mini|hochkant|Franz Kornemann arbeitet am Entwurfskarton für das Sgraffito der Muse der Dichtung und Geschichte, Atelier des Künstlers in Brilon Franz Kornemann (* 24. Februar 1896 in Brilon; † 25. Februar 1969) war ein deutscher Kunst- und Glasmaler, der insbesondere durch seine sakralen Glasfenster und Wandmosaike bekannt wurde. Seine Werke, die oft religiöse und regionale Themen behandeln, sind vor allem in Kirchen und öffentlichen Gebäuden in seiner Heimatregion Sauerland zu finden.
Leben
Kindheit und Ausbildung Franz Kornemann wurde im Februar 1896 in Brilon geboren. Sein Vater Heinrich arbeitete als Anstreicher, seine Mutter Maria, war eine geborene Hillebrand. Nach dem Besuch der Briloner Volksschule – dem heutigen Gebäude der Altentagesstätte der Propsteigemeinde St. Petrus und Andreas – absolvierte Kornemann eine Lehre als Dekorationsmaler in Münster.
Erster Weltkrieg Kornemann nahm ab 1915 am Ersten Weltkrieg teil. Zunächst wurde er in Rumänien verwundet, später erlitt er in der Schlacht um Verdun schwere Verletzungen. Infolge dieser Verwundungen musste ihm ein Oberschenkel amputiert werden. Nach seiner Rückkehr lebte er wieder im Elternhaus in Brilon.
Fortbildung und Studium Ab 1919 besuchte Franz Kornemann zweieinhalb Jahre die Kunstgewerbeschule in Dortmund (heute Fachbereich Architektur und Design der Hochschule Dortmund) und arbeitete anschließend mit seinem Lehrer, dem Kunstprofessors Wilhelm Jöker, zusammen.
1923 nahm er ein Studium an der Kunsthochschule Kassel auf und wechselte später an die Kunstakademie Düsseldorf wo er unter anderem bei Jan Thorn Prikker, einem führenden Glasmaler der klassischen Moderne, studierte. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau und künstlerische Weggefährtin Margarete Liebau kennen. Nach dem Abschluss der Meisterklasse von Professor Heinrich Campendonk machte sich Kornemann 1929 als freier Künstler selbstständig.
Selbständigkeit, Familie, Zweiter Weltkrieg 1931 schufen Franz Kornemann und Margarete Liebau gemeinsam sechs monumentale Chorfenster (je ca. 7 m × 2 m) für den Chorraum der St. Nikolaikirche in Eisleben.Das Quedlinburger Kreisblatt schrieb dazu: „Der im 35. Lebensjahr stehende Künstler (…) reicht mit diesem Werke etwas Monumentales, das ihn berechtigen wird, weitere große Aufgaben zu lösen. Wie die Komposition im ganzen und im Einzelnen vollendet ist, wie die konstruktiven Gedanken der Einheit, Ruhe und Geschlossenheit, doch auch Rhythmus und quellendes Leben verliehen haben, so ist auch die Erfüllung der Fläche intuitiv gemeistert.“ Ausstellung Neuzeitlicher Kirchenfenster. Sakrale Kunst – Vom Schaffen Franz Kornemanns. 58. Jahrgang Auflage. Klöppel (Deutschland), Quedlinburg 17. September 1931. Das übergeordnete Thema war die Schöpfung, wobei jedes Fenster in einer eigenen Farbstimmung gestaltet wurde: Das Schöpfungsfenster in mystischem Blau, das Prophetenfenster in Grau-Braun, das Heilsfenster in Grün, das Leidensfenster in Violett, das Siegesfenster in Rot-Orange und das Liebesfenster in leuchtendem Rot. Letzteres wurde vom Frauenverein gestiftet und zeigt ausschließlich Frauen in Akten der Nächstenliebe.
Mit diesem Auftrag wurde der damals 35-jährige Kornemann zu einer führenden Persönlichkeit auf dem Gebiet der kirchlichen Glasmalerei. Zwischen 1935 und 1945 stellte er überwiegend Landschaftsbilder in Städten wie Brilon, Essen, Münster, Düsseldorf und Arnsberg aus.
1938 heirateten Franz Kornemann und Margarete Liebau, ein Jahr später wurde ihr Sohn Till geboren. Das Künstlerpaar lebte und arbeitete in Düsseldorf, bis ihre Wohnung und Atelier 1942 durch Bombenangriffe zerstört wurden. Daraufhin zogen sie nach Brilon, in Kornemanns Heimatstadt.
Am 10. Januar 1945 fielen 266 Bomben auf die Stadt Brilon. Kornemann beobachtete den Angriff von seinem Atelier aus und hielt die Szene in einem Gemälde fest, das heute im Feuerwehrgerätehaus Brilon hängt.
Zwischen 1949 und 1952 errichtete Kornemann ein eigenes Wohnhaus mit Atelier in Brilon und war dort als freischaffender Kunst- und Glasmaler tätig. Er entwarf Glasfenster für Kirchen und das Briloner Rathaus, schuf Sgraffiti und Mosaike für öffentliche und private Gebäude sowie zahlreiche Aquarelle und Ölgemälde. Viele seiner Werke aus dieser Zeit zeigen Motive aus dem Sauerland, seiner Heimatregion.
Franz Kornemann starb am 25. Februar 1969 im Alter von 74 Jahren in Brilon.
Ausstellungen (Auswahl)
1931: Ausstellung neuzeitlicher Kirchenfenster, Glaswerkstätten Müller, Quedlinburg ca. 1935: Ausstellung von Landschaftsaquarellen des Sauerlandes im Rathaussaal, Rathaus Brilon 1936: Westfront 1936. Freie Kunst im neuen Staat, Essen, (Gruppenausstellung) 1937: Westfalens Beitrag zur Deutschen Kunst der Gegenwart, Haus Rothenburg Münster (Gruppenausstellung) 1937: Große Kunstausstellung Düsseldorf 1937 – Nordwestdeutsche Kunst, Kunsthalle Düsseldorf (Gruppenausstellung) 1939: Herbstausstellung Düsseldorfer Künstler, Kunsthalle Düsseldorf (Gruppenausstellung) 1940: Herbstausstellung Düsseldorfer Künstler 1940, Kunsthalle Düsseldorf (Gruppenausstellung) 1945: Große Kunstausstellung der Künstler des Regierungsbezirks Arnsberg, Räume der Regierung Arnsberg (Gruppenausstellung) 1952: Ausstellung von Franz Kornemann und Margarethe Liebau-Kornemann, Meschede 1970: Gedächtnisausstellung zu Franz Kornemann/Brilon und Hermann Springborn/Oeventrop, Sauerland-Museum Arnsberg 1996: Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag von Franz Kornemann, Stadtmuseum Brilon 2021: Digitale Ausstellung zum Bombenangriff auf Brilon am 10. Januar 1945, Museum Haus Hövener mini|362x362px|"Christi Geburt", Glasfenster von Franz Kornemann (1950), in der Kapelle St. Maria am Hagen, Brilon-Bontkirchen
Werke (Auswahl) mini|"Schnadebruder und Stadtdirektor Heinrich Schieferecke", Glasfenster von Franz Kornemann, Bürgersaal, Rathaus Brilon
Buntglasfenster St. Nicolaikirche in Eisleben, 1931 "Liebes-, Propheten-, Schöpfungs-, Heils-, Leiden- und Siegesfenster"; ca. 7 m × 2 m. In Zusammenarbeit mit Margarete Liebau – wichtigstes gemeinsames kirchliches Glaskunstwerk. In den 1970er Jahren wurden die Fenster durch Vandalismus zerstört. Ehemalige Drogerie Neck, Steinweg 16, Brilon, ca. 1932 Kapelle "Maria am Hagen" bei Bontkirchen, 1950 Verkündigung, Heimsuchung, Christi Geburt, Darbringung im Tempel, Anbetung der Heiligen Drei Könige, Flucht nach Ägypten, Wiederfindung Jesu im Tempel, Die Heilige Familie750 Jahre Stadt Brilon, Hrsg. Stadt Brilon, 1970, Seiten 280 und 281 Katholische Kirche St.-Urbanus in Voßwinkel, 1952-1960 "Drei Frauen am Grabe" (1952), Mose schlägt Wasser aus dem Felsen (1955), Taufe Jesu im Jordan (1955), Mose empfängt die Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai (1958–59), Die Bergpredigt (1958–59), Sonnengesang des hl. Franz von Assisi (1960) Rathaus Brilon Bürgersaal: "Leben der alten Hansestadt", ca. 1955 Arbeiter im Bergbau, Die Ackerbürgerschaft, Forstwirtschaft und Holzkohle, Schnadebruder mit Rufhorn und Stadtdirektor Heinrich Schieferecke, Till Eulenspiegel und Kaufmann, Trauzimmer, 1958: "St. Petus, Brilon's Schutzheiliger und St. Engelbert, Brilon's Stadtgründer" Friedhofskapelle, Brilon Wülfte, ca. 1955: "Die Auferweckung des Lazarus" Evangelische Kirche Neuenheerse, Bad Driburg Privathaus von Kapitän Müllmann: "God is myn Leydsman" Entwurf "Jesus und die Jünger von Emmaus", für die Elisabeth-Kirche in Marburg Sgraffiti Sgraffitofries an der Wand der offenen Terrasse für die „Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (GeSoLei), 1926 "Erzengel Michael", Friedhofskapelle Wülfte, ca. 1955 "Die Drei Musen" und "Adolf Kolping mit jungem Handwerker", Kolpinghaus, Brilon, ca. 1962–64 "Maria auf der Flucht nach Ägypten", Döselsberg 9, Brilon, 1960 (vereinfacht restauriert) mini|Sgraffito "Erzengel Michael" von Franz Kornemann, Friedhofskapelle Wülfte"Rübezahl" , Rübezahlweg 18, Brilon/Gudenhagen, 1962 "St. Engelberg", ehemaliges Altersheim, Brilon (nicht mehr vorhanden) "St. Florian", Feuerwehrgerätehaus, Brilon (nicht mehr vorhanden) "Die Trauernde", Gedenkstätte an der Winterschule (Berufsschule für den bäuerlichen Nachwuchs, nicht mehr vorhanden)
Mosaike mini|"Mutter mit Kind", Wandmosaik von Franz Kornemann (ca. 1956), Fachklinik Brilon Wald"Mutter und Kind", Fachklinik Hohenheimberg, Brilon Wald, ca. 1956 "Ecce homo" "Grenzsteine", Kreis Brilon Grabstein, alter Friedhof, Brilon
Fresko "Im Steinbruch" in der Berufsschule Brilon
Ölgemälde
"Zur dankbaren Erinnerung an den 29.03.1945", 1945, Museum Haus Hövener
"10. Januar 1945, Bombenangriff auf Brilon", 1945, Briloner Feuerwehr "780 jährige Eiche im Alter Wald" "Bilstein bei Brilon" "Im Drübel bei Brilon" "Einsame Tanne"
Aquarelle "Die jungen Tannen", ca. 1934 "Stadtansicht von Brilon", ca. 1934 "Blick ins Angelner Land" "Wanderdüne auf Sylt" "Vorfrühling bei Alme" "Morgen bei Alme" "In der Helle bei Brilon" "Auf dem Borberg" "Blick auf Oldsberg-Bigge" "Paulus"
Grafik "Alter Mann", Kaltnadelradierung "Turm der Propsteikirche Brilon", Zeichnung
Weblinks
Werke von Franz Kornemann auf der Seite der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts Panorama des Innenraumes der St.-Urbanus Kirche in Voßwinkel Digitalausstellung - Brilon 10. Januar 1945 – Briloner Heimatbund und Museum Haus Hövener Werk von Franz Kornemann im Stadtarchiv Düsseldorf Glasfenster von Franz Kornemann für die Drogerie Neck, 1932 – Archivlink über die Wayback Machine
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Düsseldorf) Kategorie:Glasmaler (Deutschland) Kategorie:Künstler (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Restaurator Kategorie:Porträtmaler Kategorie:Aquarellist Kategorie:Person (Brilon) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann