mini|hochkant=1.4|Karte des Nordatlantiks von Skandinavien bis Labrador (mit einigen Phantominseln wie Frisland) von Abraham Ortelius, 1573 mini|hochkant=1.4|Nordpolarregion in einer Karte von Gerhard Mercator (1595) mit dem sagenhaften Magnetberg in der Mitte; aber auch, oben Richtung Beringstraße, einem weiteren Magnetberg mit Bezug zu den Kapverdischen Inseln und einem weiteren eingezeichneten Magnetpol

Nordpolexpeditionen sind Reisen, die mit der Absicht unternommen wurden, den Nordpol der Erde zu erreichen oder ihm möglichst nahezukommen und die um den Pol gelegenen Länder und Meere zu erforschen.

Ab dem 16. Jahrhundert verfolgten zahlreiche Expeditionen das Ziel, einen nördlichen Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik zu finden, von Europa aus gesehen entweder Richtung Westen (Nordwestpassage) oder Richtung Osten (Nordostpassage). Ab 1868 dienten die Nordpolexpeditionen überwiegend wissenschaftlichen Zwecken. 1882/1883 wurden zwölf feste Stationen in der Arktis errichtet (Erstes Internationales Polarjahr).

Die angebliche Eroberung des Nordpols durch den US-Amerikaner Robert Edwin Peary im Jahr 1909 ist bis heute umstritten. Der erste Mensch, der den Nordpol zweifelsfrei auf dem Landweg erreicht hat, war 1968 der US-Amerikaner Ralph Plaisted.

Frühe Seefahrt im nördlichen Atlantik Die frühesten Seereisen im nördlichen Atlantik waren sicherlich Raubzüge der skandinavischen Seefahrer. Religiöse Interessen führten dazu, dass bereits im späten 8. Jahrhundert die Färöer und Island von irischen Mönchen aufgesucht wurden. Ein Sturm führte 861 die beiden Wikinger Naddoddur und Svasason an die Küste von Island, dauernd besiedelt und mit seinem heutigen Namen belegt wurde es jedoch erst 874. In der Folge fand eine beträchtliche Einwanderung von Normannen statt, und die Landeshauptstadt Reykjavík wurde gegründet.

Um 983 segelte Erik der Rote zu der Westküste von Grönland, während Thorgil auf seiner mühsamen Reise die nördlichen Teile der Ostküste kennenlernte. Im Jahr 1000 betrat Eriks Sohn Leif als erster die von ihm Hellu-, Mark- und Winland genannten Küsten, d. h. das heutige Labrador und Neuschottland (Nova Scotia). In der Folgezeit wurden mehrere Reisen zu den neuen Ländern unternommen. 1266 fand eine Entdeckungsfahrt an der Westküste Grönlands entlang nordwärts über den 76. Breitengrad hinaus und westwärts bis zum Lancastersund und nach Baffinland statt. Diese Entdeckungen gerieten aber während der folgenden Jahrhunderte wieder in Vergessenheit.

Im 11. und 12. Jahrhundert unternahmen nach einem Bericht Adams von Bremen auch die Friesen, die Norweger unter Harald III. und die Basken Nordfahrten. In das Ende des 14. Jahrhunderts fällt die angebliche Reise der venetianischen Zeno-Brüder Nicolò und Antonio bis Island, Grönland und Frisland, die 160 Jahre später von einem ihrer Nachfahren in der umstrittenen Zeno-Karte beschrieben wurde, um die Entdeckung Amerikas für die Republik Venedig zu reklamieren.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hörte jede Nachricht aus den nordischen Ländern auf. Erst 1462, also noch vor Kolumbus, hat der Portugiese João Vaz Corte-Real vermutlich wieder Neufundland besucht, welches er Terra Nova do Bacalhau nannte, was wörtlich übersetzt „Neues Land des Kabeljaus“ bedeutet. Im Jahre 1474 erhielt er zur Belohnung für seine Entdeckungen Ländereien auf der Azoren-Insel Terceira geschenkt. Kolumbus selbst soll 1477 von Bristol aus nach Island gefahren sein.

Der Venetianer Giovanni Caboto fuhr 1497 auf Befehl Heinrichs VII. von England von Bristol nach Westen und gelangte an die Küste von Labrador. 1500 bis 1503 unternahmen Gaspar Corte-Real und sein Bruder Miguel mehrere Reisen in die nordwestlichen Gegenden und gelangten dabei auch in die fischreichen Gewässer um Neufundland sowie an die Küsten von Grönland und Labrador.

1521 erwarb João Álvares Fagundes nach mehreren Expeditionen die Küste der Neuenglandstaaten und Neuschottland und gründete am Kap Breton eine portugiesische Niederlassung, von der Nachrichten bis 1579 erhalten sind.

Suche nach der Nordwestpassage Caboto, Verrazzano, Gomez Sebastiano Caboto entdeckte möglicherweise 1508/1509 die Hudson Bay. Doch gelang es ihm ebenso wenig wie Giovanni da Verrazzano (1524) und Esteban Gomez (1525), die Nordwestpassage und damit den erhofften kurzen Weg nach Asien zu finden.

Frobisher und Davis Der englische Seefahrer Martin Frobisher segelte zwischen 1576 und 1578 dreimal nach Nordwesten, um Cabotos Entdeckungen weiterzuführen, kam aber nur bis zu der nach ihm benannten Frobisher-Bucht.

1585 segelte John Davis von England ab, umfuhr die Südspitze Grönlands, kreuzte sodann die Davisstraße, musste aber, nachdem er die Westküste dieser Straße bei 66,4° erreicht hatte, wieder umkehren. 1587 erreichte er 72°12' nördlicher Breite und fuhr an der Küste des Baffinlandes entlang nach Süden.

Bylot und Baffin Robert Bylot und William Baffin entdeckten 1616 eine große Anzahl arktischer Inseln, wurden im Foxe-Kanal vom Eis zur Umkehr gezwungen, fuhren an der Westküste von Grönland entlang, entdeckten die Baffin Bay und den Smithsund und erreichten die Breite von 77°30'. Sie glaubten nicht an das Vorhandensein einer nordwestlichen Durchfahrt.

Fox und James Nachdem auch Luke Fox und Thomas James 1631 vergebens nach einem Ausweg gesucht hatten, unterblieben fast zwei Jahrhunderte lang alle weiteren Versuche in dieser Richtung. Die folgenden Expeditionen wurden nur noch zum Zwecke der Fischerei ausgesandt und erforschten die bekannten Landschaften genauer.

Vorstöße vom Pazifik aus Im Jahr 1728 segelte Vitus Bering, ein Däne in russischen Diensten, von Kamtschatka aus an der asiatischen Küste nordwärts (Erste Kamtschatkaexpedition). Während der Zweiten Kamtschatkaexpedition (1733–1743) gelangte er 1741 nochmals von Ochotsk aus nach Norden und untersuchte die amerikanische Küste bis zu 69° nördlicher Breite. An der Beringinsel erlitt er Schiffbruch und starb während der Überwinterung an Skorbut. Die Überlebenden der Expedition, darunter die Deutschen Steller und Johann Georg Gmelin, gingen nach Kamtschatka.

Die dritte Südseereise von James Cook (1776–1779) hatte eigentlich den Zweck, die Erschließung der Nordwestpassage vom Pazifik aus wieder aufzunehmen. Von Hawaii aus segelte Cook 1778 nach Nordosten, bis er in Oregon landete. Er fuhr die amerikanische Küste entlang bis zur Beringstraße und durchstieß sie. Er erreichte die Breite von 70°44', wurde aber dann überall vom Eis aufgehalten und wich nach Westen zur Küste Sibiriens aus, um dann den Rückweg nach Hawaii anzutreten. Nach Cooks Tod erreichte sein Nachfolger Charles Clerke im folgenden Jahr nur 70°30' nördlicher Breite. Cook und Clerke hielten eine Nordwestdurchfahrt für unmöglich.

Otto von Kotzebue durchquerte bei seiner zweiten Weltreise (Rurik-Expedition 1815–1818) ebenfalls die Beringstraße und erreichte 1816 den Kotzebuesund an der Westküste Alaskas. 1817 fuhr er nochmals Richtung Beringstraße, gelangte aber nur noch bis zur Sankt-Lorenz-Insel.

Weitere Erforschung der Nordküsten Amerikas Eine neue Phase der Bestrebungen, eine Nordwestpassage zu finden, begann 1818 mit der auf Veranlassung der britischen Regierung unternommenen Fahrt von John Ross und William Edward Parry, während zugleich David Buchan Richtung Spitzbergen entsandt wurde, um den Grad der Vereisung in dieser Region zu erforschen. Die Expeditionen kehrten jedoch ohne nennenswerte Erfolge zurück. Da das Verhalten von Ross von vielen Seiten nicht gebilligt wurde, sandte man 1819 Parry allein mit den Schiffen Hekla und Griper nach der Davisstraße. Sie erschlossen den Lancastersund und segelten durch die Barrow-Straße bis zur Melville-Insel, wo sie in 74°47' nördlicher Breite und 110°48' westlicher Länge überwintern mussten. Die Kenntnis des nordamerikanischen Archipels wurde durch diese Expedition bedeutend erweitert.

Nachdem bereits Samuel Hearne 1770 die Mündung des Kupferminenflusses und Alexander Mackenzie 1780 die des Mackenzie-Flusses erreicht hatte, fuhren 1820 John Franklin, John Richardson und George Back den Kupferminenfluss hinunter und erforschten bis 1821 und auf einer zweiten Reise 1825 und 1826 die arktische Küste bis Point Barrow, wohin Frederick William Beechey zur gleichen Zeit einen Vorstoß versuchte.

Auch Parry zusammen mit George Francis Lyon war wieder mit der Fury und der Hekla nach der Hudsonstraße gegangen und entdeckte unter anderem den Foxe-Kanal und die Fury-und-Hecla-Straße. Auf einer zweiten Reise verlor die Expedition die Fury und kehrte nach einer harten Überwinterung zurück.

1829 befuhr Ross mit dem Raddampfer Victory, dem ersten Dampfer in der Geschichte der Polarforschung, den Lancastersund auf Kosten von Sir Felix Booth, wobei 1831 von seinem Neffen James Clark Ross auf der Halbinsel Boothia Felix der magnetische Nordpol entdeckt wurde. 1833 hatte man bereits drei Winter im Eis zugebracht und die Victory verlassen müssen, als Ross auf einem Walfangboot zurückkehrte.

In den folgenden zehn Jahren waren es vor allem die von der Hudson’s Bay Company ausgerüsteten Expeditionen unter Back, besonders aber unter Peter Warren Dease und Thomas Simpson, die die nordamerikanische Küste zwischen Kap Barrow und Boothialand erforschten und kartographisch aufnahmen. John Rae drang 1846 bis 1847 bis zum Golf von Boothia vor und vollendete damit die Entdeckung der amerikanischen Polarküste.

Franklin-Expedition Eine Expedition, die hauptsächlich wegen ihres tragischen Endes von weittragender Bedeutung wurde und erstmals die weltweite Aufmerksamkeit auf die Polarregionen richtete, war die John Franklins 1845 (die sogenannte Franklin-Expedition), der zusammen mit Francis Crozier auf den Schiffen Erebus und Terror unterwegs war. Als man bis Ende 1847 keinerlei Nachrichten von ihnen erhielt, sandte England drei Expeditionen aus: Thomas Edward Laws Moore und Henry Kellett nach der Beringstraße Richardson und Rae über Land von der Mackenziemündung aus James Ross und Bird mit der Enterprise und der Investigator nach der Barrowstraße

Alle Bemühungen erwiesen sich letztlich als erfolglos. Da setzte die britische Regierung 1850 20.000 Pfund Sterling und Lady Jane Franklin noch einmal 3.000 Pfund Sterling für die Rettung der Überlebenden aus. Nach weiteren Versuchen, die insgesamt mehr Leben kosteten, als die Franklin-Expedition Mitglieder gehabt hatte, konnte erstmals Rae 1854 von Inuit Nachrichten über etwa 35 bis 40 weiße Menschen erhalten, von denen viele an Hunger und Auszehrung gestorben sein sollten. Später konnten auf Veranlassung von Lady Franklin James Anderson und Stewart in der Nähe von King-William-Insel schriftliche Aufzeichnungen zum Ende der Expedition auffinden.

Durchfahrung der Nordwestpassage Erst in den Jahren 1903 bis 1906 glückte es dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen, mit seinem Schiff Gjøa die Nordwestpassage zu durchfahren. Das nachfolgende Vorhaben zum Nordpol zu gelangen, ließ er zugunsten seiner erfolgreichen Expedition zum Südpol fallen.

Suche nach der Nordostpassage und Seefahrt östlich von Grönland 16. und 17. Jahrhundert