Die Funke Mediengruppe mit Sitz in Essen ist ein Medienkonzern in der Rechtsform einer GmbH & Co. KGaA mit Beteiligungen an gedruckten und elektronischen Medien in Deutschland und Österreich. Die Gesellschaft verlegt Tageszeitungen, Publikumszeitschriften und Anzeigenblätter und besitzt mehrere Großdruckereien zu deren Herstellung.Marco Bertolaso: Wer sind Funke-Mediengruppe und Redaktionsnetzwerk Deutschland? In: Deutschlandfunk.de, 3. Januar 2017, abgerufen am 7. April 2021 Ferner betreibt sie Lokalradios und Online-Angebote. Das größte Geschäftsfeld der Gruppe ist die regionale Berichterstattung, bei der in einer Region unterschiedliche Medien parallel betrieben und teilweise verknüpft werden. Als zweiten Schwerpunkt gibt die Gruppe Frauen- und Programmzeitschriften an.Eigenangabe des Konzerns Internetseite der Funke Mediengruppe, eingesehen im Juli 2017.
Die Funke Mediengruppe besteht aus einer Vielzahl verschachtelter Unternehmen, in denen die einzelnen Medien und Betriebsteile formalrechtlich unabhängig geführt werden. Der Gesamtkonzern erwirtschaftete im Jahr 2024 einen Umsatz von 1,025 Mrd. Euro. Davon entfielen 428,8 Mio. Euro auf die Tageszeitungen, 291,2 Mio. Euro auf die Zeitschriften, 146,8 Mio. Euro auf alle elektronischen Medien, 96,1 Mio. Euro auf die Anzeigenblätter, 5,0 Mio. Euro auf die Druckereien und 57,2 Mio. Euro auf sonstige Geschäftsfelder.
Der Konzern entstand aus der 1948 gegründeten Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Nach Aufkäufen anderer Zeitungen firmierte das Unternehmen ab 1976 als Zeitungsgruppe WAZ, nach weiterer Expansion in die elektronischen Medien ab 1997 als WAZ Mediengruppe. 2013 wurde nach dem Ausscheiden der Eigentümerfamilie Brost der Konzernname auf die verbleibende Eigentümerfamilie Funke geändert.
Geschichte Gründung und Expansion als WAZ-Gruppe mini|Logo der ehemaligen WAZ-Mediengruppe Gründer der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung waren Erich Brost und Jakob Funke. Beide verfügten über jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile. Durch Aufkauf kleinerer Konkurrenztitel im ursprünglichen Verbreitungsgebiet hat sich die WAZ bereits in den 1970er Jahren eine wirtschaftliche Monopolstellung in vielen Städten des Ruhrgebiets gesichert. Durch journalistisch unabhängige Weiterführung der aufgekauften Zeitungen hielt der Konzern gleichzeitig die publizistische Vielfalt weitgehend aufrecht; ein Konzept, das als „WAZ-Modell“ bekannt und in vielen anderen Regionen nachgeahmt wurde.
Die WAZ-Mediengruppe veröffentlichte keine Geschäftszahlen, galt aber in der Branche über Jahrzehnte als eines der renditestärksten Medienunternehmen Deutschlands mit Umsatzrenditen von bis zu 30 Prozent. Aus den hohen Gewinnen im Kerngebiet finanzierte das Unternehmen eine große Zahl von Aufkäufen von gedruckten Medien sowie Neugründungen vor allem im privaten Rundfunk und von Online-Medien. In: Financial Times Deutschland. 2. September 2002, abgerufen am 4. Juli 2018. Die Expansion von einer Regionalzeitung zum nationalen und später internationalen Medienkonzern wurde von dem jahrzehntelang amtierenden, in der Medienbranche sehr bekannten Geschäftsführer-Duo Erich Schumann, Bevollmächtigter der Brost-Seite, sowie Günther Grotkamp, Bevollmächtigter der Funke-Seite, geleitet.
Eigentümerwechsel zur Funke-Gruppe mini|Historisches Logo der Funke Mediengruppe Nach dem Tod der beiden Gründer wurden die jeweiligen Anteile auf eine Reihe von Erben aufgeteilt: Die Anteile Jakob Funkes erbten 1975 die Töchter Petra Grotkamp, Gisela Holthoff, Renate Schubries und Ute de Graffenried. Nachdem sich Tochter Ute 1989 auszahlen ließ, gehörte den drei verbleibenden Töchtern je ein Drittel der Funke-Familiengesellschaft. Die Anteile Gisela Holthoffs erbte 2011 ihr Adoptivsohn Stephan Holthoff-Pförtner, ein bekannter Rechtsanwalt und Unternehmer, der lange Zeit Sprecher der Funke-Seite war, und von 2017 bis 2021 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Laschet war. Die Anteile Erich Brosts erbten 1995 zu 60 Prozent seine Witwe Anneliese Brost sowie zu 40 Prozent der von Brost 1985 adoptierte langjährige Geschäftsführer Erich Schumann. Nach dem Tod von Schumann (2007) und Anneliese Brost (2010) gingen die Anteile der Brost Verwaltungs-GmbH auf die drei Enkel von Erich Brost über.
Die Unternehmensanteile blieben zu jeweils 50 Prozent in zwei Verwaltungsgesellschaften gebündelt. Daher konnten die Familienmitglieder nur gemeinsam agieren und die beiden Familiengruppen nur einvernehmlich entscheiden. Änderungen an diesem Modell waren dadurch erschwert, dass eine WAZ-Beteiligung ohne Zustimmung der Miteigner nicht an Dritte verkauft, sondern nur an Familienangehörige weitergegeben werden konnte. Weil keine einfachen Mehrheitsentscheidungen möglich waren, wurden Meinungsunterschiede sowohl zwischen den als auch innerhalb der Eigentümerfamilien in lang andauernden Konflikten ausgetragen. Unter anderem gab es 2006 Streit zwischen den Gesellschaftern um die Ausschüttung des hohen Erlöses von 520 Millionen Euro aus dem Verkauf der RTL-Beteiligung.
Mit dem Ziel, diese Konstellation zu ändern, hatte Anneliese Brost 2008 geheime Verträge mit Stephan Holthoff-Pförtner abgeschlossen, in denen unter anderem eine Kaufoption für die Holthoff-Anteile enthalten war. Petra Grotkamp versuchte gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem langjährigen Geschäftsführer Günther Grotkamp, mit juristischen Mitteln die Teilung der Funke-Familiengesellschaft zu verhindern. Nach dem Tod von Anneliese Brost unterbreitete Petra Grotkamp ihrerseits den Brost-Enkeln ein Kaufangebot, das diese mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 annahmen. Danach gehörten Petra Grotkamp zwei Drittel der Unternehmensanteile. Damit endete nach 63 Jahren die Aufteilung auf zwei Eigentümerfamilien. Ab März 2013 verwendete der Medienkonzern ohne gesonderte Mitteilung den Namen Funke Mediengruppe. Im Juni 2013 schließlich nahm der Konzern eine neue Rechtsform an und firmiert nun als Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA.
Ende 2017 übertrug Petra Grotkamp ihre Eigentumsanteile zu gleichen Teilen an ihre drei Kinder Julia Becker, Nora Marx und Niklas Wilcke. Seit 1. Januar 2018 ist Julia Becker Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns. Sie trieb die Übernahme sämtlicher Gesellschafteranteile durch sich und ihre Geschwister voran. Im Juni 2021 wurde die komplette Unternehmensübernahme durch Julia Becker, Niklas Wilcke und Nora Maria Marx bekannt. Laut Medienberichten sollen die Geschwister zwischen 250 und 280 Millionen Euro für die Minderheitsanteile der Mitgesellschafter Renate Schubries – einer Schwester von Petra Grotkamp – und Stephan Holthoff-Pförtner bis zum 2. Januar 2024 für die restlichen Anteile bezahlen. Die alleinige unternehmerische Führung ging an die Grotkamp-Kinder über.
Übernahme von Titeln der Axel Springer SE Zum Mai 2014 übernahm die Funke Mediengruppe für einen Kaufpreis von 920 Millionen Euro von der Axel Springer SE die Regionalzeitungsgruppen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt sowie die Programm- und Frauenzeitschriften. Im Einzelnen waren dies die regionalen Tageszeitungen Hamburger Abendblatt, Bergedorfer Zeitung und Berliner Morgenpost, die Anzeigenblätter in Hamburg und Berlin, die Programmzeitschriften Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche und TV neu sowie die Frauenzeitschriften Bild der Frau und Frau von Heute. Das Bundeskartellamt genehmigte die Übernahme nur unter der Auflage, drei der zugekauften und fünf weitere eigene Programmzeitschriften unverzüglich wieder abzugeben. Die acht Titel – darunter Funk Uhr, Bildwoche, TV neu, Die zwei und Super TV – erwarb die Mediengruppe Klambt.
Ein weiterer Bestandteil der Vereinbarung war die Gründung gemeinsamer Unternehmen für Vertrieb sowie Vermarktung der Springer- und Funke-Medien. Das Kartellamt genehmigte ein Gemeinschaftsunternehmen zum Anzeigenverkauf, nicht aber ein fusioniertes Vertriebsunternehmen. Stattdessen entstand nur ein gemeinsamer Vertrieb der Zeitungen. Die gemeinschaftliche Anzeigenvermarktung wurde nach fünf Jahren wieder aufgelöst.
Die gekauften Springer-Titel erwirtschafteten im Jahr 2012 einen Umsatz von 512 Mio. Euro. Durch den Zukauf vergrößerte die Funke-Gruppe ihr Kerngeschäft mit gedruckten Medien erheblich. Der Umsatz des gesamten Konzerns stieg um über 40 Prozent – von 929 Mio. Euro im Jahr 2013 auf 1,322 Mrd. Euro 2015.
Übernahme der Marken Brigitte und Gala sowie Verkäufe an Klambt Im März 2025 verkaufte RTL Deutschland, Mutterunternehmen von Gruner + Jahr, deren Marken Brigitte, Gala und Eltern an die Funke Mediengruppe.
Im Juni des Jahres gab Funke bekannt, dass man die Zeitschriftentitel Frau im Spiegel, die aktuelle, die aktuelle KRIMI, Royal, Neue Welt, Das Goldene Blatt, Echo der Frau und frau aktuell an die Medienholding Klambt verkauft hat.
Im Juni 2026 kündigte die Funke Mediengruppe ihre Mitgliedschaft im MVFP Medienverband der freien Presse zum 30. Juni 2027.
Organisation Die Funke Mediengruppe wird von fünf Geschäftsführern mit unterschiedlichen Zuständigkeiten geleitet: Christoph Rüth leitet den Bereich Regionalmedien, Simone Kasik ist für die kaufmännische Konzernleitung verantwortlich, Jesper Doub und Jochen Beckmann für den Bereich Zeitschriften und Stephan Thurm für FUNKE Digital. Frühere Geschäftsführer des Konzerns sind u. a. Erich Schumann, Günther Grotkamp, Bodo Hombach, Christian Nienhaus, Manfred Braun, Thomas Ziegler und Andreas Schoo.
Im Januar 2019 zog der Unternehmenssitz innerhalb der Stadt Essen von der Friedrichstraße in das neuerrichtete Medienhaus der Funke Mediengruppe am Rande des Universitätsviertels um.
Zum Ende des Jahres 2022 trat die Funke Mediengruppe aus dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) aus. Verlegerin Julia Becker begründete den Schritt mit dem Umgang des damaligen Verbandspräsidenten Mathias Döpfner mit der Affäre Reichelt: „Wir haben 2022 den Versuch des kollektiven Beschweigens eines brutalen Machtmissbrauchs gegenüber Frauen in der Medienbranche erlebt.“ Der Verband bedürfe dringend einer Erneuerung. „Wir hätten uns ein paar mehr Stimmen von Branchenvertreterinnen und -vertretern gewünscht, die das Bedürfnis haben, den Machtmissbrauch und seine Hintergründe zu benennen und – soweit das überhaupt geht – wiedergutzumachen.“
Gedruckte Medien in Deutschland Tageszeitungen mini|hochkant=1|Einige Beispiele von Druckerzeugnissen der Funke Mediengruppe (2011)
Die Funke Mediengruppe besitzt in Deutschland mit Eigentumsmehrheit oder als großer Minderheitsgesellschafter zwölf Tageszeitungstitel:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Essen) Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (Essen) Westfälische Rundschau (Essen/Unna) Westfalenpost (Hagen) Thüringer Allgemeine (Erfurt) Ostthüringer Zeitung (Gera) Thüringische Landeszeitung (Weimar) Braunschweiger Zeitung Harz Kurier (Osterode am Harz) Hamburger Abendblatt Bergedorfer Zeitung (Hamburg) Berliner Morgenpost
Durch den Austausch oder die gemeinsame Produktion von Inhalten sind die Titel zu erheblichen Teilen inhaltsgleich. Die Tageszeitungen machen fast die Hälfte des Konzernumsatzes aus.
Die Funke Mediengruppe gehört laut der Agentur pressrelations zu den meistzitierten Regionalzeitungen in deutschen Presseschauen.