mini|Paul Richter c. 1926 Paul Martin Eduard Richter (* 16. April 1889Paul Richter in den Akten der Reichskulturkammer/ReichsfilmkammerRichters Eintrag in der Neuen Deutschen Biographie zeigt gleich vier verschiedene mögliche Geburtsjahre zwischen 1887 und 1897, siehe in Wien, Österreich-Ungarn; † 30. Dezember 1961 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler. mini|Paul Richter als Siegfried – Szenenfoto aus Die Nibelungen (1924) Leben Richter war der Sohn des Kaufmanns und Exporteurs Rudolf Thomas Anton Richter und seiner Frau Franziska Elisabeth, geborene Jäger. Nach dem Besuch der Realschule und einer abgebrochenen Kaufmannslehre erlernte Paul Richter die Schauspielerei am Staatlichen Konservatorium in Wien.

Nach seiner Ausbildung trat er zunächst als jugendlicher Liebhaber und Bonvivant am Stadttheater Troppau und am Hoftheater Mannheim auf und war in Wien an den Jarno-Bühnen und am Stadttheater zu sehen.

Als Freiwilliger bei den Kaiserjägern kämpfte er im Ersten Weltkrieg in den Karpaten, in Galizien, Russland und Tirol. Im Rahmen eines Bergführerkurses erwarb er im Frontabschnitt Ortler/Königsspitze ein Diplom als Bergführer. Nach dem Ende des Krieges war er am Theater in der Josefstadt und am Neuen Wiener Stadttheater engagiert. Bald war er jedoch fast ausschließlich für den Film tätig.

Beim Film war Paul Richter wegen seines attraktiven Aussehens und seines sportlichen Körpers schon bald auf die Rolle des Herzensbrechers, Lebemannes oder kämpferischen Helden und Draufgängers festgelegt. Populär wurde er in Joe Mays Abenteuerfilm Das indische Grabmal, wo er als englischer Offizier Mac Allen das Herz der Gattin eines indischen Maharadschas erobert. Seine wohl bekannteste Rolle ist die des Siegfried in Fritz Langs monumentalem Stummfilmklassiker Die Nibelungen von 1924. Diese Darstellung machte ihn zum Backfisch-Idol der 1920er Jahre und Gegenstück zu amerikanischen Stars wie Ramón Novarro und Rudolph Valentino.

Dank seiner klassischen Theaterausbildung konnte Paul Richter auch nach dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm seine Karriere erfolgreich fortsetzen. Er spielte insgesamt in mehr als siebzig Filmen einige Haupt- und zahlreiche Nebenrollen. Mit zunehmendem Alter war er häufiger als Darsteller von Gutsherren, Aristokraten, Förstern und Offizieren zu sehen. Auf die Bühne kehrte Richter nur noch zu seltenen Gastspielen zurück. Richter stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Richter, Paul, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 485

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der passionierte Bergsteiger und Jäger Paul Richter noch in mehreren Heimatfilmen zu sehen, ehe er 1959 infolge einer Augenoperation seine Karriere beendete.

Paul Richter war von 1924 bis 1931 mit der norwegischen Schauspielerin Aud Egede-Nissen verheiratet, mit der er auch gemeinsam vor der Kamera stand. Zu sehen waren die beiden in Dr. Mabuse, der Spieler und als Liebespaar in Der König der Mittelstürmer. Auch Egede-Nissens Sohn Georg Richter (er hatte den Nachnamen des Stiefvaters angenommen) aus ihrer früheren Ehe mit dem Schauspieler Georg Alexander war in der Filmbranche aktiv.

mini|hochkant|Grab von Paul Richter Er liegt auf dem Weidlinger Friedhof in Klosterneuburg in Österreich begraben.

Filmografie (Auswahl) 1914: Der Sterbewalzer 1914: Die Gouvernante 1918: Das Lied der Colombine 1920: Der Henker von Sankt Marien 1920: Der Mord ohne Täter 1921: Das indische Grabmal (2 Teile) 1921: Zirkus des Lebens 1921: Nachtbesuch in der Northernbank 1922: Dr. Mabuse, der Spieler (2 Teile) 1924: Die Nibelungen (2 Teile) 1925: Pietro, der Korsar 1925: Die rote Maus 1926: Schwester Veronika 1926: In Treue stark 1926: Dagfin 1927: Der König der Mittelstürmer 1927: Die Stadt der tausend Freuden 1927: Die letzte Nacht 1928: Schneeschuhbanditen (Bergenstoget plyndret inatt) 1928: Die Geliebte seiner Hoheit 1929: Die Frau im Talar 1929: Sensation im Wintergarten 1931: Die Försterchristl 1931: Die Nacht ohne Pause 1932: Der Hexer 1932: Strafsache van Geldern 1932: Marschall Vorwärts 1933: Drei Kaiserjäger 1933: Der Choral von Leuthen 1934: Schloß Hubertus 1934: Was bin ich ohne dich? 1934: Das unsterbliche Lied 1935: Ehestreik 1935: Der Klosterjäger 1936: Der Jäger von Fall 1937: Gordian der Tyrann 1937: Das Schweigen im Walde 1938: Frau Sylvelin 1938: Narren im Schnee 1938: Stärker als die Liebe 1938: Der Edelweißkönig 1939: Waldrausch 1940: Beates Flitterwoche 1941: Der laufende Berg 1943: Kohlhiesels Töchter 1943: Der Ochsenkrieg 1943: Die schwache Stunde 1944: Warum lügst du, Elisabeth 1948: Ein Mann gehört ins Haus 1950: Der Geigenmacher von Mittenwald 1951: Die Alm an der Grenze 1951: Die Martinsklause 1952: Der Herrgottschnitzer von Ammergau 1953: Der Klosterjäger 1954: Schloß Hubertus 1955: Das Schweigen im Walde 1957: Der Jäger von Fall 1957: Wetterleuchten um Maria 1958: Die singenden Engel von Tirol (Sag ja, Mutti) 1959: Der Schäfer vom Trutzberg

Literatur Rainer Dick: Paul Richter – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 23, 1993.

Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 525 f.

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