Das Stadion Rajko Mitić (), ehemals Stadion Roter Stern – auch bekannt als Marakana oder Marakana von Belgrad – ist ein Fußballstadion mit Leichtathletikanlage im Besitz des Belgrader Fußballklubs Roter Stern Belgrad. Es ist mit 55.538 Sitzplätzen und einer Gesamtkapazität von bis zu 60.000 Zuschauern das größte Stadion in Serbien.Stadion Rajko Mitić (englisch)
Es fasste früher über 110.000 Zuschauer und gehörte zu den größten Stadien der Welt.Дом Црвене звезде, Website des Fußballclubs Roter Stern Belgrad (serbisch) Aufgrund der Größe sowie der ähnlichen Architektur und Atmosphäre erhielt es den Beinamen Marakana analog zum brasilianischen Maracanã in Rio de Janeiro.
Die Spielstätte war Schauplatz des Endspiels im Europapokal der Landesmeister 1973 und der Fußball-Europameisterschaft 1976. Die Spielstätte war auch Teil eines von Stadionwelt im Jahr 2011 veröffentlichten Buches mit dem Titel 50 Stadien in Europa, die man gesehen haben muss.
Im Dezember 2014 beschlossen die Aktionäre von Roter Stern Belgrad bei der Hauptversammlung, das Stadion nach Rajko Mitić (* 1922; † 2008), der von 1945 bis 1958 in 572 Spielen 262 Tore für Roter Stern erzielte, zu benennen.Belgrade: Red Star stadium to change name – no more Marakana?, stadiumdb.com, 21. Dezember 2014 (englisch) Mitić gilt als einer der größten Spieler und Trainer des jugoslawischen und serbischen Fußballs.
Standort und Verkehrsanbindung Lage und Umfeld 150px|mini|Belgrader Stadtbezirke Das Stadion zeichnet sich durch seine zentrale Lage aus und befindet sich in der geografischen Mitte der serbischen Hauptstadt auf dem sogenannten Topčider-Hügel, südlich der Save und der Donau. Im Stadtbezirk Savski Venac beheimatet liegt es zwischen der westlich gelegenen Ljutice-Bogdan-Straße 1a Ecke Banjički-venac-Straße, sowie dem östlich liegenden Bulevar oslobođenja und ist unweit von der Innenstadt entfernt, wodurch das Stadion über verschiedene Anfahrtswege zu erreichen ist. Direkt an der Nord- und Südseite liegt das Vereinsgelände von Roter Stern mit Trainingsplätzen und einem Clubhaus. Etwa 550 Meter Luftlinie nördlich des Sportkomplexes befinden sich das Partizan-Stadion, die Heimstätte des Fußballclubs Partizan, und das Vereinsgelände, mit dessen Tennisabteilung Roter Stern eine traditionsreiche sportliche Rivalität verbindet.
Anreisemöglichkeit Durch die nahe Lage an der Autobahn E-75 und die relative Nähe zur E-70, die beide an den paneuropäischen Verkehrskorridor X angebunden sind, ist für Anreisende mit dem PKW ein zügiges Verkehren von und zu den Spielen gewährleistet. Der ebenfalls mit dem Verkehrskorridor X verbundene Belgrader Eisenbahnknoten, soll mit der geplanten Belgrader Metro das Rückgrat des schienengebundenen öffentlichen Personalverkehrs der Stadt stellen.
Vom Belgrader Hauptbahnhof gelangt man mit der Belgrader Straßenbahnlinie 9 des städtischen Verkehrsunternehmens GSP Beograd, des Hauptträgers des öffentlichen Personennahverkehrs, zur Haltestelle Zvečanska., Website des Fußballclubs Roter Stern Belgrad (serbisch) Von dort geht man entlang des Bulevar oslobođenja in Richtung des Kreisverkehrs Trg oslobođenja, biegt in die Dr. Milutina Ivkovića-Straße und geht zur Abbiegung in die Ljutice-Bogdan-Straße, von der man von Norden aus das Stadion erreicht. Entlang der Ljutice-Bogdan-Straße kann aber auch die anschließenden Autobuslinien 42, 59 und 78 nutzen, die vor der Spielstätte halten, wobei die Linie 78 auch vom Hauptbahnhof aus genutzt werden kann. Zentraler Verteiler und daher Hauptverkehrsknoten der Metropole ist jedoch der als Kreisverkehr angelegte Slavija-Platz. Von dort aus fahren die Straßenbahnlinien 9, 10 und 14 zur Haltestelle Zvečanska. Vom Bahnhof Belgrad Zentrum gelangt man mit der Stadtbahn des Beovoz der Linie 1 zur Haltestelle Karađorđev-Park.
links|mini|Neues Modell des Belkommunmasch-Oberleitungsbusses am Terazije-Platz. Von dort ist das Stadion in ca. 25 Minuten zu Fuß zu erreichen. Über die Haltestellen Vukov spomenik und Bahnhof Belgrad Zentrum soll die Stadtbahn an die zukünftige U-Bahn angebunden werden, wodurch auch die Erreichbarkeit des Stadions verbessert wird. Mit der Buslinie 78 gelangt man direkt vom Hauptbahnhof aus zum Stadion. Vom Slavija-Platz aus fahren die vor der Westtribüne haltenden Buslinien 42 und 59 sowie der Minibus E7. Vor dem Stadion halten auch die Belgrader Oberleitungsbusse der Linien 40 und 41 sowie die Buslinie 94. In der Nähe der Nordtribüne halten die Linien 47 und 48, genauer an der Haltestelle Trg oslobođenja. An der nahegelegenen Autokomanda, einem Verkehrsknotenpunkt, halten die Linien 17, 18, 39, 46 und 55. Von dort aus erreicht man per Fußweg die Ljutice-Bogdan-Straße.
Vom Nikola-Tesla-Flughafen, sind es etwa 12 Kilometer bis zum Stadion. Im Besitz von zwei Terminals ist ein getrennter Check-in möglich, wodurch gegnerische Fans bei Bedarf voneinander abgegrenzt werden können. Mit dem Minibus der Linie A1 gelangt man vom Flughafen aus zum Slavija-Platz und mit der Buslinie 72 ins Stadtzentrum.Offizielle Website des Nikola-Tesla-Flughafens: In Zukunft soll der Flughafen im Rahmen eines Ausbaus des Beovoz besser an den Regionalverkehr angeschlossen werden, wodurch auch die Spielstätte leichter zu erreichen sein wird.
Geschichte Vorgeschichte links|mini|Die heutige Fakultät für Elektrotechnik der Universität Belgrad. Exakt auf der heutigen Baufläche des Stadions befand sich zuvor die Heimstätte des SK Jugoslavija, einer der erfolgreichsten serbischen bzw. jugoslawischen Fußballvereine vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war bereits das dritte Stadion des Vereins, doch dessen allererstes wurde bereits 1913 errichtet und befand sich dort, wo sich heute die Fakultät für Elektrotechnik der Universität Belgrad befindet, genauer an der Kreuzung König Aleksandar Boulevard Ecke Roosevelt-Straße. Es war ein kleines Stadion und war unter dem Namen Trkalište bekannt, das 1.000 Sitzplätze beinhaltete, jedoch keine Tribünen besaß. Stattdessen gab es mehrere Reihen hölzerner Bänke, während als Stehplatz eine geneigte Böschung genutzt wurde. Da die Spielstätte während des Ersten Weltkrieges zerstört wurde, entstand 1919 an derselben Stelle ein neues Stadion mit einer Kapazität von 2.500 Sitzplätzen. Im Gegensatz zum ersten Stadion besaß das neue eine Tribüne, unter der sich Umkleideräume und Duschen befanden.
Im Laufe der Zeit wurde das Stadionumfeld um eine Leichtathletikanlage sowie um mehrere Fußball- und Tennisplätze erweitert, jedoch wurde das Stadion aufgrund der geplanten Erbauung der Fakultät im Jahr 1925 wieder abgerissen und der Bau eines neuen Stadions in Auftrag gegeben. Die letzte Begegnung vor dem Abriss war das Freundschaftsspiel zwischen SK Jugoslavija und SK Slovan, einem österreichischen Verein aus dem Wiener Bezirk Penzing, das mit 3:3 unentschieden endete.
Altes Stadion Das neue Stadion des SK Jugoslavija wurde von 1925 bis 1927 mit einem Fassungsvermögen für 20.000 bis 30.000 Zuschauern erbaut und war unter dem Namen Avala bekannt. Es wurde auf dem Topčider-Hügel errichtet, das unter anderem in Besitz einer überdachten Tribüne, einer Leichtathletikanlage und eines Trainingsgeländes war. Offiziell wurde es am 24. April 1927 eröffnet, dessen Einweihungszeremonie von einem zweitägigen Fußballturnier begleitet wurde, an dem auch der SK Slovan teilnahm. 1932 wurde es schließlich als erstes Stadion im Königreich Jugoslawien mit einer Flutlichtanlage ausgestattet. Das Freundschaftsspiel vom 22. Juni desselben Jahres zwischen dem SK Jugoslavija und Racing Club de France gilt heute als erste Begegnung, die in Jugoslawien unter Flutlicht ausgespielt wurde. Bereits fünf Jahre später beschloss die Regierung die erste Umbauphase, die eine Modernisierung und Erweiterung des Stadions beinhaltete. Dabei sollte es genau auf die Maße des damaligen Berliner Olympiastadions erweitert werden und etwa 50.000 Zuschauern Platz bieten. Im Stadionumfeld begann neben der Renovierung auch der Erbauung eines weiteren Trainingsgeländes, einer Radrennbahn, mehrerer Schwimmbäder, Sportplätzen für den Basketball-, Handball-, Tennis- und Volleyballsport, Sporthallen für unterschiedliche Kampfsportarten, sowie eines Restaurants und eines Clubhauses. Der Bau des Stadions war praktisch abgeschlossen und sollte am 20. April 1941 eröffnet werden, doch am 6. April 1941 griffen die Armeen der Achsenmächte den Staat Jugoslawien an, sodass es zu keiner Einweihungszeremonie kam.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der SK Jugoslavija von der neuen Regierung aufgelöst und sein Eigentum, einschließlich des Stadions und des Trainingsgeländes, wurde dem 1945 gründeten Fußballclub Roter Stern Belgrad übergeben. Ende der 1950er Jahre legte die Vereinsführung schließlich den Bau eines neuen Großstadions an gleicher Stelle an. Das letzte Spiel fand am 27. Dezember 1959 zwischen Roter Stern und FK Novi Sad statt. Mit dem anschließenden Abriss endete auch ein Teil der Fußballgeschichte Belgrads, denn zahlreiche Fußballstars waren in dem Stadion aufgelaufen und so manche spektakuläre Begegnung war dort ausgetragen worden. So wurden dort Torhüter wie Ricardo Zamora und František Plánička bezwungen, von Stürmern wie Blagoje Marjanović, die alle in den 1930er Jahren weltweit zu den besten ihres Fachs gehörten. In den 1950er Jahren spielten regelmäßig zahlreiche jugoslawische Fußballgrößen im Stadion, darunter einer der weltbesten Torhüter Vladimir Beara, oder Vladimir Durković und Vladica Popović sowie Rajko Mitić, der mit der jugoslawischen Nationalmannschaft zwei olympische Silbermedaillen bei den Spielen 1948 und 1952 gewann, ebenso wie Dragoslav Šekularac 1956; alles Namen, die bis heute vielen in Erinnerung geblieben sind.
Bau des Stadions Da Roter Sterns altes Stadion immer weniger den Anforderungen eines europapokaltauglichen Fußballstadions entsprach und zudem ein stetiger Zuschaueranstieg zu beobachten war, gab es schon Jahre zuvor Pläne für eine neue Spielstätte. Als aufgrund dessen bereits das Halbfinalrückspiel im Europapokal der Landesmeister 1956/57 gegen den AC Florenz und das Viertelfinalrückspiel im Europapokal der Landesmeister 1957/58 gegen Manchester United im JNA-Stadion von Partizan ausgetragen werden musste, wurde der Vereinsführung endgültig klar, dass dringend ein neues Stadion gebaut werden musste. Das Belgrader Bauunternehmen Sport erhielt den Zuschlag und die Architekten Koste Popovića und Saša Radovanović entwickelten daraufhin den Entwurf. Mozzart (serbisch)Звездин стадион – од „Авале“ ка „Звезданом граду“, Politika (serbisch) Ende der 1950er Jahre wurde das Projekt „Stadion Roter Stern“ präsentiert, das den Bau eines 300 Millionen Dinar teuren, 110.000 Plätze fassenden Stadions vorsah. Da der Dinar in den 1960er und 1970er Jahren für ein realsozialistisches Land eine sehr stabile Währung war und einen Wechselkurs 7:1 mit der deutschen Mark hatte, bedeutete dies Kosten von um die 43 Millionen DM, ein für die damalige Zeit äußerst teures Unterfangen. Um es in die Tat umzusetzen, wurden unter anderem 20 Dinar teure Coupons namens Ciglice an gut besuchten Orten verkauft; nicht nur in Belgrad, sondern in ganz Serbien. Den Verkauf übernahmen oft die eigenen Spieler, darunter Dragoslav Šekularac, einer der Fußballstars jener Periode.