mini|Hinweise an der Niedersächsischen Mühlenstraße Die Niedersächsische Mühlenstraße ist eine Ferienstraße, die die Besucher zu niedersächsischen Mühlen führen und so die Belange der Denkmalpflege mit denen des Tourismus vernetzen soll. Sie soll zusammen mit anderen bereits bestehenden Mühlenstraßen den Kern einer „Europäischen Kulturstraße der Mühlen (Via Molina)“ bilden.Gerhard Ströhlein: Mühlen im Untereichsfeld und die Niedersächsische Mühlenstraße. In: Tobias Reeh / Gerhard Ströhlein (Hrsg.): Freizeit und Tourismus im Wandel. ZELT-Forum. Göttinger Schriften zu Landschaftsinterpretation und Tourismus. Universitätsverlag Göttingen. 2016. S. 218 (220) (online)
Emblem mini|hochkant|Schild der Niedersächsischen Mühlenstraße Die Mühlen der Niedersächsischen Mühlenstraße sind mit dem Emblem (Skizze der Hüvener Mühle im Emsland) der „Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen e. V.“ gekennzeichnet und mit einer Informationstafel ausgestattet. Diese beschreibt Geschichte und Ausstattung der jeweiligen Mühle.
Auswahl Die in die Niedersächsische Mühlenstraße einbezogenen Mühlen sind unterschiedlicher Art: Es können überwiegend Wasser- oder Windmühlen besucht werden. Sie sind noch in Betrieb, werden als Museum genutzt oder wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Einige Mühlen können lediglich von außen besichtigt werden. Im Internationalen Mühlenmuseum in Gifhorn kann außerdem eine Schiffmühle besichtigt werden. Rossmühlen gibt es im Museumsdorf Hösseringen und im Museumsdorf Cloppenburg. In mehreren von außen nicht ohne weiteres als Mühlen identifizierbaren Gebäuden befinden sich Motormühlen. Als Mühlen im Sinne der Niedersächsischen Mühlenstraße gelten auch Wasserkraftwerke wie das Kraftwerk Oldau an der Aller.
In die Niedersächsische Mühlenstraße sind auch Windmühlen ohne Flügel und Wassermühlen ohne Wasserräder aufgenommen worden. Diese Aufnahme soll als Anreiz an die Eigentümer wirken, die Mühlen zu vervollständigen.Einmaliges kulturhistorisches Projekt. „Oldenburgische Volkszeitung“ vom 29. Mai 2009, S. 14
Geschichte Die Idee zu dem Projekt „Niedersächsische Mühlenstraße“ entstand 1996. Damals suchte die Bezirksregierung Lüneburg nach Wegen, den Tourismus im nördlichen Niedersachsen nachhaltig zu verbessern. Bereits 1995 hatte sich ein unter dem Namen „Verein zur Förderung historischer Mühlen im Gebiet der Müllerinnung Lüneburg e. V.“ gegründeter Verein die Aufgabe gestellt, Wind- und Wassermühlen im Vereinsgebiet, das zunächst die Landkreise Lüneburg, Harburg und Lüchow-Dannenberg umfasste, wiederherzustellen und deren Erhaltung zu fördern. Weiterhin erklärte der Verein, die mit dem Müllerhandwerk verbundene Tradition und Kultur pflegen und bewahren zu wollen.
Unter der Trägerschaft des Lüneburger Fördervereins gründete sich 1996 eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Kreisbehörden, Mühlenvereinen und Heimatmuseen. Sie gaben den Startschuss für die Entwicklung eines touristischen Reiseweges zu Mühlen in Niedersachsen. 1998 wurde die Niedersächsische Mühlenstraße von dem in „Mühlenförderverein Lüneburg e. V.“ umbenannten Verein gegründet. Mit der Umbenennung wurde der Zuständigkeitsbereich des Fördervereins auf die Kreise Celle und Uelzen ausgedehnt. Der erste Abschnitt der Niedersächsischen Mühlenstraße wurde vom damaligen Niedersächsischen Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke am Deutschen Mühlentag 1998 an der Bardowicker Windmühle eröffnet. Die Mühlenstraße bestand zu dem Zeitpunkt aus 75 Mühlenstandorten im nordöstlichen Niedersachsen.
Der MFV Lüneburg e. V. war nach 1998 zuständig für die Koordinierung, Überwachung und Abwicklung von Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen an Mühlen der Niedersächsischen Mühlenstraße und für die Entwicklung touristischer Vermarktungskonzepte sowie für deren Finanzierung aus deutschen und europäischen Fördermitteln.
Die Niedersächsische Landesregierung verfolgt seit 1996 das Ziel, die Mühlenstraße auf ganz Niedersachsen auszudehnen. Aus diesem Grund wurde die Projektleitung 2004 an die landesweit tätige „Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen e. V.“ abgegeben. Weitere Gebiete zwischen Nordsee, Elbe und Weser wurden der Straße 2005 zugeordnet. Am 8. Juli 2006 wurde die Mühlenstraße auf das Gebiet zwischen Weser und Hunte (die Landkreise Nienburg/Weser und Diepholz) ausgeweitet. Die Route war 2006 2130 Kilometer lang und führte zu 256 Mühlen.
Mit Abschluss des EU-Förderprogrammes ETLR (Entwicklung typischer ländlicher Räume) im August 2006 musste die weitere Vernetzung der niedersächsischen Landkreise vorübergehend eingestellt werden.Arbeitsgruppe Mühlenstraße in der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen e. V.: Die Weiterführung der Niedersächsischen Mühlenstraße (NMS). Meldung vom 22. August 2007
Im Jahr 2009 kamen die Landkreise Cloppenburg, Oldenburg und Vechta zur Niedersächsischen Mühlenstraße hinzu. Offiziell wurde der Abschnitt in der „Region Oldenburger Münsterland und Wildeshauser Geest“ am 28. Mai 2009 bei der „Neumühle“ in Endel (Gemeinde Visbek) eingeweiht.
Im Jahre 2010 ist die „Region Ostfriesland“ in die Niedersächsische Mühlenstraße einbezogen worden. Zu dieser Region gehören die ostfriesischen Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und die Stadt Emden sowie die oldenburgischen Landkreise Ammerland, Friesland und Wesermarsch und die Stadt Wilhelmshaven. Bis 2013 sollen alle 38 Landkreise und kreisfreien Städte mit mehr als 600 Mühlenstandorten zum Gebiet der Niedersächsischen Mühlenstraße gehören. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde eine am 12. Juli 2010 amtlich anerkannte „Stiftung Niedersächsische Mühlenstraße“ gegründet, die zusätzliche Geldmittel für die Mühlenstraße einwerben soll.Niedersächsisches Ministerialblatt. 28. Juli 2010
Im Frühjahr 2011 wurde die „Niedersächsische Mühlenstraße“ durch die Region „Zwischen Harz und Heide“ erweitert. Sie führt nun auch durch Gebiete von Braunschweig, dem Landkreis Helmstedt, dem Landkreis Peine, Salzgitter, dem Landkreis Wolfenbüttel und Wolfsburg. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 23. Mai bei der Abbenroder Bockwindmühle in Abbenrode (Cremlingen).Niedersächsische Mühlenstraße erweitert. „NDR Fernsehen Niedersachsen“ Sendebeitrag vom 23. Mai 2011 um 18.00 Uhr
Im November 2010 wurde angekündigt, dass bis 2013 auch die Regionen Südniedersachsen, Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sowie Mittelniedersachsen / Umland Hannovers an die Niedersächsische Mühlenstraße angeschlossen werden sollen.Philipp Oppermann: Stiftung Niedersächsische Mühlenstraße gegründet (PDF-Datei; 2,55 MB). Der Mühlstein. Ausgabe 49, November 2010, S. 15f. Bis 2018 wurde diese Ankündigung überwiegend umgesetzt. 2018 gehören allerdings die Landkreise Goslar, Northeim und Göttingen noch nicht zur Niedersächsischen Mühlenstraße.
Die niedersächsische Mühle, an der am Pfingstmontag 1987 zum ersten Mal ein Mühlentag (der Vorläufer des Deutschen Mühlentags) begangen wurde, nämlich die Windmühle Lechtingen im Landkreis Osnabrück, ist seit 2013 in das Netz der Niedersächsischen Mühlenstraße einbezogen.
Die Arbeitsgruppe Mühlenstraße propagiert seit 2013 die Einrichtung einer „Via Molina – die Straße der Mühlen“ als europaweites Kulturstraßenprojekt.Gundolf Scheweling: Eine "Via Molina" in Europa? Der Mühlstein. Heft 2/2012. landeszeitung.de. 4. November 2013, abgerufen am 15. August 2018 Mittelfristiges Ziel ist es, die „Niedersächsische Mühlenstraße“ im Zusammenschluss mit anderen deutschen Mühlenstraßen und solchen in den Niederlanden und Dänemark als Kernstück einer europaweiten Mühlenroute auszuweisen und deren Zertifizierung durch den Europarat zu beantragen.Albrecht Dannemann: . Blixxm – Das regionale Magazin. 3. November 2016, abgerufen am 15. August 2018 Die „Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V. (DGM)“ unterstützt das Projekt Via Molina. Im August 2016 wurde die „AG Via Molina“ gegründet, in der die nationalen Mühlenverbände aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden zusammenarbeiten.Via Molina - Europäische Kulturstraße der Mühlen. Abgerufen am 15. August 2018 Für das Projekt Via Molina erhält die DGM 2018 von der Europäischen Union 90.000 €.Creative Europe Desk: , abgerufen am 15. August 2018
Die Zahl der Mitgliedsstandorte der Niedersächsischen Mühlenstraße betrug in den 2010er Jahren etwa 400. Seitdem ging die Vereinsarbeit durch Ausscheiden älterer Personen und Nachwuchsmangel zurück.Heike Leuschner: 25 Jahre nach der Gründung: Wie geht’s der Niedersächsischen Mühlenstraße heute?, nordsee-zeitung.de, 26. Mai 2023, abgerufen am 19. Juli 2023.
Erreichung der Projektziele mini|Überreste der Bunten Mühle im Dorfpark Langförden In einem Flyer warb 2010 die Stiftung Niedersächsische Mühlenstraße für sich mit den Worten: „Die Bewahrung der Mühlen als älteste Maschinen der Menschheit ist eine kulturelle Aufgabe von hohem Rang.“Stiftung Niedersächsische Mühlenstraße: Ein touristisches Projekt und Aktionsfeld für die Mühlenerhaltung. Abgerufen am 16. August 2018
Für ihr Engagement für den Erhalt des Mühlenensembles Karoxbostel im Landkreis Harburg wurden im Oktober 2018 die „Mühlenretter“ vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz auf Vorschlag des Deutschen Landkreistages mit der Silbernen Halbkugel des „Deutschen Preises für Denkmalschutz“ ausgezeichnet.Mühlenretter aus Karoxbostel erhalten den Deutschen Preis für Denkmalschutz. Pressestelle des Landkreises Harburg. In: Mühlstein. Ausgabe 65/2018, S. 12 ff.
Im Februar 2018 war jedoch einer breiteren Öffentlichkeit (zumindest den Lesern der in Vechta erscheinenden Oldenburgischen Volkszeitung) deutlich geworden, dass die Aufnahme einer Mühle in das Netz der Mühlenstraßen in Niedersachsen keine Garantie dafür darstellt, dass die betreffende Mühle tatsächlich erhalten bleibt. Eine Schutzwirkung, die der der Stellung einer Mühle unter Denkmalschutz entspräche, kann die Verleihung des Status eines Standorts der Niedersächsischen Mühlenstraße nicht entfalten. Die Kappe und der achteckige Rumpf der zuvor Station 18 der Niedersächsischen Mühlenstraße (Region Oldenburger Münsterland / Wildeshauser Geest) bildenden „Bunten Mühle“ in LangfördenMedienwerkstatt Mühlacker Verlagsgesellschaft mbH: Bunten Mühle in VechtaWindmühle „Bunten Mühle“, Langförden. niedersaechsische-muehlenstrasse.de, abgerufen am 2. Februar 2019 wurden im Februar 2018 demontiertotterdvd film: Demontage Langfördener Bunten WindMühle in Vechta. 24. Februar 2018. 19:08 Minuten (niederländisch), abgerufen am 15. August 2018 und in die Niederlande verbracht, wo sie angeblich „nach Möglichkeit“ wieder aufgebaut werden sollten.otterdvd film: Langfördener WindMühle Duitsland onttakeld No 2. 2. März 2018. 17:12 Minuten (niederländisch), abgerufen am 15. August 2018 Im Laufe des Jahres 2018 wurden auch der Mühlenstumpf und die Hinweisschilder auf die Mühle entfernt, so dass vor Ort nur noch der Straßenname „Mühlendamm“ an die Mühle erinnert. Die Legende zur Karte für den Landkreis VechtaLandkreis Vechta. niedersaechsische-muehlenstrasse.de, abgerufen am 2. Februar 2019 gibt darüber hinaus keine Auskunft darüber, was es mit der noch in der Karte eingetragenen Station 17 auf sich hat: Auch die Kornbrennerei mit Dampfmühle, die früher in der Goldenstedter Bauerschaft Einen stand, gibt es heute nicht mehr.
Die meisten Mühlen in Niedersachsen allerdings, die ab 1998 nicht davor bewahrt werden konnten, abgerissen zu werden, haben seit Bestehen des betreffenden Abschnitts der Niedersächsischen Mühlenstraße von vornherein nicht den Status einer Station der Straße erhalten.