilt als bedeutendster portugiesischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Nach eigenen Worten wollte er "auf die in der vorigen Generation dominierende Tendenz reagieren, die den Monumentalismus in der Musik ablehnte", was er unter anderem mit sechs glänzend instrumentierten Sinfonien belegte.
Die ersten vier Sinfonien stehen in spätromantischer Tradition, zeigen aber auch Einflüsse des Impressionismus. Modale Themenbildungen erinnern zuweilen an Respighi oder Vaughan Williams. Vorbilder der oft eingängigen Melodik finden sich auch in der italienischen Oper und der spätromantischen russischen Sinfonik. Ab etwa 1960 nahm Braga Santos’ Stil vermehrt Einflüsse zeitgenössischer Strömungen auf und wurde deutlich chromatischer und dissonanter. Dies gilt auch für die beiden letzten Sinfonien.
Braga Santos schrieb außerdem drei Opern, Kammermusik in verschiedener Besetzung sowie Chorwerke auf Texte klassischer und zeitgenössischer portugiesischer und spanischer Dichter, wie Luís de Camões, Antero de Quental, Teixeira de Pascoaes, Fernando Pessoa, Garcilaso de la Vega, Antonio Machado und Rosalía de Castro.
Sonstiges 2004 erhielt die Aufnahme der 4. Sinfonie von Joly Braga Santos mit dem National Symphony Orchestra of Ireland unter Álvaro Cassutto (erschienen beim Label Naxos/Marco Polo) den Cannes Classical Award in der Kategorie CD-Premiere.
Chronologie der wichtigsten Werke 1942: Nocturne für Violine und Klavier 1943: Vier Lieder auf Gedichte von Fernando Pessoa für Sopran und Klavier 1943: Aria I für Cello und Klavier 1944: Siciliana für Klavier 1945: Drei Sonette nach Camões für Mezzosopran (Bariton) und Klavier (später orchestriert) 1945: 1. Streichquartett d-moll 1945: Acordando Sonett nach Antero de Quental für Mezzosopran und Orchester 1946: Sinfonische Ouvertüre Nr. 1 1947: 1. Sinfonie D-Dur "Den Helden und Märtyrern des Zweiten Weltkriegs" 1947: Sinfonische Ouvertüre Nr. 2 E-Dur 1947: Nocturne für Streicher h-moll 1948: 2. Sinfonie h-moll 1948: Elegie für Vianna da Motta f. Orchester 1949: 3. Sinfonie c-moll 1950: 4. Sinfonie e-moll 1951: Concerto für Streicher in D 1951: Variationen über ein Thema aus dem Alentejo f. Orchester 1954: Symphonische Ouvertüre Nr. 3 1957: Klavierquartett 1957: 2. Streichquartett 1958: Mérope, Oper in 3 Akten 1960: Konzert für Viola 1960: Divertimento I f. Orchester 1962: Three Symphonic Sketches 1963: Sinfonietta für Streichorchester 1964: Requiem "In memoriam of Pedro de Freitas Branco" 1966: 5. Sinfonie ("Virtus Lusitaniae") 1967: Variationen für Orchester 1967: Encruzilhada, Ballett 1968: Konzert für Violine, Cello, Streicher und Harfe 1970: Trilogia das Barcas, Oper 1972: 6. Sinfonie 1973: Klavierkonzert 1974: Chorstücke auf klassische kastilische Gedichte f. Chor a cappella 1975: 2 Motetten f. Chor a cappella 1977: Aria II für Cello und Klavier 1978: Divertimento II für Streichorchester 1982: Cantares Gallegos für Sopran und Orchester auf Gedichte von Rosalía de Castro 1984: Aria a Tre für Klarinette, Viola und Klavier 1984: Tanzsuite für Klavier, Viola, Oboe und Bass 1985: Trio für Klavier, Violine und Cello 1985: Suite für Bläser 1986: Streichsextett 1987: Cellokonzert 1988: Aquella Tarde auf ein Gedicht von António Machado, für Sopran (Tenor) und Orchester 1988: Staccato Brilhante für Orchester 1988: Improviso für Klarinette und Klavier (letztes Werk)
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