mini|Segelflugzeuge auf dem Vorfeld mini|Tower Der Verkehrslandeplatz Coburg-Brandensteinsebene liegt östlich der Veste Coburg, inmitten einer Mittelgebirgslandschaft zwischen Thüringer Wald und Fichtelgebirge.
Geschichte Die Brandensteinsebene liegt in Nachbarschaft zur Veste Coburg. Nach Zerschlagung des Kammerguts Festungshof im Jahr 1908 wurde das größte Wiesen- und Feldstück durch das in Coburg stationierte III. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 als Exerzierplatz genutzt. Im Rahmen eines Flugtages startete am 23. Juni 1912 der Flugpionier Willy Kanitz zu einem Rundflug auf der Brandensteinsebene.
Der Flugplatz wurde im August 1913 als militärischer Flugstützpunkt durch Herzog Carl Eduard mit einer Flugzeughalle eröffnet. Dabei waren 15.000 Besucher anwesend. Im Ersten Weltkrieg war der Flugstützpunkt Ausweichflugplatz für die Gothaer Fliegerersatzabteilung 3. Die Flugzeughalle musste 1921 gemäß den Bedingungen des Friedensvertrags von Versailles abgebaut werden.
1923 wurde eine neue Flugzeughalle eröffnet. Im Oktober 1924 folgte die Einweihung des Zivilflugplatzes auf der Brandensteinsebene. Ab dem Sommer 1928 wurde auf der Brandensteinsebene auch Segelflug betrieben. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Flugplatz keine strategische Rolle. Die Flugzeughalle wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört.
Am 30. August 1950 wurde der Aero Club Coburg gegründet, der bis heute auf der Brandensteinsebene ansässig ist. Am 22. und 23. Oktober 1950 starteten dort mit einer Sondergenehmigung der amerikanischen Besatzungsmacht die ersten Segelflugzeuge nach dem Krieg; allgemein erlaubt wurde die Segelfliegerei in Deutschland erst im Juni 1951. Die Reisefluggesellschaft Then-Air nutzte den Platz 1957 erstmals kommerziell.
Am 26. Juli 1961 begann ein grundlegender Umbau, bei dem Luftwaffenpioniere aus Fürstenfeldbruck den Platz binnen zwölf Wochen zu einem befestigten Start- und Landeplatz mit einer 625 Meter langen Piste umgestalteten. Im Herbst 1964 waren die Arbeiten abgeschlossen; am 3. Oktober 1964 wurde der Flugplatz mit einem neuen Tower eingeweiht. Anfang der 1970er-Jahre wurde die Bahn um 80 Meter auf 705 Meter verlängert und am 15. Juli 1973 in Betrieb genommen. Der bis dahin umfangreichste Ausbau war 1989 abgeschlossen: Die Landebahn wurde auf 860 Meter verlängert und an beiden Enden um je 30 Meter breite Sicherheitsstreifen ergänzt, hinzu kamen eine Nachtflugbefeuerung sowie ein neuer Tower mit Betriebsgebäuden. Seit 2001 ist Instrumentenflugbetrieb möglich, was vor allem der Geschäftsfliegerei zugutekommt. 2003 ersetzte ein Parallelrollweg den bis dahin unbefestigten Rollweg zur Piste 30.
Der Flugplatz steht seit 1912 im Eigentum der Stadt Coburg; die Fachaufsicht führt das Luftamt Nordbayern. Die Platzhalterschaft wechselte mehrfach: 1964 ging sie erstmals von der Stadt an den Aero Club Coburg über, 1988 kehrte sie zur Stadt zurück, zum 1. Januar 2001 übernahm sie erneut der Aero Club. Seit dem 1. April 2020 betreibt die eigens gegründete SÜC Verkehrslandeplatz GmbH, eine Gesellschaft der Städtischen Überlandwerke Coburg, den Flugplatz.
Der Flugplatz hatte im Jahr 2011 rund 15.500 Starts und Landungen. Die Landebahn ist 632 Meter lang; Flugzeuge bis 2 Tonnen Höchstabflugmasse dürfen sie ohne Weiteres nutzen, bis 5,7 Tonnen ist eine vorherige Landeerlaubnis erforderlich.
Aufgrund der Plateaulage des Flugplatzes sowie der sehr kurzen Landebahn war die Brandensteinsebene ein Missionsflugplatz der Bundeswehr. Er wurde zum Training von Starts und Landungen von der Luftwaffe der Bundeswehr mit einer Transall C-160 angeflogen.
Veranstaltungen bis 2017 Airshow Coburg. Im Juni 2006 fand auf dem Flugplatz die Deutsche Segelflugmeisterschaft der Frauen statt.
Aus- bzw. Neubau Um die Wettbewerbsfähigkeit Coburgs zu erhalten, wurde ein Aus- bzw. Neubau eines Verkehrslandeplatzes angestrebt. Im Februar 2007 folgte die Einleitung eines Raumordnungsverfahren mit dem Abschluss im August 2007. Als Standorte wurden Neida (nordwestlich von Coburg), Gossenberg (südwestlich der Stadt) und Bieberbach (östlich von Coburg) überprüft. Ein Ausbau des bestehenden Verkehrslandeplatzes Coburg-Brandensteinsebene wurde im Juni 2008 vom Coburger Stadtrat einstimmig abgelehnt. Durch den Ausbau hätte höchstens eine Länge von 1200 Meter für die Start- und Landebahn anstatt der angestrebten 1800 Meter erreicht werden können. Aufgrund der erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen, zum Beispiel Aufschütten größerer Mengen an Erdreich, würde eine Flugplatzerweiterung ungefähr genauso viel kosten wie ein Neubau im Umland mit um 50 % längerer Start- und Landebahn (1800 m). Ein Ausbau des Segelfluggeländes Coburg-Steinrücken ist aufgrund benachbarter Naturschutzgebiete und der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt nicht möglich.
Zu Beginn des Jahres 2010 wurde bekannt, dass die für den Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene seit 2001 gültige Ausnahmegenehmigung für den Flugbetrieb nach den Vorschriften für den Instrumentenflug über Dezember 2010 hinaus von Seiten des Bundesministeriums für Verkehr nicht mehr verlängert werden würde, da es bisher keine Anstrengungen erkennen konnte, „einen richtlinienkonformen Zustand dieses Verkehrslandeplatzes herzustellen.“ Daher beschlossen sowohl der Coburger Stadtrat als auch der Kreistag, gemeinsam mit den Unternehmen Kapp Werkzeugmaschinen und Brose Fahrzeugteile sowie der Industrie- und Handelskammer zu Coburg eine Projektgesellschaft zur Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens bezüglich eines Flugplatzneubaus am Standort Neida zu gründen. Im Juli 2010 teilte das bayerische Wirtschaftsministerium mit, dass es die Ausnahmegenehmigung auch über das Jahr 2010 hinaus gegenüber den zuständigen Entscheidungsstellen befürworten würde. Ende Oktober 2014 wurde beim Luftamt Nordbayern in Ansbach der Antrag auf Planfeststellung für den Neubau eines Verkehrslandeplatzes bei Neida, als Ersatz für den Flugplatz Coburg-Brandensteinsebene, eingereicht. Der Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens wurde 2019 zurückgenommen, da das Luftamt Nordbayern den Instrumentenflugbetrieb am Flugplatz Bamberg-Breitenau genehmigte.
Am 29. Dezember 2010 wurden per NOTAM alle Instrumentenflugverfahren (An-/Abflug) eingestellt. Der Flugplatz war damit bis auf weiteres nur für den Verkehr nach Sichtflugregeln zugelassen. Nachdem der Umbau mit einer Verkürzung der zuvor 860 Meter langen Start-/Landebahn Anfang Juli fertiggestellt und vom Luftamt Nordbayern abgenommen wurde, sind am AIRAC-Termin 26. Juli 2012 die neuen IFR-Anflugverfahren für die Landebahn 30 in Kraft getreten. Neben der Verkürzung der Bahn auf 632 Meter wurde auch eine verkürzte Anflugbefeuerung für die Hauptlanderichtung 30 in Betrieb genommen. Eine 150 Meter längere Anflugbefeuerung auf Masten folgte am 1. Januar.
Von Anfang Juni 2022 bis Ende September 2022 war der Flugbetrieb für die Sanierung der Landebahn komplett eingestellt.
Der Platz ist für Instrumenten- und Sichtflugbetrieb zugelassen. Bodengebundene Funknavigations- und Landehilfen bestehen nicht; der Instrumentenanflug auf die Bahn 30 erfolgt satellitengestützt als RNAV-(GPS)-Anflug, ebenso die Abflugverfahren beider Betriebsrichtungen.
Weblinks
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Einzelnachweise
Coburg-Brandensteinsebene Coburg-Brandensteinsebene Kategorie:Verkehr (Coburg) Coburg Brand