Die Liste deutschsprachiger Redewendungen führt vor allem Wortlaut, Bedeutung und Herkunft von Redewendungen in der deutschen Sprache auf, deren Sinn sich dem Leser nicht sofort erschließt oder die nicht mehr in der ursprünglichen Weise verwendet werden. Zu einigen gibt es mehrere Deutungsversuche, von denen nicht alle wiedergegeben werden können. Auf eindeutige oder banale Redewendungen wie von Kindesbeinen an oder in der Versenkung verschwinden wird hier nicht eingegangen, ebenso wenig auf Fäkal- und Gossenjargon, reine Szenensprache (im Gefängnis, Drogenmilieu, Schulhof etc.) sowie Injurien. Einzelworte wie Potzblitz! oder Kraftworte sind hier unerwünscht.

Geflügelte Worte, also zur Redewendung gewordene literarische Zitate, stehen in der Liste der geflügelten Worte.

Die Einträge sind alphabetisch nach dem fett hervorgehobenen Wort sortiert (meist ist es das erste Substantiv). Die Bedeutung wird möglichst knapp erläutert.

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mini|hochkant=0.7|08/15: Das Maschinengewehr Typ MG 08/15 war das leichte Standard-MG des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg 08/15 (Gesprochen: Null-acht-fünfzehn/fuffzehn) – mittelmäßig, einfach, gewöhnlich, standardisiert, nichts Außergewöhnliches.Stefan Gottschling: Lexikon der Wortwelten. Das So-geht’s-Buch für bildhaftes Schreiben. 2. Auflage. SGV-Verlag, Augsburg 2008, S. 56 f.

A Das A und O – das Wesentliche, Wichtigste, bleibend Gültige. Das griechische Alphabet beginnt mit Alpha (= A) und endet mit Omega (= O). Siehe auch: Alpha und Omega. Sprichwörtlich geworden durch den Bibelvers „Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr …“ Es ist noch nicht aller Tage Abend – ein sicher scheinender Umstand ist noch lange nicht endgültig. Hiermit geht man davon aus, dass die Apokalypse, auch mit dem „jüngsten Tag“ oder „aller Tage Abend“ umschrieben, noch fern ist und sich bis dahin noch viel Unerwartetes ändern kann. Jemandem eine Abfuhr erteilen – ihn in der Rede oder in einer Auseinandersetzung schlagen, oder aber auch: ihm eine Bitte abschlagen. Aus der Studentensprache, wo der in der Mensur unterlegene „Paukant“ aus dem Saal geleitet/abgeführt wird. Etwas abklappern – auf der Suche nach etwas oder jemandem (alle) in Frage kommenden Stellen nacheinander aufsuchen; oft auch dabei sich erkundigen / danach fragen. Bei der Treibjagd wurde das Wild mit Holzklappern aus dem Unterholz gejagt. Etwas abkupfern – nachahmen, kopieren, plagiieren. Der Kupferstich war in der früheren Neuzeit die führende Technik zum Vervielfältigen von Bildern. Das ist Ablage P – etwas wird nicht mehr benötigt und kann entsorgt werden. Aus der Bürosprache, P steht hier für Papierkorb. mini|hochkant=0.5|Abrahams Schoß:Lazarus und der reiche Mann. In der Mitte rechts eine Darstellung von Abrahams Schoß. Evangeliar von Echternach, ca. 1035–1040. Sicher wie in Abrahams Schoß – sich fühlen wie im Paradies. Nach dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus im Lukasevangelium . Da warst du noch in Abrahams Wurstkessel – da warst du noch nicht gezeugt. Vermutlich nach dem Hebräerbrief des neuen Testaments. Darin ist die Rede davon, dass Levi zu der Zeit, als sein Urgroßvater Abraham dem Hohenpriester Melchisedek begegnete, noch „in Abrahams Lende“ war . Sich etwas abschminken können – eine Hoffnung aufgeben müssen. Zumeist als Reaktion auf die Äußerung eines Wunsches oder einer Absicht mit den Worten „Das kannst du dir abschminken“. Jemanden mit etwas abspeisen – jemandem weniger zukommen lassen, als er sich erhofft. Es soll aus landschaftlich unterschiedlich gehandhabtem Brauch herrühren, dem Brautwerber durch eine minderwertige Mahlzeit die Ablehnung seines Wunsches kundzutun. Mit Ach und Krach – gerade eben noch. Verkürzung von „mit Ächzen und Krächzen“. Auf Achse sein (z. B. ‚er ist ständig auf Achse‘) – unterwegs sein, nicht greifbar sein. Mit Achse ist ein (rollendes) Fahrzeug gemeint. Sich vom Acker machen – sich davonstehlen. Im Soldatenjargon wurde das Übungsgelände auch Acker genannt. Wer sich vom Acker machte, der drückte sich und war nicht selten fahnenflüchtig. Jemanden zur Ader lassen – ihn finanziell „erleichtern“, ausbeuten. Bader beherrschten die Kunst des Aderlasses und des Schröpfens, die sie sich gut honorieren ließen. Aussehen wie ein Affe auf dem Schleifstein – ungewöhnliche oder unbequeme Fortbewegungsart, vor allem in Verbindung mit Zweirädern; seltsame Sitzposition. Abgeleitet vom dressierten Affen eines Scherenschleifers. Den Affen für jemanden spielen – einer anderen Person gehorchen, sich für diese unter Umständen auch lächerlich machen. Auf Jahrmärkten traten früher häufig Gaukler mit Tieren wie Affen auf, die alle möglichen Kunststücke vorführen mussten, für die sie teilweise schikanös dressiert worden waren. Dem Affen Zucker geben – im Rausch ausgelassen lustig sein. Bei Theodor Fontane kommt die Wendung mehrfach vor (Da habe ich demissioniert und dem Affen meiner Eitelkeit das Zuckerbrot gegeben.). Den Affen loslassen – lustig sein, sich einen vergnügten Tag machen. Ein Affentheater aufführen – ein übertriebenes Gebaren zeigen. Einen Affenzirkus veranstalten – viel Getue um eine Sache machen. Sich einen Affen holen bzw. einen Affen sitzen haben – sich betrinken bzw. betrunken sein. Entweder abgeleitet von der angeblichen Trunksucht der Affen oder von der umgangssprachlichen Bezeichnung „Affe“ für einen Tornister von Soldaten. Ich denke, mich laust (kratzt) der Affe – Ausdruck hochgradiger unangenehmer Überraschung. Die Redewendung ging im 19. Jahrhundert von Berlin aus, wo die Wendung „Ik denke, der Affe laust mir“ gängig war. Sich zum Affen machen – sich lächerlich machen. Im Ruhrgebiet auch: sich zum (Voll-) Horst machen, identische Bedeutung. Affenliebe – übertriebene Liebe. Eine Affenschande – eine offenbare Schande. Drei Affen – Versinnbildlichung, nichts (Böses) sehen, hören oder sagen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche – darauf kannst du dich verlassen. Mit Amen (frei übersetzt aus dem hebräischen: so soll es sein) enden liturgische Gebete, dieses Wort kommt also mit Sicherheit in jedem Gottesdienst einige Male vor. Der Amtsschimmel (wiehert) – die Bürokratie zeichnet sich durch Umständlichkeit und Prinzipienreiterei aus. Verballhornung des Wortes „Simile“ (lat. similis = ähnlich) für ein Musterformular in Österreich, nach dem die einzelnen Vorgänge bearbeitet wurden. Dieses musste vielen Situationen gerecht werden und war daher entsprechend umfangreich.Amtsschimmel wiehert. In: Berliner Zeitung. 19. April 1995. Anglerlatein – Entsprechung zu Jägerlatein. (etwas) anzetteln – heimlich und hinterrücks etwas planen, absprechen, beginnen. Aus der handwerklichen Weberei. Sobald der Weber vollständig angezettelt (also die Kettfäden eingehängt) hatte, musste der Auftraggeber den Stoff so wie bestellt abnehmen. Äpfel mit Birnen vergleichen – Unvergleichbares miteinander vergleichen. In den sauren Apfel beißen – etwas Unangenehmes notgedrungen tun. Etwas für einen Apfel und ein Ei (ver)kaufen – etwas spottbillig veräußern oder erwerben. Äpfel und Eier kosten relativ wenig. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (ironisch: vom Pferd, vom Birnbaum) – wenn z. B. Kinder charakterlich den Eltern ähneln. Apfel der Zwietracht, Zankapfel – zentraler Punkt einer Auseinandersetzung. Das ist ein Armutszeugnis für ihn – das zeigt, wie unfähig er ist. Das Armenrecht ermöglichte nach Vorlage einer Bescheinigung der Wohngemeinde, Armutszeugnis genannt, und bei hinreichender Erfolgsaussicht das vorläufig kostenlose Führen eines Zivilprozesses. Sich etwas aus dem Ärmel schütteln – etwas erfinden, sich etwas schnell ausdenken, um sich aus einer schwierigen Situation zu befreien. Nach einem möglichen Betrug beim Kartenspiel: Bei einem schlechten Blatt behilft man sich mittels zuvor im Ärmel versteckter guter Karten. Eine noch ältere Deutung besagt, dass zu Zeiten, als die Gewänder weite Ärmel hatten, darin nicht nur die Hände gewärmt, sondern auch kleinere Gegenstände darin verstaut werden konnten, welche man dann wieder aus dem Ärmel schüttelte. Man sollte ihn mit Argusaugen bewachen – man sollte ihn gut beobachten. Argos wurde in der griechischen Mythologie von Hera beauftragt, Io zu überwachen, damit es nicht zu einem Schäferstündchen mit ihrem Gatten Zeus kommt. Einige seiner 100 Augen blieben immer wach, während die anderen schliefen. Sich den Arsch aufreißen (vulgär) – sich sehr anstrengen, sich sehr große Mühe geben. Am Arsch der Welt/Erde (derb) – abseits der Zivilisation, abgelegen. Umschrieben auch: Wenn die Welt einen Einlauf bräuchte, dort würde er gemacht. Jemand/etwas geht jemandem am Arsch vorbei – das ist mir egal. Vulgäre, betonte Form der Gleichgültigkeit. Jemandem geht der Arsch auf Grundeis – in unangenehmer Situation sein. Zitat: Dir wird noch der Arsch auf Grundeis gehen = Dir wird noch himmelangst werden.Aus: Wie der Deutsche spricht. Phraseologie der volkstümlichen Sprache. Ausdrücke, Redensarten, Sprichwörter und Zitate aus dem Volksmunde und den Werken der Volksschriftsteller. Gesammelt und erläutert von S. Hetzel, 1896. Siehe auch wikt:jemandem geht der Arsch auf Grundeis. Die Arschkarte haben – den entscheidenden Nachteil, das Nachsehen haben. Um beim Zeigen einer verwarnenden gelben Karte, meistens gezogen aus der Brusttasche, das versehentliche Ziehen einer roten Karte, die einen Verweis von der Spielfläche zur Folge hat, zu vermeiden, bewahren Sportschiedsrichter letztere zumeist in der Gesäßtasche auf. Asche auf dein Haupt – schäm dich! Meist eher ironisch verwendet. Oft auch in der Version „sich Asche aufs Haupt streuen“. Abgeleitet von in der Bibel geschilderten Trauerriten . Noch ein Ass im Ärmel haben – etwas Großes/ein überzeugendes Argument zurückhalten, um es im richtigen Moment zur Überraschung (anderer) einzubringen. Das Auge des Gesetzes – die Polizei. Die Wendung „das Auge des Gesetzes wacht“ findet sich in Schillers Lied von der Glocke. Ein Auge auf jemanden/etwas werfen – Gefallen an jemandem oder etwas finden. Diese Wendung stammt aus der Geschichte von Susanna im Bade, einem apokryphen Anhang zum biblischen Buch Daniel. Dort heißt es: „Und als die beiden Ältesten sie täglich darin umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr und wurden darüber zu Narren und warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten.“Luther 1984: Stücke zum Buch Daniel 1,8–9, vgl. Einen Augiasstall ausmisten – großen Dreck oder Unordnung beseitigen. Herakles brachte es nach der griechischen Sage fertig, in kürzester Zeit die Ställe des Augias, in denen 3000 Rinder gehalten worden sein sollen, von allem Unflat zu reinigen, indem er einen Fluss durchleitete. Etwas ausbaden müssen – für etwas übermäßig oder ungerechtfertigt bestraft werden. Bis in die Neuzeit war es nicht unüblich, dass mehrere Personen nacheinander das gleiche Badewasser benutzen mussten. Die letzte Person in der Reihenfolge bekam das kühlste und schmutzigste Badewasser und musste zudem noch ausbaden, d. h. die Wanne reinigen und an ihren Platz zurückbringen. Ein Ausbund von/an Frechheit (Schlechtigkeit, Tugend, Güte, Gelehrsamkeit) sein – sich in der besagten Disziplin besonders hervortun. Als Waren noch in undurchsichtigen und häufig unbedruckten Behältnissen verkauft wurden, wurde oft ein für das Auge besonders hübsches Warenmuster daran angebunden. Einen Fehler ausmerzen – etwas gut machen, ausbügeln. Die Herkunft ist ungewiss; vielleicht, weil im Monat März Schafe aussortiert wurden, die zur weiteren Zucht nicht taugten. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Verb ausmerzen benutzt, um die Verfolgung und Ermordung von Juden, Geisteskranken, politischen Gegnern und anderen „unerwünschten“ Personen zu beschreiben.