Mesolongi ( , andere Transkriptionen und Nebenformen lauten: Messolongi, Messolonghi, Missolonghi, Missolunghi, Mesolongion) ist eine Stadt in Ätolien-Akarnanien mit etwa 13.500 Einwohnern und gleichzeitig Sitz der gleichnamigen Gemeinde (dimos) in der griechischen Region Westgriechenland. Diese Gemeinde wurde zuletzt 2010 durch die Eingemeindung der Nachbargemeinden Etoliko und Iniades erheblich vergrößert und gliedert sich heute in drei Gemeindebezirke und 19 Ortschaften.
Mesolongi wurde vermutlich im frühen 16. Jahrhundert gegründet und erlangte vor allem während der Griechischen Revolution (dem Freiheitskampf gegen die osmanische Fremdherrschaft) in den 1820er Jahren Berühmtheit. Die Stadt gilt bis heute als Symbol des griechischen Widerstands gegen das Osmanische Reich. Seit 1937 darf Mesolongi laut einer Verfügung des griechischen Königs Georg II. aufgrund der historischen Bedeutung den Ehrentitel Iera Poli ( „Heilige Stadt“) führen.
Geographie, Geologie und Klima Mesolongi liegt am Golf von Patras in der Ebene, die im Lauf der Jahrhunderte im Mündungsgebiet der Flüsse Acheloos und Evinos durch natürliche Anschwemmungen aufgeschüttet wurde. Ursprünglich entstand das Städtchen auf drei Laguneninseln, die heute allerdings durch Verlandung Teil des zentralgriechischen Festlands geworden sind. Knapp 20 Kilometer nordwestlich der Stadt Mesolongi liegt auf einer Insel am anderen Ende der 33,5 km² großen Lagune von Mesolongi (des antiken Kynia-Sees) der kleine Ort Etoliko. Dessen Altstadt vermittelt noch heute ein recht anschauliches Bild davon, wie auch das frühneuzeitliche Mesolongi ausgesehen haben mag.
Die Gemeinde Mesolongi erstreckt sich über ein Gebiet von 674,13 km² an Landmasse. Diese umschließt die Prokopanistos-Lagune im Westen, die große, zentrale Mesolongi-Lagune im Westen, die Lagune von Etoliko, die sich weit nach Norden ins Festland erstreckt, und die Klisova-Lagune im Südosten der Stadt. Die Stadt Mesolongi selbst liegt auf einer Halbinsel zwischen den beiden Lagunen. Die Klisova-Lagune erstreckt sich von Mesolongi aus in südöstlicher Richtung bis kurz vor die Mündung des Flusses Evinos, welcher die südöstliche Begrenzung der Gemeinde Mesolongi darstellt und an die Gemeinde Nafpaktia grenzt. Nach Norden hin schließt sich an die Grenze zu Nafpaktia die Grenze zur Gemeinde Agrinio an, welche durch einen 819 m hohen Gebirgszug gebildet wird. Parallel zu diesem erstrecken sich die Höhenzüge des Arakynthos, mit 982 m der höchste Punkt in der Gemeinde Mesolongi. Die Gemeindegrenze setzt sich im Gemeindebezirk Etoliko nach Nordwesten bis zum Fluss Acheloos fort, der – südlich seiner Hauptmündung zufließend – für einige Kilometer die Gemeindegrenze zur nordwestlich liegenden Gemeinde Xiromero bildet. Die Grenze zu Xiromero verläuft dann westöstlich zwischen den Dörfern Pandalofo und Valti; südlich davon umfasst der Gemeindebezirk Iniades das Mündungsgebiet des Acheloos.
Zur Gemeinde Mesolongi gehören auch die Inseln, welche die Mesolongi- und Klisova-Lagune gegen das Ionische Meer beziehungsweise den Golf von Patras abgrenzen. Westlich ist die größte dieser Inseln Prokopanistos, im Süden der Mesolongi-Lagune liegen die Inseln Tholi, Schinias und Agios Sostis.
Die Landschaft der Gemeinde Mesolongi ist nach Nordosten hin von Bergen geprägt. Im Süden des Gemeindegebietes dominiert küstennahes Tiefland, welches (teilweise) aus Marschland per Trockenlegung gewonnen wurde. Ganz im Westen des Gemeindegebietes erhebt sich südlich der Acheloos-Mündung ein 439 m hoher Berg. Nördlich des flachen Gebiets des Acheloosmündung wird das Gelände ebenfalls bergig.
Mesolongi liegt südlich von Agrinio in 29 km Entfernung. Nach Patras beträgt die Distanz 30 km, nach Korinth im Ostsüdosten 140 km, nach Athen circa 200 km (alle Angaben Luftlinie). Amfilochia und Arta im Norden sind 56 und 90 km Luftlinie entfernt.
Entstehung der Siedlung Vorgeschichte: Byzantinische Epoche mini|270px|Einer der traditionellen Pfahlbauten (pilades), wie sie seit Jahrhunderten in der Lagune errichtet werden Obwohl das Byzantinische Reich durch Sprache und Kultur ein griechisch geprägtes Staatswesen war, geriet das eigentliche griechische Kernland innerhalb des Reiches mehr und mehr in den Status einer abgelegenen Provinz. Die Entvölkerung und Verödung selbst einst bedeutender Städte wie Athen und Korinth hatten bereits in der Antike eingesetzt. Räuberische Invasionen germanischer und slawischer Stämme hatten in der Spätantike und im Mittelalter zum Niedergang der Region beigetragen. In der Folge des Vierten Kreuzzuges fielen Zentralgriechenland und die Peloponnes an Kleinfürsten aus dem westlichen Europa, die sogenannten Lateiner. Die faktische Macht lag hauptsächlich in der Hand der Republik Venedig, die in diesem Randgebiet der Adria massiv die eigenen strategischen und Handelsinteressen durchsetzte. Das Alltagsleben der Menschen blieb durch die Zwistigkeiten der Feudalherren untereinander sowie mit den Byzantinern und, seit etwa 1300, den Osmanen von beständiger Unsicherheit gekennzeichnet. Nach dem Vorbild der Venezianer zogen sich viele Bewohner der Küstenregion des Golfes von Patras auf die vorgelagerten Laguneninseln zurück, weil diese relativen Schutz boten und leicht zu verteidigen waren. Auf diese Lage inmitten der Seen (das heißt der Lagune) – auf Italienisch mezzo laghi – soll nach Ansicht der meisten Historiker der Name der späteren Stadt Mesolongi zurückgehen.
Am Rande des Osmanischen Reichs In der Zeit vor Lepanto mini|270px|Die Seeschlacht von Lepanto 1571 Seit Mitte des 14. Jahrhunderts brachten die Osmanen fast die gesamte Balkanhalbinsel und damit auch Griechenland unter ihren Einfluss. Die türkischen Eroberungen waren aber hauptsächlich auf die Stärke der Landstreitkräfte zurückzuführen, über eine schlagkräftige und zuverlässige Kriegsmarine verfügten die Osmanen nur selten. Es gelang den Venezianern als ausgesprochener Seemacht daher, große Teile der für sie relevanten ehemals byzantinischen Gebiete unter Kontrolle zu behalten, dies betraf vor allem griechische Inseln und die der Adria zugewandten Küstengebiete. Die Seeschlacht von Lepanto (der griechische Name des unweit von Mesolongi gelegenen Orts lautet Nafpaktos) 1571 sicherte den Venezianern ihre Vorherrschaft in der Adria auf Dauer. In der Beschreibung, die der venezianische Historiker und Staatsmann Paolo Paruta (1540–1598) in seiner Guerra di Cipro vom Verlauf der Lepanto-Schlacht gibt, findet sich auch die erste Erwähnung von Mesolongi. Es scheint sich um eine zu diesem Zeitpunkt noch sehr junge Siedlung gehandelt zu haben, die aber mit mehreren Tausend Einwohnern über eine bemerkenswert große Bevölkerung verfügte, zahlenmäßig soll sie sogar diejenige Athens übertroffen haben.
In den folgenden Jahrhunderten blieb Mesolongi de facto eine Besitzung oder zumindest ein Protektorat Venedigs, wobei der Streit um die Herrschaft über Stadt und Umland immer wieder – je nach dem Kräfteverhältnis zwischen der Serenissima und der Hohen Pforte – Gegenstand auch kriegerischer Auseinandersetzungen war.
Vorherrschaft Venedigs Die Einwohner der Stadt lebten in den frühen Jahrhunderten vielfach in Pfahlbauten, sogenannten pilades, wie sie auch heute noch typisch für die Gegend sind. Mit zunehmender Verlandung der die Stadt umgebenden Lagune errichtete man dann mehr und mehr Häuser in herkömmlicher Bauweise. Wirtschaftliche Grundlage des städtischen Lebens waren zunächst Fischerei, Salzgewinnung und Tabakanbau, in nicht unwesentlichem Ausmaß jedoch auch die Piraterie. Mit dem Wachstum der Stadt und der engen Bindung an Venedig erwarb sich Mesolongi einige Bedeutung als Handelsplatz. In der Blütezeit der venezianischen Epoche zwischen 1740 und 1770 verfügte die Stadt über 75 Schiffe verschiedener Bauart und galt als einer der wichtigsten Handels- und Kriegshäfen Westgriechenlands. Viele europäische Staaten unterhielten im 18. Jahrhundert hier diplomatische Vertretungen.
Die Jahre vor der Griechischen Revolution mini|270px|Mesolongi und die „Republik der Sieben Inseln“ (in der Karte englisch Septinsular Republic)
Das Ende der Schutzmacht Venedig kam 1797 während des Ersten Koalitionskrieges und die unerwartete Situation stellte die Einwohner Mesolongis vor neue Probleme. Während die Stadt gezwungen war, die Oberhoheit von Sultan Selim III. zumindest formal anzuerkennen, blieb sie gleichzeitig eine Keimzelle des aufkommenden griechischen Nationalismus. Darüber hinaus hatte der Untergang der Republik Venedig aber auch eine für die griechische Unabhängigkeit psychologisch wichtige Folge: Die vordem ebenfalls venezianischen, in der unmittelbaren Nachbarschaft Mesolongis gelegenen Ionischen Inseln erhielten von 1800 bis 1807 als Republik der Ionischen Inseln (, ) eine beschränkte Autonomie unter türkischer und russischer Oberhoheit. Auf diese Weise war erstmals seit dem 15. Jahrhundert ein zumindest teilweise selbständiger griechischer Staat entstanden.
Die Ereignisse der 1820er Jahre Dass die griechischen Freiheitskämpfer mit dem Namen Klephten, das heißt Räuber, belegt wurden, war nicht nur die polemische Sprachregelung der türkischen Obrigkeit. Tatsächlich waren die Widerstandsgruppen bunt zusammengewürfelt, in ihren Reihen fanden sich keineswegs ausschließlich freiheitsliebende Idealisten. Vielmehr waren durch zunehmende Unterdrückung und Misswirtschaft der osmanischen Verwaltung im 18. Jahrhundert viele griechische Kleinbauern verarmt und hatten sich, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, in die Berge und auf Inseln zurückgezogen, wo sie auch mit kriminellen Mitteln zu überleben versuchten. Die bildhafte, bedrohlich klingende Bezeichnung übernahmen aber binnen kurzer Zeit auch politisch engagierte Gruppen von Gesetzlosen.
Die erste Belagerung
Alexandros Mavrokordatos (1791–1865) war beim Ausbruch der Kampfhandlungen 1821 Kommandant der Aufständischen in Westgriechenland. Er wählte Messolongi als sein Hauptquartier, weil die Stadt bereits unter venezianischer Herrschaft mit Befestigungsanlagen versehen worden war: Zusammen mit der bereits erwähnten günstigen natürlichen Lage verschaffte die mit einem guten Dutzend Kanonen bewehrte Festung den zunächst an Zahl und Ausrüstung weit unterlegenen Griechen also eine gut geschützte Operationsbasis.
Jedoch erkannten auch die Türken die strategische Bedeutung der Stadt, gerade im Hinblick auf die angespannte Lage auf der Peloponnes, die bereits an die Aufständischen verloren zu gehen drohte. Am erreichte ein türkisch-ägyptischer Flottenverband von etwa 80 Schiffen unter dem Kommando von Hasan Pascha die Lagune. Am 21. Oktober begannen die Belagerer mit mehreren Tausend Marinesoldaten einen Sturmangriff auf die mit etwa 850 Verteidigern besetzten Wälle Messolongis, der jedoch erfolglos verlief. Die anschließenden Übergabeverhandlungen nutzten die Griechen, um Zeit zu gewinnen. Tatsächlich gelang es am 8. November einem kleinen Entsatzheer, auf sieben Schiffen die türkische Blockade zu durchbrechen.
Die Befehlshaber des Belagerungsheers beraumten einen weiteren Angriff für den an, weil sie hofften, die Griechen während der Weihnachtsfeierlichkeiten überraschen zu können. Die Verteidiger erhielten jedoch durch Verrat Kenntnis von diesem Vorhaben, und der Plan scheiterte. Die Belagerung war am beendet.
Zwischen Oktober 1823 und November 1823 war die Stadt wieder belagert, der erfolglose Angriff war aber gegen Etoliko ausgeführt.
Die zweite Belagerung mini|225px|Theodoros Vryzakis: Ausfall der Belagerten von Messolongi, 1855 (Athen, Nationalgalerie)