Vrnjačka Banja () ist eine Stadt, Gemeinde und ein bekannter Kurort in Serbien, der sich im Bezirk Raška befindet. 2011 hatte die Stadt 10.004 und die Gemeinde 27.332 Einwohner. Sie gehörte im ehemaligen Jugoslawien zu den beliebtesten Urlaubszielen. Die Stadt wird in Serbien auch als „Königin der Kurorte“ oder „Königin des Kurorttourismus“ bezeichnet, dessen Kurort auch der größte des Landes ist, sowie die Stadt selbst als einer der bedeutendsten Tourismusorte Serbiens gilt.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Vrnjačka Banja (serbisch) Neben seinen Mineralquellen ist die Stadt auch für den Karneval von Vrnjačka Banja bekannt.
Name Obwohl die Region seit jeher bewohnt war, erfolgte die erste schriftliche Erwähnung Vrnjačka Banjas in einem Bericht des Geo- und Mineralogen August von Herder, der auf Geheiß des Fürsten Miloš Obrenović die natürlichen Ressourcen des Königreich Serbien während des 19. Jahrhunderts erforschte.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Istorija Vrnjačke Banje (serbisch)
Der Name Vrnjačka Banja stammt vom nahe gelegenen Dorf Vrnjci, in welchem bereits in der Antike die warmen Mineralquellen entdeckt und genutzt wurden, die heute kennzeichnend für die Stadt sind. Banja ist in etwa mit Kurort zu übersetzen, so bedeutet Vrnjačka Banja übersetzt Vrnjcier Kurort bzw. Vrnjačka Kurort, ist aber auch als Kurort Vrnjci zu verstehen.
Geografische Lage Vrnjačka Banja liegt im südwestlichen Teil Zentralserbiens in einem äußerst bewaldeten und gebirgigen Gebiet, 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Belgrad im Okrug Raška, 25 Kilometer von Kraljevo, dem Hauptverwaltungssitz des Bezirks, und 7 Kilometer von Trstenik. Die Stadt ist das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum der Gemeinde und ist von 14 Siedlungen umgeben.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Geografski položaj (serbisch) Sie liegt nahe den Gebirgen Kopaonik (2017 m), Željin (1785 m), Jastrebac (1492 m) und Stolovi (1376 m) und ist umgeben von den Goc (1216 m)- und Gledić-Gebirgen nahe dem westlichen Morava.
Klima Das Klima ist moderat kontinental mit angenehm warmen Sommern und mäßig kalten Wintern. Aufgrund der umliegenden Gebirge Goc und Gledić befindet sich der Kurort in einer günstigen, windgeschützten Lage; etwa sechs Monate im Jahr sind windstill. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 10,5 °C und im Sommer ist es durchschnittlich 20 °C warm.
Geschichte Skordisker, Römer, Byzantiner und Slawen Die Behauptung, dass bereits die Römer die Mineralquellen nutzten, stand schon in den Schriften des Naturforschers, Archäologen und Völkerkundlers Felix Philipp Kanitz, der das Königreich Serbien mehrmals im 19. Jahrhundert bereiste, um dessen historische Sakralbauten und Monumente zu erforschen.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Rimski izvor (serbisch) Er berichtete von einer Quelle südlich eines römischen Militärlagers in der nahegelegenen Ortschaft Gračac. Bei Ausgrabungen 1924 fand man schließlich Zeugnisse, dass die Römer Vrnjačka Banja als Kurort nutzten. Insbesondere über 250 Münzen aus dem 2. bis 5. Jahrhundert, aber auch ein Ring, ein Schlüssel sowie ein Badebecken weisen auf die frühe Nutzung der Quellen hin.
mini|Die Glaspyramide, unter der eine der zahlreichen Quellen von Vrnjačka Banja entspringt
Archäologische Funde belegen zudem, dass die Quellen auch zu Zeiten der byzantinischen Herrschaft genutzt wurden, jedoch geht man auch davon aus, dass sie später ebenfalls von den Slawen und Serben genutzt wurden. Zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert waren es letztendlich die Römer, die erstmals an einer der heißen Quellen das Thermalbad bzw. den Kurort Aquae Orcinae errichteten, in welchem sich dessen Legionen der Provinz Obermoesien und den Militärlagern an der befestigten Limes entlang der Donau erholten, darunter die Legio VII Claudia, die erstmals von Julius Caesar für den Gallischen Krieg aufgestellt wurde.
Heute befindet sich zum Schutz über der Quelle, die von den Römern Fons Romanus genannt wurde, eine 1989 errichtete kleine Glaspyramide, die vom serbischen Architekten Mihailo Mitrovica entworfen wurde. Von zwei Seiten ist die Quelle über Treppen, die unter der Geländeoberfläche hindurchführen, zu erreichen. Noch vor den Römern lebten in dieser Region die Skordisker, ein Volksstamm, der hauptsächlich auf dem Gebiet Serbiens lebte. Ob sie ebenfalls die Quellen nutzten, ist bisher nicht bekannt.
Vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert Der medizinische Nutzen des hiesigen Wassers soll auch während des Serbischen und des Osmanischen Reiches bekannt gewesen sein. Um die Nutzung der Quellen durch die osmanischen Besatzer zu verhindern, soll die lokale Bevölkerung die Quellen verschüttet haben. In der Tat sind die Quellen in osmanischen Schriften kaum erwähnt. Nach der Befreiung Serbiens aufgrund der serbischen Aufstände im 19. Jahrhundert und der schrittweisen Festigung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse entwickelte sich ein steigendes Interesse an der Nutzung der Quellen. Einer Überlieferung zufolge wurde die heilende Wirkung des Wassers dank des kranken Pferdes des serbisch-orthodoxen Priesters Jeftimi Hadži-Popović aus Vrnjci wiederentdeckt.
mini|Die Villa Aleksandar
Auf Geheiß des serbischen Fürsten Miloš Obrenović reiste der deutsche Geo- und Mineraloge August von Herder ins Königreich Serbien, der die natürlichen Ressourcen Serbiens erforschen sollte. Er erklärte, dass die Quellen von Vrnjci von hoher Qualität seien und verglich sie mit den berühmten Quellen von Karlsbad in Tschechien. Zuvor nutzte die lokale Bevölkerung bereits die Quellen. Am 1. Juni 1868 wurde der „Stifterverband des heißen Heilmineralwassers von Vrnjici“ aufgrund der Initiative von Pavle Mutavdžić und weiteren Bürgern aus dem Raum Kruševac, Karavnovca und Trstenik gegründet. Im darauf folgenden Jahr fand die erste offizielle Kursaison mit befestigten Warmwasserquellen, Bädern, Kurärzten und einer großen Zahl an Besuchern statt. Spätestens seit der Errichtung der Villa des serbischen Generals Jovan Belimarković, die spätere Residenz von König Aleksandar Obrenović und somit heute bekannt als Villa Aleksandar, gewann Vrnjačka Banja besonders an Bedeutung und entwickelte sich zu einer modernen Stadt.
mini|125px|Flagge des Ortes
Zu Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden schließlich modernere Kurhotels, Gasthäuser und Unterkünfte gebaut, aber auch Villen, Krankenhäuser und ein Sanatorium sowie viele weitere betreuende Einrichtungen, die zur Entwicklung der Kurorts beitrugen, daneben auch die Verbesserung der Infrastruktur. Seitdem wuchs die Besucherzahl kontinuierlich und Vrnjačka Banja war während der 1930er der meistbesuchte touristische Ort des Königreichs Jugoslawien, zu dem Serbien seit mehreren Jahren gehörte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Land von den Achsenmächten besetzt. Während dieser Periode wurde die Quelle, auf der sich heute die Glaspyramide befindet, von einer Betonplatte überdeckt, um sie somit fern von der Öffentlichkeit zu halten. Erst 1989 wurde diese Quelle wieder ins Leben gerufen. Doch auch nach Ende des Krieges setzte sich die Beliebtheit, die Stadt aufzusuchen, fort und so wurde Vrnjačka Banja einer der bekanntesten Kurorte im ehemaligen Jugoslawien. So besuchten während der 1980er Jahre bis zu 200.000 Touristen jährlich die Stadt mit insgesamt 2 Millionen Übernachtungen pro Saison.
Wirtschaft 1933 registrierte man in der Stadt 133 Handwerks- und Handelsgeschäfte. Besonders während der 1930er florierte die Wirtschaft der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte sich dies anfangs ändern, da der Staat damit begann, überwiegend Patienten zur Behandlung nach Vrnjačka Banja zu schicken. Nach einer kurzen Zeit waren bereits zahlreiche exklusiven Wellnesseinrichtungen nicht mehr in Betrieb. Eine wirtschaftliche Wiedergeburt erlebte Vrnjačka Banja schließlich in den 1950er und 1960er Jahren mit einer stetig zunehmenden Zahl von Besuchern, die während der 1980er mit bis zu 200.000 Touristen jährlich mit insgesamt 2 Millionen Übernachtungen pro Saison ihren Höhepunkt erreichte. Zum wirtschaftlichen Aufschwung hatte der damit verbundenen Bau von neuen und moderneren Einrichtungen ebenfalls beigetragen.
Historisch profitierte Vrnjačka Banja somit vor allem vom Tourismus. Neben der Hotellerie und Gastronomie profitiert heute auch der Einzelhandel. Von großer Bedeutung ist neben dem Tourismus ebenfalls das Baugewerbe. Die Stadt ist heute eines der meistbesuchten Zentren des nationalen und internationalen Gesundheitstourismus. Hauptanziehungspunkte sind neben Thermalbädern und Wellnesszentren auch die Architektur, historische Gebäude, Museen, Festivals, das Nachtleben sowie verschiedene Veranstaltungen, die jährlich zahlreiche Besucher zählen.
Freizeit und Tourismus Thermalbäder und Wellness Die Vrnjačka Banja ist einer der meistbesuchten Kurorte in Serbien und war einer der bekanntesten im ehemaligen Jugoslawien. Noch heute strömen daher zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland zur Erholung in die Stadt. Die Vermarktung der Mineralquellen von Vrnjačka Banja begann 1970. In Glasflaschen abgefüllt eroberte das Mineralwasser Vrnjci schnell den Markt und machte seinen Herkunftsort bekannter. Es gibt sieben Quellen im Ort, von denen vier anerkannte Heilquellen sind und von der Medizin für Hydrotherapien genutzt werden. Die Topla-Voda-Quelle hat eine Temperatur von 36,5 °C und wird hauptsächlich zum Trinken und Baden verwendet. Die kalten Mineralquellen Snežnik (17 °C), Jezero (27 °C) und Slatina (14 °C) gehören zu der Gruppe der alkalischen Quellen.
Behandlungen werden in der Fach- und Rehabilitationsklinik Merkur durchgeführt, welche über moderne medizinische Einrichtungen zur Diagnose, Prävention und Behandlung sowie über entsprechende Fachärzte verfügt. Die Patientenverpflegung entspricht modernen Ernährungsgrundsätzen und bietet auch die Möglichkeit zu individuellen Ernährungsprogrammen. Der Kurort verfügt über eine Kapazität von über 15.000 Betten, davon etwa 4500 in Hotels und Wohnanlagen, 850 Betten im Gesundheitszentrum und etwa 10.000 in privaten Häusern. Mit 800 Betten ist die Hotelorganisation Fontana das größte, das unter anderem die bekannteren Hotels bzw. Gästehäuser Fontana (Das Fontana), Zvezda (Der Stern), Sloboda (Die Freiheit), Vila San (Villa Traum) und Beli Izvor (Die weiße Quelle) beinhaltet. Die Hotels verfügen über Schwimmbäder, Konferenzräume und Sporteinrichtungen.
Nachtleben Die Stadt bietet ein vielfältiges Nachtleben. Besonders die Promenade bietet zahlreiche Cafés, Restaurants und Imbisslokale, mit Gerichten der serbischen Küche, sowie Pizzerien und einige Nachtclubs.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Mesta za izlazak (serbisch) Vor allem während der Sommermonate wird das breite Angebot zudem mit diversen Veranstaltungen und Festivals unter freiem Himmel ergänzt. Neben Konzerten von hauptsächlich nationalen Stars finden regelmäßig zahlreiche regionale Anlässe statt.
Musikveranstaltungen, Konzerte In der Stadt finden regelmäßig Konzerte und Musikveranstaltungen unterschiedlicher und überwiegend nationaler Musikrichtungen statt, darunter Folklore, die serbische Brass-Musik, Turbo-Folk, aber auch Rockmusik oder klassische Musik.Offizielle Internetpräsenz von Vrnjačka Banja: Koncerti i festivali (serbisch) Viele Musikgrößen, vor allem aus der regionalen Szene, gaben bereits Konzerte in Vrnjačka Banja, darunter Zdravko Čolić, Željko Samardžić und Svetlana Ražnatović, sowie die Gruppen Riblja čorba und Van Goh.
Seit 2007 findet mit dem Lovefest eines der größten Open-Air-Festivals Serbiens statt. Der Schwerpunkt liegt auf elektronischer Musik nationaler und internationaler DJs.Lovefest bei serbiaincoming.rs
Karneval von Vrnjačka Banja