Der Krieg der Knöpfe (Originaltitel: La guerre des boutons) ist ein französischer Spielfilm von Yves Robert aus dem Jahr 1962 nach dem gleichnamigen Roman (1912) von Louis Pergaud. Er handelt vom Krieg zwischen den Jungen aus zwei benachbarten französischen Dörfern, der im Verlauf immer weiter eskaliert.
Handlung Die Jungen aus Longeverne sind sauer auf die Jungen des Nachbardorfes Velrans, weil diese beim Verkauf von Tuberkulose-Marken ihnen die ganze Kundschaft weggeschnappt haben. Das verlangt nach Rache, und so ziehen die Jungen aus Longeverne unter ihrem Anführer Lebrac in den Krieg gegen die Jungs aus Velrans. Als die Longeverner Jungen während der Schlacht einen Gefangenen machen, kommt Lebrac auf die Idee, den Gefangenen zu entehren. Dazu schneidet er ihm sämtliche Knöpfe von der Kleidung, so dass dieser mit zerrissener Kleidung nach Hause laufen muss. Bei der nächsten Schlacht gerät wiederum Lebrac in Gefangenschaft und wird seiner Knöpfe entledigt. Als er mit zerrissener Kleidung nach Hause kommt, verprügelt ihn sein Vater deswegen.
Doch Lebrac ist Prügel von seinem Vater gewohnt und lässt sich dadurch nicht vom Kriegsspiel abhalten. Um der Entehrung während eines Kampfes zu entgehen, ist sein neuer Plan, nackt in den Kampf zu ziehen. Und so kämpfen die Jungen aus Longeverne nackt gegen die Jungen aus Velrans. Zwar tragen sie den Sieg bei dieser Schlacht davon, doch können sie sich nicht richtig über den Sieg freuen, weil er ihnen Erkältungen einbringt.
So denkt sich Lebrac eine neue List aus. Jeder der Jungen soll einen festen Betrag spenden, damit sie sich Knöpfe und Nähzeug kaufen können. Das Mädchen Marie aus dem Dorf soll dann den Jungen die Kleidung flicken, damit sie keinen Ärger zu Hause bekommen. Doch es stellt sich heraus, dass nicht alle so viel Geld haben. Da aber die Ideale der französischen Gesellschaft auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bestehen, muss die Gleichheit anders geregelt werden. So verdienen sich alle Jungen etwas hinzu, was dann in eine gemeinsame Kasse kommt. So kann alles gekauft werden. Zudem errichten die Jungen gemeinsam eine Hütte.
Es kommt zu weiteren Schlachten zwischen den Longevernern und Velranern, bei denen dank des Organisationstalentes von Lebrac die Jungen aus Longeverne zumeist als Sieger hervorgehen. Dies feiern die Jungen ausgiebig in ihrer Hütte bei Wein und Zigaretten. Doch die Longeverner wurden aus ihren eigenen Reihen verraten: Der von den anderen meistens schlecht behandelte Außenseiter Bacaillé will bei den Kriegsspielen nicht mehr mitmachen und bezeichnet sich seitdem als Monarchist. Schließlich verrät Bacaillé dem Anführer der Velraner, Aztec, wo sich die Hütte der Longeverner befindet. Aztec nutzt die Chance und zerstört mit dem neuen Traktor seines Vaters die Hütte. Während des Kampfes kommt heraus, wer die Velraner verraten hat. Sie stellen Bacaillé und zeigen ihm noch einmal auf, was sie alles in die Hütte hineingesteckt haben. Nachdem sie Bacaillé verprügelt haben, erzählt dieser den Erwachsenen alles über den Krieg der Knöpfe. Daraufhin erhalten alle Jungen eine Tracht Prügel.
Nur Lebrac ist es leid; er kehrt nicht mehr nach Hause zurück. Als er auch zwei Tage später nicht nach Hause kommt, macht sich sein Vater zusammen mit anderen Männern aus Longeverne auf die Suche nach ihm. Dabei treffen sie auf Männer aus Velrans und beginnen zunächst wie früher als Jugendliche zu streiten, wobei sogar eine Handgranate explodiert. Sie richtet keinen Schaden an, aber vor Schreck versöhnen sich die Männer und trinken ausgiebig Wein.
Da Lebrac immer noch nicht nach Hause gekommen ist, wird eine größere, zunächst erfolglose, Suchaktion gestartet. Er wird erst entdeckt, als seine Klasse bei einem Schulausflug zwei Holzfäller beobachtet, die den Baum fällen, auf dem der Junge sich versteckt hält. Lebrac wird, wie von seinem Vater mehrmals angedroht, zur Strafe ins Internat gesteckt. Dort trifft er auf Aztec. Dieser wurde wegen des beim Angriff auf die Hütte beschädigten Traktors ebenfalls von seinem Vater ins Internat geschickt. Im stillschweigenden Einverständnis, sich dadurch nicht unterkriegen zu lassen, freunden sich die beiden Jungen sofort miteinander an, obwohl Lebrac die Befürchtung äußert: „Stell dir bloß vor, wenn wir beide groß sind, sind wir genauso blöd wie die!“Trotz der abweichenden Handlung wird der letzte Satz des Buchs, der dort von La Crique ausgesprochen wird, übernommen.
Produktionshintergrund Yves Robert hatte zuvor hauptsächlich als Schauspieler gearbeitet und verschaffte sich erst mit diesem Film Anerkennung als Regisseur. Er blieb dem populären, unterschwellig gesellschaftskritischen Kinderbuch von Louis Pergaud weitgehend treu; doch verlegte Robert die Handlung des Romans – der zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt – in die Gegenwart. Der Satz „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gar nicht mitgegangen“ (« si j’aurais su, j’aurais pas v’nu »), den der kleine Gibus im Verlauf des Films mehrfach ausspricht, steht nicht in Pergauds Roman, sondern wurde von den Machern des Films dazugedichtet. Inzwischen ist der Satz in Frankreich als geflügeltes Wort in die Alltagssprache eingegangen.
Wegen der Szene, in der die Kinder nackt durch den Wald laufen, wurde der Film in Deutschland damals von der FSK erst ab 16 Jahren zugelassen. Mittlerweile ist der Film aber ohne Altersbeschränkung zugelassen.
Analyse In der Einleitung wird zunächst die Situation erläutert, die zur Rivalität der Jungengruppen führt. Zudem werden die wichtigsten Protagonisten inklusive ihres Anführers Lebrac eingeführt. Die einzige Person, die näher im Film beleuchtet wird, ist Lebrac. Er zeigt nach außen Stärke, was ihn zum Anführer der Jungen macht, doch ist er innerlich von den Schlägen seines Vaters gezeichnet. Der Rest der Jungen wird zumeist als Gruppe gezeigt, die gemeinsam Krieg führt.
Die Handlungsführung wechselt an einigen Stellen die Perspektive. Während bei den großen Schlachtenszenen die Jungen als Gruppe im Vordergrund stehen, folgen andere Szenen ganz dem individuellen Schicksal des Hauptdarstellers. Zudem wird, während Lebrac durch seinen Vater gesucht wird, die Geschichte aus der Sicht des Vaters erzählt.
Die Kameraführung setzt stark auf Symbolik. So wird zum Beispiel die Gewalt des Vaters, der wütend seine Faust aufschlägt, durch Schockwellen in der Suppe gezeigt, die Lebrac gerade isst. Wenn die Handlungsführung sich ganz auf die Hauptperson Lebrac richtet, wechselt die Kameraführung in eine bewegte Handkamera, die exakt dem Weg der Hauptperson folgt.
Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand 1962 zur deutschen Kinopremiere des Films.
RolleDarstellerSynchronsprecherLebracs VaterJean RichardWolfgang EichbergerBacaillés VaterMichel GalabruGernot DudaAztecs VaterJacques DufilhoThomas BrautAztecs MutterMichèle MéritzUrsula Traun
Kritiken
Der Krieg der Knöpfe wurde allgemein mit sehr positiven Kritiken bedacht, in Frankreich ist er bis heute ein sehr populärer Filmklassiker.
Auszeichnungen 1962 gewann Yves Robert für Der Krieg der Knöpfe den französischen Prix Jean Vigo.
Weitere Verfilmungen Der Roman von Louis Pergaud aus dem Jahr 1912 gehört zu den bekanntesten Kinderbüchern in Frankreich und wurde mehrfach verfilmt. Bereits 1936 erschien eine erste Verfilmung unter der Regie von Jacques Daroy. 1994 wurde die Neuverfilmung Der Krieg der Knöpfe nach einem Drehbuch von Colin Welland gedreht, wobei die Handlung hier von Frankreich nach Irland verlegt wurde. 2011 kamen – anlässlich des bevorstehenden 100. Geburtstages des Romans – zur selben Zeit zwei unterschiedliche Verfilmungen in die französischen Kinos. In Deutschland wurde nur der unter der Regie von Christophe Barratier entstandene Film – Krieg der Knöpfe – in den Kinos gezeigt, nicht jedoch der Film Der Krieg der Knöpfe von Yann Samuell.
Pergauds Roman wurde aber nicht nur für das Kino bearbeitet. 2007 wurde Der Krieg der Knöpfe als Orchesterhörspiel im Rahmen des Kinderhörspieltages (11. November 2007) als Bestandteil der ARD-Hörspieltage (7. bis 11. November 2007) aus dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie mit der Orchestermusik von Henrik Albrecht unter der Regie von Judith Lorentz live und als Uraufführung im deutschen Hörfunk (SWR/BR/Deutschlandradio Kultur/HR/MDR/NDR/WDR) ausgestrahlt. Sprecherin des Bühnenwerks in der Rolle der Marie ist die deutsche Schauspielerin Laura Maire. In den Jahren 2011 und 2012 wurde der Stoff in einer zweibändigen Serie von Olivier Berlion als Comic verarbeitet, der in französischer Sprache bei Dargaud erschienen ist.
Literatur Louis Pergaud: Der Krieg der Knöpfe (Originaltitel: La guerre des boutons). Deutsch von Gerda von Uslar. Illustrationen von Philip Waechter, Nachwort von Alfred Clemens Baumgärtner. Dressler, Hamburg 1998, ISBN 3-7915-3558-7.
Weblinks
Der Krieg der Knöpfe bei Bedetheque
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1962 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Kinderfilm Kategorie:Literaturverfilmung