mini|hochkant=1.5|Haupt-Campus der TU Dresden westlich der Neuen Mensa und Bergstraße, 2024 mini|hochkant=1.5|1913 für die Abteilung Bauingenieurwesen errichtet: Der Beyer-Bau mit charakteristischem Lohrmann-Observatorium

Die Technische Universität Dresden (kurz TUD oder TU Dresden) ist eine Universität des Freistaats Sachsen in Dresden.Vgl. § 1 Geltungsbereich Sächsisches Hochschulgesetz. An der Universität sind rund 29.000 Studierende aus 128 Staaten eingeschrieben; es lehren rund 600 Professoren. Die Universität ist Arbeitgeber für rund 8.500 Beschäftigte aus 70 Ländern und damit der größte Arbeitgeber in Dresden.Porträt der TU Dresden. TU Dresden, 3. Februar 2022, abgerufen am 9. April 2022. Sie befindet sich mit drei Standorten in Dresden sowie mit mehreren kleineren Nebenstellen im Umland der Stadt. Zusammen mit acht anderen Universitäten für technische Studiengänge gründete sie 2006 die TU9 und ist dort das einzige Mitglied aus den neuen Bundesländern. Mit 119 Studiengängen und 17 Fakultäten in fünf Bereichen verfügt sie über eines der breitesten Fächerspektren in Deutschland.

Im Rahmen der Exzellenzinitiative wurde die TU Dresden 2012 als Exzellenzuniversität ausgewählt. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 15. Juni 2012. In der anschließenden Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder setzte sie sich 2019 erneut in der Förderlinie Exzellenzuniversitäten durch.Heiko Weckbrodt: TU Dresden bleibt einzige ostdeutsche Exzellenz-Uni. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 19. Juli 2019. Im März 2026 wurde ihr Status als Exzellenzuniversität erneut bestätigt. Seit Januar 2026 ist die Universität an fünf Exzellenzclustern beteiligt: CeTI – Centre for Tactile Internet with Human-in-the-Loop, ctd.qmat – Complexity, Topology and Dynamics in Quantum Matter, PoL – Physics of Life, CARE – Climate-Neutral and Resource-Efficient Construction sowie REC² – Responsible Electronics in the Climate Change Era.

Die Universität setzt im Rahmen des Projekts DRESDEN-concept auf interdisziplinäre Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Stadt. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Ingenieurwissenschaften, der Mikroelektronik, der Informatik und Künstlichen Intelligenz, den Lebenswissenschaften, der Material- und Quantenforschung, dem nachhaltigen Bauen sowie der Mobilitätsforschung. Mit dem Center for Interdisciplinary Digital Sciences (CIDS) bündelt die TU Dresden Aktivitäten in Hochleistungsrechnen, Datenanalyse, Künstlicher Intelligenz sowie Cloud- und Edge-Technologien.

Geschichte Technische Bildungsanstalt mini|Technische Bildungsanstalt am Antonsplatz (1846–1873)

Am 1. Mai 1828 wurde die Königlich-Technische Bildungsanstalt zu Dresden gegründet, um für die zunehmende Industrialisierung Fachkräfte in technischen Bereichen wie Mechanik, Maschinenbau und Schiffskonstruktion ausbilden zu können. Gründungsdirektor war Wilhelm Gotthelf Lohrmann, der die Anstalt im Brühlschen Gartenpavillon auf der Brühlschen Terrasse aufbaute. Das Gebäude enthielt einen Hörsaal und zwei Zeichenräume; im ersten Jahr ihres Bestehens lernten an der Technischen Bildungsanstalt 161 Schüler, darunter neun in der ersten Abteilung.Reiner Pommerin: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 26. Zu den ab 1828 unterrichtenden elf Lehrern gehörten neben Gründungsdirektor Lohrmann auch Heinrich Ficcinus (Physik, Chemie, Technologie) und Rudolf Sigismund Blochmann (Mechanik).Reiner Pommerin: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 25–26.

Einer der wichtigen Charaktere der Anfangsjahre wurde Johann Andreas Schubert, der im Alter von 20 Jahren an der gerade gegründeten Schule zunächst Buchhaltung und als zweiter Lehrer Mathematik unterrichtete und 1832 sowohl an der benachbarten Bauschule der Akademie der bildenden Künste als auch an der Technischen Bildungsanstalt zum Professor berufen wurde. Schubert kann dabei als Universalgenie der Ingenieurwissenschaften bezeichnet werden: Er konstruierte unter anderem Dampfschiffe, die Saxonia (eine der ersten Dampflokomotiven in Deutschland) und die Göltzschtalbrücke. Daneben war er schon früh als Unternehmer tätig, war kurzzeitig 1849/50 kommissarischer Direktor der Technischen Bildungsanstalt und leitete ab 1851 deren Bauingenieur-Abteilung.

Bereits 1833 bezog die Technische Bildungsanstalt größere Räumlichkeiten in der ehemaligen Rüstkammer beim Jüdenhof,Reiner Pommerin: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 31. bevor sie 1846 einen Neubau am Antonsplatz erhielt, der bis 1873 genutzt wurde. Mit ihrer ersten Reform 1851 wurde die Schule durch König Friedrich August II. zur Königlichen Polytechnischen Schule befördertRalf Hübner: Aus Technischer Hochschule wird Technische Universität. In: Sächsische Zeitung vom 9./10. Oktober 2021, S. 19. und damit der Königlich Sächsischen Bergakademie zu Freiberg (der heutigen Technischen Universität Bergakademie Freiberg) als bis dahin höchste technische Bildungsstätte in Sachsen gleichgestellt. Unter Direktor Julius Ambrosius Hülße, der der Schule von 1850 bis 1873 vorstand, „verbindet sich die entscheidende qualitative Veränderung der Ausbildung von der Praxis zur Theorie“.Reiner Pommerin: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 46.

Im Jahr 1815 wurde die Chirurgisch-Medizinische Akademie zu Dresden gegründet, deren Gründungsmitglied Carl Gustav Carus namensgebend für die Medizinische Fakultät war. Diese entstand 1993 aus der Medizinischen Akademie Dresden. Im Jahr 1816 wurde die 1811 in Tharandt durch Heinrich Cotta gegründete Forstlehranstalt zur Königlich Sächsischen Forstakademie ernannt. Die 1929 integrierte Einrichtung existierte ab 1941 als eigenständige Fakultät Forstwissenschaften und gehört in der Gegenwart als Fachrichtung Forstwissenschaften zur Fakultät Umweltwissenschaften.

Technische Hochschule Königlich Sächsisches Polytechnikum (1871–1890) mini|Gebäude der Technischen Hochschule am damaligen Bismarckplatz (1945 zerstört) mini|Querschnitt 1878

Im Gründungsjahr des Deutschen Reichs wurde die Bildungsanstalt 1871 in Königlich Sächsisches Polytechnikum umbenannt. Auch nichttechnische Fächer wie Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Sprachen hielten zu der Zeit Einzug oder wurden vertieft. Damit wurde die Anstalt noch vor der Bergakademie in Freiberg in den nach heutigem Ermessen technisch-universitären Stand erhoben. Ihr neues Hauptgebäude am Bismarckplatz mit Sitz des Rektorats und der Verwaltung bezog sie 1875. Gleichziehend mit anderen technischen Hochschulen im deutschsprachigen Raum wurden 1883 erstmals Diplomarbeiten als Abschluss des Studiums verfasst und verteidigt.

Von 1872 bis 1875 wurde für das Königlich Sächsische Polytechnikum nach Entwurf des Architekten Rudolf Heyn an der Südseite des Bismarckplatzes, des heutigen Friedrich-List-Platzes, im Stil der Neorenaissance ein repräsentatives Gebäude errichtet. Bis zu dessen Zerstörung 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden diente es nach 1919 als das repräsentative Gebäude der Technischen Hochschule Dresden. Dabei stand der Bau mit seiner beachtlichen Architekturqualität der Neorenaissance beispielhaft für die Architektur der Semper-Nicolai-Schule, Grundriss und Fassade waren nach dem Vorbild des von Gottfried Semper erbauten Zürcher Polytechnikums gestaltet.Helas, S. 174.

Es war ein dreigeschossiger Vierflügelbau, der zwei Höfe umschloss, der eine mit Sandstein verblendete Fassade und ein flaches Walmdach besaß. Die drei Geschosse waren durch Gesimse optisch voneinander getrennt, Mittel- sowie Eckrisalite gliederten die Fassade. In der Hauptansicht vom Bismarck- (Friedrich-List-) Platz wies der Mittelrisalit eine Frontlänge von fünf Achsen auf. Dieser war mit umfangreicher Bauplastik versehen: Ionische und korinthische Halbsäulen- und Pilaster gliederten ihn genauso, wie Flachgiebel über Mittel- und Außenachsen. Balustraden und verschiedene Reliefs, wie Eichenlaubnachbildungen, und eine vielfigürliche Darstellung im Gebälk sowie Liegefiguren auf den Giebeln ergänzten sie.

Königlich Sächsische Technische Hochschule (1890–1919) Den Status einer Technischen Hochschule erhielt die Einrichtung mit Erlass vom 3. Februar 1890; sie hieß nun Königlich Sächsische Technische Hochschule. Maßgeblichen Einfluss bei der Umstellung auf das Wahlrektorat hatte der damalige Professor und letzter Direktor des Polytechnikums Gustav Zeuner; erster Rektor der Technischen Hochschule wurde Karl Ernst Hartig.

Ab 1900 hatte die Hochschule das Promotionsrecht. Eine Übersicht über die frühen Promovenden (Zeitraum: 1900–1945) wurde im Jahr 2019 vom Universitätsarchiv veröffentlicht.Voss, Waltraud; Musiol, Anja: Biographisches Lexikon der frühen Promovenden der TU Dresden (1900–1945), in zwei Bänden, hg. vom Universitätsarchiv der TU Dresden (Matthias Lienert). Merseburg 2019: Hochschulverlag. Band 1 ISBN 978-3-948058-08-1 / Band 2 ISBN 978-3-948058-09-8. Ebenfalls konnten nunmehr Ehrenpromotionen an verdienstvolle Wissenschaftler und Unternehmer verliehen werden. Erster Ehrenpromovend war Friedrich Siemens.

Auf Hermann Krone, der als Begründer der Landschaftsfotografie an der Technischen Hochschule Fotografie lehrte, und den Unternehmer Richard Hüttig geht die Tradition Dresdens und der Hochschule als Zentrum der Fototechnik zurück.

Nachdem die Hochschule schon im 19. Jahrhundert immer größere Räumlichkeiten benötigte, begann zur Jahrhundertwende die Anlage des heutigen Campusgeländes in der Südvorstadt hangabwärts von Räcknitz. Zahlreiche Gebäude des erhaltenen Kerncampus entstanden nach Plänen von Karl Weißbach und Martin Dülfer. Die Bauten sind vorwiegend in historistischer Architektur mit Fassaden in Klinker und Sandstein-Gliederungen ausgeführt. Zu den markantesten Gebäuden des Campus gehören unter anderem das zwischen 1900 und 1905 erbaute Hauptkollegiengebäude (seit den 1920er Jahren Zeuner-BauTechnische Universität Dresden: Gebäude und Namen. 2. Auflage, Klingenberg Buchkunst, Leipzig 1997, S. 77.) und das am Fritz-Foerster-Platz gelegene, 1913 eingeweihte Bauingenieurgebäude (seit 1953 Beyer-BauTechnische Universität Dresden: Gebäude und Namen. 2. Auflage, Klingenberg Buchkunst, Leipzig 1997, S. 10.) mit dem Lohrmann-Observatorium und seiner etwa 40 Meter über Straßenniveau reichenden Kuppel. Der 30-cm-Heyde-Refraktor dient Beobachtungen auf dem Gebiet der Geodätischen Astronomie. Aufgrund ungünstiger Beobachtungsbedingungen wurde für die astronomischen Beobachtungen ab den 1960er Jahren die Außenstelle in Gönnsdorf aufgebaut. Seit 2007 werden die astronomischen Beobachtungen in der neuen modernen Außenstelle auf dem Triebenberg am östlichen Rand von Dresden durchgeführt.

Der 1902 zum Professor für Physiologische Chemie und Allgemeine Physiologie an der Chemischen Abteilung der TH berufene Arthur SchloßmannSchloßmann, Arthur. In: Dorit Petschel (Bearb.): Die Professoren der TU Dresden, 1828–2003. In: 175 Jahre TU Dresden. Band 3, Böhlau, Köln 2003, S. 842. begründete in der Dresdner Johannstadt zusammen mit dem Unternehmer Karl August Lingner das Institut (Kinderpoliklinik mit Säuglingsheim), aus dem das heutige Universitätsklinikum Carl Gustav Carus hervorging. Richard Mollier forschte an der TH zur Technischen Thermodynamik und wurde später durch die Bezeichnung der Mollier-Diagramme geehrt. Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner, Gründungsmitglieder der expressionistischen Künstlergruppe Brücke, studierten in der Zeit Architektur an der Hochbauabteilung der TH Dresden.

Ab 1902 bot die Hochschule eine vollständige wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung für technische Berufe und Lehrberufe im technischen Bereich an. Ab 1907 wurden Frauen zum Vollstudium zugelassen.

Der Erste Weltkrieg ließ Forschung und Lehre fast zum Stillstand kommen. Viele Studenten und Mitarbeiter der Hochschule wurden verwundet oder starben im Kriegseinsatz.