mini|Doppelturmfassade des Saardoms vom Weinlingplatz mini|hochkant|Querschiff mini|hochkant|Trier, Porta Nigra, Apsis, Vorbild für das Querschiff des Saardomes
Hl. Sakrament ist der Name der Pfarrkirche der Pfarrei Sankt Odilia Dillingen in Dillingen/Saar.https://www.pfarreiengemeinschaft-dillingen-saar.de/, abgerufen am 31. Januar 2024. Der vollständige Titel der Kirche lautet Ecclesia Parochialis Catholica Sacratissimi Sacramenti Dioecesis Treverensis, „Katholische Pfarrkirche zum allerheiligsten Sakrament im Bistum Trier“, kurz Katholische Pfarrkirche Heilig Sakrament.
Der aufgrund seiner historisierend-architektonischen Orientierung am mittelalterlichen Kathedraltypus sogenannte Saardom gilt neben der St. Johanner Michaelskirche, der St. Ingberter Josefskirche sowie der Malstatter Josefskirche als größter Sakralbau des Saarlandes. Der Saardom ist der bedeutendste Kirchenbau des ausgehenden Historismus an der Saar und aufgrund der Verwendung zahlreicher mittelalterlicher Architekturzitate herausragendes Beispiel der historistischen „Bildungsarchitektur“. Die Baustruktur seines Inneren sowie das Chorhaupt stehen ganz in der Tradition der auvergnatischen Bauschule, die von der cluniazenischen Baukunst inspiriert ist.Nicola Coldstream: Das Mittelalter, in: Michael Raeburn (Hrsg.): Baukunst des Abendlandes - Eine kulturhistorische Dokumentation über 2500 Jahre Architektur, Stuttgart 1982, S. 81–127, hier S. 98.
Die kurz vor der Erbauung des Dillinger Saardomes errichtete Martinskirche in Saaralben wird zur Unterscheidung im Volksmund als „Saarkathedrale“ (Cathédrale de la Sarre) bezeichnet. Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft Hl. Sakrament, St. Johann in Dillingen, St. Josef in Diefflen, St. Maximin in Pachten, sowie Maria Trost auf der Pachtener Heide. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag ist das Hochfest Fronleichnam.
Architektur Abmessungen Der Saardom hat folgende Abmessungen:Katholisches Bildungswerk Dillingen-Nalbach e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Saardom, Heilig Sakrament Dillingen, 1000 Jahre Pfarrei Dillingen. Festschrift zum Jubiläum der Kirchenkonsekration am 25. April 2013. Dillingen 2012, S. 90.siehe Maßangaben der Baupläne Außenlänge (mit Vorhalle): 62,30 m größte Außenbreite im Querschiffbereich: 33,50 m äußere Turmfassadenbreite: 23,50 m Höhe des Vierungsturmes: 33,00 m Turmhöhe des östlichen Portalturmes mit Turmkreuz: 48,50 m Turmhöhe des westlichen Portalturmes mit Turmkreuz: 50,00 m Innenbreite des Mittelschiffes: 10 m Innenhöhe der Seitenschiffe: 6 m Innenhöhe des Mittelschiffes: 15 m Innenhöhe der Kuppel: 27 m Innenhöhe der Marien- und der Christkönig-Kapelle: 8 m Innenhöhe des Chormumganges: 7,40 m Interkolumnienweite der Arkaden zwischen Mittel- und Seitenschiff: 3,50 m Interkolumnienweite der Arkaden der Apsis: 2 m
Im Vergleich des Saardomes mit den größten Kirchen des Saarlandes misst die Michaelskirche in Saarbrücken-St. Johann 60 m in der äußeren Länge und 34,60 m in der größten äußeren Breite. Der Saardom und die Michaelskirche werden in der Länge von der neogotischen Josefskirche in Saarbrücken-Malstatt mit 68 m äußerer Länge übertroffen.Bernd Schikofsky (Hrsg.): Überragend – Überraschend, Die Kirche St. Josef in Saarbrücken-Malstatt. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2010, S. 25. Die beiden Türme des Saardomes werden von den Türmen der St. Ingberter Josefskirche (73 m) und der St. Johanner Johanneskirche (74 m) überragt. Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war der Malstatter Josefsturm mit 75 m der höchste Kirchturm des Saarlandes.
Vorbilder Die Kirche wurde zwischen 1910 und 1913 nach Plänen des Trierer Kirchbaumeisters Peter Marx (1871–1958) vorwiegend im neoromanischen Stil erbaut, lässt aber in der für den Historismus bezeichnenden eklektizistischen Manier vor allem in der Gestaltung der Türme auch Anklänge an gotische Vorbilder erkennen (vgl. Bamberger und Naumburger Domtürme, letztlich von der Kathedrale von Laon abgeleitet).
Grundriss Der Grundriss des Saardomes beschreibt ein lateinisches Kreuz. Der Bau besteht aus einem Langhaus mit zwei Seitenschiffen (Basilika), Querschiffen nach Westen und Osten, sowie einer Apsis nach Norden mit Kapellenkranz. Im architektonischen Œuvre des Erbauers Peter Marx stellt der Saardom stilmäßig das konservativste späthistoristische Bauwerk dar. Darüber hinaus ist der Saardom das größte Sakralbauwerk, das Marx verwirklichen konnte. Eine gewisse architektonische Parallelstellung hinsichtlich Größe, Materialwahl, Erbauungszeitraum, neoromanischer Stilwahl und mittelalterlich-französischer Architekturzitate nimmt noch seine Trierer Kirche St. Martin ein.
Vierungsturm mini|Vorentwurf zur evangelischen Stadtkirche Metz, mögliches Vorbild zum Vierungsturm des Saardomes
Die Vierung wird von einem Vierungsturm bekrönt, der auch die doppeltürmige (asymmetrische) Fassade mit ihrer Rosette prägt. Der oktogonale Vierungsturm verfügt über eine Zwerggalerie, die im Architekturraum des Rheinlandes öfter zu finden ist. Der Vierungsturm von Hl. Sakrament ist in seinem unteren Teil mit dem der Kirche St. Aposteln in Köln (11.–13. Jahrhundert) vergleichbar.
In seiner kompletten Gestaltung entspricht der Vierungsturm des Saardomes nahezu vollständig dem geplanten Vierungsturm des neoromanischen Vorentwurfs (Plan I) zur evangelischen Stadtkirche in Metz (heute Temple Neuf), die der Metzer Stadtbaumeister Conrad Wahn 1898/1899 entworfen hatte. Jedoch musste Wahn nach dem persönlichen Eingreifen Kaiser Wilhelms II. in die Planung den ursprünglichen Entwurf stark überarbeiten. Dabei wurde der Metzer Vierungsturm zum dominierenden Baukörper mit stadtbildprägender Wirkung umgestaltet (Umsetzung 1901–1904). Das Vormodell des Metzer Vierungsturmes modifizierte Architekt Marx beim Saardom dahingehend, dass zur Begehbarmachung der Kuppel Treppentürme hinzugefügt wurden.Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum, Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918) (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 38). Hrsg. v. Wolfgang Haubrichs, Hans-Walter Herrmann, Heinz Quasten, Band 38. Blieskastel 2000, S. 266–272, S. 268, Abb. 249.Archives municipales de Metz, Plansammlung, 9 Fi 598.Aus der Baugeschichte der neuen evangelischen Kirche in Metz. In: Straßburger Post vom 18. Mai 1904.
Querschiffe und Langschiff mini|Zweizonige Blendarkadengliederung der Apsis der Abteikirche Maria Laach, Vorbild der Innengliederung der Saardom-Querhäuser
Auch die Arme der Querschiffe und der Chor schließen außen mit einer Zwerggalerie ab. Die Form des offenen Arkadengangs gehört zu den wenigen gliedernden Schmuckelementen des klar strukturierten Baugefüges. Ebenso die kräftigen Pilaster, die die Fensterachsen von Mittelschiff und Seitenschiffen markieren und an Apsis und Querschiffarmen wiederkehren. Das Querschiff zitiert außen detailgetreu die romanische Apsis des St. Simeons-Stiftes an der Porta Nigra in Trier. Die Dreikonchenform des Dillinger Saardomes scheint von der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol (11. Jahrhundert) abgeleitet zu sein. Die innere Wandgliederung der beiden Querhäuser des Saardomes scheint sich mit ihren zweizonigen Blendarkaden stark an die Gestaltung der Außenseite der Apsis der Abteikirche Maria Laach anzulehnen.
Doppelturmfassade Turmfreigeschosse Die Doppelturmfassade orientiert sich an spätromanischen, gotischen und historistischen Motivvorlagen. Dabei ist der linke Turm größer als der rechte. Damit versuchte der Architekt Peter Marx, der Fassade in der Art eines „historischen Zeitraffers“ ein über Jahrhunderte gewachsenes Erscheinungsbild ähnlich einer mittelalterlichen Kathedrale zu geben, bei der die ausufernde Bauzeit zu verschiedenen Ausformungen der Türme führte.
Die Freigeschosse der Türme verjüngen sich nach oben. Darüber erheben sich runde Ecktürmchen, die entweder offene oder vorgeblendete Säulenarkaden vorweisen. Der linke Turm schließt mit einem oktogonalen Helm ab, der mit Giebelgauben bereichert ist. Der rechte Turm verfügt über kleine gemauerte Giebel. Die Mittelfront des Langhauses schiebt sich vor die Türme und ist von achteckigen Flankentürmchen begleitet, die die Turmtreppen aufnehmen. Die Orientierung an historischen Stilvorgaben nimmt hinsichtlich der aufwändigen Durchbildung der oberen Turmgeschosse konkrete Formen an. So lassen sich deutliche Bezüge zur französischen Sakralbaukunst der romanischen bzw. frühgotischen Epoche, speziell zu den Kathedralen von Laon (1155–1235) und Reims (13.–15. Jahrhundert) herstellen. Die Turmspitzen kommen den Bekrönungen der Domtürme von Naumburg (13. Jahrhundert) und Bamberg (13. Jahrhundert) gleich. Als noch früheres Turmvorbild innerhalb der Epoche der Romanik könnte für die Turmgestaltung des Saardomes mit Giebelgauben und Ecktürmchen der spätromanische Vierungskuppelturm (Torre del Gallo) der Catedral Vieja de Santa María del Asedio in Salamanca angeführt werden. Er wurde um 1150 begonnen und ist mit seinen schmalen Maueröffnungen mit gestelzten Rundbögen beispielhaft für den Formenreichtum der Übergangszeit von der Romanik zur Frühgotik.Wilfried Koch: Baustilkunde. 24., durchgesehene Auflage. Gütersloh/München 2003, S. 128–129. Ein weiteres Vorbild der Freigeschosse des Saardomes könnten ebenfalls die oberen Stockwerke des Glockenturms der Kirche Santa Maria dell’Ammiraglio in Palermo sein.Francois Souchal: Das hohe Mittelalter. Baden-Baden 1968, S. 170.
Polygonvorhalle mini|Ursprüngliche Portalvorhalle der Kirche vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der Neugestaltung durch Günther Maas
Die polygonale Vorhalle des Saardoms, wie auch die ganze Mittelfront des Langhauses transponiert das einige Jahre zuvor durch den Metzer Dombaumeister Paul Tornow im Auftrag Kaiser Wilhelms II. errichtete neogotische Westportal (errichtet 1900–1903) des Metzer Domes (Portikus, Maßwerkrose, Galerie, Mittelschiffgiebel) mit den beiden sich dahinter erhebenden gotischen Domtürmen beim Saardom ins Neoromanische. Der Architekt zitiert dabei die offizielle wilhelminische Staatsarchitektur, denn die Metzer Domfassadengestaltung war von Kaiser Wilhelm II. persönlich geprüft und genehmigt worden.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland (=Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland. Band 40). Saarbrücken 2002, ISBN 3-923877-40-4, S. 122–124.Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum, Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen 1871–1918 (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 38). Saarbrücken 2000, S. 311–317.
mini|Portalrelief, Die Anbetung des Lammes auf dem Buch mit den sieben Siegeln Die polygonale Vorhalle am Hauptportal des Saardomes erinnert an den Lettner der Marienkirche (Gelnhausen) aus dem 13. Jahrhundert und weist große Ähnlichkeit mit der neogotischen Vorhalle der Schauseite der Metzer Kathedrale auf (wobei Peter Marx das neogotische Tornowsche Vorbild in Metz quasi ins Romanische rücktransponiert)Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 40). Saarbrücken 2002, ISBN 3-923877-40-4, S. 123..