Umm el-Qaab (auch Umm el-Gaab, , wörtlich: Mutter der Töpfe, auch Mutter der OpfergefäßeMichael Müller: Umm el-Qaab. In: Kemet. Heft 2, Berlin 2000, S. 15–19.; altägyptisch Peqer) ist die moderne Bezeichnung der altägyptischen Königsnekropole, 2 km südwestlich von Abydos, in welcher über 650 Grabanlagen gefunden wurden.

Der zeitgenössische Name konnte bis heute nicht ermittelt werden. Die sich dort befindenden Gräber gehören den späten Königen der Dynastie 0 sowie den Königen (Pharaonen) der 1. und 2. Dynastie (etwa 3000 bis 2700 v. Chr.). Umm el-Qaab gilt unter anderem neben Dedu, Philae und Mendes als einer der Orte, die mit dem Beinamen Grab des Osiris bezeichnet werden. Die hier entdeckten Nekropolen U und B sind die bedeutendsten. Trotz ihrer getrennten Bezeichnungen handelt es sich jedoch um einen Bestattungsplatz.

Geschichte mini|hochkant|Grabstele des Königs Wadji aus Umm el-Qaab Umm el-Qaab hat sich von einem einfachen Friedhofsgelände in der frühen prädynastischen Naqada-Zeit zu einem Bestattungsplatz einer höheren Bevölkerungsschicht in der Naqada II-Zeit entwickelt. Höhepunkt der Naqada III-Zeit war das Begräbnis von König Skorpion I. (Grab U-j).G. Dreyer: Umm El-Quaab I-Das prädynastische Königsgrab U-j … Mainz 1998. Dies war der Beginn der frühdynastischen Königsbestattungen die zu Anfang der 3. Dynastie endeten.

Im Alten Reich stand der Friedhof unter dem Schutz der abydenischen Nekropolengottheit Chontamenti, der jedoch unter der in der 5. Dynastie aufgekommenen Osiris-Verehrung an Bedeutung verlor. Osiris führte in späterer Zeit Chontamenti als Beinamen. In einigen Privatstelen aus dem Mittleren Reich werden Handlungen beschrieben, die Osiris zu Ehren begangen wurden. Die Nekropole konnte von Pilgern in der Spätzeit direkt besucht werden.

Erforschung Der Königsfriedhof wurde 1885 von Émile Amélineau entdeckt und bis 1899 ausgegraben. In den Jahren 1899 bis 1901 grub Flinders Petrie dort und erforschte systematisch die Gräber.

Auch die Archäologen Édouard Naville und Eric Peet haben hier von 1912 bis 1919 gegraben. Seit 1977 werden weitere Ausgrabungen von der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Werner Kaiser und später Günter Dreyer durchgeführt.

Grabstätten Die Königsnekropole bestand ursprünglich aus zwei getrennten Teilen. Umm el-Qaab als Friedhof und den Talbezirken der Grabanlagen am Wüstenrand, worunter Shunet El-Zebib (arabisch: RosinenscheuneGabriele Höber-Kamel: Abydos – Religiöses Zentrum der Auferstehung. In: Kemet. Heft 2, Berlin 2000, S. 4–9.) der bedeutendste ist und etwa zwei Kilometer nördlich von Umm el-Qaab liegt.

mini|hochkant|Karte der Grabstätten von Umm el-Qaab

Wie die neuesten Grabungen gezeigt haben, wurde der Friedhof schon in der Naqada-Periode (etwa 3500 bis 3000 v. Chr.) angelegt. Er trägt die Bezeichnung Friedhof U. Es fanden sich zahlreiche kleine, aber auch größere Grabanlagen aus dieser Zeit. Einige Gräber können auf Grund ihrer Ausmaße vordynastischen Königen zugeschrieben werden (siehe: Skorpion I.). Vor allem in der 1. Dynastie war der Ort die Begräbnisstätte der ägyptischen Könige. In der 2. Dynastie sind hier dagegen nur zwei Herrscher bestattet worden.

Die meisten Gräber hatten eine Stele, auf der sich der Name des Herrschers oder Beamten (im Falle der Nebenbestattungen) befand. Von den Grabanlagen sind meist nur noch die unterirdischen Gruben erhalten. Die einst sicherlich vorhandenen Oberbauten sind vollkommen verschwunden. Bei jedem der seit König Hor-Aha angelegten Gräber hat man eine große Anzahl von Nebengräbern gefunden, in denen Bedienstete und vielleicht Beamte des Pharaos ihre letzte Ruhestätte fanden. Diese Sitte der Nebenbestattungen ist in der 2. Dynastie nicht mehr belegt.

Im Grab des Djer wurde im letzten Jahrhundert eine Basaltplastik entdeckt, die unter dem Namen „Osirisbett“ bekannt wurde. Die Plastik wurde zunächst in die 25./26., später in die 13. Dynastie datiertÄgyptisches Museum Kairo, Inventarnummer: JdE 32090; A. Leahy: The Osiris 'Bed' Reconsidered. In: Orientalia. Nr. 46, 1977, S. 424–434., also ca. tausend Jahre nach dem Tod des Königs Djer. Sie ist heute in Kairo im Ägyptischen Museum zu sehen. Die Forschung sieht das Grab des Djer seitdem als Ausgangspunkt für den eigentlichen Osiris-Kult.So schon Flinders Petrie, Francis L. Griffith: The royal tombs of the First Dynasty. 1900: Part 1. London 1900, S. 7. Deshalb wird das Grab auch als eines der „Osirisgräber“ bezeichnet. Neuesten Grabungsergebnissen zufolge stand die ganze Königsnekropole in Verbindung zum Gott Osiris. An verschiedenen Grabbauten gab es Renovierungsarbeiten seit dem Mittleren Reich. Vor allem im Neuen Reich wurde die Nekropole zu einer Art Pilgerzentrum. Es wurden kleine Gefäße geopfert, die dem Ort den heutigen Namen gaben. Insgesamt wird geschätzt, dass hier acht Millionen Töpfe niedergelegt wurden. Das hiesige Grab des Osiris wird in altägyptischen Quellen als Mahat bezeichnet.Heinrich Schäfer: Die Mysterien des Osiris in Abydos unter König Sesostris III. nach dem Denkstein des Oberschatzmeisters I-cher-nofret im Berliner Museum (= Untersuchungen zur geschichte und altertumskunde Aegyptens. [UGAÄ] Band IV, Teil 2). Hinrichs, Leipzig 1904, S. 28–29. Dem Mythos nach fand Isis in Abydos den Kopf ihres Gemahls.

Zu den Grabanlagen gehörten auch große, befestigte Talbezirke, nahe bei Abydos gelegen, in denen wohl Bestattungsfeierlichkeiten und der Totenkult für jeden Herrscher stattfanden.

Fundstücke Dolchgriff K 1104 Messergriff K 1262a Messergriff K 1262b Messergriff K 1103 Messergriff K 2185 Messergriff K 2186 Messer K 3325 + K 3324 Dolchgriff K 3475

Liste der größten Grabanlagen