Die 20. Waffen-Grenadier-Division der SS (estnische Nr. 1) () war eine Grenadier-Division der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil der Truppen und Offiziere bestand aus estnischen Freiwilligen und zum Wehrdienst eingezogenen Esten.
Geschichte Von Oktober 1942 bis Mai 1943 hatte bereits die Estnische Legion genannte Einheit bestanden, die am 5. Mai 1943 in die 3. Estnische SS-Freiwilligen-Brigade umgewandelt wurde. Zur Division wurde die Einheit am 24. Januar 1944 unter dem Namen 20. Estnische SS-Freiwilligen-Division erklärt. Am 26. Mai 1944 erhielt sie den Namen 20. Waffen-Grenadier-Division der SS (estnische Nr. 1). in der Beständeübersicht des Bundesarchivs. Ein estnisches Bataillon „Narwa“ war Teil der SS-Division „Wiking“ gewesen.
Bereits ab Februar 1944 wurde die Division, zunächst noch in ihrer Gliederung als Brigade, an der Narwa eingesetzt. Beim Durchbruch der Roten Armee im Bereich Sillamäe wurde auch die 20. Waffen-Grenadier-Division der SS massiv geschwächt und schließlich zerschlagen.
Der Panzerjäger-Abteilung der Division wurden im August 1944 für eine Neuausrüstung vierzehn Jagdpanzer 38 zugeteilt.Spielberger: Leichte Jagdpanzer Bd. 14 Militärfahrzeuge 1992 S. 87
Am 6. Oktober 1944 erfolgte die Neuaufstellung in Neuhammer (Queis), Schlesien. Bis Januar 1945 kämpften Einheiten der Division in Ostpreußen. Als die sowjetische Großoffensive im Januar 1945 begann, verlegte man die Division nach Schlesien, wo sie als Kampfgruppe der 17. Armee unterstellt war.
Der Rückzug im Februar 1945 erstreckte sich in das Gebiet Striegau, wo Teile der Division mit dem Divisionsstab im Raum Neustadt O.S. von sowjetischen Verbänden eingekesselt wurden. Das SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiment 46 (estn. Nr. 2) kam den Eingekesselten zu Hilfe und kämpfte den Weg für einige Kampfgruppen und den Divisionsstab aus dem Kessel frei. Bei dieser Aktion wurde der Divisionskommandeur Franz Augsberger getötet. Bis zum Eintreffen seines Nachfolgers Berthold Maack übernahm Alfons Rebane als stellvertretender Kommandeur vorübergehend die Führung der Division. Die ausgebrochenen Kampfgruppen schlugen sich unter dem Verlust aller schweren Waffen nach Böhmen durch, wo sie am 11. Mai 1945 bei Mělník, nordöstlich von Prag in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten.J. Lee Ready: The Forgotten Axis. Germany’s Partners and Foreign Volunteers in World War II. Jefferson, North Carolina/London 1987, S. 491. Teilen der Division gelang die Flucht nach Westen in amerikanische Gefangenschaft.
Einsatzgebiete Januar bis März 1944: Aufstellung der Division im Bereich der Heeresgruppe Nord März bis September 1944: Einsatz im Nordosten Estlands November 1944 bis Mai 1945: Einsatz in Schlesien und Böhmen im Rahmen der Heeresgruppe MitteVgl.
Gliederung SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiment 45 (estnisches Nr. 1) SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiment 46 (estnisches Nr. 2) SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiment 47 (estnisches Nr. 3) SS-Freiwilligen-Artillerie-Regiment 20 SS-Freiwilligen-Divisions-Füsilier-Bataillon 20 SS-Panzerjäger-Abteilung 20 SS-Freiwilligen-Flak-Abteilung 20 SS-Freiwilligen-Pionier-Bataillon 20 SS-Nachrichten-Abteilung 20 Versorgungseinheiten 20
Kommandeure 20. August 1942 bis 19. März 1945: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Franz Augsberger 19. März 1945: SS-Sturmbannführer Hans-Joachim Mützelfeldt 20. März 1945 bis 8. Mai 1945: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS der Reserve Berthold MaackFür die Kommandeure siehe Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: Panzer, Panzer Grenadier, and Waffen SS divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 0-8117-3438-2, S. 171. Und: Andreas Schulz, Günter Wegmann, Dieter Zinke: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei: Lammerding-Plesch, Biblio-Verl., 2003, ISBN 3-7648-2375-5, S. 100.
Historische Einordnung und Beurteilung mini|Gedenkfeier mit Veteranen anlässlich des 65. Jahrestages der Kampfhandlungen bei Sinimäe am 26. Juli 2009 In Estland werden die Angehörigen der Waffen-SS heute vielfach als „Freiheitskämpfer“ betrachtet. Nationalistische Kräfte betreiben eine entsprechende öffentliche Ehrung als „Kämpfer gegen die kommunistische Diktatur“. Im März 2012 verabschiedete das Parlament eine Resolution, in der behauptet wird, die Angehörigen der 20. Waffen-SS-Division seien Freiheitskämpfer gewesen.https://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Estland/ss3.html Von estnischer Seite wird dabei stets betont, dass die Angehörigen nur für die Freiheit Estlands gekämpft und angeblich nichts mit den Kriegsverbrechen der SS zu tun gehabt hätten.
Literatur
Rolf Michaelis: Esten in der Waffen-SS. Die 20. Waffen-Grenadier-Division der SS (estnische Nr. 1). Winkelried-Verlag, Dresden 2006, ISBN 978-3-938392-22-5.
Karl H. Thiele: Beyond „Monsters“ and „Clowns“. The Combat SS. University Press of America, Lanham 1997, ISBN 0-7618-0529-X, S. 348 f.
Weblinks
20. Waffen-Grenadier-Division der SS (estnische Nr. 1) in der Beständeübersicht des Bundesarchivs www.eestileegion.com (estn. und engl.)
Einzelnachweise
#20 Kategorie:Ausländische Freiwilligeneinheit der Waffen-SS Kategorie:Estnische Militärgeschichte SS1 Kategorie:Gegründet 1944 Kategorie:Aufgelöst 1945