Lorber ist ein Familienname, der seine Wurzeln im deutschsprachigen Gebiet hat.
Namensherkunft und Bedeutung Der Name „Lorber“ leitet sich vermutlich vom Gewürz bzw. der Pflanze Lorbeer ab und könnte demnach auf eine Tätigkeit als Gewürzhändler verweisen.Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon. Familien- und Vornamen nach Ursprung und Sinn erklärt. Lizenzausgabe. Bindlach, Gondrom 1990, ISBN 3-8112-0294-4.
Mögliche Wurzeln In einschlägigen Büchern werden mehrere frühe Erwähnungen des Namens genannt: Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon: Godeke oder Godike Lorbere (Rostock 1293), Hermann Lorbere (Hannover 1312), Otto Lorberer (Brünn 1345) Freiherr zu Hammerstein: Die Besitzungen der Grafen von Schwerin: Conradus Lorber (Mankemus 1294), Johannes Lorbere und Hubertus Lorberen (Kloster Wienhausen 13. Jh.) Alphonse Lorber: Chronik des Dorfes Ebersheim: Ulricus Lorber (Straßburg 1316) Duden, Lexikon der Familiennamen: H. Lorber (Nürnberg 1363)
Es fällt auf, dass die ersten Erwähnungen geographisch recht weit auseinander liegen. Das könnte zum einen darauf hindeuten, dass mehrere Familien unabhängig voneinander diesen Namen wählten. Andererseits weist Hans Bahlow in seinem „Deutschen Namenlexikon“ auf eine Tätigkeit als Gewürzhändler hin, was eine bereits früh erfolgte weite Streuung einer zusammenhängenden Familie erklären könnte. Hierfür spräche, dass Straßburg bereits im Mittelalter eine Drehscheibe des Handels mit Gewürzen (darunter aus Lorbeer) aus der Mittelmeerregion mit dem Heiligen Römischen Reich war. Ein Indiz für den Händlerstand kann auch gelten, dass die frühen Lorber meist als ratsfähige Bürger genannt werden oder in anderen eher gehobenen Stellungen auftauchen: 1293 in Rostock als Grundbesitzer in der Krämerstraße, 1294 als Lehnsleute der Grafen von Schwerin,Wilhelm von Hammerstein-Loxten: Die Besitzungen der Grafen von Schwerin am linken Elbufer, 1860, S. 146 1316 in Straßburg als Priester, ab ca. 1400 Ratsherren in Bamberg (dort auch als Kupferhändler nachgewiesen)Hans Paschke: Uff der Greten zu Bamberg, Bamberg, 1962, S. 50ff, 1432 Bürger in Hameln,Geschichte Niedersachsens, Band X. Urkundenbuch des Stiftes und der Stadt Hameln. Zweiter Teil 1408–1576. Hahn’sche Buchhandlung, Hannover und Leipzig, 1903. 1439 Bürgermeister in Landshut,Otto Titan von Hefner, Denkwürdiger und nützlicher Bayerischer Antiquarius, 2. Band, München, 1867 1507 Ratsherren in Stralsund, 1514 Bürgermeister in Rastenberg.
Diese Überlegungen führen zu drei möglichen Theorien: Ursprung im Norden Deutschlands / Dänisches Geschlecht: Tatsächlich finden sich die frühesten erhaltenen Urkunden aus dem Ende des 13. Jahrhunderts in der Grafschaft Schwerin und den benachbarten Gebieten der Herrschaft Rostock und des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Für diese Herkunft spricht auch der Vorname „Godike“ in der frühesten Erwähnung, der außerhalb dieser Region kaum nachgewiesen wird. Im Eintrag von Christoph Lorbeer in der Allgemeinen Deutschen Biographie ist von einer Herkunft aus einem dänischen Rittergeschlecht die Rede. Tatsächlich stand Rostock seit Ende des 12. Jahrhunderts und die Grafschaft Schwerin zwischen 1202/1203 bis 1225 zeitweilig unter dänischer Herrschaft. Möglicherweise gelangten die Vorfahren der Lorber also als Streiter des dänischen Königs nach Süden. Später scheinen sie eine Tätigkeit als Gewürzhändler aufgenommen zu haben, was auch die Namensgebung erklären würde. In diesem Zusammenhang ist denkbar, dass ein Familienteil in die damals blühende Handelsstadt Straßburg entsandt wurde um von dort den Handel mit dem vermutlich aus Südeuropa importierten Gewürz zu unterstützen. Dies würde die seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisbare Erwähnung des Namens in der Elsassmetropole erklären. Getrennte Familien im Norden und im Elsass: Angesichts der recht großen räumlichen Entfernung der frühen Erwähnungen kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich dabei um eine zufällige Namensgleichheit handelt. Möglicherweise von mindestens zwei unabhängig voneinander entstandenen Gewürzhändlerfamilien.
Bekannte Familienstämme Norddeutsche Lorber 300px|miniatur|rechts|Epitaph des Christoph Lorber († 1555) in der St.-Nikolai-Kirche Stralsund
Die frühesten Quellen finden sich im Gebiet des heutigen Mecklenburg und des östlichen Niedersachsen. In der frühesten erhaltenen Erwähnung hat Godike Lorbere 1293 in Rostock Grundbesitz in der Krämerstraße veräußert. Ein Hinweis auf eine Tätigkeit als Krämer, möglicherweise als namensgebender Gewürzhändler. Nahezu zeitgleich wird Conradus Lorber als Untertan des Grafen von Schwerin erwähnt, ebenso wie weitere Namensvettern im Nekrolog des Klosters Wienhausen bei Celle.
Christoph Lorber oder Lorbeer († 1555), Sohn von Olof Lorber und Gertrud Swarte, wird 1507 Ratsherr und 1524 Bürgermeister in StralsundSiebmachers Wappenbuch, Band V 3, Tafel 10. Seine Vorfahren sollen der Überlieferung nach aus Dänemark stammen. Eine Verbindung zu den eben genannten frühen Vertretern erscheint daher wahrscheinlich, denn diese Gebiete, insbesondere die Grafschaft Schwerin, standen zeitweilig unter dänischer Herrschaft.
Überliefert sind Ratsherren und Kleriker in frühen Jahrhunderten auch in anderen Orten Norddeutschlands, etwa im Kloster Riddagshausen und Hameln.Fr. Sprenger: Geschichte der Stadt Hameln, Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover, 1826
Es ist bislang unklar, ob aus diesen norddeutschen Familienmitgliedern noch direkte Nachfahren existieren.
Weitere erwähnenswerte Angehörige dieses Familienstammes
Johannes Lorber († 1535) – von 1506 bis 1529 letzter katholischer Propst des Benediktinerinnenklosters Lüne Johannes Lorber († 1586) – von 1557 bis 1586 erster evangelischer Abt des Zisterzienserklosters RiddagshausenInge Mager: Die Konkordienformel im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen, 1993, S. 56 Melchior Gerhard Lorbe(e)r (* 1650 oder 1651 in Hameln; † 1701 in Stuttgart) – Buchdrucker und Herausgeber einer ZeitungChristoph Reske: Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet, Harrassowitz, Wiesbaden, 2007, S. 913
Elsässer Lorber Um 1316 wird in Straßburg ein Ulricus Lorber als Priester und Staatsanwalt im Kloster St. Etienne genannt.Alphonse Lorber: Chronik des Dorfes Ebersheim, Imprimerie Alsatia, Sélestat, 1963, S. 251 In dieser Region ist die Familie bis heute nachweisbar, etwa in Colmar oder in Ebersheim, wo sie bereits seit Ende des 15. Jahrhunderts nachgewiesen werden kannAlphonse Lorber: Chronik des Dorfes Ebersheim, Imprimerie Alsatia, Sélestat, 1963, S. 245.
1374 wurde der damalige Bischof von Straßburg Lamprecht von Brunn zum Bischof von Bamberg ernannt. In seiner Regierungszeit tauchen die ersten Namensträger im Hochstift Bamberg auf: 1385 Heintz und Alheyd Lorber91. Bericht des Historischen Vereins Bamberg, 1951, S. 247, Clas bzw. Niklas Lorber als Küchenmeister des Bischofs zu Bamberg und Cuntz bzw. Konrad Lorber, im vom Bischof für das Bistum neu erworbenen Dorf Stübig. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass diese Familie in Begleitung des Bischofs nach Franken gelangte, wo bis heute viele Nachkommen zu finden sind.
Die Fränkisch-Städtische Linie (Nachkommen von Clas Lorber) 300px|miniatur|rechts|Wappen des Bamberger Familienzweiges in seiner Urform ohne Besserung aufgrund der Adelserhebung Clas Lorber wurde zuerst 1394 in Quellen genannt.Genealogisches Handbuch des Adels. Band VIII, C.A. Starke Verlag Die Familie blieb auch weiterhin im Dienst der Fürstbischöfe und stieg rasch bis in die Reihen der ratsfähigen Bürger der Stadt auf. Bereits 1412 wird Clas Lorber (vermutlich der besagte Küchenmeister) als Schultheiß in Bamberg genannt.
Die Familie scheint neben ihrer Stellung im Rat rasch zu Wohlstand gekommen zu sein. 1445 stiftet die Familie der Oberen Pfarre eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Pankratius. 1462 wird am heutigen „Am Kranen 14“ – dem damaligen Stadthafen am Ufer der Regnitz – der „Kupferhof der Lorber“ genannt. Diese wohl dem Kupferhandel dienende Faktorei ist bis mindestens bis 1635 in Familienbesitz geblieben.
Pankraz Lorber wird 1546 als Besitzer des „Hauses unter den Störchen“ in der heutigen „Dominikanerstraße 4“ verzeichnet. Inzwischen befindet sich in diesem Gebäude das wohl bekannteste Bamberger Gasthaus, das „Schlenkerla“.
Nachdem die Familie seit Generationen zu den führenden Geschlechtern Bambergs gehört hatte, wurde sie am 1. September 1571 durch Kaiser Maximilian II. in den Adelsstand erhoben. Die Urkunde nennt die fünf damals lebenden Söhne von Pankraz Lorber als Empfänger des Adelsdiploms. Im Zuge der Erhebung wurde auch das Wappen der Familie gebessert. Das Schild (fünf silberne Lilien auf rotem Grund) wurde belassen, der Wulst wurde von einer Adelskrone ersetzt, die ursprünglich einheitlich silbernen Büffelhörner in der Helmzier wurden nun abwechselnd rot-silber geteilt und zwischen ihnen wurde eine weitere silberne Lilie hinzugefügt.Adelsmatrikel von Lorber. (Nr. L 31), Bayerisches Hauptstaatsarchiv München
Zur Unterscheidung zu den daneben existierenden bürgerlichen und bäuerlichen Namensvettern, führte die Familie die Bezeichnung „Lorber von Störchen“. Der Beisatz dürfte entweder auf den ersten bekannten Wohnsitz in der Austraße 33 (der 1571 allerdings nicht mehr von der Familie bewohnt wurde) oder auf das bereits erwähnte „Haus unter den Störchen“ in der Dominikanerstraße hinweisen. Dieses Anwesen wurde 1677 an den Dominikanerorden verkauft.
Michael Lorber von Störchen, ein Sohn eines der geadelten Brüder, hat 1613 ein Namenbuch der Familie verfasst. Zu den Familienschätzen gehörte zudem eine silberne Schale „von 2 Mark und 1 Loth Gewichts“, welche Michael, Pankraz und Jobst Justus Lorber in ihrem Testament verfügten. Die Schale zeigte die Wappen der Familie Lorber und der eng verwandten Haller, und die auf den jeweils ältesten der Familie vererbt werden sollte.Anton Schuster: Alt Bamberg. Band 4, S. 105f.
Die Lorber von Störchen brachten im Laufe der Jahrhunderte viele Gelehrte hervor, vor allem die Juristen und Hofräte Johann Thomas Jakob Lorber von Störchen (1695–1734) oder dessen Sohn Johann Ignatz Christoph Nepomuk Lorber von Störchen (1725–1797), dessen Grabmal sich noch an der Oberen Pfarre zu Bamberg befindet.
Die Lehen der Familie waren über das Bamberger Hochstift verstreut. Neben Häusern und Feldern in Bamberg, wurden auch Besitzungen in Zeil am Main und Scheßlitz erwähnt. Letzter Familiensitz war der „Lorberhof“ am Jakobsplatz 15 in Bamberg. Anders als der bis heute überlieferte (wenngleich ungebräuchliche) Hausname vermuten lässt, war er jedoch nur wenige Jahrzehnte Wohnstätte der Familie und dient heute dem Don Bosco St.-Josefs-Heim als Jugendunterkunft.
Mit dem Ende des Hochstifts Bamberg und der Eingliederung der Stadt in das Königreich Bayern 1803 scheint auch die Bedeutung der Familie zu schwinden. Die letzten bekannten Vertreter des Geschlechtes waren Ignaz Nepomuck Lorber von Störchen (1788–1857), ein königlich-bayrischer Rittmeister, der am 3. Juni 1857 starb und seine Schwester Elisabetha von Poschinger, geborene von Lorber (1790–1859). Ignaz Nepomuck bezeichnet sich, in seinem Antrag auf Anerkennung seines Adelstitels, den er an den König von Bayern richtete, selbst als letzten männlichen Erben seines Geschlechtes.Adelsmatrikel von Lorber. (Nr. L 31), Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Er und seine Gattin Maria Karolina Kreß von Kressenstein hinterließen eine Tochter Maria Karoline Helena, deren Spuren sich nach ihrer Heirat mit Ferdinand Freiherr von zu Rhein 1883 in Augsburg verlieren. Das Adelsgeschlecht war mit ihr erloschen.Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon. Band 6: Loewenthal – Osorowski. Voigt, Leipzig, 1865, S. 12 (Unveränderter Nachdruck: Verlag für Kunstreproduktionen Schmidt, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-89557-018-4)