Kartuzy [] (deutsch Karthaus, früher Carthaus; ; kaschubisch Kartuzë) ist eine Kleinstadt im Powiat Kartuski der Woiwodschaft Pommern in Polen. Sie ist Sitz des Powiat und der Stadt- und Landgemeinde Kartuzy.

Geographische Lage mini|hochkant=2|links|Gesamtaufnahme des Stadtgebiets Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Pommerellen, in der Kaschubischen Schweiz, etwa 32 Kilometer westlich von Danzig.

Das Plateau von Karthaus umfasst den höchsten Teil der Baltischen Seenplatte. Es erreicht durchschnittlich eine Höhe von 200 Metern über dem Meeresspiegel und wird durch den Radaunesee geteilt. Westlich davon sind die höchsten Punkte des Quellgebiets der Flüsse Łeba (Leba), Bukowina (Buckowin) und Słupia (Stolpe) mit bis zu 271 Metern. Südlich davon erreicht der Wieżyca (Turmberg) 331 Meter Höhe.

Geschichte mini|Marktplatz von Karthaus mit der ehemaligen Luther-Kirche mini|hochkant|Kartäuserstiftskirche. Das Dach hat die Form eines Sarges mini|Straßenzug mini|Stiftskirche, vom angrenzenden Friedhof aus gesehen Die Stadt liegt in Pomerellen. Von 1308 bis 1466 gehörte Pomerellen zum Deutschordensland Preußen und kam dann bei der Zweiteilung Preußens zum westlichen Teil, später auch als autonomes Polnisch-Preußen bekannt, das sich freiwillig unter den Schutz der Polnischen Krone begeben hatte. Vormals wurde der Ortsname als Carthaus geschrieben, ungefähr ab 1860 die Schreibweise Karthaus eingeführt. Die Stadt gilt als Hauptstadt der Kaschubei und ist ein Zentrum der Kultur der Kaschuben.

Anfänge als geistliches Kloster

1380/81 stiftete der Adlige Johannes von Russoschin (Russoczin) nördlich des Turmberges eine Niederlassung des Kartäuserordens, genannt „Marienparadies“. Die ersten Mönche kamen 1380 aus dem Königreich Böhmen/Prag in die Kaschubien. Der Deutsche Ritter-Orden bedachte das Kloster mit umfangreichen Zuwendungen und erweiterte dessen Besitz beträchtlich. Er befreite die Klosterorte von fast allen Abgaben und Diensten, die ihm als Landesherrn zu leisten waren.

In den umliegenden Wäldern wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein Torf gestochen. Auf den Rodungen rund um das Kloster wurden evangelische Siedler aus Pommern angesetzt. Durch Karthaus verlief auch eine Marien-Wallfahrtsroute von Neustadt in Westpreußen nach Berent als Teil des europäischen Jakobsweges. 1418 wird ein Kretscham in Karthaus erwähnt. Nach diesem Krug hat der Krugsee (Jezioro Karczemne) seinen Namen. Der nördlichere der beiden Seen, an welchem das Klostergelände direkt anliegt, heißt Klostersee (Jezioro Klasztorne). Um diesen Krug herum entwickelte sich östlich des Sees ein kleines Bauerndorf, ein sogenanntes Vorwerk.

Während der Reformationszeit wurde das Kloster arg in Mitleidenschaft gezogen, und die Zahl der Mönche sank auf vier.

Bei Ausgrabungen wurden einige Tunnels unter dem Kloster entdeckt. Deren Zweck und Ausmaß werden noch untersucht. Es ist wahrscheinlich, dass die Tunnel aus der Zeit der Nordischen Kriege stammen (siehe Weblinks). Auf dem „Spitzberg“, westlich des Klosters, gab es vermutlich aus vorchristlichen Zeiten eine heidnische Kultstätte. Belegt ist, dass dort seit 1655 eine Kapelle moit dem Patrozinium „Heiliges Kreuz“ bestand, die später verfiel. Um 1900 stand nur noch der Turm, neben dem eine hölzerne Aussichtsplattform errichtet wurde, die spätestens seit 1920 als Belvedere bezeichnet wurde. 1989 wurde die Kapelle wiedererrichtet. Es ist wahrscheinlich, dass die unter dem Kloster entdeckten Tunneln zur Kapelle auf dem Spitzberg führten.

Karthaus als weltliche Siedlung Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Gebiet von Danzig unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen vereinigt. Von da an gehörte Karthaus zu Preußen. Im Jahr 1785 wurde Carthaus als ein königliches Vorwerk und Dorf mit Sitz des Domänenamts und insgesamt 28 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg / Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 28. Um 1789 umfasste der Amtsbezirk Karthaus 74 Dörfer mit 721 Feuerstellen; der Sitz des Domänenamts befand sich auf dem Vorwerk Groß Czapielken.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 59, Nr. 6. Um 1790 existierte bereits die Seestraße (polnisch heute ulica Jezioro).

Im gesamten näheren Umland gab es zunächst noch keinen Ort, den man von der Bevölkerungsgröße her als Stadt hätte bezeichnen können. Bei der Verwaltungsreform 1818 wurde das Gärtnerdorf Karthaus zum Hauptort des dünn besiedelten Landkreises und zum Sitz des Landrats bestimmt.

In einem 1810 von König Friedrich Wilhelm III. verfügten Säkularisationsedikt wurde die Aufhebung aller Klöster in Preußen angeordnet. Das Kloster Karthaus und sein Grundbesitz wurden aber erst 1823 vom Staat beschlagnahmt. Damals begann die Geschichte von Karthaus als weltliche Siedlung. Eine Zeitlang diente das Kloster noch als Emeritenanstalt für ältere katholische Geistliche. Später wurden Teile der Katen, in denen die Mönche gelebt hatten, abgerissen. In den darauf folgenden Jahren waren Klostergebäude und Inventar dann dem Verfall preisgegeben.

1841 wurden viele Parzellen rund um das Vorwerk des Klosters zum Verkauf freigegeben, und bald darauf (1842/1844) kam es zu tumultartigen Zusammenstößen zwischen den zuziehenden evangelischen Deutschen und den angesessenen katholischen Kaschuben, als das Refektorium des vormals katholischen Klosters zu einem evangelischen Andachtsraum umgewidmet werden sollte. Aus Danzig kamen schließlich die Schwarzen Husaren, die Leibgarde der preußischen Könige, um für Ruhe zu sorgen.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt. Nipkow, Neidenburg 1890.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Karthaus noch ein kleiner Marktflecken, der um 1848 817 Einwohner zählte. 1851 besuchte König Friedrich Wilhelm IV. den Ort, daran erinnert heute noch ein Denkmal. 1853 überschritt die Einwohnerzahl bereits der 1000er-Marke. Erst ab 1856 gab es eine selbständige Evangelisch-unierte Kirchgemeinde mit eigenem Pfarrer in Karthaus, allerdings noch ohne eigene Kirche.

Im Jahr 1862 wurde Karthaus vom Verwaltungsstatus her selbständige Landgemeinde. Es bestanden zu dieser Zeit bereits zwei Schulen, das Kreisgericht, das Landratsamt, ein Armenhaus und eine Feuerwehr. Seit ungefähr 1865 gab es in Karthaus auch eine Synagoge, gelegen am Brunoplatz, dem zentralen Marktplatz der Stadt. Diese Synagoge wurde 1939 zerstört und der Jüdische Friedhof eingeebnet. Heute befindet sich auf dem Gelände eine Bankfiliale. Juden waren seit etwa 1820 in Karthaus ansässig, Ende des 19. Jahrhunderts lebten um die 140 Juden im Ort, 1931 waren es noch knapp 40.

Die evangelisch-deutsche Kirchgemeinde erbaute, ebenfalls am Brunoplatz, ab 1883 eine Kirche im neugotischen Stil. Man benannte sie „Martin-Luther-Kirche“ anlässlich des vierhundertsten Geburtstags des Reformators. Sie soll im Jahr 1887 eingeweiht worden sein. Heute ist sie ein katholisches Gotteshaus und seit 1983 dem heiligen Kasimir geweiht.

1894 erhielt Karthaus Eisenbahnanschluss an die Eisenbahnlinie Praust-Lauenburg der Preußischen Staatsbahn. Zu dieser Zeit bestand bereits die Klosterbrauerei Karthaus. 1903 erhielt die Stadt ein Wasserleitungsnetz, für dessen Speisung auf dem nahgelegenen Hafkeberg ein Hochreservoir erbaut wurde. 1910 wurde ein Wasserkraftwerk an den Radauneseen in Betrieb genommen.Wilhelm Schwandt: Karthaus und die Karthäuser Schweiz. Führer durchs Marienparadies. Danzig 1913, S. 14. Im Folgejahr wurden Karthaus und das Umland elektrifiziert.

Um die Jahrhundertwende war der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftszweig in Karthaus. Es gab viele Gaststätten und Hotels für Feriengäste aus dem Deutschen Reich und es wurden Briefköpfe mit der inoffiziellen Bezeichnung „klimatischer Luftkurort Karthaus“.

Kartuzy von 1920 bis 1939

Vor 1920 gehörte Karthaus zum Landkreis Karthaus im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Kreis Karthaus durch den Versailler Vertrag 1920 als Teil des Polnischen Korridors ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten. Am 8. Februar 1920 traf der polnische General Józef Haller in Karthaus ein, der die Übergabe des Polnischen Korridors überwachte. Haller und seinem Kavallerie-Regiment wurde vom polnischen Teil der Bevölkerung ein stürmischer Empfang bereitet. Der Anwalt Emil Sobiecki wurde erster polnischer Bürgermeister.

Mit der polnischen Übernahme der Verwaltung hieß die Stadt erstmals offiziell Kartuzy. Da in der Provinz Posen die Westpolnische Bank die Mark als Währung ausgeben wollte, die Zentralbank in Warschau hingegen die Polnische Mark, gab es in Karthaus zunächst ein lokales Notgeld. Wie in Deutschland kam es in Polen ab 1921 zu einer Hyperinflation. 1924 wurde der goldgedeckte Złoty eingeführt. Am 16. Oktober 1922 wurde in Kartuzy erstmals die polnischsprachige Zeitung Gazeta Kartuska herausgegeben.

Viele junge Kaschuben und Polen wurden für den Polnisch-Sowjetischen und den Polnisch-Ukrainischen Krieg eingezogen. Durch die polnischen Behörden kam es vereinzelt zu Verwaltungsmaßnahmen gegen missliebige öffentliche Personen der deutschen Bevölkerung. Im Juli wurde der evangelische Pfarrverweser Weber aus Hoppendorf (Hopowo) verhaftet, weil er angeblich Bolschewist war.

Viele Deutsche verließen Karthaus. 1910 hatten von den etwa 70.000 Einwohnern des Kreises Karthaus 27,8 % angegeben, Deutsche zu sein, 1921 nur noch 7,8 %. Zuerst wanderten Beamte und Lehrer ab, später auch andere Berufsgruppen wie Kaufleute und Handwerker. Zumeist blieben nur deutsche Gutsbesitzer und Bauern. Nach einer Landreform 1925 verschlechterte sich auch für sie die Lage. Es kam dabei auch zu Enteignungen.

Ab 1926 gab es ersten öffentlichen Nahverkehr, eine Buslinie verkehrte auf der Route Danzig–Zuckau-Karthaus. Ab 1936 kamen weitere Verbindungen hinzu. Karthaus lag an der strategisch wichtigen „französischen Kohlenbahn“. Diese wichtige Eisenbahnstrecke verband das Oberschlesische Kohlenrevier mit dem Hafen Gdingen.

Karthaus von 1939 bis 1945

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Territorium des Polnischen Korridors von deutschen Truppen besetzt. In Karthaus war der Geschützlärm aus Danzig zu hören. Gegen 8 Uhr morgens passierte ein erster deutscher Spähtrupp aus Danzig die Dörfer der Staatsgrenze. Am vierten Kriegstag traf die Wehrmacht aus Richtung Bütow ein. Das 322. Infanterie-Regiment erreichte am 3. September den Radaunensee und am nächsten Abend wurde Karthaus erreicht. Die deutsche Bevölkerung begrüßte die Wehrmacht als Befreier, alle Juden wurden deportiert, viele Polen ins Generalgouvernement abgeschoben. Kurz nach dem deutschen Einmarsch werden auf dem Brunoplatz Aufnahmen für die Deutsche Wochenschau gemacht.

Am 26. Oktober 1939 trat die bisher polnische Stadt Kartuzy zum Deutschen Reich und wurde vorläufig in Karthaus umbenannt; am 25. Juni 1942 erfolgte die Umbenennung der Stadt Karthaus in Karthaus (Westpr.).Stadt Karthaus (Westpr.) (Territorial.de) Der Landkreis Karthaus wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem die Stadt bis 1945 gehörte.