mini|Wiktor But (2010) Wiktor Anatoljewitsch But (, oft auch in französischer Transkription Viktor Bout oder Viktor But; * 13. Januar 1967 in Duschanbe, Tadschikische SSR) ist ein russischer Transportunternehmer, Waffenhändler und früherer Sowjetoffizier. Er trägt auch den Spitznamen Merchant of Death, zu deutsch Händler des Todes, den er vom britischen Minister Peter Hain erhielt.„Händler des Todes“ zu 25 Jahren Haft verurteilt. In: Spiegel Online vom 6. April 2012. But betrieb seine Geschäfte bis zu seiner Verhaftung im Jahre 2008 teilweise ungehindert auch mit direkten Konfliktgegnern in Kriegen weltweit.

Am 2. November 2011 wurde er, unter anderem wegen Verschwörung zum Mord und Waffenhandel, von Geschworenen schuldig gesprochen. Das Bundesgericht in New York verkündete am 5. April 2012 das Mindeststrafmaß von 25 Jahren Haft sowie eine Geldstrafe in Höhe von 15 Millionen US-Dollar.25 Jahre Haft für „Händler des Todes“, in: Handelsblatt vom 6. April 2012. But wurde im Dezember 2022 in einem Gefangenenaustausch freigelassen. Der zwischen den USA und Russland vereinbarte Austausch fand am Flughafen von Abu Dhabi statt.

Leben Wiktor But wurde am 13. Januar 1967 in Duschanbe als Sohn russischer Eltern geboren, es existieren jedoch auch andere Angaben zu seiner Geburt. Nachdem seinen Vorgesetzten sein besonderes Talent für Fremdsprachen aufgefallen war, besuchte er das sowjetische Militärinstitut für Fremdsprachen in Moskau.Das private Filmarchiv des Waffenhändlers Wiktor But. In: Spiegel TV Magazin vom 30. Januar 2011; Video online Teil 1, Teil 2 Im Anschluss besuchte er eine sowjetische Militärakademie. But hat einen Abschluss in Wirtschaft und spricht sechs Sprachen. Er war bis 1991 bei einem sowjetischen Luftwaffenregiment, davon zwei Jahre in Mosambik, gegen Ende des Bürgerkriegs. Es wird zum Teil berichtet, But sei Major des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen,Thailand holds ‘top arms dealer’, BBC News, 6. März 2008. Abgerufen am 14. März 2009. er selbst besteht jedoch darauf, nie Verbindungen zum KGB gehabt zu haben.Der Todbringer. Begegnung mit Viktor Bout, SZ-Magazin vom 23. Oktober 2003. Abgerufen am 14. März 2009.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und Niedergang des Warschauer Pakts gründete er in Moskau ein Transportunternehmen. Er weitete die Geschäfte auf die Vereinigten Arabischen Emirate aus und verlegte später den Hauptsitz seiner Firma in das Emirat Schardscha. Dort wuchs Buts Firma bis 1996 zum größten Lufttransportunternehmen des Emirats mit zeitweise 60 FlugzeugenWaffen für die Welt. Der Händler des Todes – der Fall Viktor Bout, Telepolis vom 8. März 2009. Abgerufen am 14. März 2009. und bis zu 1000 Angestellten.

Waffenhandel Nach den Anfängen im gewöhnlichen Transportunternehmen weitete But seine Geschäfte auf den Waffenhandel aus. Nach dem Ende des Kalten Kriegs herrschten bei den Armeen der Staaten des Warschauer Pakts zum Teil chaotische Zustände. Anfang der 1990er Jahre ließen sich mit den entsprechenden Beziehungen zu Militärs Kriegswaffen aus den riesigen Arsenalen auf dem Gebiet der ehemaligen Ostblockstaaten und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion beschaffen. But erwarb Waffen unter anderem aus der Ukraine, Bulgarien, Rumänien, der Slowakei und Kirgisistan.

Die Abnehmer der von But gelieferten Waffen waren vor allem Konfliktparteien der diversen Bürgerkriege auf dem afrikanischen Kontinent. Berichten europäischer und amerikanischer Medien zufolge tätigte But Geschäfte unter anderem in Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Ruanda, Sudan und Uganda. In Angola, so wird berichtet, habe er gleichzeitig Rebellen und Regierung mit Waffen beliefert und so dazu beigetragen, den Konflikt nicht zur Ruhe kommen zu lassen.Flying anything to anybody, The Economist vom 18. Dezember 2008, www.economist.com/world/international/displaystory.cfm?story_id=12795502 (Inzwischen nicht mehr kostenfrei zu lesen). Abgerufen am 14. März 2009. Hervorzuheben sind ferner Buts Geschäfte in Liberia und Sierra Leone, die von einem Expertenausschuss der Vereinten Nationen (UN) untersucht und 2001 innerhalb eines Berichtshttp://www.un.org/Docs/sc/committees/Liberia2/1015e.pdf Report of the Panel of Experts pursuant to Security Council resolution 1343 (2001), paragraph 19, concerning Liberia, 26. Oktober 2001. Abgerufen am 24. März 2009. zur Lage in Liberia ausführlich dargelegt wurden, was später zu UN-Sanktionen gegen But und seine Unternehmen führte. Während des liberianischen Bürgerkriegs lieferte But demnach trotz eines von den UN verhängten Embargos Kriegsgerät an Charles Taylor, dessen Truppen neben anderen Kriegsverbrechen und Gräueltaten auch für Zwangsrekrutierungen von Kindersoldaten berüchtigt waren. Taylor unterstützte mit den von But gelieferten Waffen auch die Revolutionary United Front im Nachbarland Sierra Leone. But ließ sich dabei auch mit „Blutdiamanten“ bezahlen.Viktor Bout: From International Outlaw to Valued Partner, von John C.k. Daly, Global Policy Forum vom 21. Oktober 2004. Abgerufen am 23. März 2009. Stephen Rapp, Chefankläger der UN beim Sondergerichtshof für Sierra Leone, wirft But Verbrechen vor, die ihm langjährige Haftstrafen einbringen können.

Auch auf anderen Kontinenten vertrieb But Kriegsgerät. Nach amerikanischen Angaben verkaufte er auch Waffen an die kolumbianische Guerillabewegung FARC und belieferte die Hisbollah im Libanon. Buts Geschäfte in Afghanistan zeigen ein hohes Maß an Flexibilität, so belieferte er vor 1995 zunächst die Regierung von Präsident Burhānuddin Rabbāni. In der Folge zählten dann dessen Gegner, die Taliban, zu Buts Kundschaft, bis er 2001 seinen Kurs erneut den Machtverhältnissen anpasste und in Afghanistan nur noch die mit den Vereinigten Staaten verbündete Nordallianz versorgte. Inzwischen werfen die USA But auch die Ausrüstung anderer islamistischer Terrorgruppierungen vor, neben den Taliban auch Al-Qaida und Abu Sajaf auf den Philippinen.

But selbst dementierte bei seinen wenigen öffentlichen Äußerungen bisher meist jede Beteiligung an Waffengeschäften. In einem Radiointerview bei Echo Moskwy im Jahr 2002 bestritt But insbesondere, jemals die Taliban oder Al-Qaida beliefert oder Kontakte zu diesen Gruppierungen gehabt zu haben.Michael Wines: A Nation Challenged: A Suspect; Russian Goes on the Air To Deny Al Qaeda Ties, The New York Times, 1. März 2002. Abgerufen am 22. März 2009. Bei einem Gespräch mit dem US-Journalisten Peter Landesman im Jahr 2003 räumte But auf ein Nachhaken hin eine Beteiligung am Waffenhandel ein, erklärte aber, dass nach seiner Ansicht keines seiner Geschäfte illegal gewesen sei. Bei Interviews im März 2009 mit Nick Paton Walsh für den britischen Observer und Channel 4 News bestritt But zunächst wieder jede Beteiligung an Waffengeschäften und wiederholte, zu keinem Zeitpunkt Verbindungen zu Al-Qaida gehabt zu haben. But erklärte aber auf Nachfragen hin, nicht ausschließen zu können, dass ohne sein Wissen in seinen Flugzeugen Waffen transportiert worden seien. Später in dem Interview bestätigte er auch, 1996 Waffen nach Afghanistan an die Regierung geliefert zu haben.Nick Paton Walsh: ‘Merchant of Death’ denies arming terror, The Observer, 15. März 2009. Abgerufen am 23. März 2009.Nick Paton Walsh: ‘Merchant of death’ denies deals, Channel 4 News, 16. März 2009. Abgerufen am 23. März 2009.

Sanktionen und Verhaftung Im Jahr 2001 wurden in der Folge des UN-Expertenausschussberichts Wirtschaftssanktionen gegen But erlassen. Wegen seiner Geschäfte in Liberia wurde von der UNO ein Reiseverbot verhängtRevised list of persons affected by resolution 1343 (2001) on Liberia, 26. Dezember 2001. Abgerufen am 23. März 2009. sowie die Bankkonten Buts und verschiedener von ihm geführten Luftfrachtunternehmen eingefroren.List of individuals and entities subject to the measures contained in paragraph 1 of Security Council resolution 1532 (2004) concerning Liberia (The Assets Freeze List); The Assets Freeze List vom 14. Juni 2004, letzte Aktualisierung 16. Dezember 2009. Jeweils abgerufen am 21. August 2010.

2002 erließ Belgien einen Haftbefehl gegen But, ihm wurde Geldwäsche und Diamantenschmuggel vorgeworfen. Er setzte sich nach Russland ab, wo er keine Auslieferung zu befürchten hatte, und lebte in der folgenden Zeit in Moskau.

Buts Flugzeuge leisteten keineswegs ausschließlich Logistik-Dienste für Warlords und Diktatoren. Schon in den 1990er Jahren flog er auch UN-Friedenstruppen nach Somalia. Zu seinen Geschäftspartnern gehörte die britische Regierung, für die er Soldaten und Material in den Kosovo flog. Die US-Regierung nahm auch 2002, nach dem Inkrafttreten der ersten UN-Sanktionen, die Transportdienste von Buts Firmen in Anspruch. In den ersten Monaten nach dem Sieg der US-Truppen im Irakkrieg 2003 flogen Buts Flugzeuge Material für die amerikanische Armee, als andere Fluglinien den noch unsicheren Flughafen Bagdad nicht ansteuerten. 2004 und 2005 zählte der amerikanische Militärdienstleister KBR, zu jener Zeit noch ein Tochterunternehmen von Halliburton, zu Buts größten Kunden. 2004 unternahm die Regierung von George W. Bush sogar einen gescheiterten Versuch, die UN-Sanktionen gegen But aufheben zu lassen. 2004 begann dann allerdings die schrittweise Umsetzung der UN-Sanktionen gegen But in den USA. Im Juli 2004 erließ der US-Präsident die Executive Order 13348National Archives: Federal Register (69 FR 44885): Executive Order 13348 vom 27. Juli 2004 (PDF-Datei; 530 kB). Abgerufen am 21. August 2010. zur Umsetzung der UN-Resolutionen betreffs Liberia. In der Folge wurde But am 26. April 2005 schließlich vom US-amerikanischen Finanzministerium auf die schwarze Liste gesetzt, und die Bankkonten seiner Unternehmen wurden eingefroren.Treasury Designates Viktor Bout’s International Arms Trafficking Network, U.S. Department of the Treasury, 26. April 2005. Abgerufen am 21. August 2010.

Am 6. März 2008 wurde Wiktor But zusammen mit seinem Geschäftspartner Andrew SmulianEx-Associate Testifies Against Reputed Arms Trafficker. In: New York Times vom 25. Oktober 2011 in Thailand verhaftet.Times Topics: Victor Bout, The New York Times vom 6. März 2008. Abgerufen am 14. Februar 2009, Süddeutsche Zeitung vom 7. März 2008. Abgerufen am 14. März 2009. Die Festnahme gelang der thailändischen Polizei unter Mithilfe der US-amerikanischen Drogenbehörde DEA, die But vorwarf, auch Drogen als Bezahlung für Waffen zu akzeptieren und in seinen Flugzeugen zu transportieren. Nachdem sich Agenten der Behörde bei But erfolgreich als an einem Waffengeschäft interessierte Vertreter der kolumbianischen FARC vorstellen konnten, gelang es, ihn zu einem Treffen in Bangkok zu bewegen, was schließlich zu seiner Festnahme führte. Die Strafverfolger präzisierten im folgenden Gerichtsprozess in den USA, die als kolumbianische Rebellen getarnten Agenten hätten But mitgeteilt, dass sie von ihm unter anderem Flugabwehrraketen zum Abschuss von Passagierflugzeugen erwerben wollten. Dabei wollten sie „ein paar Amerikaner umbringen“. Nur weil But dagegen keine Einwände hatte, wurde trotz seiner Verhaftung in Thailand die Anklage in den USA möglich.Waffenhändler Bout muss mindestens 25 Jahre in Haft. In: Zeit Online vom 3. November 2011. Abgerufen am 3. November 2011.

Auslieferungsverfahren Die USA beantragten daraufhin seine Auslieferung und warfen ihm die Ausrüstung terroristischer Organisationen vor. Auch der Chefankläger der UN beim Sondergerichtshof für Sierra Leone hatte eine Auslieferung Buts an das Gericht in Den Haag beantragt.