Die Besatzungszeit in Japan bedeutet die Zeit der alliierten Besatzung Japans nach Ende des Pazifikkrieges. Sie begann am 2. September 1945 mit der Kapitulation Japans, die zugleich das Ende des Zweiten Weltkriegs darstellte. Mit dem am 8. September 1951 geschlossenen Friedensvertrag von San Francisco wurde auf den japanischen Hauptinseln die Besatzungszeit beendet. Die Vereinigten Staaten stellten als ehemaliger Hauptgegner den Großteil der Besatzungstruppen, dazu kamen britische Soldaten in deutlich geringerer Anzahl. Das grundlegende Besatzungsziel wurde entsprechend den Vorgaben der Potsdamer Erklärung festgelegt: zu verhindern, dass von Japan noch einmal eine Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der Weltgemeinschaft ausgehe. Die Besatzung verwandelte das Japanische Kaiserreich in eine Parlamentarische Demokratie, die teilweise auf dem US-amerikanischen New Deal basierte.

Militärische Vorbereitungen hochkant=1.2|mini|Stoßrichtung des sog. Inselspringens beim alliierten Angriff auf den japanischen Machtbereich (blau) im Pazifik Mit der Eroberung der Inseln Iwo Jima und Okinawa im Frühjahr 1945 (Island Hopping) bereiteten sich die USA auf die Invasion der japanischen Hauptinseln vor.Julian Plenefisch: Der Krieg im Pazifik. Lebendiges Museum Online, 19. Mai 2015.Ole Schulz: Verlustreiches „Inselspringen“. Deutschlandfunk, 19. Februar 2005.

Am 26. Juli 1945 forderten die Alliierten in der Potsdamer Erklärung das japanische Kaiserreich zur bedingungslosen Kapitulation auf.Sven-Felix Kellerhoff: Als die USA Japan mit „völliger Zerstörung“ drohten. Die Welt, 2. Oktober 2024.

Nachdem die Führung in Tokio das Ultimatum nicht erfüllt hatte, erfolgten am 6. und 9. August die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.

Am 8. August 1945 stellte die militärische Führung der USA die Pläne zur Durchführung der Operation Blacklist fertig. Darin wurde genau festgelegt, wie und mit welchen Truppenteilen Japan unmittelbar nach der Kapitulation zu besetzen sei. In der Folge wurde auch ein Plan zur administrativen Steuerung des besetzten Japan ausgearbeitet.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, der britische Premierminister Clement Attlee und der sowjetische Diktator Josef Stalin einigten sich darauf, wie die Besetzung des verbliebenen japanischen Machtbereichs durchgeführt werden sollte: Die Sowjetunion würde den nördlichen Teil der japanischen Provinz Chōsen (das spätere Nordkorea), den Kurilen-Archipel und die Insel Sachalin verwalten, während die Vereinigten Staaten und Großbritannien für den restlichen Besitz Japans (inklusive des südlichen Teils der Provinz Chōsen, des späteren Südkorea) verantwortlich sein würden.

Verlauf der militärischen Eroberung mini|Japans Kaiser Hirohito (re.) mit dem Vertreter der US-Besatzungsmacht, Douglas MacArthur. Japans Streitkräfte erzielten nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 einige spektakuläre Anfangserfolge; dann wendete sich das Kriegsglück zunehmend zugunsten der Alliierten. Mitte 1945 war die militärische Lage im Pazifikkrieg für die Japaner schließlich äußerst prekär geworden. So war die einst mächtige Kaiserlich Japanische Marine nahezu völlig zerschlagen. Seit Anfang 1945 überzogen B-29-Verbände der US-Luftwaffe die Großstädte und Industriezentren auf Japans Hauptinseln mit immer verheerenderen Bombenangriffen. Verzweifelt versuchten japanische Piloten, die US-Flotte mit Kamikazeangriffen aufzuhalten. In der Schlacht um Okinawa hatten die Amerikaner die Insel nach zwei Monaten verlustreicher Kämpfe bis Ende Juni 1945 erobert. Mit Okinawa besaßen sie eine strategische Basis zur Invasion der japanischen Hauptinseln. Zudem war der erste Atombombentest erfolgreich verlaufen. Die Sowjetunion sollte gemäß den Vereinbarungen der Konferenz von Jalta im August in den Krieg gegen Japan eintreten, was jedoch in Japan unbekannt war. Wie schon gegen das Deutsche Reich verlangten die Alliierten angesichts ihrer Überlegenheit eine bedingungslose Kapitulation („unconditional surrender“).

Am 26. Juli 1945 verabschiedeten die alliierten Mächte ohne Beteiligung der Sowjetunion auf der Potsdamer Konferenz die sogenannte Potsdamer Erklärung, die diese Forderung noch einmal untermauern sollte. Aus Sicht der Amerikaner war die Erklärung die letzte Warnung vor dem Einsatz von Atombomben. Diese, so hoffte man, würden die Kapitulation wesentlich beschleunigen und der Sowjetunion dadurch jede Grundlage für Forderungen entziehen, die eine Einflussnahme auf die spätere Besatzungspolitik zum Ziel hatten. Die Reaktion der japanischen Regierung wurde von den Amerikanern als Zurückweisung interpretiert.Vgl. Michael Schaller: The American Occupation of Japan. The Origins of the Cold War in Asia. S. 15.

mini|Der japanische Außenminister Shigemitsu Mamoru am 2. September 1945 bei der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde an Bord der Missouri in der Bucht von Tōkyō; vor ihm stehend Lieutenant General Richard K. Sutherland, Chef des Stabes von General Douglas MacArthur

Gleichzeitig mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August startete die Sowjetunion gemäß den Vereinbarungen an der Konferenz von Jalta am 8. August die sowjetische Invasion der Mandschurei. Am 10. August signalisierte die japanische Regierung nach Intervention von Tennō Hirohito schließlich informell ihre Zustimmung zur Potsdamer Erklärung, unter der Bedingung, dass die Institution des Tennō unangetastet bleiben werde. US-Präsident Harry S. Truman ließ antworten, dass Hirohito im Amt bleiben dürfe, wenn dies dem „frei geäußerten Willen des japanischen Volkes“ entspreche.Vgl. Michael Schaller: The American Occupation of Japan. The Origins of the Cold War in Asia. S. 17. Nachdem das Kabinett den Entwurf des Erlasses zur Beendigung des Krieges (, daitōa sensō shūketsu no shōsho) gebilligt hatte, wurde am 15. August eine Radioansprache ausgestrahlt, in der Hirohito bekannt gab, dass seine Regierung die Bedingungen der Potsdamer Erklärung akzeptiere. Er forderte das japanische Volk auf, „das Unerträgliche zu ertragen“ und jeden „Ausbruch der Gefühle“ zu unterlassen.Zitiert nach Winfried Scharlau: Der General und der Kaiser. Die amerikanische Besatzung Japans: 1945–1952. S. 14. Zuvor hatten noch einige Offiziere, die eine Kapitulation um jeden Preis verhindern wollten, gewaltsam versucht, die Ausstrahlung der Rede zu verhindern.

Noch am selben Tag gab Truman bekannt, General Douglas MacArthur zum Supreme Commander for the Allied Powers („SCAP“, Oberster Befehlshaber für die alliierten Mächte) zu ernennen. Am 19. August traf sich MacArthur mit Vertretern Japans in Manila, um sie über seine Pläne für die Besetzung zu unterrichten. Die japanischen Abgesandten baten darum, die Ankunft der ersten amerikanischen Einheiten auf japanischem Boden zu verzögern; MacArthur verweigerte dies. Das erste Vorauskommando, 146 Soldaten der 11. US-Luftlandedivision, landete trotz einiger Sicherheitsbedenken am 28. August auf dem Luftwaffenstützpunkt Atsugi in der Präfektur Kanagawa nahe Tokio und war damit die erste militärische Einheit der Amerikaner, die auf japanischem Boden landete. Zwei Tage später traf auch MacArthur persönlich zusammen mit viertausend weiteren Soldaten in Atsugi ein.

Die Kapitulation Japans erfolgte offiziell am 2. September 1945 auf dem Schlachtschiff Missouri in der Bucht von Tōkyō. Die Kapitulationsurkunde (engl. Instrument of Surrender)Surrender by Japan: Instrument of Surrender. Abgerufen am 6. April 2025. unterzeichneten auf japanischer Seite Außenminister Shigemitsu Mamoru für die Regierung und General Umezu Yoshijirō für das Militär; für die USA unterschrieben Douglas MacArthur und Admiral Chester W. Nimitz. Zusätzlich wurde die Urkunde von Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, der Republik China, der Sowjetunion, der Niederlande sowie der Mitgliedsstaaten des British Commonwealth unterzeichnet. Dies markierte den offiziellen Beginn der Besatzungszeit.

Im Zuge der Operation Blacklist genannten Besetzung Japans trafen bald weitere Soldaten ein, so dass Ende 1945 mehr als 350.000 US-Soldaten in Japan stationiert waren. Die offizielle Besatzungstruppe des Britischen Commonwealth bestand aus australischen, britischen, indischen und neuseeländischen Soldaten.

Oberste Priorität war es zunächst, ein Netzwerk für die Nahrungsverteilung aufzubauen, da nach dem Zusammenbruch der japanischen Verwaltung und wegen der Zerstörung wichtiger Städte durch Bombenangriffe ein Großteil der Bevölkerung hungerte.

Nachdem ein solches Netzwerk aufgebaut worden war, das mehr als eine Million US-Dollar pro Tag kostete, wollte General MacArthur die Unterstützung von Kaiser Hirohito gewinnen. Zum ersten Mal trafen sich die beiden am 28. September 1945. Das Foto, auf dem sie zusammen zu sehen sind, ist eines der berühmtesten der japanischen Geschichte. Viele Japaner registrierten schockiert, dass der General seine Standard- und nicht seine Ausgehuniform trug, als er den Kaiser traf.

Die Besatzungszeit Anders als im besetzten Nachkriegsdeutschland mit der Berliner Erklärung vom Juni 1945 hatten die Alliierten in Japan nicht die Regierungsgewalt übernommen.Mitsuo Fukaya: Amerikanische Besatzungspolitik in Japan 1945–1950 im Vergleich zu Deutschland. In: Andrea Gourd, Thomas Noetzel (Hrsg.): Zukunft der Demokratie in Deutschland. 2001, S. 323–335. Das Staatswesen mit Kaiser, Regierungsapparat und Parlament blieb intakt, das Staatsgebiet wurde nicht in verschiedene Okkupationssphären aufgeteilt und die Präsenz fremder Truppen blieb relativ geringfügig. Die Herrschaft der Sieger wurde indirekt, ausschließlich über die japanische Regierung unter Ministerpräsident Yoshida Shigeru und deren Organe ausgeübt, die entsprechende Direktiven erhielten.vgl. Supreme Commander for the Allied Powers Directives to the Japanese Government (SCAPINs). Abgerufen am 28. März 2025 (japanisch/englisch).

Organisation der Besatzung mini|Gebäude des General Headquarters gegenüber der kaiserlichen Residenz in Tokio

Das höchste alliierte Verwaltungsgremium für das besetzte Japan war die am 26. Februar 1946 gegründete Far Eastern Commission (FEC) mit Sitz in Washington. Offiziell sollte sie die US-amerikanische Regierung in Fragen der Nachkriegspolitik gegenüber Japan beraten und war hervorgegangen aus einer beratenden Kommission (Far Eastern Advisory Commission, FEAC), die am 21. August 1945 eingesetzt worden war. Die FEC war mit Vertretern der 11 Hauptsiegermächte des Pazifikkriegs besetzt: Australien, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Canada, Niederlande, Neuseeland, Philippinen, UdSSR und USA; ab 16. November 1949 gehörten auch Burma und Pakistan der FEC an. Als weiteres alliiertes Organ wurde in Tokio das Allied Council for Japan (ACJ) mit beratender Funktion für die FEC installiert. Ihm gehörten unter dem Vorsitz des amerikanischen Oberbefehlshabers bzw. seines Stellvertreters Delegierte Chinas, der Sowjetunion und Großbritanniens (zugleich für Australien, Neuseeland und Indien) an. Die Arbeit der FEC ist umfangreich dokumentiert.Records of the Far Estern Commission 1945-1952. National Archives and Records Administration.