mini|Heilbronner Rathaus, Hauptbau (wieder aufgebauter Hauptteil des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Alten Rathauses) mini|Schematischer Plan des Gebäudekomplexes mini|Heilbronner Rathaus, Südflügel der Erweiterungsbauten (Neubauten) mini|Heilbronner Rathaus, Erweiterungsbauten (Neubauten),links der Hauptbau

Das Rathaus in Heilbronn liegt etwa im Zentrum des historischen Ortskerns von Heilbronn. Sein Hauptbau ist der nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Hauptteil des Alten Rathauses. Diesem ist ein vierflügeliger, moderner Gebäudekomplex angebaut, der die zur Ehrenhalle umgestaltete Ruine des alten Stadtarchivs aus dem 18. Jahrhundert umschließt.

Lage und Umgebung Das Rathaus befindet sich am Nordrand des Marktplatzes, der außer vom Altbau des Rathauses mit der Kilianskirche und dem Käthchenhaus von weiteren sehr alten Gebäuden gesäumt wird. Auf der Rückseite des Rathaus-Komplexes befindet sich die Lohtorstraße (früher Judengasse).

Geschichte

Ein älterer Rathausbau beim Kirchbrunnen (Siebenröhrenbrunnen) wird beschrieben („um 1535 ein noch älterer Rathausbau beim Kirchbrunnen durch Brand zerstört worden war“).Verein für Fremdenverkehr Heilbronn [Verkehrsverein] (Hrsg.): Führer durch das Rathaus und die Kilianskirche in Heilbronn. Schell’sche Buchdruckerei, Victor Kraemer Heilbronn, 1907–1910 [Stadtarchiv Heilbronn, Datenbank Heuss, Archivsignatur L006-Hc 2 Fue-1910], S. 4. So beginnt die uns heute bekannte Geschichte eines Rathauses in Heilbronn mit der Erwähnung eines Rathauses an der Kirchbrunnenstraße, wobei im Bereich des Westturms der Kilianskirche und weiter westlich ein älterer Marktplatz war. Im Gegensatz dazu war der benachbarte heutige Marktplatz zunächst noch mit einem Wirtschaftshof überbaut. Der kriegszerstörte Bau des heutigen Heilbronner Rathauses an der Kaiserstraße grenzte einst an den Kieselmarkt an, an dem Lammgasse und Lohtorstraße (früher Judengasse), zwei historische Hauptstraßen der Marktgemeinde aufeinandertrafen.Willi Zimmermann: Die Baugeschichte des Heilbronner Rathauses in Historischer Verein Heilbronn. 20. Veröffentlichung. Heilbronn 1951. Am Kieselmarkt war mit der Synagoge (1357), den rituellen Bädern und dem Friedhof der Heilbronner Juden das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Heilbronn im späten Mittelalter. Nach dem Stadtverbot für Juden im späten 15. Jahrhundert wurde das Gelände von der Reichsstadt Heilbronn erworben und überbaut.Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963, ISBN 3-928990-04-7, S. 35.

Architektur und Einrichtung

Hauptbau Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde lediglich die Außenarchitektur des Hauptteils des alten Rathauses wiederhergestellt. Darin eingeschlossen waren dessen Galerie und die astronomische Kunstuhr.

Erweiterungsbauten

Nordwestflügel (1954) mini|hochkant|Nordwestflügel (1954) Heinrich Röhm mini|hochkant|Südflügel (1957–59) Rudolf Gabel mini|hochkant|Nordostflügel (1957–59) Rudolf Gabel Ein erster Neubau entstand als Nordwestflügel Lohtorstraße / Rathausgasse im Jahre 1954 nach Norden als schlichter L-förmiger Erweiterungsbau nach Plänen von Heinrich Röhm.mini|hochkant=0.6|„[Das] Giebelfeld über dem Eingang am Marktplatz [ist] architektonisch … eine gewisse Wiederholung des Uhrgiebels am historischen Rathaus … in bescheidener und anderer Art …“ mini|hochkant=0.6|Die Säule der offenen Rathaushalle am Marktplatz wird durch eine „reichere Ausführung hervorgehoben“.

Süd- und Nordostflügel (1957–59) Bei einem überregionalen Wettbewerb am 15. Juni 1954 unter Vorsitz von P. Bonatz und unter der Mitwirkung der auswärtigen Fachpreisrichter Schmidt (Stuttgart), Grund (Darmstadt) und Steiner (Zürich) wurden die Pläne von Dr.-Ing. R. Gabel ausgezeichnet. Über diesen preisgekrönten Entwurf brach ein „erbitterter Meinungsstreit“ aus:

Der Rohbau wurde am 19. Oktober 1959 begonnen, das Richtfest fand am 4. November 1960 statt. Bis 1962 wurde ein nach Osten dreiflügeliger großzügiger Erweiterungsbau errichtet, der einen Innenhof um die einst die Nordostecke des Gebäudekomplexes markierende Archivruine schließt.Julius Fekete, Simon Haag, Adelheid Hanke, Daniela Naumann: Denkmaltopographie Baden-Württemberg Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 116 und S. 117. Die Außenwände wurden im Erdgeschoss mit Mooser-Muschelkalkplatten verkleidet, die oberen Geschosse erhielten eine Verkleidung aus Tengener Muschelkalkplatten, die beide gut zum Sandsteinmauerwerk des „alten historischen Rathauses“ passen. Die Stahlbetonstützen am Marktplatz und diejenigen der Arkade an der Lohtorstraße erhielten von Blasius Spreng eine Verkleidung aus Natursteinmosaik; die Säulen der offenen Rathaushalle am Marktplatz wurden dabei durch eine „reichere Ausführung hervorgehoben“. Über drei Stufen gelangt man durch die offene Halle vom Marktplatz zum Schmuckhof. Im Hof weist ein Mosaikmuster in einer Schräge zum Ausgang aus dem Schmuckhof in die Lohtorstraße hin. Der Südflügel mit seinem Giebelfeld, bildet eine Rezeption des Uhrengiebels der astronomischen Uhr, die sich am alten, historischen Teil des Heilbronner Rathauses befindet. Es ist ein „Giebelfeld über dem Eingang am Marktplatz … der … architektonisch … eine gewisse Wiederholung des Uhrgiebels am historischen Rathaus dar[stellt], allerdings in bescheidener und anderer Art, erklärt der Baumeister [Rudolf Gabel].“Julius Fekete, Simon Haag, Adelheid Hanke, Daniela Naumann: Denkmaltopographie Baden-Württemberg Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 117.Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 42.

Innenarchitektur Eingangsbereich und Eingangshalle Im Zweiten Weltkrieg zerstört, entstand 1953 ein neuer Eingangsbereich und neue Eingangshalle. Mitwirkende Künstler waren H.Röhm/W.Lutz/F.Nuss/A.Schaller. Der Haupteingang zum Altbau befindet sich auf der offenen Galerie im ersten Obergeschoss. Auf eine Anregung des Baurats Heinrich Röhm hin gestaltete die Schlosserei Willy Lutz durch Werner Holzbächer, Kunstschmiedemeister, das Oberlicht des Eingangs mit einem stilisierten Adler.Von dort aus ist die 126 m² große, zweischiffige Eingangshalle zu betreten, die über die ganze Tiefe des Altbaus von 23 m durchgreift. Die Halle empfängt von der Hofseite über ein dreiteiliges, 3 m hohes Glasfenster Licht. Diese Fenstergruppe auf dem Podest der Treppe zum großen Ratssaal ist Blickfang für jeden Besucher und erhielt eine Glasschliffarbeit von Fritz Nuss. Von der Eingangshalle aus führt über das oben erwähnte Podest eine 3,5 m breite Steintreppe zwischen Mauern zur oberen Halle, die sich längs des großen Ratsaals legt. Als Fußbodenbelag aller Hallen wurden großformatige Platten aus Jura-Marmor deutsch-gelb und grau verwendet, letztere auch als Friese und als Belag für die Haupttreppe. Farbenakzent der oberen Halle bilden drei Rundsäulen in einfarbig dunkel pompejanisch-rotem Stuckmarmor, eine Arbeit des Stuckateurmeisters Anton Schaller, Neuhausen a.d.F. Besonderes Augenmerk wurde auf die an den roten Säulen angebrachte Beleuchtung gelegt – „die M-Förmig gebogenen Leuchtstoffröhren…, die wie eine Lichtkrone die Säulen umfassen“. Das Geländer um das Treppenloch ist aus Schmiedeeisen, grauweiß gestrichen mit Messingbeschlägen und Messing-Handlauf und gedrehten, zirbelartigen Knäufen.

Sitzungssäle

Großer Ratssaal 1953 entstand erneut ein Großer Ratssaal. Mitwirkende Künstler waren H. Röhm, A.W. Sauter sowie F. Nuss. Der Entwurf für den großen Ratssaal stammt von Röhm.Sonderbeilage für den Stadtkreis Heilbronn. In: Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Heilbronn vom 26. Juni 1953 Nr. 26. Der Ratssaal ist von der Halle aus durch zwei zweiflügelige Türen, außen in Eiche, innen Rüster, zu betreten. Die Türe hat ein Gewände aus Sandstein. Der Ratssaal ist 13 m breit und 19 m lang. Die lichte Höhe beträgt 7,6 m bis zur Unterkante der Kassettendecke. Das Relief der Supraporten im Großen Ratssaal besorgte Fritz Nuss im Jahre 1953. Das wuchtige, tiefgenischte Mauerwerk schließt in Traufhöhe ein breiter Sandsteingurt ab. Darüber erhebt sich die Holzdecke mit trapezförmigem Querschnitt. Die schrägen Seitenflächen sind in liegende Pfosten gegliedert. Der Deckenspiegel hat vom Ost- zum Westgiebel eine Länge von 25 m und ist in quadratischen Kassetten aufgeteilt. Die Rippen sind etwas nach grau hin gebeizt, die Felgen hell abgesetzt. Oben am Ostgiebel wurde ein vom zerstörten Kanzleigebäude geretteter Wappenadler von 1593 angebracht:Alexander Renz, Susanne Schlösser: Chronik der Stadt Heilbronn. Band VII: 1952–1957. Heilbronn 1996, S. 117. „Der alte Adler, den ich … wieder zusammengesetzt habe und der hier oben … als Symbol im Giebel eingesetzt ist, sollte uns erinnern und mahnen, daß wir nicht für heute und morgen, sondern über Generationen hinweg planen, und daß wir heute die Heimat für morgen schaffen.“13 Jahre Mitarbeit am Wiederaufbau von Heilbronn. In: Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Heilbronn, 4. April 1963, Nr. 14. Dieser „hält … die stete Verbindung vom alten zum neuen Heilbronn aufrecht“.Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn – Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1973. Nr. 153 [Reichsstädtischer Wappenadler im großen Sitzungssaal des Rathauses, Aufnahme 1971] Im Großen Ratssaal befinden sich an der Stirnseite zwei Wandverkleidungen. Diese Verkleidungen bestehen aus dünnen Messinggeflechten, auf denen sich stark stilisierte Ornamente aus Messingdraht und Messingblech befinden. Ein Werk versinnbildlicht die Symbole von Handel, Industrie und Schifffahrt, während das andere Werk die Symbole der Landwirtschaft und des Weinbaus darstellen soll. Geschaffen hat dies der Graphiker A. W. Sauter. Nach Westen legt sich dem Ratssaal das Zimmer des Oberbürgermeisters quer. Darüber befindet sich die 78 m² große Empore für die Zuhörer. In den drei Fenstern des Westgiebels sind Fenster mit den Wappen verschiedener Heilbronner Familien zu sehen, die noch aus dem alten Rathaus rechtzeitig in Sicherheit und 1953 neu eingebaut wurden. Der Saal wird nur indirekt ausgeleuchtet. Über dem Sandsteingurt in Traufhöhe kragt eine Voute in Messing und weißgespritztem Blech 40 cm weit in den Raum. Dahinter legen die drei Reihen Leuchtstoffröhren mit Reflektoren und Strahlen die Decke aus. Der Saalboden ist Tafelparkett in Eiche mit Räucherfriesen. Paneel, Tisch und Wandtafelschrein sind Rüster. Die Brüstung der Empore im Ratssaal ist mit rotem Azella-Material bespannt. Die Bestuhlung im Saal ist in rotem Vollrindleder und aufgeprägtem Stadtwappen. Im Großen Ratssaal befinden sich große Wappenteppiche. Der linke Wappenteppich zeigt das Stadtsiegel von 1265, rechts der Wappenteppich mit einem angeglichenen Württ. Siegel mit "künstlicher" Umschrift, in die offensichtlich das Jahr 1262 von HN integriert wurde.

Kleiner Ratssaal Da der Gemeinderatssaal im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, entstand 1953 der Kleine Ratssaal, nach Entwürfen von Röhm erbaut. Der Kleine Ratssaal ist von der Halle aus zugänglich. Im Saal befindet sich ein großer hufeisenförmiger Tisch. An dessen offener Seite ist eine große Wandtafel für Demonstrationszwecke eingebaut. Die Decke und das gesamte Holzwerk bestehen aus Eiche. Das Gestühl ist mit blaugrünem Vollrindleder bespannt. Die Wände sind hell lichtgrün getönt. Dort befinden sich die Porträts früherer Ehrenbürger und Bürgermeister.

Archivsaal