Die Bayer Aktiengesellschaft (kurz Bayer AG) mit Sitz in Leverkusen ist die börsennotierte Muttergesellschaft eines Agrarchemie- und Pharmakonzerns mit insgesamt knapp 93.000 Mitarbeitern (Stand: 31. Dezember 2024). Das Geschäft wird über die drei Divisionen Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science geführt. Der Bayer-Konzern gab 2025 5,8 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus.

Der Name Bayer ist auch durch das Tochterunternehmen Bayer 04 Leverkusen bekannt, das im Fußballbereich aktiv ist. Zwischen 2002 und 2005 wurden in einer der größten Umbruchsphasen in der Unternehmensgeschichte die ursprünglichen Sparten Pharma, Pflanzenschutz, Chemie und Kunststoffe als Teilkonzerne ausgegliedert und neu formiert.

Geschichte Gründungsphase und Wachstum mini|hochkant|Friedrich Bayer

Das Unternehmen wurde am 1. August 1863 in Barmen, im heutigen Wuppertaler Stadtbezirk Heckinghausen, von Friedrich Bayer (1825–1880) und Johann Friedrich Weskott unter der Firma „Friedr. Bayer et comp.“ gegründet. Friedrich Bayer nahm entsprechend seiner Ausbildung innerhalb des noch kleinen Betriebs die kaufmännischen Aufgaben wahr. Weskott hatte eine Färberlehre absolviert und dabei chemische Kenntnisse erworben, die er in die Produktion einbrachte. Wichtige Produkte für das Unternehmen wurden Fuchsin und Anilin.

mini|Das Elberfelder Stammwerk beiderseits der Wupper mini|Historische Musterkarten und Farbstoffproben aus den Farbenfabriken Elberfeld und Leverkusen

1878 wurden der Hauptsitz und die meisten Produktionsanlagen auf ein größeres Gelände in Elberfeld verlegt. 1881, nach dem Tod Bayers unter der Führung seines Sohnes Friedrich Bayer (1851–1920), der 1873 als Chemiker in die Firma eingestiegen war, wurde das Unternehmen in die Aktiengesellschaft „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ umgewandelt, das auch Elberfelder Farbenfabriken genannte Unternehmen war entstanden.Bayer: Historie 1882 wurde Henry Theodore Böttinger in den Vorstand des Unternehmens berufen. 1883 kam der Chemiker Carl Duisberg zu Bayer und baute nach seinen Erfolgen ab 1888 die chemische Forschung aus. Gemeinsam bauten Bayer, Böttinger und Duisberg die Geschäftstätigkeit des Unternehmens stetig aus; nach dem Tod Bayers war sein Sohn Richard Bayer von 1920 bis 1960 im Aufsichtsrat des Unternehmens vertreten. In Wuppertal-Elberfeld entstand ein modernes wissenschaftliches Laboratorium.

Die Mitarbeiterzahl war auf über 300 Beschäftigte gestiegen. In den Elberfelder Laboratorien wurden in den folgenden Jahrzehnten die Wirkungen des Diacetylmorphins, der Acetylsalicylsäure und der Sulfonamide erforscht und entdeckt, die im neuen Jahrhundert unter den Markennamen Heroin, Aspirin und Prontosil auf den Markt gebracht und für die spätere Bekanntheit des Unternehmens wichtig wurden. Das Patent auf die bereits bestehenden Forschungen zum Heroin hatte der Konzern am 26. Juni 1896 erworben. Mit dem Sulfonamid Prontosil führte Bayer das weltweit erste Chemotherapeutikum ein, das als Breitbandantibiotikum eingesetzt werden konnte. Gerhard Domagk erhielt dafür im Jahr 1939 den Nobelpreis für Medizin.

Verlegung an den Rhein mini|Kolonie-Museum mini|hochkant|Carl Duisberg, 1912 bis 1925 Vorstandsvorsitzender mini|Amerikanische Bayer-Werbung für Aspirin, Heroin, Lycetol, Salophen und andere ohne|mini|Kopf einer Rechnung der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Comp in Elberfeld vom 1. April 1899

1895 plante Duisberg im Auftrag Bayers den neuen Unternehmenssitz, da eine Ausdehnung des Betriebsgeländes aufgrund der von Abhängen und der Wupper eingeengten Lage im Wuppertal kaum möglich war. Elberfeld/Barmen waren damals eines der größten Industrie-Zentren Deutschlands, zählten schon um 1880 weit über 300.000 Einwohner und bildeten neben Berlin zeitweilig den zweitgrößten Ballungsraum des Landes.

Neuer Sitz von Bayer sollte das Gelände des Alizarinherstellers Leverkus und Söhne bei der kleinen Stadt Wiesdorf am Rhein werden, die damals gerade 2.500 Einwohner zählte. Am dortigen Rheinufer waren bereits grundlegende Anlagen einer chemischen Fabrik vorhanden. Zu der Fabrik gehörte in dem weitgehend unbesiedelten, formal zu Wiesdorf gehörenden Areal auch eine Arbeitersiedlung, die der Unternehmensgründer Carl Leverkus nach seinem Familienstammsitz bei Remscheid-Lennep, dem Hof Leverkus, inoffiziell auf den Namen „Leverkusen“ getauft hatte. Als 1930 für die neu gegründete Stadt ein Name gesucht wurde, griff man auf den Namen dieser Siedlung zurück. Bereits beim Bau des neuen Unternehmenssitzes im Jahr 1895 achtete Duisberg darauf, dass jeweils 30 Meter breite Hauptstraßen und 15 Meter breite Nebenstraßen zwischen den Gebäuden errichtet wurden, was er in seiner Denkschrift, die er als Grundlage für seine Planungen verfasste, begründete:

In seinen Planungen kümmerte er sich auch um vermeintliche Kleinigkeiten, beispielsweise Beschaffungslisten von Werkzeugen und Einzelteilen. Nicht alle seine Planungen wurden genau umgesetzt, Veränderungen jedoch nur mit seiner ausdrücklichen Genehmigung zugelassen. Eine seiner Ideen war eine Erholungsanlage für die Mitarbeiter. Dazu kaufte er 1908 einen Freizeit- und Seminarstandort in Großeledder bei Dabringhausen.

In der Zeit von 1895 bis 1900 wurde die Produktion schrittweise nach Wiesdorf verlegt. Zunächst gab es Probleme, genügend Arbeiter zu finden. Die Umgebung des Werks war gegenüber anderen Städten und Dörfern verhältnismäßig unterentwickelt, es handelte sich größtenteils um unbesiedeltes Brachland. Bei einem akademischen Kommers wurde Duisberg ein „Klagelied“ vorgetragen:

So plante Duisberg, dass um das Werk aus der unansehnlichen Arbeitersiedlung nach und nach eine Stadt entstehen solle. Er ließ Häuser, die so genannte „Bayer-Kolonie“, bauen. Im Laufe der Jahre entstand das Bayer-Kaufhaus, und es entwickelten sich kulturelle Institutionen wie das Bayer-Erholungshaus, die Werk und Stadt eng miteinander verbanden. Seit April 2005 existiert in einem Haus der Bayer-Kolonie ein Museum zur Geschichte der Werkssiedlung.

Elberfeld blieb in dieser Entstehungszeit der Kolonie Hauptsitz der Forschung, während die Produktion in Wiesdorf stattfand. Die Verwaltung war noch in Elberfeld untergebracht, bis sie schließlich im Jahr 1912 als erste Amtshandlung Duisbergs als neuem Vorstandsvorsitzenden nach Wiesdorf verlegt wurde. Geplant worden war die Verlegung des Unternehmenssitzes allerdings schon ab 1902. Duisberg organisierte diese Verlegung straff und detailliert.Verg 1988, S. 194. 1909 setzte die Direktion fest, „daß die hier geplanten Erweiterungsbauten bis zum Frühjahr 1912 fix und fertig übergeben werden“.Verg 1988, S. 194, Z. 22.

Neben der Funktionalität der Gebäude wurde auf ein repräsentatives Äußeres, das der Zentrale eines Weltkonzerns angemessen erschien, Wert gelegt.Verg 1988, S. 195. Auf diese Weise entstanden die Unternehmervillen und beispielsweise das Kasino (Kantine für Akademiker und Führungskräfte) in einem prächtigen Stil. Alle Direktoren wohnten in der Nähe des Betriebes, was die Unternehmenskultur und die Stadt Leverkusen prägte.

Die später Bedeutung erlangende Interessengemeinschaft (I.G.) aus BASF, Agfa und Bayer wurde nach dem Scheitern der duisbergschen Idee der „Vereinigten Deutschen Farbenfabriken“ aus Bayer, BASF und Hoechst 1904 gegründet. Aufgegeben wurden die Fusionspläne unter anderem wegen des für die Hoechst AG angesichts eigener wirtschaftlicher Stärke ungünstigen Fusionszeitpunktes. So schlossen sich BASF und Bayer zu einer Interessengemeinschaft zusammen, der Agfa zum 1. Januar 1905 beitrat. Die I.G. konnte zusammen einige Projekte beginnen, die jedem einzelnen Mitgliedsunternehmen allein nicht gelungen wären. Die Idee für die Fusion und der daraus folgenden Interessengemeinschaft brachte Carl Duisberg von seinen USA-Reisen mit. 1913 hatte das Unternehmen 10.600 Mitarbeiter, davon 7.900 in Wiesdorf und fast 1.000 im Ausland. Tochtergesellschaften wurden in Frankreich, Großbritannien, Belgien, Russland und den USA gegründet. Der Export erbrachte 1913 einen Anteil von 60–80 Prozent des Unternehmensumsatzes.

Der Erste Weltkrieg Der Erste Weltkrieg traf Bayer wie die übrige deutsche Industrie unvorbereitet. Im ersten Kriegsjahr unterstützte Bayer Kriegsopfer durch die Versorgung mit ärztlichen Mitteln und von Grundbedürfnissen (Schlafstätten, warmes Essen). Im Hauptlaboratorium wurde ein Notlazarett eingerichtet, da man zunächst davon ausging, dass der Krieg nicht lange anhalten würde und daher die Produktion in dieser Zeit ruhen könne.

Durch Einberufungen zum Kriegsdienst entstand ein Mangel an Arbeitskräften, durch welchen die Produktion um die Hälfte reduziert werden musste. Anfragen des Kriegsministeriums nach kriegswichtigen Stoffen wie Kautschuk oder Sprengstoff wurden von Duisberg in den ersten Kriegsmonaten aus Gründen der Produktionstechnik und Sicherheit abgelehnt. Abgesehen vom Arbeitskräftemangel standen auch die damaligen Werksanlagen einer Sprengstoffproduktion entgegen. Die Ablehnung wurde, bedingt durch Umsatzeinbußen, zum Ende des Jahres 1914 aufgegeben, zumal inzwischen technische Fortschritte erreicht worden waren. Zur Sprengstoffproduktion wurde ein Werk in Köln-Flittard errichtet.Verg 1988, S. 201 ff. Im Gaskrieg wurden mehrere zehntausend Tonnen an Chlorgas und Phosgen aus der Farbenproduktion der Bayer AG als Kampfgas eingesetzt. Im Juni 1916 begann das Unternehmen mit der Lieferung von Chlorpikrin (insgesamt 6.000 Tonnen) und ein Jahr später von Senfgas (auch „Lost“ genannt; insgesamt 45.000 Tonnen).Bundesfachtagung der Chemiefachschaften Zum Ausgleich von kriegsbedingten Umsatzeinbußen und einer besseren Koordination ihrer Produktionen mit BASF, Agfa, Cassella, Kalle & Co., Weiler-ter Meer, der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron und den Farbwerken Hoechst kam es 1916 zur Gründung einer Interessengemeinschaft, die den Gewinn untereinander aufteilte, den einzelnen Unternehmen aber ihre Selbständigkeit beließ.

mini|Aktie der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co in Leverkusen b. Cöln vom 15. November 1919 Nach Kriegsende 1918 besetzten britische Truppen unter anderem einen rechtsrheinischen Brückenkopf um Köln, wovon auch das Wiesdorfer Bayer-Werk betroffen war. Das Unternehmen verlor nach dem Krieg einen Großteil seiner Absatzmärkte. Der US-amerikanische Tochterkonzern wurde enteignet und die einzelnen Teile verkauft, der russische Unternehmensteil wurde im Zuge der Russischen Revolution enteignet.

Da das Werk Wiesdorf unversehrt blieb, konnten Forschung und Produktion rasch wieder aufgenommen werden. 1923 brachte Bayer das von den Chemikern Oskar Dressel und Richard Kothe 1916 entdeckte Suramin (Germanin), ein Mittel gegen die Schlafkrankheit, auf den Markt.Verg 1988, S. 216 f.

Die I.G. Farben

Im Rahmen der seit 1904 bestehenden und 1916 ausgeweiteten Interessengemeinschaft wurde im November 1924 über eine zukünftige Ausweitung der Zusammenarbeit diskutiert – die deutsche Chemieindustrie stand nach dem Krieg deutlich schlechter da als zuvor, weil der gesamte Auslandsbesitz verloren war. Erneut fertigte Carl Duisberg eine Denkschrift an, in der er die Möglichkeiten des Fortbestandes diskutierte. Infrage kamen eine Fusion, eine Holding-Gesellschaft oder eine engere Bindung der Mitglieder aneinander. Duisberg persönlich präferierte die Holdinggesellschaft, während die meisten Vorstandsvorsitzenden der anderen Unternehmen möglichst rasch fusionieren wollten. Es bildeten sich in einem erbitterten Streitgespräch zwei Parteien – die eine, kleinere Partei, die wie Duisberg für eine Holding-Organisation plädierte, und die größere Partei – angeführt von Carl Bosch von der BASF –, die für eine Fusion stimmte. Schließlich stimmte der Gemeinschaftsrat der Interessengemeinschaft für eine Fusion.